Übersterblichkeit 2021 in Deutschland? (2)

Ein Scheinproblem?

Hier hatte ich festgestellt, dass es von der 1. bis zur 42. Kalenderwoche 2021 in Deutschland eine Übersterblichkeit gegenüber 2020 von 30.042 Personen, also rund 5% gibt. Und ich hatte das als beunruhigend bezeichnet.

Dagegen könnte man einwenden, dass knapp 25.000 dieser zusätzlichen Sterbefälle von 2021 (also 86% aller zusätzlichen) in den Wochen eins bis sieben eingetreten sind. Somit ergibt sich für die Kalenderwochen 8 bis 42, also den weitaus größten Teil des Jahres, die geringe Übersterblichkeit von 5482 Personen. Diese Zahl ist so niedrig, dass sie als Zufall interpretiert werden könnte. Zumal selbst diese niedrige Zahl fast vollständig auf die „normale“ Übersterblichkeit während der sechs Tropentage zwischen 16. und 21. Juni zurückgeführt werden könnte. (Quelle all dieser Daten ist die Sonderauswertung von destatis.)

Akzeptieren wir die Erklärung, dass die hohen Zahlen der ersten sieben Wochen aus saisonalen Effekten – früher sagte man:“Grippewelle“ – resultieren (die sich von Jahr zu Jahr etwas verschieben kann) und außerdem damit, dass damals wegen der noch geringen Impfzahlen der Impfschutz nicht spürbar sein konnte (der dann im Jahresverlauf zunehmend seine positive Wirkung entfaltet hätte) – dann sind wir auf ein Musterbeispiel von irreführender Argumentation hereingefallen. Das ist eine Argumentation, die Teilwahrheiten benutzt aber bei dem Oberflächenschein stehen bleibt liegt.

Dem ersten Teil der Argumentation kann ich zustimmen. Tatsächlich kann die Übersterblichkeit der ersten sieben Wochen mit der Herbst-/Wintersaison der Infektionskrankheiten erklärt werden. Dabei ist es zunächst gleichgültig, ob von Grippe-, Corona- oder einfach Erkältungssaison gesprochen wird. Diese Zahlen bringen vermutlich keine spezifische Aussage für das Jahr 2021 und sollten daher aus dem Vergleich herausgerechnet werden. D. h., der Vergleichszeitraum ist zu reduzieren. Auf welchen Zeitraum?

Ich halte es für sinnvoll, den Vergleich des Jahres 2021 mit dem Jahr 2020 auf die Zeit ab Kalenderwoche 13 bis zur KW48 oder 49 zu begrenzen*. Denn KW49 oder spätestens 50 des Jahres 2020 markiert den Beginn der Erkältungssaison 20/21, die etwa mit der KW 10 im Jahr 2021 endet. Andererseits weisen die Wochen 8 bis 12 von 2021 eine temporäre Untersterblichkeit unmittelbar nach der Infektionswelle aus, als Folge der vorher erhöhten Sterblichkeit bekannt („Abräumeffekt“).

Den Sterblichkeitsvergleich mit KW13 zu beginnen, macht Sinn, weil diese Woche im Jahr 2020 den „offiziellen“ Beginn der Plandemie in Deutschland markiert. Darüber hinaus erscheint es auch deshalb sinnvoll, diesen Vergleichszeitraum zu wählen, weil etwa ab diesem Zeitpunkt im Jahr 2021 die Impfkampagne Massenwirkung zu erreichen begann.

Kalenderwoche 13 im Jahr 2020 beginnt am 23.3. 2020. An diesem Tag meldete das RKI für Deutschland 22.672 bestätigte Corona-Fälle und 86 Todesfälle seit Beginn der Pandemie. Am 13. und 17. März hatte die Bundesregierung erste Corona-Einschränkungen verfügt und am 25. März 2020 stellte der Bundestag die „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ fest (Quelle für diese Daten).

Im Zeitraum von KW1 bis KW12 ergibt sich 2021 gegenüber 2020 eine Übersterblichkeit von 19.538 Personen, die ich aus den genannten Gründen aus der weiteren Analyse ausschließe. D. h. diese Daten werden der Übersterblichkeit des Untersuchungszeitraums nicht zugerechnet.

Im Zeitraum von KW 13 bis KW42 weisen die Daten eine Übersterblichkeit 2021 zu 2020 von 10.786 Personen aus. Das ist eine „rohe Zahl“, deren Aussagekraft begrenzt ist und die für sich genommen, irreführen kann. Sie unterliegt verschiedenen Einflussfaktoren, deren Wirkung aufgedeckt werden muss, damit eine objektivierte, d. h. der Realität entsprechende Aussage möglich wird.

Das Problem der Korrekturfaktoren trat bereits bei der Frage auf, ob es im Jahr 2020 gegenüber dem Mittelwert der Vorjahre Übersterblichkeit gab. Hier gehe ich darauf ausführlich ein. In ähnlicher Weise (und um weitere Korrekturfaktoren ergänzt) ist diese Frage nun für das Jahr 2021 gegenüber 2020 zu beantworten.

Das soll Gegenstand des dritten Teils dieser Folge sein.

Erklärung des Zeichens *: Die Zahlen bis zur 48. oder 49. KW 2021 liegen derzeit noch nicht vor. In dem Maße, in dem destatis die Veröffentlichung der Sterbedaten fortschreibt, wird die in der vorliegenden Postingfolge vorgelegte Analyse wöchentlich aktualisiert. Die jeweils letzte Aktualisierung findet sich als Tabelle am Ende des Teils 5 dieser Folge.

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6 Antworten zu Übersterblichkeit 2021 in Deutschland? (2)

  1. Detlev Matthias Daniel schreibt:

    Sollte man nicht erst einmal die Frage stellen, was man ggf. mit der Feststellung einer Übersterblichkeit bezweckt? Geht es um irgendein Problem, oder um eine Information, die möglicherweise den einen oder anderen Statistikaffinen interessiert?

    Wenn ‚Übersterblichkeit‘ bedeutet, daß in einem bestimmten Zeitraum mehr Menschen sterben, als im Mittel der letzten Jahre, dann haben wir nahezu immer entweder Über- oder Untersterblichkeit. Wenn aber ein Problem beschrieben werden soll, müßten die aktuellen Zahlen nicht mit den Mittelwerten, sondern mit den maximalen Ausschlägen oder Abweichungen vom Mittelwert der vergangenen Jahre verglichen werden. Abgesehen von den dynamischen Anpassungen an die demografische Entwicklung.

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    • kranich05 schreibt:

      Ich habe den Verdacht, dass die Übersterblichkeit 2021 (die z. z. noch maßvoll ist) zu einem beträchtlichen Teil durch Impftote verursacht ist.
      Das ist eine Vermutung, die mich durchaus erheblich beunruhigt, und die ich deshalb mit meinen Möglichkeiten prüfen und das Ergebnis dann zur Diskussion stellen möchte.
      Es könnte sein, dass die Zahl der Impftoten die Größenordnung von etwa der Hälfte der Coronatoten erreicht.
      Die Prüfung dieser Vermutung kann man als Zweck meiner Bemühungen bezeichnen.

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      • Stresstest - "Großraum Krefeld" schreibt:

        „Ich habe den Verdacht, dass die Übersterblichkeit 2021 (die z. z. noch maßvoll ist) zu einem beträchtlichen Teil durch Impftote verursacht ist.“

        @kranich05, ein durchaus berechtigter Verdacht. Das Grippewelle-Jahr 2015 endete mit 925.200 Sterbefällen (gesamt). Im darauffolgenden Jahr 2016 gab es 910.902 Sterbefälle. Im Grippewelle-Jahr 2018 954.874 Sterbefälle und ein Jahr später 939.520 (statista.de). Man kann davon ausgehen, dass die meisten Grippetoten älter und vorerkrankt waren. Viele hätten ohne diese Infektion bestimmt noch 1-2 oder mehr Jahre zu leben gehabt. Und weil man zweimal nicht sterben kann, sind die niedrigeren Sterbefallzahlen in Jahren nach Grippe-Ausbrüchen logisch und erwartbar. Im Fall der sog. Corona-Pandemie, die eine milde Atemwegserkrankung sei (Prof. Dr. Christian Maria Drosten), müsste dieser Effekt auch auftreten – besonders nach der erfolgreichen Massenimpfkampagne ab 27.12.2020.

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