Einheit und Differenz von Ostdeutschen und Westdeutschen

Vereinfachte Darstellung vor dem Hintergrund der „Tötungen mit Migrationshintergrund“ in Chemnitz und Augsburg:

Unterschiedslos waren Ostdeutsche wie Westdeutsche 1945 Träger bzw. Ergebnis der deutschen Geschichte. (Gravierende Unterschiede zwischen Deutschen gab es natürlich immer hinsichtlich ihrer Klassenzugehörigkeit. Doch mir geht es hier nur um das Ost-West-Verhältnis der Deutschen.)

Ostdeutsche und Westdeutsche haben sich nach 1945, abhängig von ihrer Einbeziehung in die Systemauseinandersetzung, unterschiedlich entwickelt. Über Jahrzehnte hat jede Seite ihr herrschendes System nicht nur toleriert, sondern aktiv getragen.

In einem schleichenden Prozess über Jahre hat das System des Ostens, der Realsozialismus, seine Legitimität beschädigt und schließlich bis zur Handlungsunfähigkeit zerstört.

Die Ostdeutschen (genauer: sehr viele von ihnen) haben in diesem Prozess dem machtausübenden System ihre Unterstützung entzogen und an einem bestimmten Punkt aufbegehrt. Massen von ihnen haben die Erfahrung gemacht, dass sie gegen eine sich verselbständigende Macht erfolgreich revoltieren konnten. „Populistisch“ gesagt: Sie wissen bzw. haben durch ihre eigenen Tat erfahren, dass man nicht endlos kuschen muss.

Westdeutsche dagegen, in ihrer Masse, kennen diese Erfahrung (ungeachtet der 68er Modernisierungsrevolte) nicht. Daher ist heute ihr Mut, gegen eine sich verselbständigende Macht aufzubegehren, viel geringer. „Populistisch“ gesagt: Sie kuschen lieber.

Die unterschiedlichen Reaktionsweisen der „einfachen Leute“ auf die Tötungen oder Morde (ich muss hier auf exakt-juristische Begrifflichkeit verzichten) von Chemnitz und Augsburg, die beide einen offenkundigen Bezug zur Migrationsproblematik haben, verdeutlichen das Gesagte.

Was ich feststellte ist sehr vereinfacht und blendet die Ursachen aus. Betrachte ich das Bild, das im Kopf dieses Artikels erscheint, so vermute ich z. B. solche Ursachen: Westdeutsche sind eifrigst, ja geradezu panisch, bestrebt, sich vom Rechtsextremismus abzugrenzen. Sie huldigen einer spezifischen Art von Antifaschismus. Auf den Punkt gebracht: Sie nehmen Stellung nicht nur gegen Rechtsextremismus oder Faschismus, sondern auch gegen ein Phantom von Rechtsextremismus oder Faschismus. Mehr zu dieser Problematik hier.

Die rituell überhöhte Antifa-Parteilichkeit der Jetztzeit erklärt sich z. T. aus dem so Anderssein von 40 Jahren westdeutscher Geschichte, wie umgekehrt 40 Jahre DDR-Geschichte den solider begründeten Antifaschismus vieler (älterer) Ostdeutscher erklären.

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