Ein paar kurze Gedanken zum Linke-Debakel des Namens „G20-Protest“

G20 hat Erfreuliches gebracht. Putin und Trump, zwei der drei wichtigsten Staatsmänner der Welt, haben sich direkt getroffen und intensiven direkten Austausch begonnen, viel intensiver und offenbar konstruktiver als erwartet. Dafür hat sich G20 gelohnt.

Doch mein Thema soll ja das linke Debakel sein. Es ist wahrlich atemberaubend. Zwar könnte daraus auch atemberaubend gelernt werden… Aber Linke und lernen?

  • Die Bürgerkriegstruppe A des Systems, der viele Namen verpasst werden (z. B. „Schwarzer Block“, „Autonome“, „Antifa“, „militante Linke“, „Linksfaschisten“ oder auch „testosterongesteuerte Jungmänner“) durfte sich tagelang ungestört ausagieren. Mir ist keine radikale Einschätzung von Seiten der Linken dieser Bürgerkriegstruppe A des Systems bekannt. (Das Wissen um „Gladio“ verdrängt man bzw. belässt es im Schmuddelimage „Verschwörungstheorie“.) (Immer wieder einzuräumen, dass es im „Schwarzen Block“ wohl auch paar irre Linke gibt, ist zwar nicht verkehrt aber langweilig.)
  • Die Bürgerkriegstruppe B des Systems, die nur einen Namen hat – Polizei – der man aber gern die Bezeichnung „Bullenschweine“ verpasst, durfte sich tagelang ungestört ausagieren. Das war die totale WIN-WIN-Situation für die Bürgerkriegspartei. (Man trainiert seit langem in Israel und hat für den Hausgebrauch Schnöggersburg aufwendig gebaut und in Betrieb.) Wieso ist der (vorhersehbare) Einsatz der Polizei ein Debakel für die Linken? Weil die Linke leugnet, dass „die Politik“, also die herrschende Staatsmacht, im Bedarfsfall immer eine Bürgerkriegsstaatsmacht ist. Die Linke leugnet das, und weil sie gleichzeitig damit kokettiert („junge Welt“, „Rotfuchs“) kann ich das einfach nur „widerwärtig“ nennen.

* Politisch könnte es eigentlich völlig uninteressant sein, wenn Bürgerkriegstruppe A und Bürgerkriegstruppe B ihre Bürgerkriegtrainings abziehen. Sie aber brauchen unbedingt einen Resonanzraum damit das Ganze zum politischen Großereignis wird, auf das dann „die Politik“ reagieren muss („im Interesse der Bürger“, „des Schutzes des Eigentums“, „der Sicherheit für Leib und Leben“ usw).

  • Diesen Resonanzraum bot der vieltausendfache Protest gegen den G20-Gipfel. Sich zu diesem wirren, politisch dumpfen, illusionären, jeder KONKRETEN politischen Analyse feindlichen Protest entschlossen zu haben, ist das allergrößte Debakel derer, die sich für Linke oder „wehrhafte Demokraten“ oder „Zivilgesellschaft“ halten. Die albernsten „Argumente“ mussten herhalten („illegitimer Gipfel“, „nur die UNO darf“, „Kriegstreiber Putin und Trump“ usw). Jean Ziegler verstieg sich in dieser Weise (ab 1’30“), und natürlich durfte Historiker Reiner Braun nicht fehlen (pikanterweise auf „rtdeutsch“), um den Schwachsinn abzusondern, der „G20-Gipfel ist illegitim, weil er Länder zusammenbringt, die keine gemeinsame Position haben“.

  • Die G20-Protestler delegitimieren sich damit selbst, dass sie penetrant Diejenigen, die für den Krieg gegen Syrien verantwortlich sind mit Denjenigen auf eine Stufe stellen, die hoffentlich bald diesen Krieg beenden werden und zwar durch ihre militärische, politische, wirtschaftliche und humanitäre Hilfe. Diese G20-Protestler verkünden Äquidistanz zwischen den Kräften der Globalisierer-Mafia, die für die NWO stehen und den Kräften der multipolaren Welt, für die das Stichwort „Kooperation für die Neue Seidenstraße“ stehen mag.
  • Die G20-Protest-Aktivisten, in ihrer Überzahl sicher gutwillige Schafe, kritisieren nun vielfältig die Exzesse der Bürgerkriegsshow, pochen auf den Rechtsstaat und sind verärgert über die „schweigende Mehrheit“ der „Law and Order“-Bürger (Lämmer zweiter Ordnung), die sich nun ein gerechtes oder auch hartes Durchgreifen wünschen. Herrlich für die Herrschaftsstrategen – eine weitere Spaltungslinie wurde aktiviert.
  • Keine Linke reflektiert das G20-Ereignis als Event/Mobilisierung (vielleicht zugleich Drohung) der Globalisierer-Mafia, für die Namen wie Clinton, McCain und Soros stellvertretend genannt seien. Freilich zweifle ich, dass es ein Zeichen von Stärke ist, wenn diese Mafia nun von ihren US-amerikanischen Anti-Trump-Pink-Protesten nach Hamburg gewandert ist. Insbesondere Stellungnahmen von Vertretern der Linkspartei (hier eine Auswahl, einschließlich „Ikone“ Wagenknecht) sind desaströs. Warum nehmen sie so Stellung? Sind sie nur korrupt oder doch auch beschränkt? Die erneute Demaskierung von Linkspartei-Führerinnen und -Führern gehört wohl zum Guten an dem ganzen Desaster.
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2 Antworten zu Ein paar kurze Gedanken zum Linke-Debakel des Namens „G20-Protest“

  1. Pingback: Deutscher Freidenker-Verband e.V. – Landesverband Berlin » Ein paar kurze Gedanken zum Linke-Debakel des Namens „G20-Protest“

  2. Gast87 schreibt:

    Jetzt gibt es erste Veröffentlichungen, dass im „Schwarzen Block“ organisierte Neonazis gewesen sind.
    Eine gute Wahlkampfstrategie, nach den Ausschreitungen auf die „linken“ RandaliererInnen zu schimpfen, damit zu zeigen, dass die Linke unwählbar ist?

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