„Die Waffen nieder!“ – Erklärung zur bundesweiten Friedensdemo am 8.10. in Berlin

Veröffentlicht unter Bewußtheit, Krieg, Widerstand | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

2018 könnten die Amis aus Ramstein verschwunden sein, wenn …

Der folgende Beitrag gefällt mir. Einerseits, weil er kurz und bündig ist und andererseits, weil er dem verbreiteten Gerede von der fehlenden Souveränität der BRD entgegensteht. Er stellt eine Übernahme aus dem „Gelben Forum“ dar. Ich sichte das „Gelbe Forum“ regelmäßig. Wer nur Seiten liest, die zuverlässig „DAS ERLAUBTE“, „DAS KORREKTE“ bringen, sollte dem Link keinesfalls folgen. Wer allerdings vom Balancieren der USA (mit BRD im Gefolge) am Rande des Abgrunds alarmiert ist, sollte besser auf diese Selbstbeschränkung verzichten.

***

„wenn, die Bundesregierung dies einseitig und innerhalb dieses Jahres beschließen würde:
Sie könnte auch innerhalb eines Jahres aus der Nato austreten lt. abgeschlossener Verträge.

Da die Amerikaner nach wie vor von deutschem Boden gegen unser Grundgesetz Angriffskriege durchführen, wäre jede Bundesregierung dazu verpflichtet, den Amis jeden Stützpunkt mit der vertraglich festgesetzten Kündigungszeit von 2 Jahren zu kündigen.

Wieso agiert diese Regierung gegen die Verfassung und Gesetze?

Gruß Dieter

Quellen:

(1) Nordatlantikvertrag, Artikel 13 [Kündigung des Vertrages]
„Nach zwanzigjähriger Geltungsdauer des Vertrags kann jede Partei aus dem Vertrag ausscheiden, und zwar ein Jahr, nachdem sie der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika die Kündigung mitgeteilt hat; diese unterrichtet die Regierungen der anderen Parteien von der Hinterlegung jeder Kündigungsmitteilung.“
http://www.abg-plus.de/abg2/ebuecher/abg_all/Artikel13K%C3%BC.htm

(2) Vertrag über den Aufenthalt ausländischer Streitkräfte in der Bundesrepublik Deutschland (Stationierungsvertrag)
http://www.abg-plus.de/abg2/ebuecher/abg_all/Vertrag%C3%9Cber.htm
http://www.bgbl.de/xaver/bgbl/text.xav?SID=&tf=xaver.component.Text_0&tocf=&qmf=&hlf=xaver.component.Hitlist_0&bk=bgbl&start=%2F%2F*[%40node_id%3D%27368826%27]&skin=pdf&tlevel=-2&nohist=1

(3) Vereinbarungen vom 25. September 1990 zum Vertrag über den Aufenthalt ausländischer Streitkräfte in der Bundesrepublik Deutschland
Bundesgesetzblatt Jahrgang 1990, Teil II, Seiten 1390 bis 1393
http://www.bgbl.de/xaver/bgbl/text.xav?SID=&tf=xaver.component.Text_0&tocf=&qmf=&hlf=xaver.component.Hitlist_0&bk=bgbl&start=%2F%2F*[%40node_id%3D%27350061%27]&skin=pdf&tlevel=-2&nohist=1

MEHR ZUM THEMA HIER.

Veröffentlicht unter bloggen, Demokratie, Krieg, Machtmedien, Realkapitalismus, Widerstand | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

Friedensfahrt = Eurasienfahrt? oder: Kein Sprunk in der Schüssel! – mit Update 16.9.

Wenn ich „Schüssel“ sage, meine ich nicht weniger als Eurasien; gewaltige Landmasse, geographischer Superraum. Als geopolitisches Ereignis für die Einen der Horror persönlich, für die Anderen größte Hoffnung, für die meisten Leute in Deutschland weit weg.  Natürlich ist nicht von irgend einem „geografischen Gott“ die Rede, natürlich geht es um geschichtlich handelnde Menschen, Menschengruppen, Klassen. Sollte uns das interessieren? Vielleicht ist Deutschland, Gernegroß in Europas Mitte, so etwas wie der „Henkel an der Schüssel“? Für die Friedensfahrer 2016 jedenfalls dürfte „Eurasien“ DAS Thema hinter allen Themen gewesen sein.

Wer die Landkarte betrachtet, kann Eurasien  nicht einfach links verorten, rechts auch nicht. In der Mitte oder vorn? Könnte es sein, dass sich Eurasien der geläufigen Topographie entzieht, auch der politischen aus dem „Kurzen 20. Jahrhundert“?

Eurasien liegt mächtig quer zur maritimen Weltmacht, wie mensch aus dem „Kurzen Lehrgang Geopolitik“ lernen durfte. Das ist mir sympathisch. Eurasien ist auf lange Zeit sich selbst Aufgabe genug, braucht keine Kolonien, muss auf absehbare Zeit nicht imperialistisch um den Erdball rasen – zweiter Sympathiepunkt. Schließlich birgt Eurasien in sich genug Geheimnis und Widerspruch (Jahrzehnte Realsozialismus Russlands und Chinas zählen dazu), um eigene, vielleicht überraschende Wege der Kultur hervorzubringen. Könnten sich die Menschen, stehend auf so riesigem festem Grund, auf etwas Neues einlassen?

„Eurasien“ ist die Hoffnung auf mehr Frieden in einer Welt, die noch immer im Würgegriff des imperialistischen atlantischen Kapitals und seines Weltherrschaftsstrebens ist und sich deshalb auf neue katastrophale Kriege zubewegt. Diese eurasische Friedenshoffnung ist VIEL WENIGER als das traditionelle linke Projekt der sozialen Emanzipation aller Menschen. Das ist viel weniger als der Anspruch der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution, dieser „Sternstunde der Menschheit“. „Eurasien“, allen linken Wahrheits(reste)verwaltern zum Kummer, ist heute nicht bereit, das vorerst geschlossene „Kapitel 2 der Weltgeschichte“ erneut aufzuschlagen und weiterzuschreiben. „Eurasien heute“ heißt, in eine historische Parallele übersetzt: Wir befinden uns irgendwo zwischen den Jahren 1930 und 1933 als die deutschen Arbeiter gegen „Sozialfaschismus“ und für „Rätedeutschland“ in die Irre liefen, während es darum ging, den Hitler-Faschismus und den Krieg zu verhindern. Das wäre nur GEMEINSAM möglich gewesen, zusammen allen Hitlergegnern und Friedensfreunden, auch rechten.

Diese Crux! Wie gerne hätten wir die rechten Friedenskämpfer aber bitte nicht die Rechten!

Während der Friedensfahrt 2016 saßen wir alle zusammen im gemeinsamen Bus, 14 Tage auf Tuchfühlung. Und nicht nur im Bus. Immer wieder in den verschiedenen Städten gedachten wir gemeinsam bewegt der Opfer, die der faschistische Krieg auf sowjetischem Boden gefordert hatte. Jetzt, drei Generationen danach, gedachten wir ALLER Opfer, auch derer, von denen Brecht 1955 schrieb:

brecht

Wir gedachten aller Opfer, auch der Täter, die zu Opfern wurden, und wir ignorierten nicht das Leid der Familien, hüben, wie drüben. Aus dieser Art Erinnern sollte der größte Friedenswille wachsen – erfühlt, „seelisch getragen“ aber dennoch nicht gedankenlos. Und es war gerade Bernd, ein Rechtsorientierter an meiner Seite (Ich bezeichne ihn einfach so, nach meinem Verständnis. Ich habe ihn nicht gefragt, und ich weiss nicht, wie er sich selbst sieht. Er wird Dieses hier zweifellos lesen, und wenn er mir seine eventuellen Korrekturwünsche mitteilt, werde ich sie berücksichtigen.) der, einem sowjetisch-russischem Politologen folgend, auf eines der wichtigen Momente der Friedensphilosophie Immanuel Kants verwies:

„Es soll kein Friedensschluß für einen solchen gelten, der mit dem geheimen Vorbehalt des Stoffs zu einem künftigen Kriege gemacht worden ist.“ (Quelle)

Nach unserer Friedensfahrt hat sich eine durchaus heftige Auseinandersetzung über die Gültigkeit des „Friedensschlusses“ ergeben, den manche FriedensfahrerInnen der russischen Seite anbieten. Sind da nicht unter Versöhnungsrhetorik genau solche „geheimen Vorbehalte“ versteckt,  die den „Stoff zu einem künftigen Krieg“ geben können?

Diese Frage stellt sich mir, nachdem ich das Video von Juliane Sprunk angesehen habe. Dort wird, bezogen auch auf den Überfall und Vernichtungskrieg des faschistischen Deutschland gegen die Sowjetunion, fabuliert, dass beide Seiten gleichermaßen Verbrechen und Unrecht zu verantworten hätten. Die heutige gegenseitige Kriegshetze zwischen Deutschland und Russland (hinsichtlich Russland „milder“ als „Kriegspropaganda“ bezeichnet) wurzele in den Verbrechen beider Seiten in den beiden Weltkriegen. Wer diesen Standpunkt nicht teile sei der „Schuldkult- und Kollektivschuldrhetorik“ erlegen und ebenfalls der „Rhetorik der 27 Millionen unschuldiger Sowjetopfer“.

Bei alldem ist Frau Sprunk keine klassische Revanchistin. Sie will es den Russen nicht mit gleicher Münze heimzahlen. Sie setzt darauf, dass sich friedenswillige Deutsche und friedenswillige Russen über den Gräbern umarmen, weil die Russen deutsche Verbrechen verzeihen und Verbrechen den Deutschen gegenüber eingestehen, die sie nie begangen haben.

Jetzt begreife ich auch, warum Frau Sprunk ihre Botschaft in ein Katyn-Video eingebettet hat. „Der Deutsche“ hat zwar in Katyn keinen Tropfen Blut verloren aber er wurde falsch beschuldigt. Schlimmer als Blut, seine „Deutsche Ehre“ wurde befleckt! Sind somit nicht wir, die Deutschen, die eigentlichen und größten Opfer aller Stalinschen Verbrechen?

Ja, Heimatvertreibung, das alte revanchistische Lied, gehört ebenfalls zu den russischen Verbrechen. Juliane Sprunk will Königsberg nicht mit Waffen zurückholen, aber dass „territoriale Fragen offen sind“, darauf muss sie im Interesse aller beteiligten Versöhnungsseelen bestehen, all der einstigen deutschen Königsbergbewohner und ihrer Nachfahren bis ins siebte Glied.

Frau Sprunk und mancher Gesinnungsgenosse können nicht genug die positiven historischen Erfahrungen der Zusammenarbeit Deutschlands mit Russland loben. Solche Erfahrungen gab es bis 1914, zu Bismarks Zeiten, 1812 zu Tauroggen und weitere mehr. Die Zeit seit 1914 aber wird bestenfalls als Nicht-Zeit behandelt oder schlimmer als weiterwirkendes Verhängnis, das nur durch „Wahrheit und wechselseitiges Verzeihen“ aus der Welt zu schaffen sei. So fährt Frau Sprunk zum Verzeihungsevent mit paar klitzekleinen Veränderungswünschen. Die sind gut in eine Wundertüte verpackt, die freilich der russische Präsident unumwunden „die Büchse der Pandora“ nennt.

Den Gedanken, dass zwei Weltkriege mit abermillionen Toten unhintergehbare Tatsachen geschaffen haben, dass sie neues unumstößliches Recht gesetzt haben, erklärt Frau Sprunk zum Mythos, zur Rhetorik. Ich will nicht glauben,  dass sie leichtfertig über „27 Tote, äh, 27 Millionen Tote“ plaudert (ab 2’08“ ihres oben verlinkten, sorgfältig geschnittenen Videos). Aber ratlos macht mich diese Passage doch. Wollte Frau Sprunk einen Beweis ihrer Selbstverliebtheit liefern? Wer braucht den? Oder hat sie sich einen abgrundtiefen Zynismus erlaubt – und damit die perfekte Selbstdemontage?


Update 16.9.:

Natürlich habe ich meine LeserInnen nicht mit allem belästigen wollen, was ich an Äußerungen von Frau Sprunk auf FB bemerkt habe. Nun musste ich zur Kenntnis nehmen, dass Dr. Rainer Rothfuss, der Hauptinitiator der Friedensfahrt 2016, Frau Sprunk gestern zur Administratorin der Friedensfahrt-FB-Seite gemacht hat. Das ist zweifellos in voller Kenntnis ihres Videos erfolgt, mit dem ich mich hier auseinandergesetzt habe. (Das Video ging am 24.8. online.)

Hier sei der Link nachgereicht einer langen Auseinandersetzung von Frau Sprunk mit Frau Pietza, ein Text, der in dieser Breite vielleicht nur Insider interessiert (und auch keineswegs nur Kritikwürdiges enthält). Bemerkenswert ist aber die sich anschließende Diskussion, in der sich FriedensfahrtteilnehmerInnen energisch von der Position Juliane Sprunks distanzieren. („Die Organisation muss sich von Juliane Strunk distanzieren , sonst ist die ganze Fahrt eine Farce gewesen !“)

Jüngst ist Frau Sprunk bei der Propagierung wertvoller Nazikunst angekommen. Das könnte folgerichtig sein.

Ob Dr. Rainer Rothfuss folgerichtig handelt, kann und muss er selbst entscheiden.

Veröffentlicht unter Bewußtheit, Blödmaschine, bloggen, Faschismus alt neu, Krieg, Krise, Lenin, Machtmedien, Mensch, Realkapitalismus, Realsozialismus, Revolution, Widerstand | Verschlagwortet mit , , , , , | 26 Kommentare

Wadim Rogowin: Gab es zu Stalin eine Alternative?

Von der Webseite der Berliner Freidenker übernehme ich einen Beitrag, der dem Hauptwerk des sowjetisch-russischen Historikers Wadim Rogowin gewidmet ist. Rogowin beweist, dass die profunde Kritik von Mythen und Falschdarstellungen der Geschichte, auch wenn sie weit und lange Zeit verbreitet wurden, ganz neue Sichten und Einsichten ermöglicht, ja erzwingt. Möglich wurde das durch die solide, historisch-materialistisch begründete Arbeit des Wissenschaftlers. Das unterscheidet ihn fundamental vom Geschichtsrevisionismus, wie er im Interpretationsstreit um die Deutungshoheit der Friedensfahrt 2016 sichtbar wird. Siehe hier, hier oder auch hier.

Der Beitrag von der Freidenkerseite:

Wadim Sacharowitsch Rogowin (1937 bis 1998) war ein sowjetisch-russischer Historiker und Soziologe. Sein großes, der Kritik des Stalinismus gewidmetes Werk „Gab es eine Alternative“ untersucht den Zeitraum von 1922 bis 1940 auf insgesamt dreitausend Seiten. Es gliedert sich in die sechs Bände „Trotzkismus“ (1922-1927), „Stalins Kriegskommunismus“ (1928-1933), „Vor dem Großen Terror – Stalins Neo-NÖP“ (1934-1936), „1937 – Jahr des Terrors “ (1937), „Die Partei der Hingerichteten“ (1937-1938) und den weniger geschlossenen Band „Weltrevolution und Weltkrieg“ (1939) über dessen Ausarbeitung der Historiker verstarb. Den geplanten 7. Band „Das Ende ist der Anfang“ (1940) konnte Rogowin, der dem Krebs erlag, nicht mehr schreiben.

Rogowins Werk ist von der Geschichtswissenschaft und mehr noch von den Tageskämpfern der Ideologien weitgehend ignoriert worden. Werner Röhr ist, soweit ich sehe, der einzige ausgewiesene Historiker, der sich explizit geäußert hat. In der „Zeitschrift für marxistische Erneuerung“ Nr. 45 vom März 2001 ist seine Rezension „Der Untergang des Bolschewismus als Voraussetzung des Stalinismus“ zu finden. (Die achtseitige Rezension ist nicht online verfügbar. Ich bin bereit, InteressentInnen einen Scan zu schicken.)

Röhr hebt hervor, dass Rogowins Aufarbeitung der „Großen Säuberung“ der Jahre 1936-1938 in der Sowjetunion, insbesondere der drei grossen Schauprozesse und des Massenterrors, eingebettet ist „in eine gewaltige historische Rekonstruktion der nachrevolutionären Geschichte der Bolschewiki“ und weiter: „Als bisher einziger Historiker dieser Periode bezieht Rogowin den wichtigsten politischen Gegner Stalins in diesen Jahren, Leo Trotzki, systematisch mit ein…“.

Die komplexe, historiografisch-soziologische Forschungsmethode des Autors schlägt sich in einer enormen Beweiskraft seiner Darstellung epochaler Zusammenhänge, Einschätzungen und Schlussfolgerungen nieder. Wir haben es mit einem Meisterwerk der historisch-materialistischen Geschichtsschreibung zu tun, ich möchte behaupten, dem bisher einzigen, das, vor dem Hintergrund der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution und diese voraussetzend, die Vernichtung des Bolschewismus und die Durchsetzung des Stalinschen Absolutismus in Begriffe fasst, die marxistisch-wissenschaftlichen Ansprüchen genügen.

Neben dieser gewaltigen, zentralen Leistung besticht Rogowins Werk durch grundsätzliche Hinweise auf weitere, mit der Zentralerkenntnis verbundene, doch weiterführende Erkenntnislinien. Dazu zähle ich (relativ willkürlich ausgewählt) den Spanischen Bürgerkrieg, die Rolle der Komintern, den Deutsch-Sowjetischen Vertrag von 1939 (einschließlich Geheimprotokoll) aber auch Rogowins Bemerkungen zu dem Stalinismus nach Stalin bis hin zum Untergang der Sowjetunion und bis zur nachsowjetischen Gegenwart (der 90er Jahre).

Nicht zuletzt zähle ich dazu Rogowins detaillierte Auseinandersetzung mit der von Stalin erzwungenen „Sozialfaschismuskonzeption“ und ihrer Rolle im Prozess der Machtübertragung an Hitler und der historischen Niederlage der deutschen und internationalen  Arbeiterbewegung.

Ein Werk, wie dieses, das hundert Fragen beantwortet, wirft tausend neue auf. Das kann nicht überraschen. Es ist kein Werk, das man in wenigen Tagen „durch“ hat. Mich hat es seit Wochen buchstäblich „eingesogen“, und ich weiss, dass ich jetzt, gegen Ende der Lektüre, sofort wieder anfangen werde, noch einmal von vorn zu lesen. Das ist kein Mangel. Die Russischen Revolutionen von 1917 werden bald hundert Jahre alt. Denkwürdige Zeit, die uns, wenn wir es wollen, den Quellen wieder näher bringt. Rogowin kann dabei helfen.“

Veröffentlicht unter Bewußtheit, Blödmaschine, bloggen, Demokratie, Faschismus alt neu, Krieg, Lenin, Materialismus, Realkapitalismus, Realsozialismus, Revolution, Widerstand | Verschlagwortet mit , , , | 6 Kommentare

Friedensfahrt 2016 – in geschichtlich vermintem Gelände

Die Friedensfahrt war eine Demonstration für den Frieden mit Russland. Eine gelungene Demonstration! Mit der Gedenkveranstaltung in Katyn wurde zum Ausdruck gebracht, dass der Frieden mit  Russland nicht exklusiv oder gar auf Kosten anderer Völker zu haben ist. Es geht um den Frieden mit Russland UND zugleich mit allen anderen Völkern dieses historischen Raumes.

Manche Diskussionen, die seitdem geführt werden, gehen an dieser klaren Botschaft vorbei. Vorwürfe es sei ein unentschuldbares Versäumnis, diesen und jenen Ereignisses an diesem und jenem Ort nicht gedacht zu haben, gehen an der klaren Botschaft vorbei. Gewiss, mensch kann bis 1812 zurückgehen. Der oder die geschichtlich Interessierte mag bis zur Slawenmission zurückgehen. Doch die Auflösung der klaren Botschaft der Friedensfahrt in Geschichtsdiskussionen und bald auch Geschichtsrevisionen verfehlt das heute politisch Notwendige.

Die Aufrechnung historischer Ereignisse, fast immer auch historischer Verletzungen, in immer weiter zurückliegende Vergangenheit (und ebenfalls in immer feinere Details der nicht weit zurück liegenden Vergangenheit!), führt in die Irre. Historisches und Logisches müssen zu einer Einheit gebracht werden.

Die deutschen Friedensfreunde haben einen historischen Fixpunkt – die Menschheitsverbrechen des deutschen Faschismus (wobei Überfall und Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion einen Hauptpunkt bilden). Ich spreche von einem Fixpunkt historischen Begreifens, nicht jedoch von einem Fixpunkt durch alle Folgegenerationen fortwirkender Schuld („Erbsünde“).

Glaubt Friedensfreundin Juliane Sprunk in dem folgenden Video, glaubt Friedensfreund Bernd Krain (hier, hier, auch hier) diesen Fixpunkt historischen Begreifens revidieren zu müssen? Der Wortwechsel mit Alant Jost in den Video-Kommentaren kann diesen Eindruck erwecken.

Diskussionsbedarf, um den die FreidenkerInnen, wie ich hoffe, keinen Bogen machen werden, z. B. beim Treffen am 14.9. 

Veröffentlicht unter Bewußtheit, bloggen, Demokratie, Faschismus alt neu, Kirche, Krieg, Machtmedien, Materialismus, Mensch, Realkapitalismus, Widerstand | Verschlagwortet mit , , , , , , | 7 Kommentare

Opas Nadelstiche zu so beliebten Themen wie Wahlen, Parteien usw.

Gewöhnen wir uns doch daran, den Klamauk auf der Vorderbühne Klamauk zu nennen und auch als Klamauk zu behandeln.

***

Anlässlich der Wahl in MV hielt Jemand fest: „Vor der Wahl hielt die große Koalition 45 von 71 Sitzen im Landtag, im neuen Landtag werden SPD und CDU zusammen 42 der 71 Abgeordneten stellen. An den Mehrheitsverhältnissen im Landtag Mecklenburg-Vorpommern hat sich doch kaum was geändert.“

Recht hat er. Die Stimmverhältnisse der Schafe für die Parteien sind (innerhalb sehr weiter Grenzen) bedeutungslos, sowohl für’s SchäferInnentagwerk als auch für das Wohl der Herdenbesitzer.

***

Sensationell! ALLE Systemparteien haben verloren, minus 20%! Die neue Systempartei hat gewonnen, plus 20%! – „erdrutschartig!!!“

Geht die Taschenspielerei noch plumper?

JEDE Partei (jede spezialisiert auf ihre Gesellschaftssegmente) ist Werkzeug der Herdensteuerung. Zwar steht irgendwo geschrieben, Parteien sollen an der politischen Willensbildung mitwirken. Aufgeschrieben vermutlich aber nur deshalb, damit noch der oder die letzte Parteitätige weiss, wovor er/sie sich unbedingt zu hüten hat (akzeptables Einkommen inklusive).

Was für die ollen Schafs-Parteien gilt, gilt für die „modernen Ersatzparteien“, genannt „NGO“ oder „NRO“, natürlich doppelt und dreifach.

***

„Aber Opa! – wenn die Wahlen Klamauk sind und wenn die Parteien Klamauk sind, was dann?“ „Keine Bange“, sagt Opa, „das Klamaukmanagement, think-tank-mäßig qualifiziert, hat längst weitergedacht, z. B. Milliardär-Boy Berggrün schon vor Jahren.“ Direkte Demokratie“, Direktwahl des Führers Präsidenten! (Natürlich ergänzt durch reichlich Ausnahmegesetze bis Notstandsverfassung, damit es mit dem „Durchregieren“ flutscht.)

Schafe, für Euch ist gesorgt, für heute, für morgen und für übermorgen.  

Opa, das ist ja schrecklich. Hast Du denn keinen Rat?

Opa: Keiner kann DEN Rat geben, weil wir den neu ausarbeiten müssen. An einem allerdings führt kein Weg vorbei: Mit dem Wissen von heute Lenin neu befragen. 

(„Boah Lenin! – Schade Opa, was Du sagtest, klang anfangs interessant. Aber mit Lenin bist Du nun ja völlig out.“)

Veröffentlicht unter ökologisch, Bewußtheit, Blödmaschine, bloggen, Demokratie, Faschismus alt neu, Krieg, Krise, Lenin, Machtmedien, Materialismus, Realkapitalismus, Revolution, Widerstand | Verschlagwortet mit , , , | 1 Kommentar

Strassenfeger

Ich saß in der U-Bahn und las und blickte nur flüchtig auf als der Verkäufer des „Strassenfeger“ hereinkam. Ich habe eine Abneigung gegen all diese Obdachlosenzeitungen, deren Hauptfunktion es ist, denjenigen, die unten sind, unten und brav zu halten.

Er stand dann direkt neben mir und bot die Zeitung an – mit Flüsterstimme, mit ganz versagender Stimme. Ich blickte erstaunt hoch und sah, dass der Mensch völlig fertig war. Ich holte eine Euromünze heraus, gab sie ihm. Er machte keine Anstalten mir eine Zeitung zu geben, und ich zupfte mir eine heraus aus dem dünnen Packen vor meiner Nase. Da hielt er mir eine Zeitung hin, wies stumm auf den Preis, ich las: „1,50 €“ und gab ihm noch ein Zweieurostück.

Wir sahen uns an, und er sagte: „Mir ham sie mein ganzes Geld geklaut“, und er ging taumelnd weiter in den Wagen. Ich blieb zurück und spürte bald aber zu spät das Bedauern, ihm nicht fünf oder zehn Euro gegeben zu haben.

Ich dachte mit Trauer an die DDR. In der musste niemand Bettler oder Obdachloser sein.

Später habe ich die Zeitung gelesen. Sie widmet sich dem Essen und erklärt: „Du bist, was Du isst“…

Es gibt auch einen kleinen (illustrierten) Bericht darüber, dass die Strassenfeger-VerkäuferInnen glücklich sind über die neuen VerkäuferInnen-Westen.

Weste

Auf der Weste prangt die VerkäuferInnen-Nummer, und es gibt ein durchsichtiges Einsteckfach für den VerkäuferInnen-Ausweis.

In dem Artikelchen wird erklärt: „Wie bereits berichtet reagiert der mob e. V. mit der Einführung der Westen auf den zunehmenden Mißbrauch mit dem strassenfeger. Immer häufiger hatte es in den letzten Monaten Hinweise gegeben, dass gerade Menschen aus Südosteuropa die Zeitung zum Betteln benutzten, keinen Verkäuferausweis vorzeigen konnten und nicht über deutsche Sprachkenntnisse verfügten.“  

Da bleibt mir nur die Frage: Müsste es nicht „VerkäferInnenausweis“ heißen?

Veröffentlicht unter ökologisch, bloggen, kein Witz, Krise, Machtmedien, Realkapitalismus, Realsozialismus | Verschlagwortet mit , , | 4 Kommentare