Fundstück – 26.2.2017 – Prof. Rainer Mausfeld/C. W. Mills/H-J. Krysmanski

„Der öffentliche Diskurs, der zur Demokratie gehört, ist mittlerweile ersetzt worden durch eine skrupellose psychologische Kriegsführung“.

(Das habe C. W. Mills schon in den 60-er Jahren festgestellt.)

Prof. Rainer Mausfeld im folgenden, wirklich augenöffnenden Vortrag bei 21’20“:

Minute 37:mausfeld-minute-37

Minute 60, „benevolentes Imperium„:mausfeld-minute-60

Minute 64, „ubiquitär„:mausfeld-minute-64

1:15:00 Die „NGO-isierung des Widerstandes“ (Quelle: A. Roy):mausfeld-minute-75

ab Minute 79, „repräsentative Demokratie“:mausfekd-minute-79

mausfeld-minute-81

Ab Minute 92 – Neoliberalismus in seiner Strukturähnlichkeit mit dem Faschismus und seiner Feindschaft gegen die Aufklärung.

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Eine Antwort zu Fundstück – 26.2.2017 – Prof. Rainer Mausfeld/C. W. Mills/H-J. Krysmanski

  1. Lutz Lippke schreibt:

    Ich habe mir den ganzen Vortrag nun angeschaut. Man braucht zwar Geduld, Mausfeld geht systematisch und fast lückenlos vor. Ein lehrreiches Meisterwerk inhaltlicher Aufklärung und der dafür notwendigen Methodik. Das übergreifende Thema des Vortrags ist die Gegenaufklärung der Eliten. Die Gegenaufklärung der Eliten soll die Errungenschaften der Aufklärung unsichtbar machen. Fakten und Denkmöglichkeiten werden durch Ablenkung und Surrogate wie die repräsentative Demokratie aus dem Wahrnehmungsbereich des Volkes entfernt.

    Ergänzend zu den Zitaten oben im Beitrag, haben mich einige Aussagen im Vortrag sehr angeregt. So ab 40:40: Psychologie des Wortglauben, herrschende Ideologie wird über Begriffe transportiert, Falschwörter organisieren (unmerklich) das Denken. Dem kann man sich psychologisch kaum entziehen. Prof. Mausfeld stellt fest, dass dies in der Zeit der Aufklärung stark reflektiert wurde.

    Meine Anmerkung: Zum Vergleich heute: emanzipatorische Wissenschaften, quantitative Studien und „Meinungsforschung“ beherrschen Begriffswelten und den wissenschaftlichen Zeitgeist. Wenig denken, viel Agieren und interessengeleitetes, induktives Deuten, ideal für Manipulationen. Die Überzeugungskraft dieser Gegenaufklärung fußt allein auf Materialmasse und homogene Darstellungsweise, nicht auf tatsächlich kritischer Analyse, die zur Frage von Vergleichbarkeit und Allgemeingültigkeit vor allem nach Widersprüchen in den Modellen, Schemata und Daten sucht.

    Qualitative Studien, strukturelle Analysen, echte Deduktion und Modellbildung sind heute ziemlich out. Wie das aber überzeugend geht, zeigt Prof. Mausfeld u.a. auch ab 1:33:30 zur starken Strukturähnlichkeit von Neoliberalismus und Faschismus. Mit dem Austausch der Begriffe „Volk“ und „Markt“ gegeneinander ergibt die gleichbleibende Struktur entweder Neoliberalismus oder Faschismus.

    Bei diesem Prinzip setzt meine schon des Öfteren erhoffte Wiederbelebung der Errungenschaften von Abstraktion und Formalisierung an. Denn formale Logik und mathematische Regeln sind doch gerade wesentliche Mittel, um Wortglauben und seinen verfälschenden Wirkungen methodisch wirksam zu begegnen und Vergleichbarkeit, Modelle und Regeln als allgemeingültig oder eben spezifisch zu erkennen.

    Bei 1:34:45 weist Prof. Mausfeld uns nachdrücklich darauf hin, worum es im Humanismus tatsächlich geht. Nämlich um Gleichwertigkeit, nicht um Gleichheit! Die Linke muss sich mit dem gravierenden Unterschied dieser Begriffe und der Sinnfüllung intensiv befassen.
    Die Eliten wollen das natürlich nicht. Prof. Mausfeld: Sie betreiben die Verrechtlichung der organisierten Kriminalität!
    Meine Anmerkung dazu: Die analytische Durchdringung des Rechts und seiner praktischen Anwendung müssen sich alle Demokraten zu einer wesentlichen Kernkompetenz machen. Ohne gleiches Recht, keine Demokratie gleichwertiger Bürger.

    Schlusssatz von Prof. Mausfeld: Die notwendige Veränderungsenergie kann nur von Unten kommen und ist in unserer Verantwortung.

    Was bedeutet das tatsächlich?
    Prof. Mausfeld zeigt im Vortrag die elitäre Methodik des Negativen (die Gegenaufklärung -A).
    Wir wollen aber das Positive (Aufklärung A).
    In der Logik wäre z.B. die Negation des Negativen das Positive – (- A) = A.
    Auch mathematisch ist das Produkt (-A) x (-1) = A.
    Aber was heißt das nun real? Etwa die negativen Methoden mit negativen Methoden ins Positive wenden? Das schlägt aber schon formal fehl, denn – A und – A = – A und (-A) x 2 = (-2A). Schon deswegen macht formale Logik und Mathe auch hier Sinn.
    Die formale Regel: -(-A) = (-A) x (-1) = A bedeutet praktisch, dass die negativen Methoden durch deren Ausschluss, Unterbinden und alternativer Methoden negiert werden müssen.
    Was sind diese alternativen Methoden? Beispielsweise qualitative Studien, strukturelle Analysen, echte Deduktion. Fakten und Denkmöglichkeiten sichtbar machen (siehe auch Vortrag von Prof. Mausfeld). Partizipative Elemente der Bürgerbeteiligung in alle Bereiche bringen. Dazu einige spontane Ideen als allgemeine Anregung:
    – alternative Lohnabrechnung für Beschäftigte von Unternehmen z.B. durch Betriebsräte, Gewerkschaften oder private Initiativen.
    – alternative BIP-Verteilung und Steuerermittlung
    – alternativer Themenwahlkampf für alle Nichtwähler mit Themenwahl am Wahltag
    – alternative Gesetzgebung und Rechtsprechung
    – alternative Arbeit in der Kommune und den Parlamenten
    – alternative Haushaltspläne
    – Wiederentdecken und Entwickeln von qualitativen Methoden und Standards der Aufklärung
    – unabhängige Bildungskreise, Kommunikationsstrukturen, gegenseitige Hilfe z.B. bei Behördenpost etc.

    Wenn es eine Möglichkeit gibt, Krieg zu verhindern und eine gerechtere Gesellschaft zu „wählen“, dann doch nur dadurch, das die Alternativen ganz konkret und jetzt umgesetzt werden. Wir können das von den Eliten nicht per Wahl einfordern. Wir müssen es selbst tun.

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