Fundstück – 6.12.2017 – Andrej Hunko charakterisiert die Vorgehensweise repressiver Systeme

„Es ist das Kennzeichen repressiver Systeme, existenzvernichtende Vorwürfe so breit, dehnbar und unscharf zu fassen, dass ein großer Teil Oppositioneller darunter gefasst werden kann und Angst haben muss, selbst dazu zu gehören. Auf dem Höhepunkt des Stalinismus, den Moskauer Prozessen war es der Kontakt zu ‚Trotzkisten‘ oder eben auch, im Fall von Karl Radek, der ‚Querfront‘-Vorwurf, der das Todesurteil bedeutete. In der McCarthy-Ära waren es Kontakte zu Kommunisten oder ‚anti-amerikanische Umtriebe‘, die den zivilen Tod bedeuteten. Heute ist es in der Türkei ein ins Lächerliche gedehnter Terrorismusvorwurf, der in diesen Tagen den ‚Akademikern für den Frieden‘ oder Abgeordneten der HDP vor Gericht zum Vorwurf gemacht wird. Zurecht fordern EU und Europarat eine scharfe Definition und Eingrenzung des Terrorismus-Begriffs (auch wenn im Fall der EU diese der Forderung selbst nicht gerecht wird).“

Das Zitat ist seiner persönlichen Erklärung entnommen, mit der er seine Ablehnung des Vorstandsbeschlusses der Linken vom 3.12.2017 begründet, der die Solidarisierung der Vorstandsmehrheit (18 Ja-Stimmen, 7 Nein-Stimmen und 5 Enthaltungen) mit dem Berliner Kultursenator Lederer im Fall „Druck auf Babylon“ zum Ausdruck bringt und zugleich den Vorstandsbeschluss vom 25./26. Mai 2014 gegen die Friedensmahnwachen bekräftigt.

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Jüngst wurde in Berlin „Die Maßnahme“ (Brecht/Eisler) aufgeführt

Hier hatte ich es angekündigt. Tatsächlich wurden nur einige Teile des Werkes von Brecht/Eisler gebracht. Knapp die Hälfte des Textes, darunter wesentliche Teile, zumindest dieser Version, fehlten

Neben den rund hundert Sängerinnen und Sängern hatten sich vielleicht 150 oder 200 Interessierte auf dem Platz vor der Volksbühne eingefunden. Halb gespenstisch, halb modern wirkte das Gewusel der Leute mit den vielen LED-Stirnlampen.

Das Stück ist disparat. Es enthält einander widersprechende Bestandteile ohne sie in eine „dialektische Einheit“ zu führen. So lautet die Schlussapotheose, von argumentativem Beiwerk befreit:

DIE DREI AGITATOREN Dann erschossen wir ihn (unseren jungen Genossen) und Warfen ihn hinab in die Kalkgrube. Und als der Kalk ihn verschlungen hatte Kehrten wir zurück zu unserer Arbeit. SCHLUSSCHOR Und eure Arbeit war glücklich Ihr habt verbreitet die Lehren der Klassiker.

Brecht beweist hier (Das Stück wurde 1930! uraufgeführt.) hohe Sensibilität für den sich herausbildenden Stalinismus; ohne ihn jedoch begreifen zu können. Er liefert ein, wie ich finde, ungenießbares Amalgam der neuesten „realkommunistischer Axiome“ (die wenige Jahre später terroristischen Antibolschewismus begleiten) und zutiefst marxistischer, humanistischer Erkenntnisse Lenins. Ich vermute, dass Brecht gespürt hat, welche Missgeburt ihm „die Zeit“ ins Dichternest legte. Fünf Überarbeitungen und ein selbst ausgesprochenes Aufführungsverbot zeugen davon.

Die etwa zur gleichen Zeit niedergelegten prinzipiellen Einsichten und kämpferischen Positionen Martemjan Rjutins und seiner Genossen blieben dem deutschen prokommunistischen Intellektuellen unbekannt. Der kroatische Kommunist Ante Ciliga, seit 1926 für die jugoslawische KP bei der Komintern in Moskau, begann 1930, just zur Zeit der Uraufführung des Stückes, seine sowjetische Gefängnis- und Lager-„karriere“. Erst 1936 erschien (wenig beachtet) sein Erlebnisbericht in Paris (hier eine Besprechung der Neuausgabe von 2010), nachdem ihm noch Ende 1935 die Ausreise gelungen war.

Könnte uns, radikaldemokratischen Sozialisten, heute eine  Aufführung der „Maßnahme“ etwas nützen? Ich meine unter bestimmten Bedingungen „ja“. Sie könnte veranschaulichen, wie das Monster Stalinismus aus der „Baugrube“ der Revolution hervorkroch. Ein Regisseur mit Durchblick könnte vielleicht „Die Maßnahme“ als schwarze Komödie inszenieren.

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„Die Maßnahme“ (Brecht/Eisler) am 3.12. 17.30 Uhr auf dem Luxemburgplatz!

Ein Chor und hat sich gebildet und geprobt, sich auseinandergesetzt und gestritten, um an diesem Sonntag Hanns Eislers und Bertolt Brechts „Die Maßnahme“ auf den Rosa-Luxemburg-Platz zu tragen. 

Jeder ist eingeladen, dabei zu sein, mitzuhören, mitzudenken, mitzusingen.

Was uns antreibt: 

Die Zustände unserer Welt sind nicht tragbar. Wir leiden unter der allgegenwärtigen Passivität. Wir werden auf uns selbst und unser individuelles Handeln zurückgeworfen und verlieren die Hoffnung in eine gemeinschaftliche Wirkkraft. Dabei sind wir mit unseren Leiden nicht alleine. Unsere Arbeitskraft wird berechnet und ausgenutzt, unser demokratischer Einfluss schwindet, die Macht des internationalen Handels und ihrer transnationalen Akteure übergeht uns. Das Land, in dem wir leben und das sich international als „Geber-Land“ inszeniert, bereichert sich kontinuierlich an der Arbeitskraft, den Ressourcen und den Perspektiven anderer Länder und Kontinente. Wie die Welt organisiert ist, liegt schon lange außerhalb unseres Einflussbereiches. Den schleichenden, gesellschaftlichen Rückzug aus den Entscheidungsprozessen gilt es aufzuhalten. Diese Krise der Handlungsfähigkeit, getragen durch apathische, opportunistische Massen, steckt so tief in uns, dass es etwas Kraftvolles braucht, um sie zu erschüttern. Die ersten 6 Tage von B6112 in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz waren starke und energetische Momente. In Frieden und Kraft haben wir die Bühne performativ vereinnahmt, haben unser Können und unseren Willen, die Stadt den Menschen zurückzugeben, gebündelt. Es sind diese Momente der Selbstermächtigung und der Kraft von unten, die revolutionäres Potential in sich tragen, die wir in der Maßnahme weiterentwickeln. Wir führen die Bewegung der Volksbühne weiter, deren Geschichte lang ist und schon immer die junge und progressive Theater- und Kunstproduktion wie auch den Mut zur Auseinandersetzung in sich getragen hat.

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Fragwürdige „Historische Mission“

Ich denke, dass keinem Menschen und keiner Menschengruppe eine Mission oder Berufung vorgegeben ist. Allenfalls können sie selbst so etwas für sich formulieren.

Das übliche Reden von der „Historischen Mission des Proletariats“ hat nicht zur Wissenschaftlichkeit des Denkens über Sozialismus beigetragen. Eher dazu, dass es von einer Art weltlicher Religiosität durchsetzt oder zersetzt wurde.

Das Proletariat ist eine bedeutende Kraft in der bürgerlichen Gesellschaft. Und für die sozialistische Revolution oder auch nur für den Weg dahin ist es ein bedeutender (und differenziert wirkender) Faktor, nicht mehr und nicht weniger.

Die Große Sozialistische Oktoberrevolution in Russland brachte Gravierendes ans Licht:

  • Sie war siegreich, obwohl das Proletariat zahlenmäßig schwach war (wenn auch relativ gut organisiert).
  • Der Sieg war nur möglich Dank einer konkreten historisch-materialistischen Denkweise der Führer, die den Heroismus des Proletariats, der ausgebeuteten und entrechteten Volksmassen und aller aufgeklärten Elemente der Gesellschaft zutiefst verstanden und zu mobilisieren und zu lenken vermochten.
  • Die proletarische Perspektive der Revolution, d. h. die Möglichkeit des Sozialismus in Russland, blieb erhalten, auch dann noch, als das organisierte Proletariat durch Bürgerkrieg und internationale Konterrevolution fast aufgerieben war.
  • Subjektive und objektive Faktoren führten dazu, dass diese Möglichkeit zerstört wurde, ohne dass das sich in der Sowjetunion neu entwickelnde Proletariat dies verhindern konnte.
  • Die Besten des Proletariats in der Sowjetunion kämpften für den Bolschewismus und wurden vernichtet (das Beispiel Rjutin). Massen von sowjetischen Proletariern (und Bauern) wurden ausgebeutete und entrechte (passive, nicht kämpfende) Opfer des Stalinismus. Ebenfalls Massen von sowjetischen Proletariern (und anderen Schichten) wurden Träger und Nutznießer des Stalinismus.

Diese letztgenannte Drei-Differenzierung, die sich seit Anfang der 30er Jahre in der Sowjetunion herausgebildet hatte, erfolgte in ähnlicher Weise in den kapitalistischen Hauptländern. Man ersetze „Stalinismus“ durch „Kapitalismus“, „Imperialismus“ oder „Faschismus“.

Das Proletariat ist (nach heutigen Maßstäben, zugegeben, etwas überspitzt ausgedrückt) bei Marx und Engels mehr Vision als Realität, bei Lenin das klassische Industrieproletariat und heute eine so extrem ausdifferenzierte Klasse, dass ich fast von einer chamäleonartigen Erscheinungs- bzw. Existenzweise sprechen möchte. (Es verwandelt sich bis in sein Gegenteil – wird „Ich-Unternehmer“.)

Bei aller Wandlung und Differenzierung bleibt das Proletariat UNWANDELBAR ausgebeutet und entrechtet, bleibt, wie andere Schichten auch, in je spezifischer Weise der ÖKONOMISCHEN AUSBEUTUNG und der POLITISCHEN MACHTLOSIGKEIT unterworfen.

Der Kapitalismus unterliegt ununterbrochener TRANSFORMATION. Diese Aufgabe lösen die Kapitalisten selbst und zwar kontinuierlich unter jeweils zweckentsprechender Einbeziehung von Ausgebeuteten und Entrechteten.

Den Kapitalismus überwinden kann nur die TAT der GESAMTHEIT DER AUSGEBEUTETEN UND ENTRECHTEN, die sich sowohl gegenüber den Kapitalisten als auch ihrer eigenen kapitalistisch-geprägten Daseinsweise (also gegenüber beidem zugleich!) SELBST ERMÄCHTIGEN. Diese Selbstermächtigung wird nur Wirklichkeit, wenn Allmählichkeit (Das ist heutiges tagtägliches Tun!) UND ihr Abbruch (Das verlangt heutige geistige Arbeit!), evolutionärer Prozess UND revolutionäre Aktion zur Einheit werden.

Kein Proletariat führt diese Selbstermächtiger und keine „Kampfpartei“ mit einem geliebten Führer an der Spitze. Jeder Selbstermächtiger führt sich selbst, und der gemeinsame „Führer“ aller Selbstermächtiger heißt KONSENS.

Wie sie zu dem kommen, ist eine neue Frage. Auf jeden Fall nicht ohne Offenheit, Freiheit und Vertrauen.

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Gelungen: Der Glyphosat-Coup!

Dass Merkel mit jedem Wort das Volk betrügt, sollte der Letzte gemerkt haben. Absolut treu hingegen (bis zur Selbstverleugnung) dient sie ihren Auftraggebern, seien das die Automächtigen, die Pharmabosse, die Medienoligarchinnen oder jetzt die Chemieindustriellen.

Dass sie, obwohl in ihrer politischen Bewegungsfreiheit ein wenig eingeschränkt, jetzt den Glyphosat-Coup landen konnte, bestätigt ihre Regierungskunst und des deutschen Imperialismus‘ Elastizität:

  • Sie hat das Ding europaweit durchgezogen (ohne persönlich verantwortlich zu sein).
  • Sie hat der CSU paar „Widerstands“-Pluspunkte für die kommende Wahl verschafft.
  • Sie hat der SPD gezeigt, wo der Hammer hängt und nötigt letztere (mit dem Eintritt in die GroKo) ihre völlige Korruptheit erneut zu beweisen.
  • Sie manövriert in einer Position scheinbarer Schwäche, ihrer Lieblingsposition.
  • Sie eröffnet den Glyphosatkritikern weite Räume für Protestgeschrei und aktionistischen Nonsens.

Merkel weiss, dass sie sich auf die Korruptheit ALLER Beteiligten verlassen kann. Auch ich, der einfache Mann, gehöre zu den Korrupten: Meine Rente wird im nächsten Jahr Dank der übermächtigen deutschen Exportindustrie, voraussichtlich um 4% steigen. Will so jemand wirklich das System überwinden?

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Fundstück – 29.11.2017 – Migration oder Anschaulichkeit möge nützen

via: Gelbes

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Sturmschaden am Haus, im Garten

Kürzlich fegte ein Sturm mit Orkanböen übers Land. In unserer Gegend hat er viele Bäume umgehauen. Auch wir hörten draußen plötzlich ein lautes Poltern. Und das zeigte der Blick aus dem Fenster:

Ich renne raus und entdecke diese Bescherung:

Mit etwas Abstand gesehen, sieht der Schaden nicht ganz so dramatisch aus. Doch weitere hohe Bäume könnten stürzen oder abbrechen.  Wir machen uns gleich an die Schadensbeseitigung.  Denn das  Stammteil hatte sich ins Dach gebohrt, und es war unklar, was es noch anrichten könnte.

Der Baum ist vom Dach, die Kuh vom Eis. Das Gewächshaus müssen wir wohl abschreiben. Das zahlt die Versicherung nicht.

Heute, sechs Wochen später, ist das Gewächshaus abgetragen.

Dort, wo es stand, werde ich zwei Frühbeete anlegen. Es sollen nicht einfache Frühbeete werden, sondern Kombinationsbeete aus Hochbeet und Frühbeet. Material dafür gewinne ich aus den Gewächshausresten. Ich sammel schon Laub und anderes organisches Material zum Packen der Hoch-/Frühbeete. Zusätzlich Pferdemist zu besorgen, ist hier auf dem Lande kein Problem.

Der kleine Schadensfall hat bei mir par selbstkritische Überlegungen ausgelöst: Das Gewächshaus war wenig sinnvoll. War ich da mehr eine Marktmode gefolgt als einem wirklichen Bedarf? Das warme Mikroklima lässt sich wahrscheinlich im Frühbeet genauso gut schaffen oder gar besser. Ein Ärgernis des Gewächshauses (Billigversion) war seine Undichtigkeit und fehlende Wärmespeicherung. Die Innentemperatur unterschied sich selbst in leichten Frostnächten praktisch nicht vom Außenwert. Das Frühbeet bei Bedarf etwas wirksamer abzudichten, sollte kein Problem sein. Ich stelle mir auch vor, dass meine Hochbeet-/Frühbeetkreation sich schöner in den Garten einfügen wird als das Gewächshaus.

So bin ich bin gespannt auf die Frühbeetgärtnerei im nächsten Jahr. Jedenfalls haben einst die Oma meiner Kindheit und eine Schwiegermutter späterer Jahre sehr erfolgreich mit ihren Frühbeeten gearbeitet.

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