Kinder im Wald

Täglich spaziere ich mit Inca, unserer nun schon neunjährigen aber immer noch lebhaften Eurasierin, im Wald, mindestens einmal.

Der Wald und in ihm eingebettet die Bäke, die manchmal ein Flüsschen ist, meist aber ein Bächlein (und manchmal sogar ausgetrocknet) liegt zwischen zwei Siedlungsteilen.

Im jenseitigen Teil, dem eigentlich Dorfkern, ist die kleine Kirche, die Feuerwehr. Dort sind auch Schule, Hort und Kindergarten.

Ob Winter oder Sommer, Kinder in kleinen Grüppchen sind immer im Wald unterwegs. Sie klettern, balancieren, rutschen; nicht anders als ich damals in den Wäldern, nahe unserem thüringischen Dörfchen. Manchmal sitzen sie auch nur zusammen. Weil sie etwas zu besprechen haben.

Mitunter hetzen sie in langgezogener Reihe auf einem Rundkurs auf den Waldwegen. Dann haben sie Sport. Die Spitzenreiter sind unterwegs wie die geölten Blitze, das Hauptfeld quält sich redlich, zum Schluss kommen Abgehängte. Manche von denen gehen einfach, Andere gehen und rennen dann wieder ein Stückchen bis sie die Kraft oder der Mut wieder verlässt. Dass am Ende manche unbekümmert bloß spazieren, ist wohl ein Wunschbild von mir. (Ich gehörte damals übrigens meistens und mit etwas Mühe zu den geölten Blitzen.)

Gestern früh kam mir ein ganzer Pulk entgegen, 1. oder 2. Klasse. Es war wohl Spaziergang angesagt, denn außer Atem waren sie nicht. Die meisten hatten ihre „Mund-Nasen-Bedeckung“ unter dem Kinn, zwei aber hatten sie korrekt aufgesetzt. Ich fragte verwundert: „Du hast ja einen Maulkorb auf. Stört Dich das nicht beim freien Atmen, wenn Du läufst?“ Der Kleine war verlegen und nestelte seine Maske herunter. Mir tat es Leid, dass ich ihn unter Druck gesetzt hatte, und ich sagte begütigend: „Naja, Ihr habt Euch wohl daran gewöhnt und merkt es gar nicht mehr.“ Der zweite Maskenträger platzte heraus und bestätigte: „Ich hab‘ mich dran gewöhnt! Mich stört es überhaupt nicht!“

Wir brauchten das Thema nicht zu vertiefen, denn wie immer zog Inca, lebhaft bellend,  die Bewunderung der Kinder auf sich, und es kam die unvermeidliche Frage, ob sie gestreichelt werden dürfe und darauf meine unvermeidliche Antwort: „Lieber nicht“.

Später, am Nachmittag, traf ich bei diesem schönen Wetter besonders viele Kinder, die im Wald spielten. Ich war froh, dass sie ganz frei wirkten und von Masken weit und breit nichts zu sehen war.

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