Irre in der Politik? Irre Politik? – mit kleinem Update 15.4. – heute, 19.4. mit zweitem Update

Die mit dem behaupteten Giftgaseinsatz von Douma ausgelöste und maximal zugespitzte Krise des USA-Russland-Verhältnisses (Stichwort: „militärische Konfrontation zum 3. Weltkrieg“) wurde entschärft, offenbar durch einen symbolischen Angriff.

Erneut wurde bestätigt, dass maßgebliche Politiker des Westens zur Erringung bzw. Sicherung ihrer imperialistischen Suprematie auf eine Politik des maximalen Risikos setzen. Ihre Strategie ist einfach: Wir schlagen zu. Auf Gegenschläge antworten wir mit stärkeren Gegenschlägen, treiben die Auseinandersetzung ins Extrem bis zum Sieg.

Solche Politiker sind Bolton, Pompeo, Netanjahu, May, Macron.

Die Realitätswahrnehmung dieser Politiker und Politikerinnen ist von der Vorstellung ihrer „Außergewöhnlichkeit“ und „Überlegenheit“ durchdrungen. Dies vorausgesetzt, ist ihr Handeln rational. In diesem Sinne sind sie keine Irren. Durch radikales Ausagieren der Überlegenheit (und nur dadurch), meinen sie, wird jedes denkbare Problem gelöst, während umgekehrt das Nichtausagieren zu Niedergang und Niederlage führt.

Die akute Kriese wurde entschärft, weil die extremistische Position gezügelt wurde. (Dazu: „Den Angriff auf das absolute Minimum zu beschränken, war eine kluge Entscheidung von US-Präsident Donald Trump.“- ebenfalls MoA) Jedoch bedurfte es, um dies zu erreichen, außergewöhnlicher Anstrengungen, etwa von Kriegsminister Mattis aber auch (was die europäische Ebene betrifft) der klaren Positionierung von Merkel (Kujat). Es gibt keine Gewissheit, dass die extremistische Linie dauerhaft zurückgedrängt wurde. Im Gegenteil. (Hierzu eine diesmal ausgewogene Einschätzung von P. C. Roberts.)

Um die extremistisch-imperialistische Linie dauerhaft zu schwächen, ist es nötig, das total verfestigte, sozusagen ideologisch-genetische Syndrom der westlichen Überlegenheit zu zerstören.

Wie das geschehen könnte, wer da welche Aufgaben erfüllen müsste – von der Achse des Widerstands Syrien/Russland/Iran/China bis zur letzten Blogdiskussion –  wäre eine gründliche Diskussion wert.

Für eine an Marx, Engels, Lenin orientierte Friedensposition und die Entwicklung mächtiger Friedensaktivitäten, ist es absolut unbefriedigend, dass sich unsere Kritik auf PolitikerInnen konzentriert, also die Akteure auf der Vorderbühne. Die mächtigen Klassenkräfte und -fraktionen, in deren Auftrag die PolitikerInnen handeln, und auch die steuernden Vermittlungen (seien sie kettenförmig, seien sie netzförmig) zwischen den Akteuren in diesem Ökonomie-Geostrategie-Politik-Feld bleiben weitgehend im Dunkeln.

Die Inaktivität der politischen Parteien, NRO und Massenbewegungen der Linken gerade in dieser Frage ist markanter Ausdruck ihres Elends.

 

Kleines Update,

ausgelöst durch Analitiks jüngsten Beitrag (mit Kommentaren).

Trump am 11. 4. 2018 inmitten sehr vieler Militärs:

Der dazugehörige Artikel ist hier zu finden.

Ich lese ihn als Anregung, sich allzu eindeutiger Wertungen der „uns doch nun wirklich gut bekannten Feinde“ zu enthalten. Der Artikel zur US-Army (Rubikon), um den es breit in den Kommentaren dieses Postings geht, bestärkt möglicherweise gerade diese „schlechte Eindeutigkeit“. Gewisse Militärs, so mein Eindruck, waren maßgeblich beteiligt, dass kein Kriegsbeginn, sondern eine Symbolhandlung vollzogen wurde.

Und ebenso, ich wiederhole es, war das Ausscheren der Kanzlerin ein Handlung von größter Bedeutung. (Ich erwarte, dass diese Handlung ihr politisches Schicksal besiegelt.)

 

Zweites Update, 19.4.2018:

Dieses Update ist eigentlich ein erweiterter Kommentar, ausgelöst durch fidelpoludos Endloskommentar: https://opablog.net/2018/04/14/irre-in-der-politik-irre-politik/#comment-126961

Um der Gefahr zu entgehen, in den Diskussionswucherungen des Postings unterzugehen, gebrauche ich meine Administratorenmacht und hebe das, was ich sagen will, heraus und an den Anfang.

Leider muss ich gestehen, dass ich bei Herrn Sloterdijk noch nie eine für mich fruchtbare Anregung gefunden habe. Obwohl ich es mehrmals versucht habe, schließlich nehme auch ich ihn zunächst als den „Geistschmeichler“ wahr.
Nachdem Fidelp eine Lawine Slotermaterial ins Blog gekippt hat, habe ich erstmal angefangen zu lesen.
Aber nein, wenn mich der „Denker“ auf den Trip bringen will, der Kampf aller gegen alle habe zugenommen
– während ich mir die Finger wundschreibe, dass über dem systematisch inszeniertem Getöse die gesellschaftlichen Grundwidersprüche VÖLLIG VERDUNKELT, ausgeblendet, eingeebnet werden, dass also der Kampf gegen diese Seite (Welche wohl?) VÖLLIG EINGESTELLT IST, soweit, dass er fast gar nicht mehr gedacht werden kann –
oder wenn er beiläufig fallen lässt, die Aufgabe der Medien sei es „Halt zu geben“,
dann mag, wer Lust hat, auf solcher Blödsinnsgrundlage loslegen. Mein Interesse daran ist gleich Null.

Natürlich haben andere anderes Interesse. Im Interesse eines etwas höheren Diskussionsnutzens hier, bitte ich Jeden und Jede darum, der/die vom Blitzschlag einer Erkenntnis getroffen wurden, die anderthalb, meinetwegen auch zweieinhalb Sätze (ob von Sloterd. oder wem auch immer) des Blitzes zu zitieren (möglichst mit aufrufbarer Quell) und in konzentrierten eigenen Ausführungen die Blitzwirkung zu erläutern – und zwar möglichst mit einem NACHVOLLZIEHBAREN BEZUG ZUM THEMA des Postings.

Auch die gefühlt 400 Seiten Polemik um den Artikel von Nafeez Ahmad zur US-Army gingen weitgehend am Thema vorbei. Das Thema des Postings war (und ist) das Verhältnis von Irrationalem und Rationalem in der GEGENWÄRTIGEN Weltkrise und mein Eindruck, dass es hier aktuelle Differenzierungen gibt, über die mehr Klarheit DRINGLICH wäre…

Der US-Flugzeugträgerverband nähert sich langsam der syrischen Küste, der Siegesprozess der Achse des Widerstands in Syrien schreitet fort. Wir kennen die weiteren fundamentalen Faktoren; Israel.
Die tektonischen Platten bewegen sich weiterhin aufeinander zu.
Das Thema des Postings hat Zukunft. Auch unser EIGENER alltäglicher westlicher Suprematiedünkel ist in keiner Weise angekratzt (weil er unsere zweite Natur ist).

Der Platz für die weitere Diskussion, meinetwegen Diskussion 2.0, ist frei.

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Fundstück – 12.4.2018 – Meldung aus Berlin, heute 14.08 Uhr

„Deutschland wird sich an eventuellen – es gibt ja keine Entscheidung, ich will das nochmal deutlich machen – militärischen Aktionen nicht beteiligen“, sagte Merkel.

„Aber wir sehen und unterstützen, dass alles getan wird, um Zeichen zu setzen, damit dieser Einsatz von Chemiewaffen nicht akzeptabel ist“, sagte Merkel.

„Jetzt müsse das ganze Spektrum von Maßnahmen in Betracht gezogen werden, sagte Merkel. Für Deutschland bedeute das, dass man alle Aktivitäten im UN-Sicherheitsrat und die Arbeit der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) unterstütze.“

Quelle: Tagesschau.

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Ist die Politik irre?

Ich glaube es nicht. Am Ende ist Politik immer noch der konzentrierte Ausdruck der Ökonomie (eine begriffliche Bestimmung, mit der ich mich – unverbesserlicher Nostalgiker? – schon wieder auf Lenin und Trotzki stütze).

Was ich von der Substanz der kapitalistischen Ökonomie halte, habe ich kurz beschrieben.

Aber einfach ist es trotzdem nicht. Der Blick auf das, was wir täglich als Politik erleben, scheint etwas Anderes zu sagen als Lenins Diktum.

Die Rhetorik des US-amerikanische Präsidenten, kürzlich gegen Kim, heute gegen Assad oder die Rhetorik der US-Vertreterin im UN-Sicherheitsrat gegen Russland sind zu „hoher Politik“ erhobener Boulevard, Yellow Press. Politik ein Twitter-Eintrag?

Die Giftgas-Aktionen, sowohl die direkt von der britischen Regierung kommunizierte (Salisbury), als auch die mittels hauseigener NRO („Weißhelme“, SAMS, UOSSM) in Syrien von britischen, US-amerikanischen und französischen Geheimdiensten auf die Agenda katapultierte, zeichnen sich nicht nur durch den Verzicht auf jede Plausibilität aus („cui bono“?), sondern führen buchstäblich bereits Stunden nach Bekanntwerden zu schärfsten politischen Erklärungen der bedeutendsten Staaten der westlichen Welt. Wir erleben einen demonstrativen Verzicht auf objektive Untersuchung, sogar auf den Anschein objektiver Untersuchung. Das ist möglich, weil die westlichen Demokratien mehr oder weniger extremistische Diktaturen sind, was von ihren Bürgern akzeptiert wird.

Im Ergebnis ist innerhalb von Tagen der common sense geschaffen, dass wir „am Rande des dritten Weltkriegs“ leben. Genauer müsste man sagen: „erneut geschaffen“, denn Korea-Krise, Syrien-Krise, Ukraine-Krise (und weitere bei Bedarf) spitzen sich buchstäblich im Zwei-Wochen-Rhythmus zu bis fast zum Atomschlag, um dann ebenso plötzlich wieder auf die Ebenen diplomatischer Begegnungen abzusinken.

Ganz großes Kino?

Ja.

Es gibt neue Momente der politischen Steuerung in der westlichen Welt, vor allem ökonomische und ideologische.

Die Mechanismen der politischen Steuerung im engeren Sinne – das System der Repräsentativen Demokratie, Parteienstaat, Rechtsstaat, reduzierter Sozialstaat, zivilgesellschaftliche Formierung – funktioniert stabil. Das heißt, der Staatsbürger gibt zuverlässig freiwillig seine demokratische Souveränität ab an ein von ihm/ihr unbeeinflussbares Herrschaftssystem.

Dieser Zustand wird zementiert durch die kleinteilig gestaltete, immer individueller zugeschnittene ökonomische Abhängigkeit jedes Auszubeutenden. Er/sie wird auf ein Monadendasein in der Konkurrenzwelt reduziert.

In diesem Monaden-Schwebezustand (= als Zombie in der Matrix), der eingeübt werden muss, wird er/sie stabil gehalten mittels

  • der erwähnten tradierten, allseits akzeptierten politischen Muster
  • eines Kurzschlusses von extremer ökonomischer Ausbeutung und korrumpierender Bedürfnisbefriedigung und
  • neuartiger, in schneller Entwicklung befindlicher, ideologischer Steuerung.

Diese neuartige Steuerung braucht eine alte bewährte Grundlage – Unbildung. „Wissen ist Macht“ war einer der populärsten Sätze der frühen Sozialdemokratie. Unwissen ist Ohnmacht der Ausgebeuteten und direkt proportional der Macht der AusbeuterMachthaber.

Auf der Basis der heute erreichten Unbildung und darüber hinausgehenden Denunziation jeder Bildung ist prinzipiell JEDE Deformation und Manipulation der „Gedanken-Vorgänge“ (Ich verwende dieses sperrige Wort, weil weder „geistige Prozesse“ noch „Denkprozesse“ angemessene Bezeichnungen sind.) einer überwältigenden Mehrheit der Menschen möglich.

Die Potentiale der Meinungsmanipulation sind in einem langen Prozess geschaffen worden. Erfahrene AusbeuterMachthaber-Klassen hatten auch in der Vergangenheit, jeweils auf historisch-konkretem Niveau, bereits große Erfolge erreicht. Beispiele sind der deutsche Faschismus und der militante Antikommunismus der Adenauer-BRD.

Der heute erreichte Stand der Denksteuerung der Massen ist nicht nur komplex im Sinne der oben genannten drei Dimensionen sondern ist ein von Wissenschaftsinstrumenten durchdrungener, industrieeller Massenprozess.

Der Mensch, dem bekanntlich (zumindest im Prinzip) Freiheit eigen ist, kann der systematischen Zombifizierung, dem irre werden, entkommen. Das aber verlangt systematische gemeinschaftliche Arbeit bei Einhaltung einer Reihe zwingender Bedingungen.

Welche? Darüber könnte sich ein Meinungsaustausch lohnen.

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Augenzeugenberichte der Geretteten von Douma

Berichte von jetzt befreiten Syrern, die sich seit Dezember 2013 in der Gewalt der islamistischen Scheusale von Jaish al-Islam und Al-Nusra befanden, den Mordmilizen im Auftrag der Golfdikaturen, Israels, der USA und der großen EU-Kriegsmächte Frankreich, GB und Deutschland:

„Ostghouta: Die Geretteten erzählen von der Hölle, die sie erlebt haben:
http://french.almanar.com.lb/847878 Bilder im Link

Seit Sonntag Abend ist die Vereinbarung zwischen der syrischen Regierung und der Terrorgruppe Jaish al-Islam in der Duma, Ost-Ghouta, in Kraft.
Gegen 23:00 Uhr (Ortszeit) begannen die von Saudi-Arabien unterstützten Milizen, die Menschen freizulassen, die sie in den Jahren, in denen sie die Region Ost-Ghouta eroberten, entführt hatten.
Das offizielle syrische Fernsehen filmte den Bus mit Frauen und Kindern, die die Duma über die Passage von Wafidine verlassen.
Nach Angaben der syrischen Agentur Sana wurden die meisten Menschen nach dem Massaker in ihrer Heimatstadt Aadra im Dezember 2013 entführt.
Diese multikommunale Industriestadt östlich der Duma war loyal geblieben, und ihre Bewohner weigerten sich, sich der Rebellion in Syrien anzuschließen, die von den wahhabitischen Monarchien des Golfs und ihren Verbündeten, den Westmächten, unterstützt wurde.
Nach den Morden in den Straßen waren Milizionäre in die Häuser eingedrungen und hatten ganze Familien, einschließlich Frauen und Kinder, gezwungen, ihnen zu folgen.
Diesen Überlebenden zufolge sind die Täter ihrer Entführung sowohl Jaish al-Islam, die von Saudi-Arabien unterstützte Miliz, als auch die Al-Nosra-Front, die immer noch der offizielle Zweig von al-Qaida in Syrien war.
Während ihrer Gefangenschaft waren sie mehrmals in Käfigen eingesperrt, die in den verschiedenen Bezirken von Ghouta gelaufen waren.
Die Agentur Sana veröffentlichte die ergreifenden Bilder und Zeugnisse dieser freigelassenen Zivilisten bei ihren Treffen mit ihren Eltern und Verwandten im Fayha-Sportstadion in Damaskus, wo sie evakuiert wurden.
Die meisten waren Frauen, Jugendliche und Kinder.
Im Alter von 10 Jahren wurden sie von ihren Familien getrennt und als Sklaven benutzt, um Tunnel zu graben.
„Ich wurde mit meiner Mutter und allen Mitgliedern meiner Familie aus der Industriestadt Aadra entführt. Ich schwöre bei Gott, wir wurden gedemütigt wie niemand sonst. Ich war 11 Jahre alt, ich war gezwungen, sehr schwere Zwangsarbeit zu leisten, besonders in den Tunneln“, sagte ein junger Duma-Überlebender für Sana.
„Es ist vier Jahre und vier Monate her, minus vier Tage, seit wir am helllichten Tag aus unseren Häusern geholt wurden, als sie Allahou Akbar riefen, sie waren Jaish al-Islam und die Al-Nosra-Front“, sagte eine Frau, die gerade entlassen worden war.
Und um fortzufahren: „Wir wurden über die Tunnel in die Duma gebracht und dann in einem Gefängnis namens al-Tubah (Erlösung) festgehalten…. Als der Militärfeldzug von der syrischen Armee gestartet wurde,Sie verteilten uns in Häusern unter den Zivilisten, sie sperrten uns in Räume, die sie mit Blei klösterten. 6 oder 7 Monate lang haben wir das Sonnenlicht nicht gesehen. Wir wurden alle beraubt. Es gab Tage, an denen wir kaum 100 Gramm Marmelade zu essen bekamen. Es waren Kinder bei uns.“
„Ich war in einem Raum mit sechs Leuten eingesperrt. Zuerst wollten sie uns ein wenig von der Sonne sehen. 2 Stunden am Tag. Dann haben sie uns nicht ausgeschaltet…. sie haben uns Artillerie über den Kopf gezogen. Jedes Mal, wenn sie bombardierten, zerbröckelte das Dach auf unseren Köpfen“, sagte ein 6-7 jähriger Junge.
Ein Mädchen berichtet, im Alter von 13 Jahren mit ihrem Vater und ihrer Mutter entführt worden zu sein.
„Ich war 5 Jahre mit meinem Mann und drei Kindern im Gefängnis. Sie hatten uns mitgenommen und wollten uns die Kehle durchschneiden. Dann benutzten sie uns, um unseren Staat zu erpressen…. wir verbrachten 5 Jahre in den unterirdischen Kellern, im Dunkeln. Kein Licht, keine Luft. Wir bekamen Essen in wenigen Gramm“, sagte eine andere Frau.
„Ich war ein Student im vierten Jahr in der Pädagogik.“ Sie haben mich mit meinen Eltern und zwei Schwestern entführt…. seit dem 29.12.2013. Wir hatten nichts getan. Wir haben eine Menge durchgemacht. Ich habe vier Jahre im Tunnelbau gearbeitet. Wir waren wie Sklaven. Sie haben viel gelogen. Sie sind Verräter. Ich sah meine Eltern verhungern. Sie hungerten uns aus und gaben uns nur Nahrung gegen Zwangsarbeit. Sie schlugen uns und ließen die Menschen krank, ohne Medizin“, berichtete ein junger Mann.
„Sie haben nichts mit dem Islam zu tun, sie reden über den Islam, wissen aber nichts über den Islam. Sie kennen nur Niedertracht und Schande“, sagte ein alter Mann, der gerade entlassen worden war.
Seit der Freilassung dieser Geiseln und bis zum Nachmittag dieses Montags haben 33 Busse mit Milizionären und ihren Familienangehörigen Duma verlassen und an der Wafidine-Überquerung angehalgten, um einen ersten Konvoi nach Jarablus im Norden Syriens an der Grenze zur Türkei zu bilden.
Ein zweiter Bus der aus Aadra entführten Zivilisten sollte ebenfalls abfahren.

Übersetzt mit http://www.DeepL.com/Translator“

Quelle: Parteibuch

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Lenin-/Stalinfragen

Lieber Kranich, das Thema Lenin, aber auch die Frage nach der Vermeidbarkeit oder Unvermeidbarkeit der Übergabe der Macht an Stalin und der möglichen Unzulänglichkeiten der Organisationsstruktur der bolschewistischen Partei, interessieren mich…“

Ich antworte gerne als jemand, der im Laufe der Zeit viel von und über Lenin gelesen und sich so sein persönliches Verständnis erarbeitet hat. Historiker bin ich nicht und „Experte“ schon gar nicht.

Ich fange mal an: Du schreibst: „Lenins (praktizierter) Grundsatz des Nichtausschlusses von Gegenmeinungen unter Bolschewisten wurde im Verlauf weniger Jahre restlos aufgegeben. (Dabei kann ich nicht genau einschätzen, ob Lenin diesen Grundsatz praktizierte, einfach weil ihn die Verhältnisse dazu zwangen oder ob bzw. wie weit es eine bewusst gepflegte „Kultur“ des produktiven Umgangs mit Gegenmeinungen gab.)

Die heißesten Fragen der Revolution – Lenins Aprilthesen, der Beschluss die Macht zu ergreifen, der Abschluss des Brester Friedensvertrages, später der Übergang zur NÖP, um nur diese zu nennen – führten ALLE zu heftigsten Auseinandersetzungen in der Partei bis hin zu faktischen (mehr oder weniger dauerhaften) Spaltungen. Bei all diesen Auseinandersetzungen befand sich Lenin anfangs in der Minderheitsposition. Er errang jedes mal Mehrheiten in zähen bis erbitterten Diskussionen (parallel zum Fortgang der politischen Massenkämpfe). Mehrmals drohte er selbst mit dem Rücktritt von allen Funktionen. Fakt ist, dass Lenin mit ALLEN, die Gegenpositionen vertreten hatte, nachdem sie diese aufgegeben hatten, weiter zusammenarbeitete.

Bemerkenswert ist auch ein absolut fairer Nachruf Lenins auf den Linken Sozialrevolutionär Proschjan, der zum Kampf gegen die Bolschewiki übergegangen war (Siehe opablog hier). Andererseits gibt es bei Rogowin die Bemerkung, dass es zu Lenins Zeit üblich gewesen sei, dass GenossInnen hartnäckig abweichender Position zumindest zeitweilig in weniger wichtige Provinzfunktionen geschickt wurden. NIEMALS wurden zu Lenins Zeit abweichende Parteimeinungen kriminalisiert/juristisch verfolgt. Das copy right auf diese „Form der Parteiarbeit“ gebührt einzig und allein Stalin, erstmals angewandt übrigens gegen einen muslimischen Bolschewisten und Lenin-Vertrauten (Genaueres müsste ich bei Rogowin nachlesen.).

Es wird behauptet, dass Stalin nicht nur als gelehriger Schüler Lenins galt und auftrat, sondern dass Lenin ihn zumindest eine gewisse Zeit lang auch besonders anerkannt und sogar gefördert habe, ihn sogar in besondere Ämter gehoben habe.

Lenin schätzte Stalin als „prächtigen jungen Georgier“, der prinzipienfest und entschlossen auftrat und zwar in bleierner Zeit, 1912/13. Lenin übertrug Stalin. 1913 eine Ausarbeitung zur Nationalen Frage, die dieser (mit viel Hilfe von Lenin, wie Kosing schreibt) in ausreichender Qualität bewältigte. Mir sind keine weiteren Beispiele einer theoretischen Zusammenarbeit Lenin-Stalin bekannt. Eine rel. selbständige Rolle spielte Stalin ab Februar 2017 in Petrograd (wohin er aus der Verbannung geeilt war) als Prawda-Redakteur mit einer halbmenschewistischen Position. Er gehörte anfangs, wie viele andere auch, zu den Gegnern von Lenins Aprilthesen.

In den späteren Auseinandersetzungen – soweit ich sehen kann in ALLEN – stand Stalin zuverlässig an der Seite Lenins (auch wenn sie in der Minderheit waren). Ich denke, dass L. diese treue Gefolgschaft geschätzt hat. Ich kann nicht erkennen, dass Stalin in diesen Auseinandersetzungen eine besonders aktive, wortführende Rolle gespielt hätte. Vermutlich mangelte es ihm diesbezüglich an der geistig-ideologischen Bildung und Flexibilität bis hin zu den sprachlichen Fähigkeiten. In den beiden Rabinowitch-Bänden, in denen eine Vielzahl von Funktionären zu Wort kommt, wird Stalin fast nie erwähnt. Im Bürgerkrieg bekleidete Stalin bedeutende politisch-militärisch Funktionen, in denen er sich als durchsetzungsfähig erwies, wobei es aber auch zu anhaltenden Kontroversen mit Trotzki und Tuchatschewski kam. Ab Mitte 1922 bekleidete Stalin die Funktion des Generalsekretärs der Partei, von Lenin, dessen medizinischer Leidensweg um diese Zeit begann, nicht gefördert aber toleriert. Ich schätze, dass diese „Innendienst“-Funktion von den „echten Bolschewiki-Kämpfern“, die nach wie vor von ihrem Revolutionspathos durchdrungen waren, eher gering geschätzt wurde. Ein wenig vergleiche ich diese Funktion mit der des Spießes bei der Armee, der „Mutter der Kompanie“. Aber Stalin war jetzt nicht nur sozusagen „Chef der Küche“, sondern auch „Chef der Kader“. Der Bürgerkrieg war zu Ende, die Verwaltung Russlands rückte ins Zentrum aller Arbeit (Stalin setzte in kurzer Zeit tausende Kader ein) und Lenins Platz war unbesetzt – so sah sich Stalin Im zweiten Halbjahr 1922 an die aussichtsreiche Startposition für eine bzw. DIE Führerkarriere gestellt. An Ehrgeiz, Machtinstinkt und taktischer Umsicht mangelte es ihm nicht.

Ab 2. Halbjahr 1922 bis März 1923 entwickelte sich zwei gegenläufige Prozesse:

– die Beeinträchtigung, zunehmend Zerstörung, von Lenins Arbeits- und Führungskraft (von Phasen der Hoffnung unterbrochen)

– die Formierung der winzigen (fünf Personen) Führungsgruppe für den absehbaren Machtkampf.

Beide Prozesse wurden überlagert vom schrittweisen Sichbewusstwerden Lenins der Gefahren die der Partei und der Revolution drohten und seinen Anstrengungen diesem „Schicksal“ gegenzusteuern. Und dieses Sichbewusstwerden wiederum wurde vor allem gespeist aus der kritischen Beobachtung des ZEITGLEICH sich herausbildenden und deutlicher erkennbar werdenden speziellen Stalinschen Führungsstils.

Mit Lenins endgültigem Zusammenbruch Anfang März 1923 war entschieden, dass es keine Lösung im Sinne der direkten (im Inhalt eindeutigen, in der Form vorsichtigen) Empfehlungen Lenins geben würde. (Zu alldem vergl. hier)

Dass Lenin Stalin nicht hat verhindern können – kurz vor seinem Tode soll er ja vor ihm gewarnt haben – deutet für mich auf zwei einander nicht ausschließende Möglichkeiten hin: 1. Seine Einschätzung des Charakters anderer (Mitstreiter oder Gegner; vielleicht nur Mitstreiter) entsprach nicht ganz dem Niveau seiner sonstigen intellektuellen Fähigkeiten. Ein psychologischer Mangel sozusagen. Oder: 2. Die Strukturen einer Kaderpartei ließen sich dem Anforderungswechsel vom Kampf um die Macht zum Ausbau, der Sicherung und Handhabung der Macht nicht oder nur unzureichend entsprechend anpassen und umstellen.

Was Du Möglichkeit 1 nennst, möchte ich rundheraus (spontan) bestreiten. Mein Bild Lenins ist eher, dass er seine Mitkämpfer sehr differenziert einzuschätzen wusste und generell die Wechselwirkungen von Psychologischem und Politischem/Nichtpsychologischem im Blick hatte. Wie gesagt, eine spontane Antwort. Ob ich sie nach längerem Nachdenken vielleicht relativieren würde, weiss ich nicht.

Die Möglichkeit 2 ist sehr ernst zu nehmen. Den Anforderungswechsel hat Lenin frühzeitig grundsätzlich klar benannt. Das gehört zu seinen größten theoretisch-praktischen Leistungen. Ich spreche von seiner im März/April 1918 geschriebenen und veröffentlichten Arbeit „Die nächsten Aufgaben der Sowjetmacht“ (Lenin Werke Band 27, S. 225-268).

Randbemerkung zu Lenin-Quellen: Die komplette Werkausgabe Lenins (wie auch die von Marx/Engels) ist online verfügbar. Man kann sich hier oder hier mühelos die entsprechenden pdf.-Dateien herunterladen und per Volltextsuche schnell jede angegebene Stelle finden.

Eine andere Frage ist, ob die Orientierungen auf die neuen Anforderungen zielstrebig und in vollem Umfang umgesetzt wurden. Wurden sie nicht. Das verhinderte der Existenzkampf – Bürgerkrieg, Interventionskriege – der durchgestanden werden musste. Nach dem Bürgerkrieg ging das Ringen – wieder eine Existenzfrage! – um die NÖP, eine tiefgreifende Umorientierung. (Mir kommt die interessante Frage, ob Lenin nach dem Bürgerkrieg explizit auf seine Arbeit von März/April 1918 zurück gekommen ist. Diese Frage habe ich mir bisher noch nicht gestellt und kann sie derzeit nicht beantworten.)

Kurz: Der Anforderungswechsel stand auf der Tagesordnung. Er wurde nicht umfassend bewältigt, wahrscheinlich (ohne Lenins Mitwirkung) auch nicht im vollen Umfang begriffen.

Inwieweit für diese unentschiedene Situation, die sich ja bis etwa 1928/29 hinzog und mit dem Übergang zu Stalins Diktatur beendet wurde, „die Strukturen der Kaderpartei“ verantwortlich waren, möchte ich momentan nicht beantworten.

Damals wie heute ist die Parteifrage eine der Kernfragen.

Ich bin z. Z. der Auffassung, dass

– der völlige Verzicht auf die Partei zugleich den Verzicht auf die Zentralisierung und Konzentration der systemüberwindenden Kraft bedeutet (Anarchismus). Das halte ich für keinen gangbaren Weg.

– ALLE gegenwärtig existierenden Parteien systemstabilisierende Funktion haben und daher Teil des Problems und nicht der Lösung sind und dass

– Lenins Parteikonzept (Grundlegung in „Ein Schritt vorwärts,…“, 1904, Werke Band 7 aber auch „Was tun?“, 1902, Werke Band 5) ohne Lenins Persönlichkeit ebenfalls gescheitert ist.

In dieser Situation stelle ich mir die Aufgabe, Lenins Parteikonzept noch einmal auf das Sorgfältigste zu studieren in der Hoffnung Ansatzpunkte für eine Weiterentwicklung zu finden, die unter heutigen (und künftigen) Bedingungen funktionieren kann. Übrigens ist in diesem Zusammenhang der kleine Artikel der DDR-Historikerin Ulla Plener lesenswert: „Lenin über Parteidisziplin“, zu finden hier.

Standen Demokratie und Meinungsfreiheit nachweisbar in irgendeiner Form auf seinem „Zieleplan“ und wenn ja an welcher Stelle und eventuell wie weit zeitlich in die Zukunft verschoben?

Auf diese Frage ein eindeutiges „Ja“. Eine Teilantwort habe ich mit dem Verweis auf „Die nächsten Aufgaben…“ gegeben. Beim Lesen sollte man die Diktion der Zeit berücksichtigen. Ein übertriebenes Beschwören des Begriffs „Meinungsfreiheit“ etwa, wird man bei Lenin nicht finden. Ich verweise auf eine weitere knappe Arbeit von Ulla Plener „Lenins demokratische Strategie“ und auch auf meinen kleinen Vortrag bei den Freidenkern zu diesem Thema.

Welche Rolle spielte neben der Idee der „Rätedemokratie“ ihre Praxis?

Hier geht es nicht zuletzt um die Rolle der Sowjets. Die Sowjets=Räte waren in der Revolution Machtorgane, nicht bloße Befehlsempfänger. Bei Rabinowitch kann man nachlesen, wie zeitweilig die Sowjets die einzigen funktionierenden Machtorgane waren und die Partei ein Schattendasein führte, weil alle verfügbaren Parteikräfte konkrete Arbeit in den Sowjets, der Armee, bei der Getreidebeschaffung usw. leisteten.

Grundsätzlich meine ich, dass man bei der „Rätefrage“ immer das Problem mitbedenken muss, dass die Räte als Ausdruck der BREITESTEN Volksinteressen auch für rückständige oder zurückbleibende Positionen offen sind. Das traurige Schicksal der Selbstentmachtung der Räte in der deutschen Novemberrevolution sollte uns bewusst sein.

Stimmt es, dass die Anhängerschaft der Bolschewisten überwiegend in den Städten und Großstädten konzentrierten (ca. 20% der Bevölkerung), während die Bauern und die Landbevölkerung kaum oder fast gar nicht oder sogar entschieden gegen die Bolschewiken eingestellt waren.

Es ist richtig, dass sich die Bolschewiki hauptsächlich auf das Industrieproletariat, die Fabrikarbeiter und in diesem Sinne auf die Städte stützten, ohne aber die Interessen der Bauernschaft zu ignorieren. Großen Einfluss erlangten sie im Verlauf des Krieges auf die Armee und Flotte und das bedeutete indirekt (über die Millionen Soldaten) auch auf die Bauernschaft. Nicht zu vernachlässigen ist ihre Verwurzelung in der radikalen Intelligenz.

Die theoretischen Grundlagen der Politik der Bolschewiki gegenüber den Klassen und Schichten der russischen Gesellschaft hatte Lenin rechtzeitig und gründlich ausgearbeitet in einem seiner klassischen Werke: „Zwei Taktiken der Sozialdemokratie…“ Das war im Juni/Juli 1905, zu finden in Werke Band 9.

Ja, die Russen waren die Einzigen, die frühzeitig anfingen, ernsthaft die „Algebra der Revolution“ zu studieren.

Was an der Zwangskollektivierung war bei Lenin schon angedacht? Gar nichts, nur ein geringer Teil oder hat er sie in groben Zügen mit zu verantworten?

Die Zwangskollektivierung war das erste Große Verbrechen Stalins (Verbrechen hier mehr politisch, weniger juristisch gemeint) und erfolgte in absolutem Widerspruch zu allem, was Lenin diesbezüglich vertreten hatte.

Bei diesem Antwortsatz möchte ich es belassen und jetzt Lenin selbst das Wort geben, der meiner Meinung nach Deine Frage erschöpfend beantwortet. Er sagte auf dem VIII. Parteitag der KPR(B), 18.-23. März 1919, wo er zu Punkt 6, die Arbeit auf dem Lande, referierte (nachzulesen in Werke Band 29, S196-198, Hervorhebungen von Lenin):

Als wir die Macht ergriffen, stützten wir uns auf die gesamte Bauernschaft als Ganzes. Damals hatten alle Bauern eine Aufgabe: den Kampf gegen die Gutsbesitzer. Aber bis heute halten sie an dem Vorurteil gegen den Großbetrieb fest. Der Bauer denkt: „Gibt es Großbetriebe, bin ich

wieder Knecht.“ Das ist natürlich falsch. Aber bei dem Bauern ist mit der Vorstellung vom Großbetrieb der Haß verbunden, die Erinnerung, wie die Gutsbesitzer das Volk unterdrückt haben. Dieses Gefühl bleibt, es ist noch nicht abgestorben.

Vor allem müssen wir von der Wahrheit ausgehen, daß man hier derNatur der Sache nach mit Gewaltmethoden nichts erreichen kann. Hier ist die ökonomische Aufgabe ganz anders gestellt. Hier gibt es keine Spitze, die man abtragen kann, ohne das ganze Fundament, das ganze

Gebäude in Mitleidenschaft zu ziehen. Die Spitze, die in der Stadt die Kapitalisten bildeten, gibt es hier nicht. Hier mit Gewalt vorgehen hieße die ganze Sache zugrunde richten. Hier -bedarf es einer lang dauernden Erziehungsarbeit. Wir müssen dem Bauern, der nicht nur bei uns, sondern

in der ganzen Welt Praktiker und Realist ist, konkrete Beispiele als Beweis dafür liefern, daß die „Kommune“ das beste ist. Natürlich wird nichts Vernünftiges dabei herauskommen, wenn im Dorf übereilige Leute erscheinen, die aus der Stadt aufs Land gespritzt kommen, den Leuten

etwas vorschwatzen, einige gelehrte, mitunter auch nicht gelehrte Zänkereien anzetteln und schimpfend wieder davonfahren. Das kommt vor. Anstatt sie zu achten, wird man sie verspotten, und das mit vollem Recht. Zu dieser Frage müssen wir sagen, daß wir die Kommunen fördern,

aber sie müssen so eingerichtet sein, daß sie das Vertrauen der Bauern gewinnen. Bis dahin aber sind wir Schüler der Bauern und nicht ihre Lehrer. Nichts ist dümmer, als wenn Leute, die die Landwirtschaft und ihre Besonderheiten nicht kennen, Leute, die nur deshalb ins Dorf stürzten,

weil sie etwas vom Nutzen der Gemeinwirtschaft gehört haben, des Stadtlebens müde sind und auf dem Lande arbeiten wollen – wenn solche Leute sich in allen Dingen als Lehrer der Bauern betrachten. Es gibt nichts Dümmeres, als an Gewalt auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Beziehungen des Mittelbauern auch nur zu denken.

Die Aufgabe läuft hier nicht darauf hinaus, den Mittelbauern zu expropriieren, sondern darauf, den besonderen Lebensbedingungen des Bauern Rechnung zu tragen, darauf, von den Bauern zu lernen, wie man zu einer besseren Ordnung übergeht, aber wagt nicht zu kommandieren!

Das ist die Richtschnur, die wir uns gegeben haben. ( B e i f a l l des g a n z e n P a r t e i t a g s . ) Das ist die Richtschnur, die wir in unserem Resolutionsentwurf darzulegen versucht haben, denn in dieser Hinsicht, Genossen, haben wir wirklich nicht wenig gesündigt. Das einzugestehen

ist keineswegs beschämend. Wir hatten keine Erfahrung. Den Kampf gegen die Ausbeuter haben wir auf Grund unserer Erfahrung geführt.

Wenn man uns seinetwegen manchmal verdammt hat, so können wir sagen: „Ihr seid daran schuld, ihr Herren Kapitalisten. Hättet ihr nicht einen so wütenden, sinnlosen, frechen, erbitterten Widerstand geleistet, hättet ihr nicht ein Bündnis mit der Bourgeoisie der ganzen Welt geschlossen,

dann hätte der Umsturz friedlichere Formen angenommen.“

Jetzt, nachdem wir diesen wütenden Ansturm von allen Seiten abgeschlagen haben, können wir zu anderen Methoden übergehen, denn wir handeln nicht als ein kleiner Zirkel, sondern als eine Partei, die Millionen führt. Millionen können nicht sofort eine Änderung des Kurses verstehen, und deshalb treffen die Hiebe, die den Kulaken zugedacht sind, vielfach den Mittelbauern. Das ist nicht erstaunlich. Man muß nur begreifen, daß das durch historische Umstände bedingt ist, die überlebt sind, und daß die neuen Bedingungen und neuen Aufgaben in bezug auf diese Klasse eine

neue Denkweise erfordern.

Unsere Dekrete über die Bauernwirtschaft sind in den Grundzügen richtig. Wir haben keinerlei Ursache, uns auch nur von einem dieser Dekrete loszusagen, auch nur eines von ihnen zu bedauern. Aber wenn auch die Dekrete richtig sind, so ist es nicht richtig, sie den Bauern mit Gewalt aufzuzwingen.“

Lenin Politik der NÖP war auf viele Jahre, ja Jahrzehnte, angelegt. In China hat Deng, nachdem man die Mao-Wirren überstanden hatte, mit seinen Reformen wesentliche Züge von Lenins NÖP realisiert. In der Sowjetunion hat nach Stalin niemand den Weg Lenins wiedergefunden. In der DDR wurden manche Gedanken der NÖP durchaus aufgegriffen.

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„Faust“ gelesen, an Stalin gedacht

Im dritten Akt des Faust“ II als zunächst Euphorion, der „nach Herrlichem“ strebende Sohn von Helena und Faust, abstürzt und stirbt und ihm danach Mutter Helena ins „düstere Reich“ folgt (da „Glück und Schönheit dauerhaft sich nicht vereint“), bleiben Faust in seinem grenzenlosen Schmerz nur einige tote Überbleibsel – Kleid, Mantel und Lyra des Euphorion und Helenas Kleid und Schleier.

Sogleich ist Mephisto mit einem Rat an Faust zur Stelle:

Halte fest, was dir von allem übrig blieb,

Das Kleid, laß es nicht los. Da zupfen schon

Dämonen an den Zipfeln, möchten gern

Zur Unterwelt es reißen. Halte fest!

Die Göttin ist‘s nicht mehr, die du verlorst,

Doch göttlich ist‘s. Bediene dich der hohen,

Unschätzbaren Gunst und hebe dich empor:

Es trägt dich über alles Gemeine rasch

Am Äther hin, solange du dauern kannst,…“

Und weiter Mephisto und jetzt deutlicher zu sich selbst:

Noch immer glücklich aufgefunden!

Die Flamme freilich ist verschwunden,

Doch ist mir um die Welt nicht leid,

Hier bleibt genug, Poeten einzuweihen,

Zu stiften Gild- und Handwerksneid;

Und kann ich die Talente nicht verleihen,

Verborg ich wenigstens das Kleid.“

Als Lenins Lebensflamme erloschen war, gab es ebenfalls einige „Utensilien“ aufzuheben. Der Wettlauf, sich der „hohen unschätzbaren Gunst“ zu bedienen, hatte sofort begonnen. Wen würde es am weitesten emporheben und über „alles Gemeine“ tragen?

Dass die Flamme verschwunden war, bekümmerte Mephisto, die illusionslosen Worte Goethes aussprechend, wenig. Die Welt würde sich an langatmigen Poemen berauschen, die „Handwerker“ und „Krämer“ (und die „Nomenklatura-Gilden“) würden, sich gegenseitig belauernd, ihren Schnitt machen. Das alles wäre zwar geistlos und tot aber von der geborgten Erinnerung an die frühere große Begeisterung überstrahlt.

„Faust“ 1830 – Sowjetunion 1930

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Was ist? Was wird? (1. und 2. 4.18)

Hab‘ ich eigentlich schon gesagt, wo ich mich befinde? In der „Brandenburgklinik Berlin-Brandenburg“ in Bernau bei Berlin, besser bekannt als „Waldsiedlung“ oder „Wandlitz“; ja, im „Städtchen“.

Heute habe ich meinen Nachmittagsspaziergang (während stundenlangen Schneefalls) mal durch den früheren „Innenring“ gemacht, bin die Stücker 20 Häuschen abgelaufen, die damals das Heiligste vom Heilligen beherbergten. Einige sind mit Informationstafeln über die früheren Bewohner versehen, einige scheinen leer zu stehen. Es sind einstöckige Häuser von meist etwa 200 qm Grundfläche, funktional sicherlich kleine Villen, architektonisch sind sie NICHTS – einzeln gestellte Reihenhäuschen.

Ich glaube mich zu erinnern, dass damals Ende 1989, als zum ersten Mal Journalisten über das “Städtchen“ berichteten (DDR-Journalisten, die über Nacht Sensationsgeilheit gelernt hatten), die gezeigten Wohnverhältnisse kaum Jemanden aufregten. Gewaltige Empörung aber gab es über die Kaufhalle im „Städtchen“, vollgestopft mit Westwaren, die zu höchst moderaten Preisen abgegeben wurden (während 10 km weiter in Schmachtenhagen, wo schon damals meine Laube stand, im Hochsommer 1x in der Woche Bier angeliefert wurde, das am selben Tag ausverkauft war…. Merkwürdigerweise hatten die Leute trotzdem alle Bier, …weil sie eben immer gleich ‚nen ganzen Kasten kauften).

Mit dem „Städtchen“ hatte ich nur einmal persönlich zu tun, direkt-indirekt, wenn man so will. Und zwar damals, als ich eine kleine Weile ein Abenteuer mit einer feschen Ungarin hatte. Ihr Mann arbeitete in einem Ministerium oder in der Staatlichen Plankommission. Er war so wichtig, dass er manchmal zu seinem Minister/Politbüromitglied ins „Städtchen“ gerufen wurde, wo bis tief in die Nacht und morgens gleich weitergearbeitet wurde. Dann übernachtete er dort im Gästehaus, während Ungarin und ich nach Herzenslust in einer Tanzkneipe unweit ihrer Wohnung schwoften. „Und etwas andres noch“.

Wenn ich nun weiter zu den Fragen „Was ist? Was wird?“ schreibe, fürchte ich, dass es ein Durcheinander gibt. Mir gehen eine Menge Gedanken durch den Kopf, doch wie strukturieren? Vielleicht ist zumindest die Dialektik von Einzelnem, Besonderem und Allgemeinem ein Ordnungsprinzip. (Damals, in den Gesprächen von Clara S. mit Gilad Atzmon war mir die etwas schematische Entgegensetzung von „tribalistisch verankerten“ und universal orientierten Menschen aufgefallen.) Ich denke, dass Menschen, die sich universalistisch orientieren, sehr wohl besondere Beziehungen (zu denen auch Sippenstrukturen gehören mögen) pflegen sollten.

Die Zeiteinteilung meiner Tage ist sei Jahren festgezurrt. Sechs Stunden täglich – grobe Schätzung, eher mehr – bin ich im Internet: Breit gestreute Aufnahme mich interessierender Informationen, gezielte Recherchen, Schreiben/Zusammenstellen von Postings, kleiner Anteil von Erholung (Musikvideos, politisches Kabarett). Dazu kommen: Lesen (auf Papier Gedrucktes), Kochen, Garten, Partnerschaft/Familie, Haustiere, Singen, dicker werden & dünner werden, Dies und Das (keine Zeitung, kein Fernsehen). Ich war es immer zufrieden, Mrs. Tapir nicht so ganz.

Es hat mir immer Spaß gemacht, Umherzuschauen und meins Hinauszuposaunen. Immer wieder auch habe ich Postings ernsthaft erarbeitet, von denen ich meinte, dass sich danach die Welt ändern würde. Tat sie aber nicht. Es ging täglich seinen Gang. Täglich 200 bis 300 Aufrufe zu erreichen war für mich, diesbezüglich Nichtehrgeizigen, erfreulich. Gehirnjogging ist das Ganze sowieso. Wenn, aus nicht immer erkennbaren Gründen, die Zahl der Besucher und ihre Reaktionen erheblich steigen, wird es noch erfreulicher und … belastend. Es artet in Arbeit aus.

So könnt‘ es „ewig“ weitergehen. 100 Tage abgelebt, 1000 Tage abgelebt, im immer gleichen Schema. Ist es das? Jedenfalls sind die letzten elf Jahre vorüber gesaust, ich weiss nicht wie. „Daß zu frühe die Parze den Traum nicht ende.“ bittet Hölderlin (ohne je eine Stunde am Computer verbracht zu haben). „Welchen Traum eigentlich?“, frage ich verlegen. Und habe noch 3000 oder 4000 Tage vor mir.

Es kommen einige Ernüchterungen zusammen. Eingeleitet wurden sie vor ungefähr drei Jahren als mir die Beschränkung auf das Virtuelle wieder zu eng wurde. (Vorher gab es die „Mollath-Zeit“, in der sich zumindest zeitweilig Virtuelles und Wirkliches/Praktisches gut verbanden.) Ich verfiel, mir schien aus gutem Grund, auf die Deutschen Freidenker. Dort wurde ich sehr aktiv, sah viel Sinn darin und ergriff mit Freuden und rückhaltlos die Möglichkeit zur freien gemeinschaftlichen Diskussion. Doch bald spürte ich Manipulationsversuche. So schnell, wie ich dann gegen Wände rannte, kam ich gar nicht mit meiner Wahrnehmung hinterher.

Lehrreich war es. Hatte ich (für mich) in der Mollath-Phase die Zivilgesellschaftsblase mit ihrem NRO-Rattenschwanz aufgestochen, so war jetzt (für mich), nach der Freidenker-Phase, all das endgültig obsolet, was dort, wo einst das stolze Linke Schiff gekreuzt hatte, an Brettern und Balken, leeren Flaschen und sonstigem Kleinkram auf unruhiger See schwapperte.

Zurückgeworfen auf Null? Das war mir 1991 schon einmal passiert. Als ich, ausgerechnet zum Höhepunkt der Hetze, meine IM-Tätigkeit offenbart hatte, da stand ich 12 Uhr mittags allein auf dem weiten Markt. Die Sonne brannte. Doch ich hatte meinen Kopf, meine Beine, Arme, Hände beisammen. Es konnte weiter gehen. Und es ging.

Der Nullpunkt muss nicht schrecken. Keine Lust mehr auf den immer gleichen Aktivismus aus Gedankenarmut oder Gedankenfeigheit des immer gleichen Häufleins. Ist er mehr als das ins Leere führende Halteseil für die letzten Getreuen? Seit 30, 40, 50 Jahren schreitet der Neoliberalismus durch die Lande als gäb‘s kein morgen. Seit 30, 40, 50 Jahren greinen die Feinde des Neoliberalismus dagegen an. Beide scheinen gut zusammen zu passen. Zahlen sie sich wechselseitig aus?

Russland hat die Rakete „Satan“ im Gepäck. Die Chinesen profilieren sich als künftiger Meister der Hyperschallwaffen. Und die USA wollen nichts sein als das fetteste und immer fettere Monster aus Stahl und Bomben. Dafür geben sie tausende Milliarden aus. (Wollte ich die auszählen, (100 Euro in der Minute)  bräuchte ich viele 10.000 Jahre.) Wenn das das letzte Wort der Menschheit ist, ist jede Äußerung meinerseits eine zu viel.

Also grämlich schweigen? Nein, darum geht es nicht. Aber einfach den Versuch machen, unbekümmert neu zu denken („autonom denken“ hat das Willi genannt). Wenn einer 70 Jahre bewusst gelebt hat, in dieser Zeit viel gerannt ist, ist‘s da nicht an der Zeit, sich einfach mal zu sammeln, sozusagen (ohne die Augen zu zu machen) „in sich zu gehen“? Wenn Du es nicht tust, geht da keiner „rin“.

Ich sollte nicht gar so flapsig reden: Im Grunde interessiert mich die Frage, ob es möglich ist und ob es sinnvoll sein könnte, eine ganz und gar radikale menschliche Antwort (Wir wissen: „radikal“= „an die Wurzel“) auf unsere Zeit zu geben. Wie könnte die aussehen? Wenn alle Welt weiss, dass die Revolution das aller-, aller- allerschlimmste ist, dann reizt es mich doch sehr, mal unbedrängt nachzuschauen, was manche der alten Revolutionsdenker so im Kopf hatten.

Wenn also einerseits das Allgemeine und Universale in (scheinbar) perfekter Rüstung glänzt und jeder Spiegel Dir Ratlosigkeit zurückwirft, und wenn andererseits in 3- bis 4000 Tagen meine Wenigkeit (also das Einzelne) ins Erdreich einzieht, wie der Knoblauch in meinem Garten (dieser Beneidenswerte freilich mit hoher Wiedergeburtswahrscheinlichkeit), sollte ich mich da nicht für die nächste Zeit ein wenig (als mein Besonderes) auf eine Art „Lebens-Raten“ verlegen; unbedingt samt dem dazugehörigen “Leben“?

Also nicht aufhören mit dem Räsonieren darüber, wie die Gesellschaft, wie „die Anderen“ leben sollten, es aber verbinden mit seiner zweiten Seite, dem Begreifen des einfach Selber-Schön-Lebens.

Wird fortgesetzt.

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