Der israelische Rassismus


Zweierlei Maß in Israel – der Staat und die Grundrechte

Israel Shahak

Zeitschrift Vereinte Nationen 6/1980:

„… Meine Meinung ist, daß Israel ein rassistischer Staat im vollen Sinne des Wortes genannt werden muß. In diesem Staat werden Menschen nichtjüdischer Herkunft andauernd und durchaus in Übereinstimmung mit den Gesetzen in den wichtigsten Lebensbereichen zu ihrem Schaden benachteiligt. Diese Diskriminierung hat ihre Ursprünge im Zionismus und wird hauptsächlich in enger Zusammenarbeit mit den Einrichtungen der zionistischen Bewegung ins Werk gesetzt…

Da ich mich darauf beschränke, den institutionellen Charakter des israelischen Rassismus zu beschreiben, werde ich nicht von individuellen Äußerungen rassistischen Verhaltens sprechen…

I. Über das Recht der Freizügigkeit und freien Niederlassung
Das meiste Land in Israel gehört dem Jüdischen Nationalfonds (JNF) oder wird von ihm verwaltet. Der JNF ist Teil der zionistischen Einrichtungen und wirkt ganz offen auf
rassistischer Grundlage. Er verbietet NichtJuden, auf seinem Grund und Boden zu leben, ein Geschäft zu betreiben oder Arbeit zu suchen. Der einzige Grund dafür ist, daß diese
Menschen keine Juden sind!… In der Vergangenheit haben diese Praktiken zur Errichtung von Städten wie Karmiel und Arad geführt. Diese und weitere ähnliche Städte sind, wie man sagt, >araberrein<…

Ich kann leben oder ein Geschäft betreiben, wo ich will, weil meine Mutter Jüdin ist. Ein israelischer Staatsbürger, dessen Mutter keine Jüdin ist, kann das nicht. Er trifft täglich auf rassistische Benachteiligung und Unterdrückung….

Unsere üblichen Unterscheidungen zwischen > Linken < und >Rechten<, >Falken< oder >Tauben< in der zionistischen Bewegung gelten nicht für diese Zustände. Im Gegenteil. Den rassistischsten politischen Block in Israel bilden die zionistischen > Sozialisten < zusammen mit den religiösen Nationalisten. Die > heilige Allianz < zwischen beiden
beruht auf dem gemeinsamen Grund des Rassismus…. Auf diesem Gebiet sind die Kibbuz-Mitglieder die schlimmsten Rassisten Israels; wegen ihrer >linken< Heuchelei verdienen sie die meiste Verachtung….

Wenn solche Benachteiligungen in anderen Ländern Juden auferlegt werden, erhebt sich — ganz zu Recht — sofort Protest gegen den Antisemitismus. Aber gibt es einen Unterschied?…

Ich will nun in Kürze einige andere Ausprägungen der Diskriminierung beschreiben.

I I. .Erlösung des Landes<
Die >Erlösung< (oder Zurückgewinnung) des Landes ist ein Begriff, mit dem alle Juden während ihrer ganzen Ausbildung vom Kindergarten an vertraut gemacht werden. Nach
der Lehre des israelischen Erziehungsministeriums bezieht sich dieser Terminus auf Land, das >erlöst<, d. h. in jüdisches Eigentum übertragen worden ist. Noch nicht >erlöstes« Land gehört Personen, die nicht von jüdischen Müttern stammen.
Dieses Land muß noch >erlöst< werden. Abgesandte des JNF sind (mit tatkräftiger Unterstützung der israelischen Regierung und besonders der ihr unterstellten Sicherheitskräfte) andauernd damit beschäftigt, Land sowohl in Israel als auch den eroberten Gebieten zu >erlösen<….

Ich möchte ganz deutlich sagen, daß die Zionisten keine Beschränkung ihres exklusiven Rassismus anerkennen. Ihr Ziel ist die Rückgewinnung allen Landes in Israel und damit die Austreibung aller Nicht Juden vom so > erlösten < Land. In dieser Hinsicht ist der Zionismus schlimmer als das ApartheidRegime Südafrikas….

III. Das Recht der NichtJuden auf Gleichbehandlung oder wenigstens auf gesetzlich geregelte Behandlung
Hier bietet das beste Einzelbeispiel die Behandlung, die den israelischen Beduinen widerfährt; wie die obenerwähnten Drusen werden auch sie zum Dienst in der israelischen Armee eingezogen. In manchen Einsätzen haben sie sich auch als besonders gute Soldaten bewährt. All das hat ihnen aber gar nichts genutzt, als die Verfolgung sie erreichte….

Erklärtes Ziel der israelischen Regierung ist, möglichst alles von den Beduinen besessene und genutzte Land zu beschlagnahmen und sie mit Gewalt in sechs überfüllte sogenannte Industriestädte« zu pferchen. In diesen wird es aber keine Industrie geben, sie sollen nur als Reservoir an billiger Arbeitskraft für Industrien in ausschließlich jüdischen Städten dienen….

Das Gesetz schreibt vor, daß jeder israelische Staatsbürger einen Personalausweis mit sich führen muß, in dem seine ständige Adresse vermerkt ist, und die Polizei hat das Recht, jemanden gewaltsam von einem Ort zu entfernen, wenn es nicht der im Personalausweis eingetragene ständige Aufenthalt ist. Das stellt für einen Juden kein Problem dar. Er sucht das Meldeamt, das dem Innenministerium untersteht, auf, gibt dem Beamten gegenüber
die nötige Erklärung ab, und die Adresse — oder der Wechsel der Adresse — wird eingetragen. Aber für NichtJuden ist das anders; die Beamten können sich weigern, den tatsächlichen Wechsel der Anschrift offiziell anzuerkennen, und sie tun es….

Um einen NichtJuden zu entfernen, braucht es nur Brutalität und Grausamkeit. Die aus KibbuzMitgliedern und ehemaligen Soldaten bestehende Grüne Patrouille kann tun, was sie will. Die bevorzugte Methode ist, zu warten, bis die Männer zur Arbeit gegangen sind, und dann die Frauen und Kinder zu überfallen, ihnen den größten Teil ihrer Habe wegzunehmen und viele Kilometer weit fortzuschaffen, ihre Zelte zu zerstören, und manchmal die Kinder für einige Stunden zu entführen, um die Mütter weinen zu
machen. All das wird in den hebräischsprachigen Zeitungen offen beschrieben — und macht weder auf die Mehrheit der Bevölkerung noch auch auf die Regierung den geringsten Eindruck….

Die Grundkonzeption der Grünen Patrouille wurde von ihrem Kommandeur Alon Galili (übrigens Angehöriger eines Linken« Kibbuz) so beschrieben:
»Das ist keine angenehme Arbeit. Man muß sie tun, möchte aber am liebsten nichts davon wissen. Sagen wir es doch geradeheraus: so etwas wie Gerechtigkeit gibt es nicht in dieser Welt. Was einer als sein Recht beansprucht, muß dem nächsten notwendig wehtun.
Das ist der springende Punkt. Für eine Sache werde ich mich bis ans Ende der Welt schlagen, und zwar dafür, daß dieses Land unser bleibt, jüdisch bleibt. Die Araber haben viel Land, und wir haben nur diesen kleinen Staat. Warum können sie nicht Ruhe
geben und es uns endlich lassen? Das Land im Negev, das wir mit Blut und Geld gekauft haben, gehört uns«. (Tatsächlich wurde kein Geld bezahlt, aber man sollte von Leuten dieses Schlags nicht erwarten, daß sie es zu genau nehmen.) »Es hat zuvor den Beduinen gehört? Na schön. Jetzt gehört es uns«. (>The New York Review of Books<, May 29, 1980, p.43. ) … Besitz an Grund und Boden wird nicht aufgrund des Anspruchs aus dem Bürgerrecht in dem betreffenden Staat zugestanden, sondern aufgrund eines Anspruchs des Blutes«….

Israel führt wegen seiner zionistischen Ziele (Beispiel: >Judaisierung Galiläas«) gleichzeitig zwei unterschiedliche Politiken aus. Die eine zielt auf größtmögliche Fürsorge für die Juden, die andere auf ein Maximum von Diskriminierung und Unterdrückung gegenüber den NichtJuden…. eine besondere Förderungsmaßnahme, in deren Genuß
man sowohl innerhalb Israels als auch in den eroberten Gebieten kommen kann, die der sogenannten > Dauerdarlehen«, auf folgende Weise eingesetzt: wenn die israelische Regierung ein bestimmtes Gebiet >judaisieren< möchte, zahlt sie jedem Juden eine hohe Geldsumme (derzeit bis zu 600 000 alten israelischen Pfunden (Etwa 12 000 US-Dollar) pro Familie, was 20 Monatsgehältern eines Universitätsprofessors nach Steuern entspricht) unter der Bedingung, daß er in eine bestimmte Stadt oder Siedlung zieht und dort (gewöhnlich) mindestens fünf Jahre lebt. Wenn er dort bleibt, wird ihm das Darlehen geschenkt. Wenn er von dort wieder wegzieht, muß er es zurückzahlen. Man beachte, daß diese Förderung allen Juden in der ganzen Welt angeboten wird. Ein Bürger der Bundesrepublik Deutschland, der sich in Ober-Nazareth ansiedeln will, bekommt diese enorme Geldsumme (abgesehen von einer billigen Wohnung) dann, wenn er nachweisen kann, daß er Jude ist. Wenn >herauskommt<, daß seine Großmutter keine Jüdin
war, verliert er jeden Anspruch. …

IV. Verfolgung von Juden im Judenstaat

Da man als >Jude< in Israel so große finanzielle und andere Vorteile hat, muß dieser Begriff vom Gesetz sorgfältig definiert sein, und wir haben oben gesehen, wie die Definition aussieht…. (>Jude< bedeutet entsprechend der rassistischen Festlegung, daß der Betreffende nachweisen kann, daß seine Mutter, Großmutter, Urgroßmutter und Ururgroßmutter Jüdinnen waren.)…

# Juden, die keine Juden sind —

Wer heute in Israel einen Feind hat und einen genügend großen Haß auf ihn besitzt, forscht als erstes nach dessen Großmutter (oder noch höher hinauf, wenn möglich); kommt dabei ein >rassischer Defekt« heraus, so zeigt er ihn der Regierung und den Religionsbehörden an, die gemeinsam über die jüdische >Reinheit< zu wachen haben. Diejenigen, deren »unreine« Abkunft entdeckt worden ist, werden dann zu >Juden< (denn als solche fühlen sie sich, und sind es sozial), die rechtlich aber >Nichtjuden< sind….

# Jüdische >Bastarde —

Die Bedeutung dieses Wortes im Hebräischen und im jüdischen Religionsgesetz ist eine andere als in europäischen Sprachen. Ein >Bastard< ist nicht ein außereheliches Kind,
sondern das Kind aus einer verbotenen Ehe und seine Abkömmlinge für zehn Generationen….

V. Schlußbetrachtung: Über drei verschiedene Arten von Recht

in Israel ist unter der dünnen Schicht formaler Demokratie, die es wirklich gibt (Parteien, Wahlen, Parlament, Verantwortlichkeit der Regierung gegenüber dem Parlament), die wirkliche Grundstruktur der Gesellschaft diskriminatorisch und rassistisch. Diese Sozialstruktur ist tatsächlich stabil, wenn auch nicht wirtschaftlich; die Diskriminierung begünstigt nämlich eine Mehrheit, und diese selbe Mehrheit wird durch das Erziehungssystem wie durch die Medien ständig im Sinne einer Fortsetzung der Diskriminierungspolitik indoktriniert…

Israel hat keine Verfassung und beabsichtigt nicht, sich eine zu geben, um so die Erklärung von Grundsätzen der Gerechtigkeit und Gleichheit zu vermeiden, wie sie in anderen Ländern der wichtigste Teil einer Verfassung ist.

In Israel bestehen drei vollständig voneinander getrennte Rechtssysteme, die jederzeit auf jeden Bürger angewendet werden können: das religiöse, das zivile und das militärische….

Das bürgerliche Rechtssystem beruht auf von der Knesset verabschiedeten Gesetzen und auch auf vielen unverändert gebliebenen Gesetzen aus der Zeit der britischen und der ottomanischen Herrschaft. (Eigenartigerweise sind gerade viele der zwischen 1909 und
1914 erlassenen ottomanischen Gesetze mit die liberalsten!) Dieses System kennt wie in Westeuropa Zivilrichter, die von der Regierung nicht abgesetzt werden können, und es gibt die Möglichkeit der Berufung. Auch wenn man viele Einzelheiten dieses Rechtssystems und die Art, wie es angewendet wird, kritisieren kann, gibt es keinen Zweifel daran, daß es an sich demokratisch ist.

Aber alle Einwohner Israels sind zugleich auch noch einem parallelen Rechtssystem unterworfen, dem Notstandsrecht von 1945 (Defence Regulation, 1945), das ausschließlich von der Armee wahrgenommen wird und nicht nur auf Soldaten oder militärisch erhebliche Sachverhalte angewandt werden kann, sondern auf alle Bereiche des Lebens, und das den Generälen der israelischen Armee eine nahezu unbegrenzte Macht über jedermann einräumt…

Die Frage liegt nahe, welches dieser beiden verschiedenen Rechtssysteme tatsächlich jeweils Anwendung findet. In der Theorie liegt die Entscheidung in der Hand des Generalstaatsanwalts (in Israel: >Rechtsberater der Regierung«), der in solchen Angelegenheiten üblicherweise nach den Empfehlungen der Geheimpolizei verfährt….“

 

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14 Antworten zu Der israelische Rassismus

  1. Sven Thom schreibt:

    Es wäre gut, wenn Alle Juden, die nicht mit dieser Ungerechtigkeit einverstanden sind und eine Gesellschaft der Gleichberechtigung sich wünschen, das Land Israel verlassen, damit die anderen Juden sich nicht hinter ihnen verstecken können, wenn das Maß voll ist. Es gibt also offensichtlich genügnde Menschen jüdischen Glaubens, die nicht aus der Geschichte gelernt haben. Oder sollte es gar Vorsatz gewesen sein? Denn ohne diese Geschichte, würde es das jetzige Israel ja nicht gegeben!

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    • kranich05 schreibt:

      Ich halte überhaupt nichts von der Empfehlung: „Geh‘ doch nach drüben!“, in welcher Form sie auch ausgesprochen wird.
      „Hic rhodos, hic salta“ – die Menschen einigen sich überall zu vernünftigen Verhältnissen oder gar nicht. Das gilt für jüdische Menschen genauso wie für allen anderen. (Man musste zwar mit dem „Sozialismus in einem Land“ (notgedrungen) anfangen aber stehen bleiben konnte man dabei nicht.)

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    • Sven Thom schreibt:

      Der Begriff Rassismus ist meiner Meinung nach nicht zutreffend. Diskriminierung ist nicht = Rassismus.
      Wäre der jüdische Glauben eine Rasse, so müssten alle anderen Glaubensrichtung auch Rassen sein. Das entspricht aber nicht der Bedeutung von Rasse im biologischem Sinn und nur darum kann es bei diesem Begriff gehen. Alles andere wäre mit der Rassen-THEORIE! des Dritten Reiches gemein. Es sei denn Menschen jüdischen Glaubens sehen sich persönlich als eine Rasse, Eventuell gar als höhere bzw. höchstentwickelste Rasse. Aber so etwas ist eher dann Arroganz und Größenwahnsinn zusammen.

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      • kranich05 schreibt:

        Sie haben völlig recht. „Rasse“ ursprünglich (und im strengen Sinn auch heute) ein Begriff aus der Biologie = „Unterart“.
        Für ebenso unbestreitbar halte ich, dass ein erweiterter Rassismusbegriff – „Sozialrassismus“ längst gang und gäbe ist.

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        • Sven Thom schreibt:

          Sozialrassismus hört sich für mich einfach nur nach der Umschreibung des indischen Kasten-Systems an.

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        • Detlev Matthias Daniel schreibt:

          Nach meinem Verständnis – und ich halte das nicht zuletzt auch im Zusammenhang mit dem Begriff ‚Rassismus‘ für sinnvoll – ist ‚Rasse‘ ein Begriff aus der Tierzucht. Außerhalb dieses Anwendungsbereichs ist er mir bislang nur im rassistischen Zusammenhang untergekommen. Das ergibt Sinn: Wer Rassen züchtet, will einen bestimmten Erfolg, eine Unterart, die für irgendeinen Zweck besser ist als die anderen. Überträgt man diese Betrachtungsart auf natürlich entwickelte Unterarten und unterstellt, diese seien von wem auch immer zu einem besonderen Zweck gezüchtet, ist man mitten drin im Rassismus.

          Insofern stimme ich überein in der grundsätzlichen Kritik an der inflationären Verwendung des Begriffes ‚Rassismus‘. Bezüglich der hier geäußerten Kritik finde ich die Verwendung allerdings durchaus gerechtfertigt. Rassismus gründet immer auf einer – subjektiven – Ideologie, objektiv ist er in seinen konkreten Auswirkungen. Wo sich ein Volk bildet, das sich als „auserwähltes“, also eigens zu dem Zweck vom einzigen Gott gezüchtetes und damit privilegiertes „Volk Gottes“ betrachtet und mit dieser Ideologie, pardon: Religion, die Diskriminierung anderer Menschen begründet und betreibt, ist das Rassismus und kann sich nicht hinter dem Menschenrecht auf Religionsfreiheit verstecken.

          Ich denke aber, daß abseits solcher kollektiven Ausprägungen auch ein aufgeklärter Judaismus überlebt hat, der nicht im Widerspruch zur globalen Bewußtseinsentwicklung der Menschheit steht – zumindest des Kulturbereichs, von dem er durch die Geschichte hindurch ein Teil ist. Dies nur angemerkt für all diejenigen, die nur nach Schlüsselwörtern suchen, um mit dem Vorwurf „Antisemitismus“ draufzuballern.

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          • kranich05 schreibt:

            Mit „aufgeklärter Judaismus“ ist meiner Ansicht nach ein wichtiges Stichwort gegeben.
            Die außerordentliche Rolle von Juden für den Durchbruch von Aufklärung und „Freigeisterei“ bis hin zum Kommunismus in der Geschichte steht völlig außer Frage.
            Dass heute Israel und viele mächtige Juden außerhalb Israels dazu im finstersten Gegensatz stehen, steht für mich ebenfalls völlig außer Frage.
            Für mich liegt deshalb das Interesse nahe, ob in der jüdischen Ideologie im weitesten Sinne für diese extreme Widersprüchlichkeit Grundlagen gegeben sind.
            Ich beobachte enorm verbreitete, größte Unlust, sich dieser Problematik zu stellen.
            Schon das ist ein auffälliges Phänomen, das erklärt werden müsste.
            Übrigens bin ich überzeugt, dass gerade die Deutschen eine besondere Verpflichtung haben, zur soliden Bearbeitung der genannten Problematik beizutragen.

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            • Jo Bode schreibt:

              Teils „gefühlt“ denke ich, dass die aufgeworfene Frage mit Blicken auf den jüdischen(?) Exeptionalismus (Gottes Volk) und die teilweise auch hieraus ableitbare Geschichte bzw. Rolle jüdischer Glaubensanhänger in der Welt sowie der Reaktionen hierauf erklärbar oder beantwortbar sein dürfte.

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  2. kranich05 schreibt:

    Ich habe übrigens mit voller Absicht einen Artikel aus dem Jahre 1980 hervorgehoben. Im Zusammenhang mit meinem kürzlichen Blogbeitrag „souverän, exzeptionell, auserwählt“ (https://opablog.net/2019/05/30/souveraen-exzeptionell-auserwaehlt/) wird offenbar, dass es sich um eine STRATEGISCHE Ausrichtung/Wertsetzung (besser:Unwertsetzung) handelt. Ich habe den Verdacht, dass mit dem heute immer exzessiver geführten „Kampf gegen Antisemitismus“ von diesen Verhältnissen abgelenkt werden und ihre Kritik unterbunden werden soll.

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  3. fidelpoludo schreibt:

    Der Kranich hat den Link zum englischen Wikipedia-Artikel über Israel Shahak gleich am Anfang verlinkt. Dafür sei ihm gedankt und allen sei empfohlen, sich diesen Artikel herunter zu laden. Er könnte bald nicht mehr in der Form zugänglich sein. Vergleicht ihn bitte mit der deutschen Version: Ein Unterschied wie Tag und Nacht. In der Kürze des deutschen liegt nicht die Würze, sondern eine angestrengte Unterschlagung von sehr Wissenswertem.

    Wieland: „(…) Ich lieb in allen Sachen
    Den nächsten Weg, wiewohl er zweymal oft so weit
    Als jener ist, den andre Wandrer machen.
    Ein guter Weg ist einen Umweg werth, (…)“

    Ich habe nun leider noch nicht das Verhältnis überprüft, in dem beide Einträge zu dem Artikel von Israel Shahak „Zweierlei Maß in Israel – der Staat und die Grundrechte“ stehen, aus dem Kranich zitiert. Das werde ich nachholen, wenn ich mich genügend von der Lektüre eines Textes von Ron Unz erholt haben werde, den der Kranich andernorts verlinkt hat und an den ich mich in dem Moment erinnerte, auch weil ich ihn nur angelesen hatte.
    Auch wenn ich davon ausgehen kann, dass der Kranich in seinen einführenden Zitaten nicht gerade die harmlosesten Kritiken an Israel angeführt hat, stellt der Text des Juden Ron Unz meiner Ansicht doch alles in den Schatten, was bisher – einschließlich Gilad Atzmons – an Kritischem zu Israel und dem Judentum zu lesen und zu hören war.
    http://www.unz.com/runz/american-pravda-oddities-of-the-jewish-religion/#comments
    Wer den nicht gelesen hat, kann nicht wirklich kompetent mitreden.
    Nach der Erholungsphase hätte ich dann noch einen Hinweis zum „aufgeklärten Judaismus“ zu liefern und unterstreiche aber jetzt schon, dass ich mit des Kranichs Überzeugung voll übereinstimme, „dass gerade die Deutschen eine besondere Verpflichtung haben, zur soliden Bearbeitung der genannten Problematik beizutragen.“

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  4. kranich05 schreibt:

    Zum hier behandelten Problemkreis des israelischen Rassismus/Chauvinismus (wie präzise diese Bezeichnungen sein mögen oder nicht) sind auch zwei recht aktuelle Artikel des Ex-CIA-Mannes Philip Giraldi bemerkenswert, einer von September 2017 „America’s Jews Are Driving America’s Wars“ http://www.unz.com/pgiraldi/americas-jews-are-driving-americas-wars/
    und der andere von Mai 2019 „Ansichten israelischer Kriegsverbrecher“ via: Luftpost (http://luftpost-kl.de/lp-19.html) hier: http://luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_19/LP06519_070619.pdf

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  5. fidelpoludo schreibt:

    „A Window Into Jewish Guilt (Ein Einblick in Jüdische Schuld)“
    Gilad Atzmon • October 28, 2019 • 900 Words • 130 Comments

    Gilad Atzmon hat auf der Website des „Holocaustleugners, Hitlerapologeten und absolut entfesselten Antisemiten“, des „dreckigen Nazis“ Ron Unz (Anja Böttcher) die wenig subtile Warnung vor dem »noch fruchtbaren Schoß, aus dem das kroch« wieder einmal störrisch halsstarrisch durch Nichtbeachtung in den Wind geschlagen, als ob er den Zeitgeist, der abweichende Meinungen in zunehmend mehr Sachfragen einer »verantwortlichen« Zensur gern zu überantworten gedenkt, nicht wahrgenommen hätte. Er will einfach nicht hören, weil ihm (Mit-)Fühlen und Denken doch wichtiger sind.
    In seinem kurzen Beitrag, den ich – seiner Unbelehrbarkeit mich anschließend – hier in deutscher Übersetzung vorstelle, wird seine Stellung zur „Judenfrage“ allerdings in ihrer Bedeutung gerade in dem Maße um so gewichtiger und klarer, je mehr sich der Westen in Klima- wie Antisemitismus- (und auch Anti-Trump-)Hysterie der Grundlagen von Meinungsfreiheit begibt.

    „Es ist zu einer institutionellen jüdischen Gewohnheit geworden, zu untersuchen, wie sehr Juden von ihren Gastländern gehasst werden und wie ängstlich Juden gegenüber ihren Nachbarn sind. Gestern berichteten jüdische Pressestellen , dass „9 von 10 US-Juden sich über Antisemitismus Sorgen machen“.
    Ich kann mir zum Beispiel keine anderen Leute vorstellen, die so viel Energie in die Messung ihrer Unbeliebtheit investieren. Trotz des Ausmaßes der Islamfeindlichkeit und des Rassismus gegen die Schwarzen sehen wir uns keinen ständigen „Statistiken“ ausgesetzt, die uns davor warnen, wie verhasst die Schwarzen sind oder wie unsicher sich die Muslime fühlen.
    Die Statistiken des American Jewish Committee (AJC) legen nahe, dass „die meisten Juden der Meinung sind, dass sich die Situation verschlechtert“. Ich halte ihre Statistiken für unstimmig, denke aber, dass jede mathematisch veranlagte Person zustimmen müßte, dass, wenn 9 von 10 angesichts der Situation von Furcht ergriffen sind – »schlimmer kann es ja kaum werden« – ein Verhältnis von 10 von10 als eine nur geringfügige Steigerung für sie bedeuten müßte (11%).
    Nehmen Sie für einen Moment an, dass die Statistiken des AJC die Realität widerspiegeln und dass die überwiegende Mehrheit (90%) der 1.200 jüdischen Befragten aus allen politischen und religiösen Positionen den Judenhass als ernstes Problem mit potenziell katastrophalen Folgen betrachtet.

    Wir mögen uns fragen, wer der „ungezogene“ von zehn Juden ist, der im Gegensatz zu seinen Brüdern keine Angst vor ihren amerikanischen Nachbarn hat. Das werden wohl die sogenannten »Selbsthasser« sein, dieser berüchtigte Haufen schrecklicher humanistischer Juden, die Palästina unterstützen und sich über die Vielzahl der jüngsten jüdischen #MeToo-Skandale und Netzwerke für Pädophilie / organisiertes Verbrechen ärgern . Diese kleine Minderheit (10%) der ungehorsamen Juden könnte durch den Opioid-Skandal, der 400.000 Amerikaner getötet hat, beunruhigt fühlen. Sie wissen wahrscheinlich, wer die Hauptakteure in dieser Saga des Klassenvölkermords waren. Wahrscheinlich können sie nicht hinwegsehen über eine Reihe von Finanzverbrechen, von Madoff über israelische Banken, die US-Steuern umgehen, bis hin zu israelischen Binäroptionsunternehmen, die amerikanische Bürger betrügen. Diese universalistischen jüdischen Ausgestoßenen sind oft lautstarke Kritiker ihres Volkes, ihrer Kultur und ihrer Politik. Sie gehen manchmal sogar soweit, AIPAC und die ADL, Soros und sogar die JVP als kontrollierte Opposition zu verurteilen. Die Statistiken des AJC weisen auf das mögliche Vorhandensein eines seltsamen Szenarios hin, in dem 9 von 10 Juden von 1 von 10 Juden, die sich äußern, sich eingeschüchtert fühlen.
    Die Ergebnisse des AJC müssen allerdings weniger humorvoll als ganz seriös interpretiert werden. Möglicherweise weist nämlich die große Zahl der wegen des zunehmenden Antisemitismus besorgten Juden darauf hin, dass sich die Juden im Allgemeinen der besorgniserregenden Eigenschaften bewusst sind, die mit ihrer Politik, Kultur, Identität, Lobbyarbeit und israelischen Kriminalität verbunden sind.

    Juden könnten das Gefühl haben, als Gemeinschaft von problematischen Personen wie Weisntein, Epstein und Maxwell befleckt worden zu sein; durch die israelische Politik und die intensive zionistische Lobbyarbeit sich beschmutzt zu fühlen, der es gelingt, jedes Jahr Milliarden von US-Dollar aus dem Steueraufkommen der amerikanischen Bevölkerung zu plündern. Während das Weiße Haus dem unmoralischen Interventionismus der Neocons den Rücken zu kehren scheint, sind einige Juden möglicherweise darüber beunruhigt, dass sich die Doktrin des Neocon-Kriegstreibens größtenteils ein jüdisches Projekt herausstellen könnte. Der Haaretz-Schriftsteller Ari Shavit schrieb 2003: „Der Krieg im Irak wurde von 25 neokonservativen Intellektuellen konzipiert, die meisten von ihnen waren Juden…“ Vielleicht verstehen einige Juden jetzt, dass die zionistische Verschiebung der Agenda von einem „gelobten Land“ zu einem „gelobten Planeten“ der Neokons die Juden als Gemeinschaft nicht gerade in ein günstiges Licht stellt.
    Ich möchte die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass die überwältigende Furcht vor dem »Antisemitismus«, die von der AJC jedoch nur unzureichend dokumentiert wurde, ein Ausdruck von Schuld sein könnte.Amerikanische Juden fühlen sich möglicherweise gemeinsam schuldig wegen der katastrophalen Politik und Kultur einiger Teile ihrer korrupten Elite. Sie mögen sich sogar als Amerikaner schuldig fühlen, angesichts dessen, dass sie einen der wichtigsten amerikanischen Werte, nämlich die Redefreiheit, die durch den ersten Zusatzartikel garantiert wird, brutal auf dem Altar des „Antisemitsmus“ zu opfern bereit scheinen.

    Selbstverständlich würde ich es begrüßen, wenn AJC dies weiter untersucht. Es wäre interessant, den Zusammenhang zwischen der jüdischen Angst vor Antisemitsmus und der jüdischen Schuld herauszufinden. Es wäre auch faszinierend herauszufinden, wie sich jüdische Angst in Selbstreflexion niederschlägt. In dieser Hinsicht schlage ich vor, dass Juden, anstatt das amerikanische Volk zu beschuldigen, es einmal mit Selbstbeobachtung versuchen. US-Juden könnten den frühen Zionisten wie Theodor Herzl folgen, der aus Schuldgefühlen eine Selbstprüfung machte. Herzl war zutiefst beunruhigt vom Antisemitismus, aber das hinderte ihn nicht daran, sich mit seinen Ursachen auseinanderzusetzen. „Die reichen Juden kontrollieren die Welt, in ihren Händen liegt das Schicksal der Regierungen und Nationen“, schrieb Herzl. Er fuhr fort: »Sie spielen Regierungen gegeneinander aus. Wenn die reichen Juden aufspielen, tanzen die Nationen und die Herrscher. Auf die eine oder andere Weise werden sie reich.« Herzl glaubte, wie andere frühe Zionisten, dass Juden durch eine kulturelle, ideologische und spirituelle Metamorphose und dem Bestreben der‚ Heimkehr ‚von den Verhältnissen ihres Schicksals befreit und sogar global geliebt werden könnten. Mit ihrem Konzept zur Lösung der jüdischen Frage lagen Herzl und seine frühen Zionisten eindeutig falsch, ihr Festhalten an Selbstreflexion und an scharfer Selbstkritik jedoch das absolut Zutreffende, das heute fehlt.

    Amerikanische Juden haben von Herzl und anderen frühen Zionisten viel zu lernen. Sie sollten sich fragen, wie ihr amerikanisches „Goldenes Medina“, ihr jüdisches Land der Möglichkeiten, sich in ein „bedrohliches“ Reich verwandelt hat. Was ist passiert, was hat sich in den letzten Jahren verändert? War es die ständige Klage wegen des Antisemitismus und die verzweifelten und zur Institution geronnenen Versuche, Kritiker zum Schweigen zu bringen, die ihr goldenes Medina in einen abschreckend beängstigenden Raum verwandelten?“

    http://www.unz.com/gatzmon/a-window-into-jewish-guilt/

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