Fundstück -10.10.2018 – „Was kann man noch glauben?“

„Das Klima-Theater und das Terror-Theater sind beides Täuschungsmanöver
um die Völker unter Kontrolle zu bekommen. Die größten Umweltsauereien
werden hingegen billigend in Kauf genommen und Bomben werden jeden
Tag hundertfach, gegen jedes Gesetz, auf Länder abgeworfen. Wo sind die
Konferenzen, die sich dieser echten Probleme annehmen? Fehlanzeige.
Falscher Frame. Und jetzt zum Fußball…“

Quelle

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Human Connection: Die (geschlossene) Alpha-Version ist online

 

PRESSEMITTEILUNG
ZUR SOFORTIGEN VERÖFFENTLICHUNG

(März 2018)

HUMAN CONNECTION LÄDT UNTERSTÜTZER IN DIE GESCHLOSSENE
ALPHA-VERSION SEINES INNOVATIVEN SOZIALEN NETZWERKS EIN

Erste Mitglieder können das Wissens- und Aktionsnetzwerk testen und sich selbst
davon überzeugen, wie Human Connection soziale Netzwerke neu gestaltet
WEILHEIM/TECK (22. März 2018) – HUMAN CONNECTION, das soziale Wissensund
Aktionsnetzwerk der nächsten Generation hat begonnen, erste Spenderinnen und
Spender in die geschlossene Alpha-Version seines richtungsweisenden Netzwerks, dessen
Quellcode öffentlich zugänglich ist, einzuladen. Die gemeinnützige Organisation mit Sitz in
Deutschland verbindet die Möglichkeit, in einer Schnittstelle aktiv zu werden, um einen
positiven lokalen und globalen gesellschaftlichen Wandel zu fördern.
Zukünftige Nutzer werden per Zufallsgenerator ausgewählt und erhalten eine Einladungsmail
mit ihrem persönlichen Zugangscode. Nach Anmeldung können sie die ersten verfügbaren
Funktionen in der Alpha-Version nutzen, einschließlich „CAN DO“, „AKTIV WERDEN“
und nach Themen oder Emotionen filtern. Benutzer können auch Posts verfassen,
Kommentare oder Tags erstellen, Unterstützung über den „MEGAPHON“-Button zeigen
und sich mit anderen Benutzern verbinden.

Bis zum 22. März zählte das Netzwerk 515 registrierte Nutzer, die über 485 Beiträge verfasst
haben und mit mehr als 1.267 Kommentaren und 741 Megaphon/Shouts aktiv gewesen sind.
„Die Plattform ist als Antwort auf den Bedarf an ein zweckgebundenes, neutrales und
transparentes Netzwerk konzipiert, das den Herausforderungen unserer Zeit gerecht wird“,
sagt Dennis Hack, Gründer von Human Connection.
Human Connection soll die Kluft zwischen negativen Nachrichten und positiven Aktionen
überbrücken. Benutzer können positive soziale Veränderungen sowohl lokal als auch
global im Netzwerk direkt beeinflussen und auch ins wirkliche Leben tragen.
Bei stabiler Finanzierung soll die öffentliche (Beta) Version von Human Connection,
voraussichtlich im Herbst 2018 bereitgestellt werden. Sie wird Funktionen enthalten,
die Benutzern unter anderem Folgendes ermöglichen wird:
▪ negative Nachrichten mit einem “AKTIV WERDEN” Button in positive Aktionen verwandeln
▪ lösungsorientiert miteinander kooperieren, indem Projekte oder Veranstaltungen erstellt
werden, mit gemeinnützigen Organisationen in Verbindung getreten wird, „CAN DO’S“
vorgeschlagen oder Freiwillige rekrutiert werden

▪ Inhalte nach Präferenzen filtern und personalisieren
▪ Nonprofit-Organisationen, gemeinnützige Projekte sowie einzelne Nutzer können sich
bei Human Connection registrieren und es als Werkzeug für Kooperation, sozialen Aktivismus
und die Verbindung mit Gleichgesinnten für eine gemeinsame Sache nutzen
▪ Teilnahme an objektiven, fairen und strukturierten Diskussionen mit Tools wie Umfragen,
„PRO & CONTRA“, „VERSUS“ und Bestenlisten
▪ Anzeigeeinstellungen mit „COCKPIT“ und „MAP VIEW“ nutzen, um Ereignisse,
Organisationen und Gruppen in der Nähe zu finden
Human Connection kollaborierte mit dem INALCO Institut der Universität Sorbonne in
Paris und fast zwei Monate lang mit der Stuttgarter Hochschule der Medien, um Daten
über die notwendigen Funktionen und den Zweck eines wirklich sozialen Netzwerks zu
sammeln. Die Forschungsergebnisse beider Projekte wurden in die Entwicklung von
Human Connection integriert.
Um mehr über Human Connection zu erfahren und wie man sich engagiert:
https://human-connection.org
Wir werden 3000! Mehr Info zu monatlichen Patenschaften:
https://human-connection.org/wir-werden-3000/

Mehr über die Funktionen des Netzwerks im „Bee-Movie“ auf YouTube:

Human Connection ist ein gemeinnütziges soziales Wissens- und Aktionsnetzwerk mit
Sitz in Weilheim-Teck. Das erklärte Ziel ist, eine Brücke zwischen negativen Nachrichten
und positiven Aktionen zu bauen, um die Welt mit vielen guten Taten ein Stück besser
zu machen. Als eine All-in-One-Plattform soll das Netzwerk engagierte Menschen,
gemeinnützige Organisationen und soziale Innovationsprojekte zusammenbringen und
damit Wissen und Kooperationen zur Lösung von dringenden Themen und Problematiken
weltweit fördern. Es ist ein Netzwerk, das allen Menschen dient. Human Connection ist
werbefrei, schützt Nutzerdaten und macht seinen Quellcode öffentlich zugänglich.
Human Connection auf Facebook, Twitter, und YouTube.

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Linksammlung „aufstehen“ 10

aufstehen.de/material, „Leitfaden für Gruppentreffen“ (pdf, ohne Verfasser, ohne Datum)

Zur Abwechslung mal ein Link nicht ÜBER „aufstehen“, sondern von „aufstehen“ SELBST. Der sechsseitige Leitfaden gibt reichlich praktische Tipps für lokale Treffen bis dahin, dass man sich eventuell Kekse und Kaffee in der Thermoskanne mitbringen möge.

Bedeutsam scheinen mir grundsätzliche Orientierungen, die eher nebenbei vorgegeben werden:

  • Konzentration der lokalen Gruppen auf Aktionen – „Aufstehen-Aktionsgruppen“.
  • „Wir nennen diese Gruppen bewusst Aktionsgruppen, denn bei Aufstehen soll es möglichst um gemeinsame Aktivitäten und Aktionen gehen und weniger um endlos lange Fachdebatten.“ und
  • „Generell ist Aufstehen so organisiert, dass die viele kreative Aktivitäten dezentral überall im Land stattfinden sollen, der Rahmen – zum Beispiel durch Kampagnen und den Gründungsaufruf – aber zentral erarbeitet wird.“

Ich fürchte, das heißt, dass Diskussionen über gesellschaftliche Grundfragen eher unerwünscht sind. Diese endlosen Fachpalaver! (Das erinnert mich an den pädagogischen Idiotensatz aus Kindheitstagen: „Das Denken überlass‘ mal den Pferden, die haben einen größeren Kopf.“)

Du mögest vor „kreativer Aktivität“ sprühen – im Rahmen der Vorgaben aus einer anonymen und in keiner Weise demokratisch legitimierten Zentrale.

Ich bin ja immer noch bereit, mich an den nächsten Treffen hier im Ort Oranienburg aktiv zu beteiligen. Doch möchte ich nicht verhehlen, dass mir der langsam deutlich werdende Ansatz zunehmend stinkt. (Weiterhin nicht vergessen: Der scheindemokratische Start mit der „pol.is-Befragung“, von der jetzt eine statistische Auswertung vorliegt, auf englisch!)

Geht’s einfach und platt darum, Schwungmasse aufzubauen für eine Volkstribunin Wagenknecht?

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Fundstück – 8.10.2018 – Facebook und Co

„Der beste Mechanismus zur Unterdrückung oppositioneller Standpunkte und zur Förderung regierungsfreundlicher Narrative sei der Privatsektor, insbesondere „Social Media Riesen wie Facebook, Google, YouTube und Twitter, die bestimmen können, was Menschen sehen und was nicht“.“

(Quelle)

Dank an Dian für den Hinweis.

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Zehn unwiderlegbare Fakten zum Berliner Ereignis am Weihnachtsmarkt 2016

von Elias Davidsson

1. Laut offiziellen Berichten soll am 19. Dezember 2016 am Breitscheidplatz in Berlin ein Tunesier namens Anis Amri mit einem 40-Tonnen schweren Sattelschlepper vorsätzlich in fröhliche Weihnachtsmarktbesucher gerast sein. Zwölf Menschen sollen als Folge dieser Tat gestorben und mehr als 50 verletzt worden sein. So ungefähr lautet die offizielle Beschreibung.

2.  Die Bundesbehörden beschuldigten Anis Amri des Massenmordes und forderten seine Festnahme.

3.  Die Bundesbehörden behaupten, Anis Amri habe die Tat im Auftrag des Islamischen Staates begangen.

4.  Niemand hat Anis Amri am Steuer des Sattelschleppers oder am Breitscheidplatz gesehen.

5.  Anis Amri wurde vier Tage nach der Tat außerhalb Mailands mitten in der Nacht von einem italienischen Polizeibeamten erschossen.

6. Niemand wurde wegen der Anstiftung, Planung, Finanzierung, Leitung, Ausführung oder Beihilfe zur mutmaßlichen Straftat am Breitscheidplatz angeklagt.

7. Die Mitglieder des Bundestags und die Angehörigen der Opfer zeigen kein Interesse an einer unabhängigen Untersuchung der Todesumstände von Anis Amri und der anderen Todesopfer. 

8.  Die Ermittlungsbehörden wollen die genaue Zeit des Ereignisses nicht preisgeben.

9.  Die Ermittlungsbehörden wollen die Fahrgeschwindigkeit des Sattelschleppers durch den Weihnachtsmarkt nicht preisgeben.

10.   Zu den Todesumständen von zehn der zwölf Todesopfer gibt es keine Zeugen. 

Fragen:

(a) Warum will der Bundestag die Tatumstände des Berliner Ereignisses nicht untersuchen?

(b) Wer zog Nutzen aus dem Berliner Ereignis?

(c) Wurden Angehörige der Opfer zum Schweigen gedrängt oder geködert?

(d) Wurden Zeugenaussagen erkauft?

(e) Warum bleibt die genaue Zeit des Ereignisses ein Staatsgeheimnis?

(f)  Warum bleibt die Fahrgeschwindigkeit des Sattelschleppers ein Staatsgeheimnis?

(g) Warum suchte die Polizei den Täter in Berliner Krankenhäusern?

(h) Welche Rolle spielte der gelbe Bus am Ort der Tat?

(i)  Warum konnten die Todesumstände  des polnischen Fahrers nicht schlüssig geklärt  werden?

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Linksammlung „aufstehen“ 9

W.R. Gettél im Info Partisan, „AfD, Linkspartei, Aufstehen“ (2.10.2018).

Gettél: „Die AfD ist keine Eintagsfliege, die sich mit bloßen Unmutsäußerungen verscheuchen lässt. Tief im System verwurzelt treibt sie mit Macht ihre Blüten hervor. Mit der sich unaufhörlich verschärfenden Systemkrise ist ihre Zeit gekommen.“

Prozess der Selbstnegation des westlichen Spätkapitalismus. Die Selbstnegation „meint Zerstörung der Zivilisation als Preis seiner damit alles verheerenden Weiterexistenz. Nichts anderes meint „Sozialismus oder Barbarei“. Diese Frage stellt sich heute dringender denn je. Denn was hat die AfD und ihren Anhang hervorgebracht und sie in atemberaubendem Tempo heranwachsen lassen, wenn nicht die sich bereits im Stadium der Zivilisationszerstörung befindliche Krise!“

„Sind die Ursachen und ihre Folgen aber systemisch bedingt, bedarf es einer Kraft, die die Fesseln des gesamten Systems sprengt. Jeder Versuch, den Zerstörungsprozess aufzuhalten, ohne den Boden des Systems zu verlassen und ihm eine Alternative entgegenzusetzen, ist zum Scheitern verurteilt.“

„Die Krise wird nicht als Krise betrachtet, sondern als natürlicher, vom Schicksal der Völker auferlegter Zustand, in dem nur die starken bestehen können und demzufolge das Recht des Stärkeren herrscht. Jegliche Art vermeintlicher Minderwertigkeit hat sich zu unterwerfen und genießt nur eine geduldete Existenz ohne verbrieftes Daseinsrecht. Das ist die Kernauffassung des Faschismus, die nicht halb oder nur teilweise zu haben ist. Praktizierte Rassismus ist bereits Übernahme des Ganzen, auch wenn der Rest aus taktischen Gründen verborgen gehalten wird.“

„PDS und Linkspartei operierten mit immer neuen Aufgüssen des längst ausgelaugten Reformismus, die vom Sturm der Krisendynamik wie welke Blätter hinweggefegt wurden. Ob sie Forderungen stellten, Versprechungen machten, immer wieder Gerechtigkeit verlangten – es blieb hohles Gerede.“

„Die Linkspartei hat wesentlich dazu beigetragen, den Linksbegriff zu diskreditieren. Gibt es aber keine sozialistische Alternative, werden AfD und ihr strategischer Hintergrund bei der Demontage der Zivilisation leichtes Spiel haben.“

„Mit ihrem Buch „Reichtum ohne Gier“ hat Wagenknecht hinreichend zu verstehen gegeben, dass sie kein sozialistisches Ziel anstrebt. Und wenn sie als quasi bürgerliche Berufspolitikerin einer pseudolinken Versammlung den Rücken kehrt, weil mit ihr und ihren nicht mehr glaubwürdigen Parolen nichts mehr zu holen ist, ist das nur konsequent.“

„Vor diesem Hintergrund wird klar, was sich in ihrer Sammlungsbewegung „Aufstehen“ so alles sammeln kann, d. h. sie muss auch für rechte Gesinnungen Platz haben.“

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Obdachlosensiedlng Mühltal – Kein Märchen

Gastbeitrag von Prof. Dr. Mechthild Seithe

1973 noch nannte man im Jugendamt diese Siedlung das „Tal der langen Messer.“ Es waren dort doppelt so viele Menschen untergebracht, wie eigentlich vorgesehen war. Die Familien lebten in völliger Armut, es herrschte alltägliche Gewalt. Vernachlässigung der Kinder war an der Tagesordnung. Von den dort Untergebrachten konnte sich über Jahrzehnte hinweg niemand aus dem Milieu herausarbeiten – hierfür ein Beispiel als Indiz: sämtliche Kinder aus der Obdachlosensiedlung Mühltal wurden in den Jahren um 1970 herum sofort (ohne Überprüfung) direkt in die nahe gelegene Sonderschule eingeschult.

SozialarbeiterInnen gingen noch 1973 mit Polizeischutz in die Siedlung Mühltal. Sie wurden als Handlanger einer Sozialpolitik verstanden, die sich gegen die Menschen in der Siedlung richtete. Wer sich dennoch für diese Menschen einsetzen wollte, stand auf ziemlich verlorenem Posten.

Dann starb ein Kind beim Spielen in der unmittelbar daneben liegenden Kläranlage. Die Öffentlichkeit wurde wach und die Stadtväter waren sehr gerührt. Wir schrieben das Jahr 1974, es war 6 Jahre nach der inneren Reform der Sozialen Arbeit in Folge der 68er Bewegung. Im Mühltal engagierte sich in direkter Folge dieses Todesfalles ein neuer, sozialpädagogischer Projektverbund. Insgesamt arbeitete dieser Verbund 18 Jahre lang intensiv und kontinuierlich  in dieser Obdachlosensiedlung.

Im Mühltal entstanden im Verlaufe der nächsten ein, zwei Jahre eine Kindertagesstätte, ein Hort, ein Mittagstisch. Die SozialarbeiterInnen vom ASD hielten offene Sprechstunde, waren täglich präsent und machten eine Reihe niedrigschwelliger Angebote, die zunehmend angenommen wurden. Aber nicht nur die SozialarbeiterInnen waren aktiv und setzten sich solidarisch für ihre Klientel ein. Die Bewohner selbst lernten, sich zu wehren und für ihre Rechte zu kämpfen! Es entwickelte sich z.B. ein Bewohnerparlament, bei dem der betreuende Sozialarbeiter nur beratend teilnehmen durfte. Es fanden im Verlaufe der Zeit 11 „Sit-Ins“ in Stadtratsversammlungen statt, bei denen die Mütter der Siedlung ihren Forderungen nach menschenwürdigen Lebensbedingungen Nachdruck verliehen. Und sie hatten Erfolg. Einwohner renovierten ihre Häuser und wurden dafür nach Tarif entlohnt, sie erhielten Mietverträge. Die Überbelegung ging deutlich zurück, weil immer mehr Familien Wohnungen auf dem freien Markt fanden. Und auch kulturell entwickelte sich die Siedlung überraschend. Es entstand eine Künstlergruppe, die in der ganzen Stadt ihre Bilder ausstellte.

In einem von dieser Künstlergruppe gegen Ende des Projektver­laufes erstellten großen Wandbild wird auf der linken Seite des Gemäldes die Situation in der Siedlung vor Beginn des Projektes dargestellt. Hier ist deutlich zu sehen: es herrscht Gewalt, Depression und Zerstörung. Auf der rechten Seite des Bildes zeigt sich das Mühltal als das, was es nach 18 Jahren Projektarbeit war und heute noch ist: Eine kleine, schmucke, fast idyllische Siedlung mit stolzen Bewohnern, im Gespräch mit SozialarbeiterInnen und im Gespräch miteinander.

Ein kleines Indiz für die kolossale Veränderung der Lebensverhältnisse: 1992, 18 Jahre später, als das Projekt beendet wurde, besuchte nicht eins der Kinder aus dem Mühltal mehr eine Sonderschule, etliche hatten inzwischen Abitur und studierten.

Anmerkung:

Obdachlosensiedlungen gab es seit den 60er Jahren und zum Teil schon seit der Zeit nach dem 1. Weltkrieg in den meisten (west)deutschen Großstädten. Sie dienten vor allem der Unterbringung obdachloser Familien. Hier wurden diese in Billigstunterkünften ohne Mietvertrag untergebracht, meist in einer Stadtlage, die sicherstellte, dass der Normalbürger mit diesen Menschen nicht in Kontakt kommen konnte, z. B. neben der Kläranlage der Stadt. Die Wohnungen waren hoffnungslos immer mit mehreren Familien überbelegt und dem Verfall und dem herrschenden Vandalismus ausgeliefert. Es herrschte Streit und Gewalt. Die obdachlosen Bürger benahmen sich so, wie es von ihnen erwartet wurde. Kinder hatten in diesen Siedlungen keine Chance auf Bildung und in der Regel auch keine Chance auf eine fördernde Erziehung.

Die Schilderung des Projektes „Mühltal“ ist ein Dokument der Sozialen Arbeit, wie sie in den 70er Jahren möglich war und die uns heute wie eine Utopie vorkommt. Was hier in einem 18 Jahre währenden Prozess durch Soziale Arbeit zusammen mit den Betroffenen geleistet wurde, ist heute fast unglaublich. Das war im Kontext des damaligen „Sozialstaates“ Soziale Arbeit, wie sie sein sollte bzw. sein könnte – wenn man sie mit Zeit und Geld angemessen ausstatten würde und wenn unsere Regierung und unsere Bevölkerung die obdachlosen Menschen wirklich mit Achtung, Respekt und dem Vertrauen in ihre Fähigkeiten und ihrem Willen zu einem normalen Leben behandeln würden.
Das freilich kostet Geld und das erfordert ein Menschenbild, das nicht von „Leistungseliten“ und der Entwertung bestimmter Menschengruppen geprägt ist.

Heute hat man üblicherweise weder das Geld (jedenfalls hierfür nicht) und Obdachlose stehen in unserer Gesellschaft in der Wertekategorie ziemlich weit unten. Und da ändern verbale Beteuerungen in Richtung Toleranz und Integration rein gar nichts.

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Prof. Dr. Seithe im Internet:

„Neue schöne Welt“ meinglashaus Blog von Mechthild Seithe

„Soziale Arbeit und Sozialpolitik in der Kritik“ (Zukunftswerkstatt Soziale Arbeit)

Poesie und Texte Literarische Webseite von Mechthild Seithe

Einige Fachbücher von Mechthild Seihe (ggf. MitverfasserInnen) bei Amazon.

Seithe, Mechthild; Heintz, Matthias
„Ambulante Hilfe zur Erziehung und Sozialraumorientierung. Plädoyer für
ein umstrittenes Konzept der Kinder- und Jugendhilfe in Zeiten der
Nützlichkeitsideologie“, 2014, kostenlos als pdf

Das „Schwarzbuch Soziale Arbeit“ kann eventuell über diesen Link (mit kostenlosen Test-Account) downgeladen werden.

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