Konflikt mit Konsequenzen (I)

An die Veröffentlichung meiner persönlichen Eindrücke von der Konferenz der Deutschen Freidenker am 30.9.2017 zum 100. Jahrestag der Oktoberrevolution (auf der Webseite der Berliner Freidenker hier und (leicht gekürzt) im opablog hier) hat sich eine heftige Auseinandersetzung angeschlossen.

Davon wird nicht nur in Kürze zu berichten sein, sondern ich werde auch künftig dadurch angeregte, weitergehende Überlegungen hier im opablog veröffentlichen und zur Diskussion stellen.

Das wird hoffentlich ein wenig gegen die in letzter Zeit eingetretene, partielle Verödung ;-)) des opablogs wirken.

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Freidenkerkonferenz zum hundertsten Jahrestag der Oktoberrevolution – persönliche Eindrücke

Vier Vorträge der gestrigen Konferenz konnte ich verfolgen. Drei davon, die von Bruno Mahlow, Prof. Dr. Helga Hörz und Andreas Wehr, brachten mir interessante und zum Weiterdenken anregende Informationen und  Einschätzungen.

Den Vortrag von Michael Kubi mit dem Thema: „Stalin, Repressionen, Sowjetdemokratie: UdSSR – eine Kriminalgeschichte?“ kann ich, sehr freundlich ausgedrückt, nur als „Schlag ins Wasser“ bezeichnen. Der bekennende Stalinbewunderer – darob aus dem Auditorium mit kräftigem Beifall bedacht – zeigte sich nicht nur handwerklich-methodisch vom Thema überfordert, sondern überbrachte auch inhaltlich eine schlichte Kernbotschaft: Die Angriffe gegen Stalin beruhen im wesentlichen auf Propagandalügen des Klassenfeinds und seiner Helfershelfer.

Die vorgetragene Unternullqualität bot keinerlei Basis für eine problemorientierte Sachdiskussion, der knappe Zeitplan tat ein Übriges.

Ich erlaubte mir, auf drei wenig bekannte Tatbestände hinzuweisen, punktuelle Informationen, die keine systematische Diskussion ersetzen, für Nachdenkliche aber beachtenswert sein mögen:

  1. Etwa die Hälfte der Opfer des Stalinschen Großen Terrors waren Kommunisten, Mitglieder oder Kandidaten der KPdSU (einschließlich kurz zuvor Ausgeschlossene). Kubi bestritt diese Tatsache rundheraus und begründungslos. Hier die Quelle meiner Angabe: Wadim S. Rogowin: „Die Partei der Hingerichteten“, Essen 1999, Anhang II: „Statistische Angaben über die Opfer der Massenrepressalien“, 8. Abschnitt: „Die Anzahl der repressierten Parteimitglieder“, Seite 486-488. (Weitere Informationen zu Rogowin z. B. hier.)
  2. Die Anzahl der aus politischen Gründen Verurteilten im allgemeinen und der Erschießungen im besonderen weist eine eindrucksvolle Dynamik über die Jahre 1921 bis 1954 auf. Nur die drei markantesten Jahre herausgegriffen, ergibt sich, dass die Zahl der Erschießungen 1936 1118 betrug, 1937 353.074 und 1938 328.618. Das ist eine Steigerung auf das mehr als 300fache pro Jahr gegenüber 1936 (Quelle: Rogowin, a.a.O., S. 480-486). Herr Kubi machte daraus eine Steigerung auf 300% – vielleicht ein Versehen, vielleicht eines seiner chronischen Versehen? In der Tat handelt es sich um eine Steigerung auf 30.000 (dreißigtausend!) Prozent.
  3. Im Februar 1954 – zwei Jahre bevor Chrustschow das Idol Stalin böswillig lügnerisch beschmutzte und verleumdete, wie alle Bewunderer des USA-Historikers Grover Furr wissen – berichteten Generalstaatsanwalt Rudenko, Inneminister Kruglow und Justizminister Gorschenin an das Politbüro, dass knapp 80% aller in den Jahren 1921 bis 1954 wegen konterrevolutionärer Verbrechen Verurteilten (nach damaliger Zählung 2,9 Mio von 3,8 Mio Personen) durch außergerichtliche Organe (Sonderkonsilien, „Troikas“ usw), also außerhalb der Gesetzlichkeit des sozialistischen Staates, verurteilt worden waren (Quelle: „Istorija SSSR“, 5/1991, S. 152f, zitiert bei: Rogowin, a.a.O., S. 481).

Weiter hier.

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Fundstücke – 30.9.2017 – Hilde Brun

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Bewegt sich etwas?

Von „Bröckeln“ ist die Rede.

Das muss wirklich nichts bedeuten.

Bei der letzten Wahl haben, großzügig gerechnet, Linke etwa 4 Mio Stimmen bekommen. Das sind 6,5% der Wahlberechtigten. Als Optimist unterstelle ich, dass vielleicht ein Viertel dieser Wähler konsequente, NICHTSOZIALDEMOKRATISCHE  Linke sind (oder es zumindest gerne wären), also 1,5%. Grob gerechnet ist das 1 Million Menschen.

Das sind gar nicht so wenig. (Lenin hatte 1916 weniger Leute hinter sich.)

Das politische Gewicht dieser einen Million ist allerdings verschwindend gering. Erstens, weil in ihrem Denken leider unheimlich viel Konfusion herrscht und Zweitens, weil sie (als fast unvermeidliche Folge von Erstens), keine brauchbaren organisatorischen Formen entwickeln.

Käfighaltung der Linken. Die objektiven Bedingungen aber drängeln fühlbar, damit allmählich Schluss zu machen.

Bewegt sich trotzdem, trotz des vorläufigen Ausfalls der konsequenten, radikal-humanistischen, also revolutionären Linken etwas? Ich bin da verhalten optimistisch. Demokratische Kräfte, die zu einer multipolaren Welt drängen, sind mächtig geworden. Sie begeben sich auf die „Neue Seidenstraße“. Zumindest eine etwas weniger kriegerische Welt (eine, die die kriegerische Selbstzerstörung vermeidet) scheint real möglich zu werden.

Nicht mehr, nicht weniger.

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Fundstück – 28.9.2017 – Verachtung

„Als jemand, der auch regelmäßig z. B. Taz, Freitag oder Indymedia (als es noch leichter zugänglich war) liest und lange zu dieser Richtung gehörte, muß ich sagen, daß der Grad der ideologischen Verblendung im „linken“ Lager immer noch sehr hoch ist: Noch immer wird es von Verachtung gegenüber den normalen, einfachen (alias „ungebildeten“) Menschen bestimmt.“

(Quelle)

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Fundstück – 27.9.2017 – Kurdistan

„Das Referendum für die Unabhängigkeit von Kurdistan ist ein Narrenspiel. Die Vereinigten Staaten, die es verdeckt unterstützen, widersetzen sich ihm öffentlich. Frankreich und das Vereinigte Königreich tun das Gleiche, in der Hoffnung, dass Washington ihren alten Traum verwirklicht. Russland fehlt auch nicht, und lässt hören, dass, obwohl es gegen einseitige Änderungen ist, es die Unabhängigkeit unterstützen könnte… zumindest, wenn alle die Unabhängigkeit der Krim zugestehen und infolgedessen ihren Anschluss an Moskau.“

(Quelle)

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Angie macht den Erich

Nicht nur als Dauerkanzlerin erinnert sie an Honecker („Erich währt am längsten!“ war damals ein scherzhafter Spruch.)

Erich ereilten qualitative Umbrüche. Sie firmierten unter „Perestroika“ und „Glasnost“. Damit konnte er sich gar nicht anfreunden und entgegnete: „Den Sozialismus in seinem Lauf, …“ und: „Die Mauer wird noch in hundert Jahren stehen.“ Das war zu einer Zeit, als nur noch wenige Jahre, bald nur noch Monate blieben. Zweifellos hat er richtig erahnt, dass der Realsozialismus, für den er sich lebenslang eingesetzt hatte, untergehen würde.

Angela ereilen qualitative Umbrüche. Sie firmieren unter „Multipolare Welt“ und „OBOR„, auf deutsch:“Neue Seidenstraße“. Damit kann sie sich gar nicht anfreunden und entgegnet (mit der heftigsten Wahlklatsche seit 68 Jahren an der Backe): „Ich würde alles wieder so machen.“ Das ist zu einer Zeit, da ihr nur noch wenige Jahre, bald nur noch Monate bleiben. Zweifellos hat sie nicht den geringsten Grund, zu fürchten, dass der Realkapitalismus untergeht. Etwas Anderes ist ernsthaft bedroht, und das lässt nun tatsächlich den Kompass ihres politischen Lebens verrückt spielen: Die „Neue Weltordnung“ des modernen Imperialismus mit seinem angloamerikanisch-zionistischen Zentrum.

Die Zeit geht weiter, eigentlich die emsigen Menschen. Und sie schieben die versteinerten Patriarchen (auch diejenigen, die sich gerne „Mutti“ nennen lassen) aus dem Weg.

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