Die Deutschen und drei Kriege

Genau genommen müsste ich von der deutschen Herrschaftsbande sprechen (von denjenigen, die sich „Elite“ nennen), denn Michel Mustermann hat natürlich nichts zu melden. Ich sage trotzdem summarisch „Deutsche“, weil die Michelmasse immer wieder ihren ganzen Ehrgeiz darein setzte und setzt, der Herrschaftsbande zu folgen.

Geradezu legendär ist die Kriegsbegeisterung der Deutschen im August 1914. Noch 40 Jahre später erzählte mir Frl. Schü., meine Klavierlehrerin, mit leuchtenden Augen, wie die Frauen am Straßenrand die ausrückenden Soldaten mit Blumen überschütteten. Grob geschätzt: 90% des Volkes im Wettlauf zum „Platz an der Sonne“. Nach vier Jahren war der Spuk vorbei. Hatte man gelernt?? Naja, „im Felde unbesiegt“ schlug man lieber die Revolutionäre tot.

Die Kriegsbegeisterung war 1939 vielleicht geringfügig weniger riesig. Aber es lief ja so glänzend. 1941 war man wieder bei 80%, 90% Jubeldeutschen. An Russlands Reichtümern würde „das Volk ohne Raum“ sich gesundstoßen. Nach vier Jahren war wieder Schluss. Bis zum Ende hatte man alles gegeben! Und dafür die Zwangsbefreiung! Ungerechtes Schicksal. Hatte man gelernt?? Naja, dass „die Hand abfallen solle“, die wieder eine Waffe anfasst …, zehn Jahre später wieder in Reih und Glied, jetzt für „die Freiheit“. Und die Kommunisten ins Gefängnis. Zustimmung 80%. Oder 90%?

Heute drängeln sie wieder zum Krieg. Zustimmung im Moment vielleicht nur 60%, nachdem in den Jahren der Corona-Mobilmachung doch schon 80% erreicht waren.
Es gibt einen Unterschied: Diesmal ist man nur Juniorpartner. Die lockende Beute landet nur zum kleinen Teil auf‘ dem eigenen Konto, umso mehr aber die finale Dresche, die zu erwarten ist. Wird das Michels Begeisterung ernsthaft mindern?

Oder geben die Deutschen wieder den verantwortungslosen Haufen Elend?

Veröffentlicht unter Bewußtheit, Blödmaschine, bloggen, Demokratie, Faschismus alt neu, Krieg, Machtmedien, Realkapitalismus, Widerstand | Verschlagwortet mit , | Kommentar hinterlassen

Gegen das Vergessen 2/7

Erzählungen zum Kriegsende 1945 in Oranienburg

von

Mathilda Seithe

*****

Teil 2 – Maria und das Vergessen

Bisher erschienen: Kapitel 1 bis 6

7. Die Beerdigungsgesellschaft

Maria war vor wenigen Stunden begraben worden. Inzwischen zeigte keiner mehr seine Trauer. Und es gab auch niemanden mehr, der nur vorgab, traurig zu sein. Die Menschen erinnerten sich wieder, dass sie selbst noch lebten und vom Leben gefordert waren.

Die Beerdigung hatte gegen Mittag stattgefunden. Jetzt saß Helgas Familie in der Gaststube ‚Zum goldenen Rad‘ zusammen. Das war gleich um die Ecke am Friedhof. Helga hatte einen kleinen Raum für die Familie reservieren lassen, wo sie ungestört sitzen konnten. Sie war eine umsichtige Frau, die nichts vergaß.

Nun hockten alle hier zusammen: Helga und ihr Mann Gerd. Von ihren Kindern war nur die Tochter Beate aus Berlin gekommen, allerdings ohne ihren Ehemann. Der war dienstlich verhindert. Die beiden Söhne von Gerd und Helga hatten sich entschuldigt. Sie mochten Oma Maria nicht so sehr und hielten sich ohnehin immer gerne aus Familienangelegenheiten raus. Aber Kathi, die hübsche 10jährige Tochter von Beate und der 12jährige Swen waren dabei. Man genoss den starken Kaffee, der die Lebensgeister weckte, und verspeiste Kuchen und Gebäck. Für die Kinder gab es Limo. Swen, der Ältere ergatterte eine Cola. Keiner achtete darauf. Alle schienen froh, dass nun das Begräbnis hinter ihnen lag und man sich unter Lebenden wieder dem Alltag zuwenden konnte.
Dennoch, worüber sie auch sprachen, die Verstorbene war doch noch irgendwie unter ihnen.
„Sie war ja am Schluss wirklich schon ein bisschen komisch, die gute Maria“, seufzte Helga. „Es war nicht ganz einfach mit meiner Mutter. Seit mein Vater tot ist, ist sie immer sonderbarer geworden“.
„Wieso?“, ließ sich der Junge vernehmen. „Ich mochte Uroma!“
„Ich auch!“, prustete seine Schwester in die Runde.
„Ja, natürlich war Oma Maria nett . Und wir haben sie alle auch gern gehabt, Kathi,“ wandte sich nun Beate ihren Kindern zu. „Aber ehrlich gesagt, bin ich froh, dass jetzt niemand mehr dauernd mit ihr zum Massengrab hinter dem KZ gehen muss. Als ich noch hier zu Hause wohnte, durfte ich sie Woche für Woche dorthin begleiten. Sie erwartete das später auch dann noch von mir, wenn wir hier bei euch zu Besuch waren. Und si musste dorthin, koste es, was es wolle. Als hinge ihr Leben davon ab. Es wurde ja immer schlimmer damit.“

Helga nickte verständnisvoll:
„Die Nachbarn haben schon geredet. Mir war das sehr peinlich, vor allem, weil sie immer wieder neu ihre Geschichte von Paul aufgetischt hat. Es hing allen längst zum Hals raus.“
Gerd, ihr Mann murmelte in seinen Bart:
„Deine Mutter ist eben über die Ereignisse in den letzten Kriegstagen nie hinweggekommen, Helga.“
„Das kann man wohl sagen!“, hakte die sofort ein. Gerd, der wohl noch etwas anderes bemerken wollte, machte den geöffneten Mund wieder zu und schwieg.
„Aber es ist doch gar nicht wirklich während der Kämpfe passiert. Hier im Ort patrouillierten längst die Russen und die Waffen ruhten. So gesehen war hier der Krieg aus, als sie Paul erschossen haben. Das ist sicher besonders tragisch gewesen, das kann man ja verstehen. Aber wenn du mich fragst, hätte Maria in den nächsten 70 Jahren auch mal versuchen können, die Vergangenheit hinter sich zu lassen,“ fuhr Helga fort. Man sah ihr an, dass sie sich ein Leben lang über diese Angewohnheit ihrer Mutter geärgert hatte.
„Schon als ich ganz klein war und gerade eben laufen konnte, hat sie mich immer mitgeschleppt. Lange habe ich gedacht, das müsse so sein. Später habe ich alles versucht, mich davor zu drücken. Vater kam ja nie mit. Er hasste diesen ganzen Umstand wegen Paul. Aber er ließ sie ziehen.“

„Und später war ich dann dran“, fiel Beate ein. „Immer sollte nur ich mit ihr gehen. Nie Henrik oder Erich. Als ich noch klein war, fand ich es ja noch interessant, allein mit Oma was zu unternehmen. Die Jahre danach hat es mich mehr genervt. Aber ich konnte ihr die Bitte nie abschlagen. Sie hätte es nicht verstanden und wäre bestimmt furchtbar verletzt gewesen.“
„Erich und Henrik sind ja auch nicht zu ihrer Beerdigung gekommen, die haben es immer geschafft, sich Uroma vom Leib zu halten“, bemerkte Gerd. In seiner Stimme klang Bitterkeit.
„Mama, ich finde, du hättest dich damals ja auch mal auf meine Seite stellen können! Hättest ihr sagen müssen, dass sie mich als unwissendes Kind nicht zu ihrer wöchentlichen persönlichen „Gedenkfeier“ mitschleppen sollte. Aber ihr habt es immer geduldet.“ Auch Beate regte sich jetzt auf.

„Ach, lass man, Beate! Ärger dich nicht mehr. Oma ist tot und hat jetzt endlich ihre Ruhe. Es ist ja nun vorbei. Und der Krieg ist seit 74 Jahren aus. Wir haben heute andere Zeiten. Wir leben seitdem in Frieden.“

Gerd hustete. „Wir vielleicht,“ murmelte er und sah seine Frau kopfschüttelnd an. „Wir vielleicht“, wiederholte er. Helga runzelte die Stirn.

„Was soll das jetzt, Papa? Hör auf mit deinem ewigen Politisieren! Wir reden hier über Maria und ihren Tick. Um mehr geht es nicht.“
Und an ihre Tochter Beate gewandt sagte sie mit beruhigender Stimme:
„Und die letzten 15 Jahre, ich meine, seit du selbst Kinder hast, hat sie dich doch damit in Ruhe gelassen, oder?“
„Sie hat es aber immer wieder versucht. Ich bin dann endlich stur geblieben. Aber ich habe nur darauf gewartet, dass sie anfängt, Swen mitzunehmen oder Kathi.“
Helga antwortete nicht gleich.
Da sagte Gerd:
„Helga, ich meine nur, du lebst hier vielleicht in Frieden. Aber es gibt so viele Menschen, die das nicht tun. Es gibt immer noch Krieg und sogar wieder mehr. Ich kann das nicht so wegschieben wie du. Und ich fand eigentlich, dass Maria gar nicht so verrückt war. Warum sind denn 70 Jahre so eine lange Zeit? Irgendwie konnte ich sie verstehen. Und die Weltlage heute sieht nicht gerade so aus, dass man sich keine Sorgen darum machen müsste, dass uns der nächste Krieg ins Haus steht.“
„Jetzt ist aber gut, Gerd, nicht vor den Kindern! Ich will das nicht mehr hören!“, wetterte Helga ihren Mann an. Der lächelte und brummte vor sich hin.
Beate versuchte, die Lage zu beruhigen:

„Bitte Opa wir wollen das jetzt wirklich nicht hören. Wir haben eben erst Maria begraben. Ich möchte nicht, dass ihr euch streitet.“

„Was war denn da im Krieg?“, fragte plötzlich Kathi. Und wieso glaubt Opa, dass wieder einer kommt?“
Alle schwiegen.
„Kinder, nun lasst doch die alten Zeiten“, versuchte jetzt auch der Großvater das Gespräch in andere Bahnen zu lenken. „Wollte mir Swen nicht noch sein Zeugnis zeigen, hast du es denn mitgebracht?“
„Der hat das natürlich wieder vergessen!“, trumpfte Kathi auf. Aber ich habe meins mit. Willst du es sehen?“

Da gerade erst die Winterferien angefangen hatten, konnte Beate mit ihren Kindern noch für ein paar Tage bei den Großeltern bleiben. Ihr Mann würde schon allein klarkommen.
Am nächsten Tag packte Helga mit Beate die persönlichen Sachen von Oma Maria in eine Kiste. Keiner hatte Interesse daran gezeigt, sie aufzuheben. Man wollte sie entsorgen. Es war nichts dabei, was jemand anderer noch hätte gebrauchen können. Swen stand neben seiner Mutter. Er sah mit einem Gemisch von Neugierde und Befremdung die alten Sachen an: das Gebetbuch von Maria, eine Schachtel mit Briefen und Fotografien, ein paar Bücher und ein handgeschriebenes, gebundenes Heft.
„Mama, was sind das eigentlich für Besuche, die Oma Maria immer gemacht hat? Und warum fandest du das denn so schrecklich?“
„Ach, es war wegen Paul, ihrem jüngeren Bruder, du weißt doch?“

„Das ist doch der, der schon mit 14 gestorben ist?“
„Ja, der liegt da drüben am großen Kreuz begraben, hinter dem KZ Gelände.“
„Ach, komisch, da war ich wirklich mal mit Oma Maria. Aber ich dachte, das sei Zufall gewesen, wir sind doch einfach nur da spazieren gegangen.“
„Hat sie es also doch versucht!“, entfuhr es Beate.
„Und da liegt er? Warum gerade da? Ich dachte immer, da hätte man nur Soldaten begraben, die in den letzten Tagen vor Kriegsende gefallen sind.“
Ihr Sohn blickte sie erwartungsvoll an. Sie schwieg. Man hörte plötzlich, wie Wasser in der Spülmaschine einlief.
Swen ließ nicht locker.
„Weißt du denn nicht, wer da wirklich begraben liegt? Und wieso dann Uromas Bruder Paul? Der muss doch damals noch fast ein Kind gewesen sein.“
Helga erbarmte sich endlich und gab Auskunft:
„Er war 14. Und er war ein begeisterter Hitlerjunge.“
„Na und? Aber mit 14 konnte er doch noch gar nicht Soldat gewesen sein. Wieso liegt er denn da?“
„Also pass auf, Swen: Da in der Anlage bei dem großen Kreuz haben sie ein gutes Dutzend von Hitlerjungen begraben, keiner war älter als 14 oder 15 Jahre. Sie sind von den Russen erschossen worden.“
„Aber wieso haben die auf Jugendliche geschossen? Der Krieg war doch vorbei. Warum haben sie einfach weitergemacht?“
„Nein, die nicht, Swen. Aber Marias Bruder Paul war es, der nicht aufhören konnte mit dem Krieg spielen, er nicht und seine Hitlerjugend-Truppe nicht. Sie waren seit Jahren aktiv beim Volkssturm. Da hat man sie aufs Kämpfen vorbereitet und geradezu wild gemacht, alles für den sogenannten Endsieg zu geben. Sie fühlten sich als Kämpfer für Deutschland und als letzter Stoßtrupp von Hitler. Als die sowjetischen Truppen bei uns einzogen, haben sie sich nicht ergeben. Sie wollten unbedingt weiterkämpfen bis zum Sieg. Sie haben sich in einen Hinterhalt gelegt und auf russische Soldaten geschossen, die im Ort patrouillierten. Sie haben die Waffenruhe einfach ignoriert. Solche Leute wurden damalsauf der Stelle erschossen, egal wie alt sie waren.“
„Oh“, sagte Swen. „Hat er denn jemanden getroffen, ich meine Marias Bruder Paul.“
„Ich weiß es nicht genau“, meinte Helga zögernd. „Darüber hat meine Mutter nie gesprochen. Aber einmal erwähnte sie, dass Paul wohl Pech gehabt hätte bei einer dieser Aktionen. ‚Der Lümmel hat eben vorher schon zu viel mit den Schusswaffen rumgespielt. Er war einfach zu gut, um daneben zu treffen‘, hatte Maria damals gesagt.“
„Und Maria? Hat sie später zu ihrem Bruder gehalten? Oder hat sie ihm die Schuld gegeben. Weißt du das, Oma?
„Sie hat ihn geliebt und um ihn getrauert, Swen, mehr weiß ich auch nicht.“

Beate hatte schweigend dem Gespräch zwischen Helga und ihrem Sohn zugehört. Sie blickte auf die paar Besitztümer, die von Uroma Maria übriggeblieben waren. Sie wollte auf einmal nicht, dass all diese Sachen von der Erde verschwinden würden, ohne dass sie noch jemand in der Hand gehabt hatte. Vielleicht könnte das Tagebuch erklären, warum Oma Maria so unbeschreiblich fixiert darauf war, das Grab ihres Bruders jede Woche aufzusuchen, Jahre lang, über 70 Jahre lang, bis zu ihrem Tod. Sie griff nach dem handgeschriebenen Bändchen und blätterte es flüchtig durch. Es war mit kleiner, akkurater Schrift vollgeschrieben. Über den kurzen Textabschnitten stand jedes Mal ein Datum: ein Tagebuch also.
„Kann ich das behalten, ich meine als Erinnerung an Oma?“, fragte sie Helga. Es sollte lässig klingen, nach einer plötzlichen Idee, die aber nichts weiter bedeutete. Aber ihre Mutter spürte das plötzlich aufgeflammte Interesse ihrer Tochter und es befremdete sie.
„Warum willst du das denn lesen? Lass doch die alten Zeiten ruhen. Komm, leg es zurück, es bringt doch nichts!“

Beate zuckte mit den Schultern. Sie legte das Heft wortlos auf den Stapel zurück. Am Nachmittag, als die Kiste zum Abholen an der Eingangstür stand und keiner sich darum kümmerte, griff sie im Vorbeigehen nach dem handgeschriebenen Buch und brachte es rauf in ihr Zimmer, steckte es tief in ihr Gepäck. Keiner hatte sie gesehen und niemand würde das Buch vermissen.

8. Marias Tagebuch I

****

Das Gesamtwerk „Gegen das Vergessen“ ist urheberrechtliche geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung der Autorin unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachun

Veröffentlicht unter Bewußtheit, Faschismus alt neu, Gesundheit Alter Tod, Krieg, Kunst, Leben, Literatur, Mensch, Realkapitalismus | Verschlagwortet mit , , , | 1 Kommentar

Feinheiten Putins

Man kann Putin wahrlich nicht vorwerfen, dass er den Westlern die Sachlage nicht geduldig erklärt hat. Er hat es seit vielen Jahren getan und nicht nur niemals Unmögliches verlangt, sondern die für alle Seiten fruchtbaren Perspektiven einer strategischen eurasischen Kooperation in aller Ausführlichkeit dargelegt.
Doch wen die Götter verderben wollen, den schlagen sie mit den geistigen und charakterlichen Qualitäten von Politikern, deren Namen z. B. mit „Bae“ anfangen.

Mir sind immer wieder Randbemerkungen von Putin aufgefallen, die tiefe Einblicke erlaub(t)en:
Vor Jahren sagte er einmal – und wir wissen, wie die Leningrader Blockade seine Herkunftsfamilie gezeichnet hat – dass ein neuer Krieg nicht auf dem Territorium Russlands geführt werden würde.
Ist es so schwer zu verstehen, dass der Verteidiger offenbar begriffen hat, dass er eine konsequente Offensivstrategie braucht? (Ohne damit zum Aggressor zu werden.)

Eine knappe Formulierung war es auch, den Ukrainern auf ihre aggressiven Schritte eine u.a. auch „militärisch-technische“ Antwort anzukündigen. Westliche „Exzeptionalisten“ merken da natürlich nüscht. Sie merken es selbst heute, mit blutender Nase, noch nicht und beeilten sich – in Person finnischer und schwedischer Politikmarionetten – die nächste Warnung vor einer „militärisch-technischen“ Antwort herauszufordern.

Unüberhört auch – zumindest von mir – die nüchterne Feststellung Putins, dass Russland eine Welt ohne Russland nicht braucht. Ich fürchte, dass selbst solche Aussage in der herrschenden Politidiotenszene unbemerkt bleibt. Die glaubten ja im Ernst, dass ihnen Russland Öl und Gas weiterhin für wertlose Dollar schenken würde.

Eine letzte Feinheit von fundamentaler Bedeutung: Putin und Xi haben sich in ihrer jüngsten gemeinsamen strategischen Erklärung zwar zu den universellen Menschenrechten bekannt, zugleich aber die – ich sage es mit meinen Worten – eigene historisch gewordene Menschlichkeit ihrer Kulturkreise hervorgehoben. Das eröffnet sehr weiten Interpretationsspielraum, und ich gestehe, dass ich da durchaus mit Sorge an das weitere Schicksal der Errungenschaften unserer Aufklärung denke.

Veröffentlicht unter Bewußtheit, Blödmaschine, bloggen, Demokratie, Faschismus alt neu, Krieg, Krise, Leben, Mensch, Realkapitalismus, Realsozialismus | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Kritzelei an der Klowand

Chengdu, Sichuan, 1997

Ach, Vorsitzender Mao, entsteig dem Grab und sieh
Nichts als korrupt sind sie.

Ach, Mao, schau nach rechts und sieh
Nichts als rechte Hurenböcke sie.

Ach, Mao, schau nach links und sieh
Nichts als falsch und mies sind sie.

Ach, Mao, dreh dich um und sieh
Arbeitslose, Herdenvieh.

Mao, ach, vor deine Füße schau und sieh
Außerehelich, das pflegen sie.

Ach, Vorsitzender Mao, Du kannst es nicht sehn.
Das Volk will an den großen Töpfen essen gehn.


Liao Yiwu: „Fräulein Hallo und der Bauernkaiser“,
Fischer Taschenbuch Verlag 2011, Seite 58.

Veröffentlicht unter Kunst, Leben, Literatur, Materialismus, Mensch, Realkapitalismus, Realsozialismus | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Altes Video aber unvergesslich

Veröffentlicht unter Faschismus alt neu, Krieg | Verschlagwortet mit , | Kommentar hinterlassen

Drei militärische Einzelheiten

1 – Alles guckt auf „Asowstal“. Die bedingungslose Kapitulation der „Elite-Faschisten“ dort ist zwar eine wichtige Tatsache. Aber nicht mehr explosiv. Denn die sind im Sack.

2 – Ein großes Ausrufezeichen verdient der Schlag von Desna. Kommt in den westlichen Lügenmedien natürlich nicht vor. Obwohl ihn sogar der „Verdiente Staatsschauspieler von US-Gnaden“ erwähnt hat.

3 – Wirklich wichtig ist, was Shoigu ankündigte: „Bis Ende des Jahres werden im Westlichen Militärbezirk 12 Militäreinheiten gebildet. Die laufenden organisatorischen Maßnahmen werden mit der Versorgung der Truppe mit modernen Waffen und militärischer Ausrüstung synchronisiert.“
Zu sehen ist, dass die Russen weiterhin die strategische und operative Initiative behalten. Doch wenn ich mir vorstelle, was das für uns implizieren kann, wird mir ganz schlecht.

Veröffentlicht unter Blödmaschine, Faschismus alt neu, Krieg, Krise, Realkapitalismus | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

Querschuss auf den Punkt!

Deutschland: Die Erzeugerpreise stiegen im April 2022 gegenüber dem April 2021 um 33,5%. Quelle: destatis, via: „Querschüsse„.

Der Blogger von „Querschüsse“ bringt es auf den Punkt:
„Der Drang nach wirtschaftlicher Selbstzerstörung ist ungebändigt, obwohl das Fiasko für alle an die Wand gemalt ist, drehen Medien und Politiker ungebrochen an der Eskalationsschraube und weiter Teile der Bevölkerung nehmen es hin bzw. tragen es voller Inbrunst mit. Nun denn, die Folgen sind mittlerweile unabwendbar, jegliche Vernunft, Rationalität und Deeskalation hatte keine Verankerung in der Gesellschaft, obwohl dies so dringend nötig gewesen wäre. Corona, Ukrainekrise, Sanktionen gegen Russland, quietschende Lieferketten und latenter Rohstoffmangel und der unsägliche Umgang damit, sind in einem solchem Zeitfenster (seit 2020) für die deutsche Volkswirtschaft einfach zu viel und nicht zu verkraften!“

Ein Kommentator dort verlinkt auf das Handelsblatt:
Geschäftserwartung bricht ein: Die Deutsche Industrie steht vor einer Existenzkrise

Veröffentlicht unter Bewußtheit, Blödmaschine, bloggen, Krieg, Krise, Realkapitalismus | Verschlagwortet mit , , , , , , | 4 Kommentare

Gartenopas Tatsachen

Gartenopa verbrachte und verbringt viel Zeit am Computer. Viele Infos aufnehmen, sich ‚was denken, dann ‚was bloggen – das war ein bewährter Kreislauf.

In den letzten Wochen bereitete mir dieser Kreislauf zunehmend Magenschmerzen.

In den Garten zu gehen wurde nicht nur zur jahreszeitlich begründeten Notwendigkeit, sondern mehr noch zur Gesundheitsübung.

Heute habe ich den Garten nicht nur auf das angekündigte Unwetter vorbereitet, sondern auch die nötigsten Frühjahrsarbeiten abgeschlossen:

18 Tomaten gedeihen prächtig. Nicht wenige haben bereits angefangen zu blühen.
14 Endivien sind in ihren großen Töpfen. (Ich bevorzuge es, sie auf diese Art zu kultivieren.)
Gurken, Zucchini, Kürbis sind natürlich dabei, diverse Kräuter sowieso, etwas Knolau und Zwiebeln..
Kartoffeln habe ich ca 20 laufende Meter, Buschbohnen etwa 10 (lfd. m).
Das war’s an Gemüse.
Die vielen Beerensträucher und Obstbäume haben in diesem Jahr sehr schön Früchte angesetzt.

Ja – „die Erde steht“.
Mehr Humus!
Eigentlich sollte ich paar Fotos zeigen. Doch wie so Vieles habe ich mir auch das Fotografieren fast abgewöhnt.

Veröffentlicht unter ökologisch, Bewußtheit, Garten Haus Hund, Gesundheit Alter Tod, Leben, Materialismus, Mensch | Verschlagwortet mit | Kommentar hinterlassen

Mühen des Begreifens

Sicher ist, dass wir in einer Umbruchszeit leben. Leider ist das fast die einzige Sicherheit.
Um welchen Umbruch geht es? Welche Kräfte sind maßgebend? Wie verläuft das alles? Was kommt danach? – offene Fragen.

Bewährte Erkenntnisinstrumente sind stumpf geworden.
Es gibt einige philosophische Grundlagen. Ich vermute sie immer noch (nicht nur aus Gewohnheit) im Materialismus und in der Dialektik. Und es gibt – wahrscheinlich zu Unrecht wenig geschätzt – den gesunden Menschenverstand, dem eine Art Lebenskultur des Normalen entspricht – die aber schwindet.

Darüber hinaus fast nur Paradoxien, Zweifel oder gar Verrücktheit.

Z. B. die Entwicklungsdynamik der Produktivkräfte. In marxistischer Sicht das revolutionierende Element, das erstarrende Produktionsverhältnisse aufbricht und dem Neuen Bahn schafft. Heute sind diese Kräfte ebensosehr Destruktivkräfte. Ihr krebsartiges Wuchern zerstört die Natur. Die Klassen der Ausbeuter peitschen die Produktivkraftentwicklung voran, generieren daraus ihre grenzenlose Machtentfaltung. Die Ausgebeuteten gieren nach dem way of ausbeutungslife.

Z. B. der Klassenkampf. Keine historische Mission einer Klasse. Kein Geschichtssubjekt. Gleichgültig, ob die Revolution „Lokomotive der Geschichte“ ist oder der „Griff zur Notbremse“, gleichgültig, ob sie siegt oder im Blut erstickt – sicher scheint eins: Das Neue, kaum gekeimt, verdorrt.

Z. B. die Aufklärung. Die mehr war, als der profane Name sagt. Humanitas. – Geistkampf, der den freien Menschen als Ideal mit Hand und Fuß hervorbrachte. Verkommen zum Wissenschaftsglauben mit App und Test und Maulkorb.

Faschismus ist etablierte Politikform. Krieg ist Norm. Der Mensch schreitet rasant voran – von der Nummer zum Datenpaket.

Unbegriffener Umbruch.

Veröffentlicht unter Bewußtheit, Demokratie, Faschismus alt neu, Krieg, Krise, Lenin, Materialismus, Realkapitalismus, Revolution | Verschlagwortet mit , , , , , , | 12 Kommentare

„Frieren für den Frieden“

Corona Bavaria

Veröffentlicht unter Bewußtheit, Blödmaschine, Demokratie, Krise, Kunst, Musik, Realkapitalismus | Verschlagwortet mit , | 2 Kommentare