MEIN TAGEBUCH 8. Tag (die Zeit rennt): St. Petersburg-Twer

kopf tagebuch opablog14. August 2016

Der Tagesplan (voraussichtlich wird  der Empfang beim Bürgermeister erst am 15. morgens stattfinden):

Plan14

11.55 Uhr:

Peinliche Panne! Ich verfehle unsere Abfahrt.

Hatte mir gestern über Google Maps die Verbindung rausgesucht. Das Ziel „Ploschadj Iskusstw“ („Platz der Künste“) wollte Google partout nicht finden. Da wollte ich auf das an diesem Platz liegende Theater als Ziel ausweichen und gab irrtümlich ein „Mariinski Theater“. Richtig heißt das Theater aber „Michailowski“. (Dass das Mariinski am „Theatralnaja Ploschadj“ liegt, nahm ich leichtfertig in Kauf.) Pünktlich 8 Uhr steige ich am Mariinski aus. Völlig falsch! Wahrscheinlich gar nicht sehr weit von dem gesuchten Platz entfernt aber völlig orientierungslos. Ich frage fünf, sechs Passanten, auch einen vorbeikommenden Busfahrer, in dessen Bus ich schließlich einsteige. Alle sind sie sehr hilfsbereit und alle haben sie keine Ahnung. (Ich erwähne das russische Museum in der Nähe, das große Puschkindenkmal in der Mitte des Platzes, dass das Theater früher Kirow-Theater hieß – Keiner hat eine Ahnung!) Bei dem Namen Kirow dämmert dem Busfahrer etwas und er nimmt mich mit zum Kirow-Werk. Wir fahren Richtung Vorstadt, er dämpft meine Unruhe: „Gleich, gleich“, schließlich die Metrostation „Baltiskaja“. Mit der Metro komme ich wenigstens wieder zum Zentrum, Station, „Gostini Dwor“, wo ich vor einer Stunde vorbeifuhr. Man beschreibt mir den Weg, und nach wenigen Minuten bin ich am Treffpunkt. Es ist 9 Uhr – Zero.

Ich habe kein hier funktionierendes Telefon und bin ziemlich hilflos. Ich gehe zum 1. Petersburger Hotel, Name vergessen, das hier gleich um die Ecke liegt, westeuropäischer Standard. Die Damen sind sehr hilfsbereit. Ich kann in Ruhe ins Internet. Über die einzige Mailverbindung zur Gruppe versuche ich zu informieren. Weiß nicht, ob sie es erhalten haben. Die Kommunikation funktioniert über Whats Apps, das ist glaube ich FB, jedenfalls habe ich es nicht. Es gibt tatsächlich gewisse Mindeststandards der Kommunikation, auf die man sich unter diesen Bedingungen hier auch als Opa einlassen muss.

Naja, eigentlich mag ich ja solche Zwischenfälle, Abenteuer, aus denen man sich herauswinden muss. Der panische Augenblick war nur nach dem Aussteigen aus dem Bus als ich den irreparablen Fehler bemerkte. Wirklich peinlich ist es gegenüber der Gruppe.

Der nächste sichere Treffpunkt mit der Gruppe ist das Hotel in Twer. Als mache ich mich auf nach Twer. Noch etwas bekannt mit den Bahnreisegepflogenheiten früher in der Sowjetunion bin ich in großer Sorge, ob ich noch heute ein Billet (Platzkarte) kriege. Endlose Schlangen vor 1 geöffnetem Fahrkartenschalter auf riesigem Bahnhof sind mir noch ein Albtraum (und Schalterbeamte, die peinlich genau ihre Pausen einhalten). Doch es hat sich Manches geändert. Nach mäßigem Anstehen kriege ich noch heute einen Zug: Abfahrt 11.44 Uhr.14 LjudmJetzt ist es 13.36 Uhr, und ich habe mir von Ljudmila, der Schaffnerin, bereits den ersten Tee bringen lassen. Im Abteil fahren noch mit Sergej, ein Moskauer,…14 sergej

… und eine flotte junge Dame, die nach Moschaisk will. Beide liegen oben und pennen. Ich habe mein Bettzeug nicht ausgepackt, weil ich eigentlich sitzen bleiben will. Ankunft soll 19.17 Uhr sein. Das wäre nach 530 Kilometern. (Ich weiss aber nicht, ob das Bahnkilometer sind.) Ja, hier ist jedes Reisen, außer im Nahverkehr, ein Reisen im Liegewagen. Das Ganze kostet 2500 Rubel, also knapp über 35 €. Übrigens werden sowohl beim Fahrkartenkauf und auch beim Betreten des Waggons die Pässe kontrolliert und der Name auf der Fahrkarte eingetragen.

Es ist 15.48 Uhr, eine Haltestelle. Nun habe ich mich doch auch lang gemacht und fast zwei Stunden geschlafen.

Jetzt ist es 17.15 Uhr. Der Akku meines Notebook hält gut durch. Er zeigt immer noch zwei Stunden Reserve an. Doch ich bin jetzt etwas leer geschrieben und mache Schluss mit Schreiben; noch paar Bilder sichten. Das ist der Gewinn dieser unfreiwilligen Auszeit, dass ich ungestört die wichtigsten Tagebuchschulden aufarbeiten konnte.

21.15 Uhr:

Der Zug ist pünktlich auf die Minute 19.17 Uhr angekommen. Das Hotel ist modern und solide, liegt aber sehr weit außerhalb. Die Taxifahrt kostete 400 Rubel, fast 6 €. Fahrer war Artur, ein Armenier. Wir verstanden uns blendend und konnten uns auch gut verständigen. Komisch bei manchen Leuten denke ich, dass ich Null Russisch kann  und mit anderen spreche ich fast fließend.

Leider sind die Busfahrer nicht hier draußen untergebracht und nur wenige Automobilisten von uns. Da geht morgen die Sucherei nach dem Treffpunkt wieder los. Twer hat übrigens 700.000 Einwohner, sagt der Taxifahrer. Wikipedia sagt 403.000.

 

Weitere Bilder hier.

 

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Eine Antwort zu MEIN TAGEBUCH 8. Tag (die Zeit rennt): St. Petersburg-Twer

  1. weirich, hermann schreibt:

    mitfahren habe ich mir gesundheitlich nicht mehr zugemutet, lese aber nach und nach die Berichte und bin Ihnen dankbar für diese wichtige Friedensfahrt….weiterhin alles Gute Hermann Weirich aus augsburg

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