„weder links noch rechts“

Diese Wendung spielt eine zwiespältige, merkwürdig-unklare Rolle.

Ken Jebsen, einer der gegenwärtig wenigen linken Aufklärer von Format, geht mit ihr hausieren. Gerne auch konterkariert er sein linkes Aufklärertum durch demonstrative Danksagungen an die Polizei oder durch gelegentliche Nettigkeiten für Frau Merkel.

Die selbsterklärten Gralshüter „echten Linksseins“ – DKP, KPD, Rotfuchs. Kommunistische Plastform oder wer auch immer – sind natürlich sauer, dass der Ken, dem sie unendlich viel verdanken, einen ihrer wichtigsten Glaubenswerte veralbert oder gar leugnet.

Denjenigen, die sich als einzige demonstrativ DIE LINKE nennen, geht der ganze Streit am Allerwertesten vorbei, denn was „links“ wirklich bedeuten könnte, interessiert Gysi und Zöglinge schon lange nicht mehr (wenn es sie jemals interessiert hat).

Bei meiner dauerhaften Sympathie für die Arbeit von Ken Jebsen blieb es nicht aus, dass ich hier im Blog zu bestimmen versuchte (sogar mehrmals), ob und was „Linkssein“ für mich ist.

Anfangs (etwa ab 2012) mögen diese Überlegungen etwas akademisch gewesen sein. Inzwischen ist Zeit vergangen. Wir erleben (ohne allzu viel zu verstehen), wie die Multipolare Welt geboren wird. Dabei könnte es zu einer fundamentalen Tatsache werden, dass diese Welt „weder links noch rechts“ ist. Sie betritt Dank des Agierens von Kräften die Bühne, die anscheinend „weder links noch rechts“ sind.

Opa, der skeptische Optimist, ist natürlich erst einmal froh, dass diese Multipolare Welt offenbar die Neue WeltOrdnung derer zurückdrängt, die sich selbst  „Exzeptionelle“ nennen. Aber was folgt danach? Entwickelt sich ein neuer Kampf der multiplen Pole um „den Platz an der Sonne“? Oder entwickelt sich die Multipolarität zu einer sozusagen „ALLPOLARITÄT“, die auf nichts anderes hinauslaufen kann als eine  „Macht ohne Herrschaft“? Wenn es soweit kommen soll, müsste wohl eine enorme revolutionäre Tatkraft aufgebracht werden, Linkssein im besten Sinne.

Das wäre die Stufe, wo „weder rechts noch links“ einerseits und „radikal links“ andererseits identisch werden. Denkmöglich scheint mir das zu sein.

Was die Zukunft ermöglicht und verlangt, wissen wir nicht.

Die Vergangenheit zu vergessen, haben wir kein Recht.

 

Veröffentlicht unter Bewußtheit, Krieg, Krise, Machtmedien, Materialismus, Realkapitalismus, Revolution | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 13 Kommentare

Opa glaubt…

das alles nicht, das mit dem Kimp und dem Trum oder wie sie gerade heißen, das mit dem Atomkrieg ab Freitag oder auch Samstag.

Ich analysiere nicht, ich sage nur, was ich spüre. Auch Analitik ist anscheinend „zu faul“, Kluges weitschweifig auszubreiten. Dort heißt es seit Tagen nur „Schach“ und zwar mit „!“.

Wir erleben NICHT Pokern, sondern SCHAUPOKERN.

Schaupokern ist die Regierungskunst von Trump und „Partnern“, und die hat er dringend nötig, um „dem Hegemon“, dem – sage ich etwas respektlos – „exzeptionellen Klops“, eine weiche Landung zu ermöglichen. Putin, wie er kundtat, sieht das genauso. Deshalb fängt er eigenhändig während eines traumhaftem sibirischen Urlaubs seine Bio-Hechtsuppe.

(Für Fans: Die gleichen Videoschnipsel gab’s auch schon mal vor vier Jahren.)

Ob er zur Verköstigung Xi einlädt, ist nicht bekannt. Wie auch immer: Im September treffen sich die beiden planmäßig, da die nächsten weltpolitischen Abstimmungen vorzunehmen sind. Sogar Merkel steckt im verdienten Urlaub.

Dass für Kriege Schlafwandler verantwortlich seien, war schon immer Herrschaftsunsinn. Deshalb wird Solches auch immer wieder durch den sogenannten Diskurs gezogen. Die Kriegs-Unternehmer (von Monopol bis Mittelstand bis hinunter zur „prekären“ Mutter Courage) sind zwar immer hellhöllenwach, neigen aber doch zu einer Art rationalen Kalkulation, zumindest einer Risikoabschätzung.

Den Schlaf der Vernunft bei alldem erlauben sich nur Hans und Grete. Fast immer ist es ein Betäubungsschlaf. Stets enthält er mehr als eine giftige Zutat.

Veröffentlicht unter Bewußtheit, Blödmaschine, bloggen, Krieg, Krise, Machtmedien, Materialismus, Realkapitalismus, Widerstand | Verschlagwortet mit , , , , , , | 1 Kommentar

Für Zersetzung? Für Desintegration?

Alle Welt redet von „Integration“. Besonders, wenn es um Migranten geht, scheint Integration die Lösung aller Probleme zu sein. Wenn ein Flüchtling paar Sätze Deutsch radebrecht („zur Pflegekraft reicht’s“), wenn er sechs, sieben oder zehn Stunden arbeitet, für Mindestlohn (oder weniger), dann ist die Welt schon ziemlich in Ordnung. „Gefährder“ ist er hoffentlich nicht, und wenn er demnächst Kirchensteuer zahlt, feiert unsere „christlich-jüdische Leitkultur“ Triumphe.

Bin ich integriert?

Wenn ich in der Sauna mitkriege, wie sich Mitschwitzende über eine Talk Show ereifern, wenn irgend ein Hashtag Tausende bei Twitter elektrisiert, wenn eine „Bild“-Schlagzeile…, kommt mir fröhlich Villon in den Sinn; „beneidenswert, wer frei davon“.

Tatsächlich, ins Universum der MSM bin ich kein bisschen integriert. Desintegration in den riesigen Bereich der „vierten Gewalt“! Darf ich das als verantwortungsbewusster Bürger? Ist das vielleicht sogar geboten, Informationshygiene?

Da kommt mir ein Dichterwort gelegen. Theodor Weißenborn äußert es im „Rotfuchs“ (den Wikipedia einen „schauerlichen Mix – von der Verherrlichung der Staatssicherheit bis zu Hetze gegen den Staat Israel“ nennt). Im Heft August 2017 bricht Weißenborn eine Lanze für – Zersetzung!

„Literatur ereignet sich – anders als viele Studienräte glauben – nicht in der raum- und zeitlosen Sphäre des Idealen. Literatur ereignet sich am genauen historischen Ort. Sie ist bezogen auf gegenwärtige Realität, die gesellschaftliche Realität, in der wir leben, mit der wir es tagtäglich zu tun haben, und kein Bereich dieser bedrücken­den und provozierenden Realität ist der Literatur unwürdig. Literatur ist geistige Aktion in der Zeit, sie spricht hinein in eine konkrete gesellschaftliche Lage und sucht mit den Mitteln der Aufklärung die bestehenden Verhältnisse zu ändern. Ihre Aufgabe ist demnach nicht Verherrlichung, sondern Kritik, Kritik an den offenbaren oder verschleierten gesellschaftlichen Übeln, und das Nahziel dieser Kritik heiße: Zersetzung.

Ich wähle dieses Wort sehr bewußt, und ich meine damit: Zersetzung der Schein-Werte, der Un-Werte, die unsere Gesellschaft in veralteten Institutionen durch reaktio­näre Personen propagiert, also Zersetzung dessen, was der Zersetzung bedarf und was nichts anderes als Zersetzung verdient.“

Und Weißenborn wird konkret. Seine Worte, sagt er, mögen „ätzen wie Salzsäure“:

„Zersetzt werden müssen die autoritären Strukturen dieser Gesellschaft, die Willkür und die Stupidität der Be­hörden, …

Zersetzt werden muß unsere Bereitschaft, persönliche Verantwortung zu delegieren, unsere schweigende Zustimmung, mit der wir die staatlichen Mordmaschinerien ölen, …

Zersetzt werden muß die Flucht in den Rausch, in den Drogenkonsum, die Bewußt­seinstrübung, die uns als Bewußtseinserweiterung verkauft wird. …

Zersetzt werden muß die moralische Korruption jener Militärseelsorger, die als Hand­langer kirchlicher und staatlicher Machtpolitik Gewissensbildung in Richtung auf Kampfbereitschaft und Einsatzfreude manipulieren, …

Zersetzt werden muß die NPD, zersetzt werden muß die AfD – ja, freilich –, aber zer­setzt werden muß vor allem die weniger auffällige und darum gefährlichere antidemo­kratische Gesinnung zahlreicher Mitglieder der im Bundestag etablierten Parteien, …

Und schließlich: Zersetzt werden muß der Zynismus karitativer Hilfe, soweit den für die soziale Not Verantwortlichen die Verantwortung dadurch abgenommen wird, …“

Zersetzung, Desintegration, das erinnert an: „Macht kaputt, was Euch kaputt macht“. Bilder steigen auf von sogenannten „Revolutionären 1. Mai-Demos“, splitterndem Glas, brennenden Autos.

Am Allerwenigsten geht es darum!

Viel mehr geht es um die geschmeidigen, fast gar nicht schneidenden, teils unsichtbaren, teils glänzenden Fesseln, die wir uns selbst täglich schnüren! Fesseln der „sensationellen Information“, des „süßen Konsums“, des „ultimativen start ups“, des scheinpolitischen Aktivismus, des Lebens als „Thrill“.

Aufklärung über das Herrschafts- und Ausbeutungssystem, das uns einsaugt – seine modische Bezeichnung ist „Matrix“ – und Zerreißen der uns fixierenden Verbindungen – darum geht es! Heute greifen diese Bindungen – anders als im klassischen Faschismus – NICHT OHNE UNSER ZUTUN. Und durch UNSERE BEWUSSTE ENTSCHEIDUNG werden sie gekappt.

Kann ich das allein? Kann ich mich von ALLEM losreißen? Viele Fragen, tausend Implikationen. Die Zeitung kann ich bestellen oder abbestellen. Den Fernseher kann ich einschalten oder in den Sperrmüll geben. Die Partei, der ich nur halb vertraue, kann ich wählen oder ich wähle sie nicht. Ich „ziehe mir Pornos rein“ oder ich spreche mit einem Menschen.

Ich kann anfangen. Schritt für Schritt erproben, tausend kleine Entscheidungen kann ich treffen; anfangen.

Reiße ich mich los von den Bindungen an’s System, verliere ich mit der Fessel zugleich jeden Halt. Als isoliertes Individuum, Monade, Staubkorn bin ich hilfloser, denn je. Meine bewusste Desintegration verlangt zugleich die bewusste Integration in eine Gemeinschaft. Ich nenne sie Gemeinschaft revolutionärer Sozialisten Solche Gemeinschaften könnten die Macht erlangen, die gesamte, komplexe, widersprüchliche Gesellschaft zu gestalten. Revolutionären Sozialismus hat es wirklich gegeben, und es gab ihn nur als UNMITTELBAR BASISGESTÜTZTEN SOZIALISMUS. So und nur so, als UNMITTELBARE BASISVERKÖRPERUNG, hat er die Zukunft für sich.

Dieses kleine Posting korrespondiert mit der Reihe „Nachdenken mit Lenin“, die andernorts beginnt.

Veröffentlicht unter ökologisch, Bewußtheit, Blödmaschine, Demokratie, Faschismus alt neu, Krise, Leben, Lenin, Machtmedien, Materialismus, Mensch, Realkapitalismus, Realsozialismus, Revolution, Widerstand | Verschlagwortet mit , , , | 3 Kommentare

Das Trio wird zu EINEM FEINDBILD verschmolzen! – mit aktuellsten Nachbemerkungen

TrumpPutinErdogan, die allem Anschein nach gegenwärtig jeder in seiner Weise (und gemäß den jeweiligen Interessen) dazu beitragen, ISIS in Syrien in verlustreichen Kämpfe zu schlagen (Hier die neuesten Informationen.) – diese drei sind zum schillernd-dreieinigen Feindbild der Globalisten-Mafia geworden.

Die Mediengewalt der Globalisten-Mafia sorgt dafür, das Feindbild TrumpPutinErdogan in die Köpfe zu hämmern. Die Einflussagenten der Globalisten-Mafia (und ihre naiven Mitläufer) sorgen dafür, dass „zivilgesellschaftliche Organisationen“ (mit und ohne Anführungszeichen) in TrumpPutinErdogan-Protestzügen durch die Straßen tanzen.

All das wissen wir von den G20-Protesten in Hamburg. Doch es bildhaft-anschaulich wahrzunehmen – das ist noch einmal eine andere Nummer. Die unermüdliche „Arbeiterfotografie“ liefert die Bilder:

Website der Werbekampagne „mensch, wach auf!“

Noch viel mehr G20-Bilder und aufklärende Textbeiträge in der Neuen Rheinischen Zeitung.

Und nicht vergessen: Der komplette „Freidenker“ 2/2016 widmet sich dem Thema:

„Bilder Wahrnehmen in Bewegung kommen“

mit Beiträgen von „Arbeiterfotografie“- Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann, die z. T. online verfügbar sind.

 

PS – GLOBALISTEN-MAFIA:

Dem/der einen oder anderen Leser/Leserin mag der Ausdruck „Globalisten-Mafia“ zu unkonkret und zu polemisch sein. Etwas konkreter ist diese Mafia mit den Namen Clinton-Soros-McCain bezeichnet  oder umrissen oder symbolisiert. Doch es geht noch konkreter und ohne vordergründige Personifizierung: Die Beschlüsse beider Kammern des US-amerikanischen Parlamentarismus zum Handelskrieg gegen Russland u. A. sind in Reinkultur Politik der Globalisten-Mafia. Sie wurden fast einstimmig gefasst gegen den Widerstand des Präsidenten, dem man aber die Hände gebunden hat. Diese Beschlüsse sind nicht zu verstehen ohne das Wirken der Lobby des Zionismus und der City of London in Washington. Das Wirken des Präsidenten ist nicht zu verstehen, ohne die Rolle des US-Militärs zu berücksichtigen (Weiteres hier).

Hier noch der Hinweis auf ein anderes Blog, dass die Rolle der GLOBALISTEN-MAFIA rücksichtslos aufdeckt nachdrücklich thematisiert. Es ist das Blog „konjunktion.info“. Dort wird die Bezeichnung Internationalisten/Globalisten/Eliten (IGE) verwendet.

„Thematisieren“ versus „rücksichtslos Aufdecken“: Jemand, der sich besonders um’s vertiefte Aufdecken (mit sorgfältigem Abwägen) kümmert, scheint mir im Blog „WiPoKuLi“ aktiv zu sein, z. B. hier.

Veröffentlicht unter Bewußtheit, Blödmaschine, bloggen, Demokratie, Krieg, Krise, Kunst, Machtmedien, Realkapitalismus, Widerstand | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | 3 Kommentare

Der Zusammenhang von Konjunktur und Fluchtursachen…

… interessiert Joachim Bode.

Dass die Konjunktur brummt, sollen vorzugsweise die geschönten – besser: gefälschten – Zahlen über Arbeitslosigkeit in Deutschland untermauern, während die seit Jahren tatsächlich ständig gestiegenen Unternehmensgewinne in der veröffentlichten Meinung eher in den Hintergrund treten.

Oft wird dem Staat vorgeworfen, kein ausreichendes Investitionsprogramm aufgelegt zu haben, um die immer notleidendere Infrastruktur zu stärken. Das stimmt teilweise, soweit es die Zielrichtung Infrastruktur betrifft. Das ist überall leicht festzustellen.

Allerdings investiert unser Staat an anderer Stelle, wovon die Konjunktur – sprich: Unternehmensgewinne – enorm profitiert. Seit dem Fall der Mauer sind in Auslandseinsätze der Bundeswehr weit über 17 Milliarden Euro geflossen. Als Folgekosten beziffert das Finanzministerium eine Summe von mindestens 35 Milliarden, die dem Bund für Flüchtlinge und Asylbewerber allein für die Jahre 2015 und 2016 entstanden sind. Bei näherem Hinschauen könnte es sich wahrscheinlich herausstellen, dass sowohl die 17 als auch die 35 Milliarden nur ungefähr die Hälfte der tatsächlich entstandenen Kosten darstellen. Die zuständigen Ministerien werden wissen, warum sie sich darauf berufen, dass nicht alle Zahlen ohne weiteres verfügbar seien. Die Unternehmensseite weiß jedoch – man sagt es dort sogar ausdrücklich -, wie sich die genannten Investitionen auswirken, nämlich wie ein gigantisches Konjunkturprogramm. Unter den herrschenden Verhältnissen in Deutschland ist garantiert, dass dabei die Umverteilung von unten nach oben befördert wird.

Vielleicht ist auch das ein Grund dafür, dass in Deutschland weit mehr über Flüchtlinge, Asyl, Obergrenze, Willkommenskultur oder Sperrzäune, über Domplatte und Burka gestritten wird, als über Fluchtursachen. Nach der Erwähnung des letztgenannten Wortes erstirbt bei jeder Gelegenheit im Politik-, Mainstreammedien- und Talkshow-Theater die Diskussion, so dass letztlich offen bleibt, was die Fluchtursachen eigentlich sind.

Dabei erklären die oben genannten Zahlen schon recht anschaulich, worum es geht. So lange diese Zusammenhänge nicht klar werden, werden wir weiter beschäftigt mit den Folgen, nicht mit den Ursachen. Beenden lassen sich Probleme aber nur dann, wenn die Ursachen beseitigt werden. Dann entfallen auch die Folgen. Daran sind aber die Eliten so lange nicht interessiert, wie sich ihre Untertanen über weniger entscheidende Dinge in den Haaren liegen.

Veröffentlicht unter Bewußtheit, Blödmaschine, bloggen, Demokratie, Krieg, Krise, Machtmedien, Realkapitalismus, Widerstand | Verschlagwortet mit , , , , | 3 Kommentare

Nachdenken mit Lenin – „GEN. PROSCHJAN ZUM GEDENKEN“

Den folgenden Text, der in „Lenin, Werke Band 36, Seite 501f“ nachgelesen werden kann, veröffentlichte Lenin am 20. Dezember 1918 in der  „Prawda“.

„Ich lernte Gen. Proschjan während unserer gemeinsamen Arbeit im Rat der Volkskommissare Ende des vergangenen und Anfang dieses Jahres (1917/1918 – KPKurch) kennen und schätzen, als die linken Sozialrevolutionäre mit uns verbündet waren. An Proschjan fiel sofort auf, daß er der Revolution und dem Sozialismus zutiefst ergeben war. Nicht von allen linken Sozialrevolutionären konnte man sagen, daß sie Sozialisten sind, überhaupt konnte man das wohl kaum von den meisten unter ihnen behaupten. Von Proschjan jedoch mußte man das sagen, denn ungeachtet seiner Treue zur Ideologie der russischen Volkstümler, einer nichtsozialistischen Ideologie, war in Proschjan der tief überzeugte Sozialist zu erkennen. Auf seine Art, nicht durch den Marxismus, nicht von der Idee des proletarischen Klassenkampfes aus ist dieser Mensch Sozialist geworden, und im Rat der Volkskommissare konnte ich bei der gemeinsamen Arbeit wiederholt beobachten, wie Gen. Proschjan sich entschlossen auf die Seite der Bolschewiki, der Kommunisten stellte, und nicht auf die seiner Kollegen, der linken Sozialrevolutionäre, wenn diese den Standpunkt der Kleineigentümer vertraten und sich zu den kommunistischen Maßnahmen auf dem Gebiet der Landwirtschaft ablehnend verhielten.

Mir ist besonders ein Gespräch mit Gen. Proschjan im Gedächtnis geblieben, das kurz vor dem Brester Frieden stattfand. Damals schien es, als bestünden schon keine irgendwie wesentlichen Meinungsverschiedenheiten mehr zwischen uns. Proschjan begann mir gegenüber davon zu sprechen, daß eine Verschmelzung unserer Parteien notwendig sei, daß die dem Kommunismus (damals war dieses Wort noch nicht im Schwange) am fernsten stehenden linken Sozialrevolutionäre sich ihm während der gemeinsamen Arbeit im Rat der Volkskommissare merklich und sehr stark genähert hätten. Ich verhielt mich zum Vorschlag Proschjans zurückhaltend und bezeichnete ihn als verfrüht, leugnete jedoch keineswegs ab, daß in der praktischen Arbeit eine Annäherung zwischen uns erfolgt sei.

Ein völliges Auseinandergehen brachte der Brester Frieden, und bei der revolutionären Konsequenz und Uberzeugungstreue Proschjans mußte aus diesem Auseinandergehen unbedingt ein direkter, ja bewaffneter Kampf entstehen. Daß es bis zum Aufstand oder bis zu solchen Tatsachen wie dem Verrat des Armeeoberbefehlshabers Murawjow, eines linken Sozialrevolutionärs, kommen könnte, das hatte ich, offen gestanden, nicht erwartet. Doch hat mir das Beispiel Proschjans gezeigt, wie tief sich in den Köpfen selbst der aufrichtigsten und überzeugtesten Sozialisten aus den Kreisen der linken Sozialrevolutionäre der Patriotismus eingenistet hatte – wie die Meinungsverschiedenheiten in den allgemeinen Prinzipien der Weltanschauung an einem schwierigen Wendepunkt in der Geschichte unvermeidlich zutage treten mußten. Der Subjektivismus der Volkstümler führte zu einem verhängnisvollen Fehler selbst der besten unter ihnen, die sich von dem Phantom einer ungeheuerlichen Macht, nämlich der des deutschen Imperialismus, blenden ließen. Ein anderer Kampf gegen diesen Imperialismus als durch Aufstände, und noch dazu unbedingt augenblicklich, ohne die objektiven Verhältnisse unserer und der internationalen Lage irgendwie zu berücksichtigen, erschien vom Standpunkt der Pflicht eines Revolutionärs als direkt unzulässig. Hier zeigte sich derselbe Fehler, der die Sozialrevolutionäre im Jahre 1907 zu unbedingten „Boykottisten“ der Stolypinschen Duma machte. Nur hat sich unter den Bedingungen heißer revolutionärer Schlachten der Fehler grausamer gerächt und Proschjan auf den Weg des bewaffneten Kampfes gegen die Sowjetmacht getrieben.

Und dennoch hat Proschjan bis zum Juli 1918 mehr für die Festigung der Sowjetmacht getan als nach dem Juli 1918 für deren Untergrabung. Und in der internationalen Situation, die nach der deutschen Revolution entstanden ist, wäre eine neue – dauerhaftere als die frühere -Annäherung Proschjans an den Kommunismus unausbleiblich erfolgt, wenn ein vorzeitiger Tod diese Annäherung nicht verhindert hätte.

N. Lenin“

* * *

Wer den kurzen Zeitungsartikel nur oberflächlich betrachtet, meint vielleicht: „Nichts Besonderes, kleine Gedenknotiz für einen verstorbenen Genossen“. Doch damit würde etwas Wichtiges übersehen, nämlich, dass Lenin eines Menschen gedenkt, der „den Weg des bewaffneten Kampfes gegen die Sowjetmacht“ eingeschlagen hatte. Ist es nicht erstaunlich, dass Lenin trotzdem nicht von Feind spricht?

Revolutionäre mit einer anderen Position „Feinde“ zu nennen, sie als „Agenten des deutschen, britischen und amerikanischen Geheimdienstes“ zu diffamieren oder sie als „Trotzkisten“ – das Allerschlimmste! – in Acht und Bann zu tun, das hat erst Stalin zur Methode gemacht, und manche seiner Adepten folgen ihm bis heute.

„Aber Stalin stand unter dem Druck des schärfsten Klassenkampfes, der schärfsten Angriffe der Konterrevolution“, wird als „Begründung“ vorgebracht. Ein Blick auf das Datum von Lenins Nachruf – 20. Dezember 1918 – verrät, dass dieser im Augenblick des Existenzkampfes der Sowjetmacht geschrieben wurde. In den Werken Band 28 ist auf den Seiten 539 und 540 aufgeführt, womit Lenin sich im Dezember 18/Januar 19 beschäftigte; kann hier mühelos nachgeprüft werden. Nein, es war nicht die politische Schönwetterlage, die dem Führer der Revolution eine „menschliche Regung“ erlaubte.

Ohnehin ist es nicht so sehr „Warmherzigkeit“, die hier zum Ausdruck kommt. Vielmehr ist es eine grundsätzliche Achtung vor jedem Menschen und ein tiefes konkretes Verständnis für jeden Menschen auf der Basis tief begründeten und zugleich differenzierten theoretischen Wissens und feinfühliger Wahrnehmung des Anderen (in seiner inneren Widersprüchlichkeit und persönlichen Dynamik).

Welche theoretische Souveränität steckt allein in der Bemerkung, Proschjan sei als Vertreter einer „nichtsozialistischen Ideologie“ dem Sozialismus „zutiefst ergeben“ gewesen. Ich sagte „theoretische Souveränität“ – ihr Kern ist die gleichsam zu Lenins „Natur“ gewordene Fähigkeit der materialistischen Dialektik. Das sei hervorgehoben, weil es erlernbar ist.

Der Deutsche Freidenkerverband veranstaltet im September 2017 in Berlin eine wissenschaftliche Konferenz aus Anlass des 100. Jahrestages der Oktoberrevolution. Erfreulich wäre es, diese Konferenz würde eine Übung des Nachdenkens mit Lenin.

Veröffentlicht unter Bewußtheit, Leben, Lenin, Machtmedien, Mensch, Revolution | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Antworten zum „Tiefen Staat“ und offene Fragen

Auf der neuen, lesenswerten und noch wenig bekannten Webseite „Rubikon“ hat Ullrich F. J. Mies (geschätzter Gastautor von opablog) Elias Davidsson interviewt, der gleichfalls geschätzter opablog-Gastautor ist. Soviel Eigenlob muss sein 😉

Es ist keine Routinefloskel, wenn ich sage: „Dieses Interview ist interessant.“ Es ist weniger deshalb interessant, weil dort sensationelle Neuigkeiten zu 9/11 oder anderen Terrorakten mitgeteilt würden. Nein, wer die öffentlichen Stellungnahmen Davidssons und anderer „Verschwörungstheoretiker“ kontinuierlich verfolgt, begegnet in dieser Hinsicht wenig Neuem.

Das Neue und besonders Wertvolle sehe ich darin, dass beide, Interviewer und Interviewter immer wieder auf den „Tiefen Staat“ zu sprechen kommen. Hier ein Versuch, die dazu geäußerten Überlegungen, Thesen und offenen Fragen zusammen zu fassen:

  1. Die offizielle Darstellung der 9/11-Ereignisse ist falsch.
  2. Dass Staaten ihre Geheimoperationen lange verheimlichen können, veranschaulicht die Geheimhaltung der GLADIO-Netzwerke während des ganzen Kalten Krieges.
  3. Der „Tiefe Staat“ setzt sich nach amerikanischen Analytikern – u. a. Peter Dale Scott, Mike Lofgren – aus Teilen des offiziellen Politikapparates, Wall Street, Big Oil, dem militärisch-industriellen-Kongress-Komplex, den 17 Geheimdiensten, dem Department of Homeland Security, den Medien und tausenden Kontraktfirmen zusammen.
  4. Der „Tiefe Staat“ ist der Teil des Machtapparates, der jene Operationen ausführt, die der offizielle Staat nicht ausführen kann oder darf. Dabei geht es um den offen eingestandenen Anspruch des Wirtschaftsimperiums USA auf Welthegemonie.
  5. Schafft der „Tiefe Staat“ eine quasi Militärdiktatur? (Die dem Department of Homeland Security zugeordnete Federal Emergency Management Agency (FEMA) verfügt landesweit über 800 Internierungslager mit einer Kapazität für insgesamt 16 Millionen Insassen.)
  6. Ich kann mir vorstellen, dass es eine NATO-GLADIO-Folgeorganisation gibt — GLADIO 2.0, die im geheimen operiert und Angst und Schrecken unter den Völkern verbreitet. Es ist im Interesse der westlichen Staaten, in der Bevölkerung die Terrorangst mit allen Mitteln zu schüren.
  7. Die Gleichschaltung der Medien ist unbestreitbar. Warum die Medien so handeln, ist eine schwere Frage, die ich nicht eindeutig beantworten kann.
  8.  Sind deutschen und europäischen Eliten „Partner“ im aufziehenden transatlantischen Überwachungs-, Unterdrückungs- und Kriegsstaat, also Mitspieler einer deutschen beziehungsweise EU-Parallelregierung analog zum „Tiefen Staat“ in den USA? Oder Wollen sie etwas anderes?
  9. Weil es der herrschenden Klasse mit Massenmanipulationen und Lügen besser gelingt, die Bevölkerung zu zähmen und ihre Legitimation zu bewahren als mit einem kapitalistischen, totalitären Staat, werden wir noch lange mit staatlichen Lügen leben müssen.
  10. Eine grundsätzliche und interessante Frage bleibt es: Ist Herrschaft ohne Lügen und Verbrechen überhaupt möglich?

So verdienstvoll es ist, den „Tiefen Staat“ offen zu thematisieren, so notwendig erscheint es mir zugleich, über mehr oder weniger einzelne Hinweise hinauszugehen. Es wird Zeit, die umschreibende Metapher hinter sich zu lassen oder zumindest begrifflich zu vertiefen. Das wäre wohl nicht zuletzt möglich durch „Aufhebung“ bewährter Erkenntnisse des Marxismus-Leninismus etwa über den Klassencharakter des Staates, über die Rolle des Staates im Imperialismus, über Faschismus und über Zivilgesellschaft. Dialektische Aufhebung würde bedeuten, das sei ausdrücklich hervorgehoben, die „alten Erkenntnisse“ zu übersteigen ohne sie fallen zu lassen.

Im Interview (ebenso in dem erwähnten Buch Elias Davidssons) fällt die konkrete kritische Auseinandersetzung mit Mainstreamjournalisten ins Auge. Soweit so gut. Nicht aber Journalisten sind die Hauptmatadoren des politischen Kampfes in der bürgerlichen Demokratie. Das sind immer noch die Parteien und die Parteipolitiker.

Dass alle als links und linksliberal geltenden Parteien, voran die Linkspartei, jede politische Auseinandersetzung mit dem „Tiefen Staat“ vermeiden, ja seine Existenz völlig ignorieren, ist ein viel größerer Skandal als die systemkonforme Verhaltensweise von Systemjournalisten. Das Thema 9/11 existiert für die Linkspartei nicht. Selbst wenn die Linkspartei mit vergleichsweise zweitrangigen oder skurrilen Erscheinungen des „Tiefen Staates“ konfrontiert wird, reagiert sie nicht politisch. (Ich erinnere nur an die demütigenden Festlegungen mit denen man Bundestagsabgeordneten den Zugang zu den TTIP-Dokumenten „gestattete“!)

Die totale Herrschaft des aggressiven Kapitals sicherte der historische Faschismus durch Brot, Spiele und ästhetische Werte, Blut und Terror gegen die eigenen Widerstandskämpfer (also Angst) sowie Aussicht auf Beute.

Die totale Herrschaft des aggressiven Kapitals heute sichert der einheitliche Staat (in seiner Oberflächen- und Tiefendimension) durch Brot und darüber hinausgehende Konsumfreiheiten, eine übermächtige Welt von Spiel und Ästhetik, Blut und Terror gegen Widerstandsstellvertreter (also Angst), sowie Hoffnung auf Schutz des status quo.

Jedes Wort linker Aufklärung ist notwendig. Jedoch muss Aufklärung selbst politisch werden.

Veröffentlicht unter Bewußtheit, Blödmaschine, bloggen, Demokratie, Faschismus alt neu, Krieg, Krise, Machtmedien, Materialismus, Realkapitalismus, Revolution, Widerstand | Verschlagwortet mit , , , | 4 Kommentare