Feuerlinien

Als Putin seine Idee einer multipolaren Welt vorstellte, wurden Hoffnungen geweckt. Nicht mehr das Diktat der einen Macht, die borniert genug ist, sich zur exzeptionellen zu erklären! Die Mächte würden ihre wechselseitigen Interessen benennen, abwägen und schrittweise allseits förderliche, von Anerkennung und Achtung geprägte  Kooperationsbeziehungen aufbauen.

Seitdem ist etwa ein Jahrzehnt vergangen. Die Erosion der Macht des atlantischen Imperialismus mit dem Kern USA vollzieht sich vor unseren Augen, und zugleich haben sich mehrere Pole in der Welt herausgebildet und festigen sich.

Es scheint, dass wir uns in der Epoche des Übergangs zu einer multipolaren Welt verschiedener Ausprägungen der kapitalistischen Produktionsweise befinden. Dass diese Epoche durch volle Geltung des Völkerrechts, durch mehr Humanität und umfassend verwirklichte Menschenrechte charakterisiert wird, hoffe ich; mit wenig Glauben.

Der „westliche“ Imperialismus erscheint mir weiterhin stark genug, auch in den neuartigen multipolaren Kräftebeziehungen ein Höchstmaß an Unterdrückung und Ausbeutung zu behaupten und zugleich sehe ich keine ausreichende Sicherheit, dass „neue Mächte“, wie Russland und China (die kapitalistische sind), niemals imperialistische Ambitionen entwickeln könnten.*

Vielleicht wird die genannte Epoche diejenige sein, die den modernen Krieg aller gegen alle führbar macht. Kündigen nicht diese Meldung oder diese solche großen Feuerlinien der Zukunft an?

Mit Sicherheit könnte das nur dadurch verhindert werden, dass die soziale Revolution wieder auf die Tagesordnung gesetzt wird. Doch dieser Gedanke schreckt mehr als das Weihwasser den Teufel. „Revolution ist das Allerschlimmste“, haben Massen von Menschen verinnerlicht. Dafür würden sie niemals eine Hand rühren. „Unser Realsozialismus war doch, trotz allem, eine historische Errungenschaft“, sagen die Anderen. „Nie lassen wir uns die Erinnerung an unseren Roh-Sozialismus beschmutzen“ -und so bleiben auch ihre Köpfe verschlossen und ihre Hände gefesselt, ohne die es keine neue Revolution geben kann.

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*Wie ich höre, haben kluge Menschen untersucht, wie insgeheim mächtig sozialistisch China doch sei. Dort einfach von Kapitalismus zu reden, sei abwegig. Ich freue mich schon darauf, diese Materialien kennen zu lernen. Ungeachtet dessen, stelle ich mir vor, wie ebenfalls hilfreich die andere Untersuchung wäre, diejenige, die aufdeckt, wie himmelweit vom Sozialismus entfernt China ist.

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Das gute Gefühl des Gärtners

Mehr als 100 verschiedene Pflanzen habe ich in den letzten Tagen ihrem Lebensraum anvertraut. Tomaten, Gurken, Kürbis, Zucchini, Physalis, diverse Kohlarten, Stangenbohnen, Kartoffeln, sogar Topinambur. (Mrs. Tapirs Revier sind die Blumen.)  Dabei war etwas von – nein, nicht Gottesdienst aber etwas von einem „Dienst am Leben“. Befreundete Gärtnerinnen sagten, sie hätten in diesem Jahr schon die dritte Pflanzung vorgenommen. Das ist mir nicht passiert. „Entschleunigt“ habe ich keinen Termindruck. Warum sollte ich papiernen Pflanzempfehlungen folgen, wenn das Thermometer penetrant bei Nachttemperaturen von 1°C verharrt?

Pflanzen heißt nicht irgendwelche Gewächse in die Erde stopfen.

Die Beete sind, wo nötig (Vieles pflanze ich in große Töpfe.) vom Kartoffelanbau des Vorjahres gar. Kompost wird aufbereitet. Die Jungpflanzen durften noch einmal reichlich Wasser ziehen. Vorbereitete Pflanzlöcher. Hornspäne, Holzasche ins Umfeld eingearbeitet, Urgesteinsmehl dazu. Pflanzung in der Tiefe oder Höhe, wie die jeweilige Art es liebt. Ritual des Angießens (natürlich ist das Wasser temperiert). Schneckenkorn nicht vergessen. Mulchschicht. Dieses Jahr habe ich erstmals Gemüsefließ über Kohl und Kartoffeln ausgebreitet.

Jetzt, zwei Tage später, sehe ich, wie die Tomaten „durchstarten“. Könnte sein, dass ich wieder ein wenig überdüngt habe. Die ersten Geiztriebe muss ich aus den Blattachseln entfernen.

Sind alles nur kleine Pflänzchen. Doch sie spüren meine sorgende Hand. Und sie danken es mir. Ich habe Leben verstanden und kriege das bestätigt. Das wiegt viel. Und Vieles auf.

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Frage

Ist es möglich, aus unbekannten Gesichtern das Inferiore, eigentlich das Entsetzliche herauszulesen?

Begegnen uns Reptilien-Antlitze? Also: „Mir graut’s vor dir.“

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Trump

Wir erleben das erbitterte Ringen um die Entscheidung, ob die Strategie der „NWO“, also des Weltdiktats des US-amerikanischen Imperialismus (+ engste imperialistische Verbündete) oder ob die Strategie der „Multipolaren Weltordnung“, die vor allem von China und Russland vorangetrieben wird, die Zukunft der Welt bestimmt.

„Eigentlich“, „im Prinzip“, ist diese Entscheidung bereits gefallen. Aber sie ist noch nicht zur unangefochtenen Tatsache geworden.

Kernzone des Kampfes sind die USA. Den Kampf zu entscheiden, verlangt eine Art Revolution. Trumps Funktion ist es, diese historische Aufgabe, die „Revolution von oben“, durchzuführen. Es wird alles getan, um ihn zu vernichten.

Die Hauptkräfte des deutschen Imperialismus sind mit dem extrem reaktionären Flügel des USA-Imperialismus (dem USA-Allmachts-Flügel, der nichts anderes ist als eine zeitgemäße, poppige-antifa-Form des Faschismus) fest verbündet. Bei alldem hat der deutsche Imperialismus seine sogenannte deutsche Zivilgesellschaft (zu der viel linker Restmüll gehört) voll und ganz im Griff.

(Ergänzend mag mensch gern diesen Beitrag lesen.)

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Guten Appetit!

Anscheinend speisen sie genau das Gleiche. Oder gab es nur Einheitsessen? (Quelle)

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Doppel-Fundstück – 16.5.2017 – zynisch aber wahr

„Der Krieg NATO-Europa gegen Russland wird nicht mal mehr ein Krieg sein, sondern ein Zusammenschlagen dummer Völker und ihrer Pseudoeliten (die Rechte von Homosexuellen in der Tschetschenischen Republik interessieren sie also!) durch Russland, von welchem Europa schon so oft auf die Fresse bekam, dass sogar wir schon aufgehört haben, mitzuzählen.“

(Quelle)

„Nicht mal die bisherige „failed state“-Taktik durch kriegerisch-terroristische Söldner- Destabilisierung klappt mehr:
Es spricht alles dafür, dass die US-Führung das – spätestens seit dem 7. April – verstanden hat. Ob diese es mit ihren 59 Tomahawks am 7. April in Syrien selbst wissen wollte oder schlicht dem im tiefen Staat vorführen wollte, was Sache ist, steht dahin.“

(Quelle)

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Gehört freies Denken zu dem Einfachen, das schwer zu machen ist?

Gedanken über die Berliner „Freidenker im Gespräch“

Es gab Zeiten, zu denen ich Brechts „Lob des Kommunismus“ mit Inbrunst deklamiert habe – weil die großen Wahrheiten so unprätentiös daherkamen. Auch Ernst Busch hat das kleine Gedicht sympathisch unpathetisch vorgetragen, wie man sich noch heute überzeugen kann. Die berühmte Schlusszeile schließlich erwies sich als hervorragende Allzweckwaffe im ideologischen Streit: Es gab kein Problem, das geleugnet wurde, und es gab kein Problem, das aufgedeckt werden musste.

Es war wohl nicht darauf angelegt, aber so lernte man Debattier-Taschenspielertricks – und hat es lange Zeit nicht einmal gemerkt. Geschrieben ist das Gedicht vor 1932, entsprechend zurückhaltend mag die Kritik am Dichter sein. Zu der Zeit hatte sich Vieles noch nicht ereignet, was längst den Status einer verdrängten Vergangenheit und einer verdrängten Vorvergangenheit angenommen hatte; damals in meinen jungen Jahren, den 60-ern des vorigen Jahrhunderts.

„Frei-Denken“ ist ein großes Wort, das Ansprüche einschließt.

Einfach loslegen!? Hemmungen beiseite werfen! Der Phantasie, der freien, der Spekulation, der kühnen, die Zügel schießen lassen? Ein „kreatives Start up des Denkens“ sozusagen? Hauptsache überraschend, Hauptsache bunt, Hauptsache schnell? Ich sage dazu: „drauflos Schwadronieren“, doch ein Gebildeter klärt mich auf, dass so etwas wie objektive Wahrheit von gestern sei. Modern sei Konstruktion und Dekonstruktion. Und so senden sie über adressreiche Mailinglisten täglich Botschaften – die ein Unhöflicher schon mal als „heillose Buchstabenaneinanderreihungen“ bezeichnete.

Nein, voraussetzungslos ist freies Denken gewiss nicht.

So sagen wir und stehen vor der nächsten Falle. Was 1920 gedacht wurde, gehört zu den Voraussetzungen. Was 1930 gedacht wurde ebenfalls. 1940 ebenfalls, 1950 ebenfalls, 1960 ebenfalls. Marx, Lenin, Stalin, Carl Schmitt, Hannah Arendt, Axel Springer, mein Onkel Arthur – was wären keine Voraussetzungen?

Freies Denken braucht die Anstrengung des Begriffs und die in wenigstens zwei Richtungen:

Es stützt sich zum Ersten auf die bewährte Theorie. Unsere ist eine des realen Humanismus, dialektisch und materialistisch. Die über viele Jahrzehnte, ja über Jahrhunderte, entwickelte Theorie in ihrer ganzen Ausdehnung und Tiefe und Praxiswirkung wird bewahrt und aufgehoben. Nichts wird ohne Prüfung relativiert oder gar verworfen.

Zugleich aber zum Zweiten wird nichts Überkommenes von der Prüfung verschont. Das „lebendige Leben“, wie Lenin gern sagte, ist und bleibt der größte Lehrer unseres Denkens. Es gibt uns die Anstöße, auch mit unserer Theorie kritisch und wenn nötig, revolutionär umzugehen. Denn die Beschwörung toter Buchstaben führt genauso in die Irre, wie der Kniefall vor dem neuesten Schrei des Marktes.

Ja, gerade heute verlangen diese beiden Anforderungen Enormes. Doch einfacher ist freies Denken nicht zu haben.

Der viele Jahrzehnte währende Weg des Realsozialismus – gemessen an der Geschichte ein Wimpernschlag, gemessen an der Biografie manches Menschen das Ein und Alles – hatte Erfolge aufzuweisen und hat gründliche Zerstörungen angerichtet.

Wohlan freies Denken, begib Dich auf den argen Weg! Du musst durch die Hölle der Erkenntnis, wie es der große Florentiner, den Marx bewunderte, Emigranten beide, beschrieben hat.

 

Und vergiss niemals: „Die Wurzel für den Menschen ist aber der Mensch selbst“  (Marx/Engels, Werke, Band 1, S. 385). Oder muss auch dieser Satz geprüft werden? Muss er heute anders verstanden werden? Gibt es gar dieses „lebendige Leben“, von dem Lenin sprach, nicht mehr?

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