Ach, du lieber Deschner!

Immer wieder nehme ich Dein gewaltiges Werk zur Hand, diese unerschöpfliche Quelle von aufklärendem Wissen und – für den, der sich darauf einlässt – moralischer Bildung oder Kräftigung. Besondere Anlässe brauche ich dazu nicht. Es genügt einfach der Wunsch am geistigen, zugleich ziemlich ernsten Vergnügen.

Andererseits freilich spülen mir die Tagesnachrichten genügend Anlässe zu, um auf Deschner zurück zu greifen. Kirchen, die Apparate der religiösen Kulte, sind längst nicht begraben. Sie mühen sich, auch wenn kaum jugendfrisch zu nennen sind, keine Fossilien zu sein, und bewährte Funktionäre, hoffnungsvolle Nachwuchspolitiker, sind eifrig dabei, ihnen Lebensodem einzublasen.

Dass dabei der jesuitische Papst in der ersten Reihe der Propagandafront steht, kann nicht überraschen, denn vielleicht bringt er es ja zum großen Erneuerer vor dem Herrn (falls er es nicht bei großen Worten belässt).

Natürlich sind auch Berufslinke auf den Christenzug aufgesprungen. Gysi, der Bannbrecher, hat den Bann seit Längerem gebrochen. Jetzt, Ramtatam! hat sich Hoffnungsträger Ramelow in die Spur begeben – als christlicher Brückenbauer in Moskau!ramtatam

Nicht weniger als 40 Wirtschaftler- und Wissenschaftlerköpfe zieren den Schweif dieses Kometen, der die Einheit der christlichen Werte bemüht. Mit „Reformationskantate“ und Luther-Bibel (Man denke: Ein echtes Faksimile!) erfreut er die dort im Osten ansässigen Orthodoxen. Um Nachbarsliebe geht’s.

Der Zufall will es, dass ich im Band 7 vom Deschner gerade das Kapitel „Christliches Judenmorden im Mittelalter“ (S. 403-449) aufgeschlagen habe. – Vorsicht! Im Folgenden IRONIE! Bekanntlich neigen Juden dazu, aus begründetem Anlass christliche Kinder zu schlachten, etwa den Fast-Heiligen Anderl Oxner aus Rinn. Das Dunkel um viele Ritualmorde hellen die Bollandisten auf. Ihre Ursachenforschung hat die folgenden Gründe fürs Ritualmorden ergeben: „1. Christenblut macht die Beschneidung schmerzloser; 2. die wechselseitige Liebe wird glühender; 3. gewisse Krankheiten vergehen früher; 4. Handel und Wandel gedeihen gesegneter.“ (S. 420)

Schönen Sonntag noch wünscht Opa! (Staatlich anerkannter Atheist seit 17. August 1954 – einen Tag nach meinem 14. Geburtstag – meine erste (und erstmögliche) persönliche Begegnung mit einem Standesamt der „zweiten deutschen Diktatur“)

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