Brauchbare Informationen!

Angeblich leben wir im Informationszeitalter. Da Information, nach Wikipedia, etwas mit Wissen, mit Bildung, mit Unterrichtung zu tun hat, müßten wir eigentlich bestens unterrichtet sein. Leider ist aber (zumindest in politischen Zusammenhängen) sehr viel, was als Information daherkommt, bloß Nonsens. Man denke an solche aktuellen Beispiele, wie die U-Bootsuche in den Schären vor Stockholm oder an die absurde Behauptung, eine BND-Geheimdienstnutte würde etwas zur Aufklärung von MH17 beitragen. Meldungen dieser Art sind leicht als “Schmeißfliegen des Informationsgeschäfts” zu erkennen; paar Tage, nachdem sie ein bestimmtes Aufsehen erregt haben (was ihr einziger Sinn und Zweck ist), sind sie vergessen.

Neben solche Eintagsfliegen beschäftigen uns auch etwas größere “Informationsszenerien”. Sie sind “etwas größer” oder “groß” in dem Sinne, dass über längere Zeiträume zahlreiche wirkliche wahre Einzeltatsachen verkündet werden. Dennoch spreche ich von “Szenerien”, weil “echte” Tatsachen vermischt mit Behauptungen aller Art zu zweckbestimmten Erklärungsmustern montiert werden, hinter denen das Wesen der Sache verborgen bleibt. Aktuelle Beispiele dafür sind die Hypes um “Ebola” und “IS”. (Interessantes zu “IS” übrigens hier.)

Von dieser Art täglicher Information schon “vom Geruche satt”, wie der Thüringer sagt, aber weiter an Orientierung über Wesentliches interessiert und bereit, mal paar Minuten länger zu lesen und das Gelesene zu durchdenken, empfehle ich Materialien zum Thema “Yukos/Russland”.

Der Kampf des atlantisch-zionistischen Imperiums gegen Russland (und die sich formierende eurasische Macht; Seitenaspekt:BRICS-Macht)) hat nun einmal strategischen Charakter. So hochwahrscheinlich es ist, dass ein Nuland-Besuch bei der Kiewer Junta bald neue aggressive Akte zur Folge hat (hier letzte Überlegungen dazu vom Saker), so sicher darf man zugleich sein, dass das Imperium weitere Figuren in Position hat, die zum Zuge kommen, auch wenn die Kriegskarte trotz aller Bemühungen nicht stechen sollte. Yukos und Chodorkowski sollen dabei offensichtlich eine Schlüsselrolle spielen. In diesem Zusammenhang empfiehlt sich die Lektüre von Heft 3/2014 der Vierteljahreszeitschrift “Gegenstandpunkt”:

“Das Verfahren Yukos vs. Russia: Der Schiedshof in Den Haag versieht das Urteil “Unrechtsstaat“ mit einem Preis von 50 Mrd. Dollar

Ein Stück Weltordnung in Sachen Energiemarkt”

Dort wird auf 20 Seiten nicht nur das Wirken des Chodorkowski skizziert und insbesondere Entstehung und Wirken von Yukos knapp rekapituliert, es werden auch die Rechtsgrundlagen (oder “Rechtsgrundlagen”) des Haager Urteils dargestellt und die Aussichten seiner Umsetzung eingeschätzt. (Nebenbei: Über Yukos und Russland hinaus, gibt es damit glänzenden Anschauungsunterricht für unsere schöne neue TTIP-Zukunft.)

Dass es hierbei in keinster Weise um akademische Fragen geht, macht das “Manager-Magazin” vom 19.10. 2014 klar. Das Yukos-Urteil wird sich nahtlos in die antirussische Sanktionsstrategie einfügen bzw. ihr eine zweite, vom Ukraine-Kriegsgeschehen unabhängige Rechtfertigung liefern. Etwas säuerlich heißt es am Ende dieses Artikels: “Russland plant ein Gesetz, nach dem künftig ausländisches Eigentum beschlagnahmt werden kann. “Wir können leider nicht ausschließen, dass Russland für eine Vollstreckung der Jukos-Ansprüche gegen deutsche Unternehmen Vergeltung suchen könnte”, sagte Joachim Pfeiffer, wirtschaftspolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag.”

Es dämmert, dass das mächtige Russland, wenn nicht von marktwirtschaftlichen Illusionen irregeleitet, fähig sein wird, seine Interessen zu wahren. Zweifellos wird die US-amerikanische Vasallenregierung der BRD den Sanktionskurs aktiv mitverantworten und mitvorantreiben. Die Kosten dieser antinationalen und menschenfeindlichen Politik werden steigen. Wer soll sie tragen? Natürlich (wie bisher immer): Du und Ich. Der Bogen spannt sich zusehends, und der Spruch des jungen Marx (26 Jahre) erlangt neue Aktualität für uns:

“Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen.”

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Nachtrag, via Gelbes: 

Wer das ganze Thema nicht vom Opa, sondern lieber vom alten Sack Soros präsentiert haben möchte, muß hier klicken. Dort allerdings, im Unterschied zum opablog, sind Kommentare nicht erlaubt, ist eben ‘nen superdemokratisches Organ.

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Bildbetrachtung

Kein Bild hier, nirgendwo.

Für das Foto Lizenzgebühren zu berappen, hatte ich keine Lust, und es einfach raubzukopieren war mir zu heiß. Also hier gucken.

Bissel bedrippt sehen sie ja aus, diese begnadeten deutschen Wirtschaftsführer. (Werden sie demnächst wieder Wehrwirtschaftsführer heißen?) Vielleicht kommt es einfach daher, dass sie die Präsentation als Spaliercharge nicht gewohnt sind? Als Chefs über zehntausende, hunderttausende Lohnsklaven, hoppla „Arbeitnehmer“, pflegen sie herausgehoben zu sein und ex Kathedra zu verkünden. Unablässig liefern die sog. Medien, die sog. vierte Gewalt, also unsere Blödmaschinen, Bilder dieser Heroen, von unten aufgenommen, von schräg vorn, auf jemanden sorgfältig Frisierten, der mit Entschlossenheit in der Stimme und ausholenden Armbewegungen verkündet, welche zusätzlichen Anstrengungen der Markt “von uns allen” fordert.

Ja, es sind hochdotierte Manager. Vergessen aber wird oft, dass auch sie von den wahrhaft Mächtigen ein gutes Stück entfernt sind. Sie sind “nur” Funktionselite, allenfalls oberes, wichtiges Segment dieser Funktionselite. Sie sind Öffentlichkeitsfiguren. Die wahrhaft Mächtigen – eine Dynastie Quandt oder Porsche oder Piech – ist nicht öffentlich und wird folglich (“Aus den Augen, aus dem Sinn!”) von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen. In Wirklichkeit sind diese aber oberhalb der Öffentlichkeit, und sie haben mehr als jeder Andere die ursprüngliche Gestaltungsmacht. 

Was sind die 10 Mio, die ein hochdotierter Manager im Jahr kassiert, gegenüber den 15% Vermögenszuwachs, den Frau Klatten jährlich einfährt. Bei einem vermögen – einfaches Rechenbeispiel – von 10 Mrd. sind 15% 1,5Mrd Zuwachs. Oder dieselbe Relation anders veranschaulicht: Müßte Frau Klatten mit 1000 Euro im Monat auskommen, hätte Herr Winterkorn keine 10 Euro im Monat zu verprassen.

Und noch einen Schritt weiterzugehen haben wir, wenn wir die wirklich existierenden Relationen begreifen wollen. Auch die Diehl, Klatten, Schäffler und wie sie alle heißen, sind möglicherweise nur Planeten am Rande des Sonnensystems. Die atlantisch-zionistischen Kernkräfte des Systems, die ein hochintegriertes, strukturiertes Netz bilden, setzen materielle Macht im Gegenwert von vielen hundert Mrd. Dollar in Bewegung.

Solange die auf Krieg setzen, hat der Rest der Menschheit, schlappe sieben Milliarden Männlein und Weiblein, schlechte Karten. Ein Grund zum Verzagen ist das trotzdem nicht. Die französischen Sonnenkönige glaubten, nur Gott über sich zu haben. Bis plötzlich die Guillotine diesen Irrtum korrigierte. Wobei sich die französischen Revolutionäre erfreulicherweise nicht erst nach einem großen Krieg zu dieser befreienden Tat entschlossen.

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Gauck ärgert sich,

denn Wendungen zur Bundeswehr, wie “stahlgewordener Pazifismus” oder “in der Besenkammer der Geschichte” sind ihm nicht eingefallen.

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Im Zentrum

Nichts Besonderes; einfach mal einige Stunden im Zentrum der deutschen Hauptstadt. Demokratische Manifestationen waren heute angekündigt, und ich wollte teilnehmen.

18.15 Uhr, am Brandenburger Tor. Ich komme aus dem U-Bahnschacht: Polizisten, Wannen, Blaulicht. Auf den zweiten Blick: Fiaker, Touristen, Kaffeehausgäste.

Eine Demonstration der Solidarität mit den Verteidigern Kobanes findet statt, getragen hauptsächlich von Kurden. Ich schätze 150 Leute.

Vorbei am Stand der Reichsbürger, 3 oder 5 Leute (davon 2, 3 ausländische Touristen).

Vorbeifährt eine lautstarke Fahraddemo von “NoWare” (lautstark gegen den Imperialismus ist es aus dem begleitenden Lautsprecherwagen) gegen die Konferenz für Kriegsführung in Städten. Ich schätze 80 Teilnehmer. Hier ist die Polizei massiv vertreten.

Auf der anderen Seite des Brandenburger Tores die “traditionelle” Montagsmahnwache. Fast keine Polizei. Ich schätze 80 bis 100 Teilnehmer, dann sind es vielleicht 120. Es werden Abgrenzungen gegen Reichsbürger, UFOs und Chemtrails vorgetragen. Es folgt ein längerer Vortrag über das GeldSystem und Zinseszins. Neues ist nicht zu hören, Gründliches ebenfalls nicht. Politisches sowieso nicht. Etliche Teilnehmer haben sich auf Klappstühlen niedergelassen. Es sieht aus, als würden sie sich ihre wöchentliche Ration Mahnwachenfeeling abholen.

19.30 Uhr, Friedrichstraße, Hotel Maritim, Abschluβkundgebung der NoWare-FahrradDemo. Martialisches Polizeiaufgebot, mindestens 30 (erkennbare) Polizeibeamte, 13 Einsatzfahrzeuge, Blaulicht, manchmal Martinshorn. 30 Kundgebungteilnehmer. Der laute Lautsprecher spielt laute, kämpferische Musik. Die RednerInnen (die unbedingt “Rednerr*nnen”  zu schreiben sind) sagen laut das, was alle wissen. Dünner Sprechchor:”Hoch-die-internationale-Solidarität!”.

Was also aus dem Zentrum melden?

Es wimmelt von Leuten, die ihre guten Tage (und das demonstrative Treiben) genießen. Für sie stehen zauberhaft beleuchtete Fahrradrikschas bereit oder Fiaker, deren Pferde einen hier unerwartet natürlichen Duft verströmen.

Nicht Wenige hasten vorbei, starr geradeaus, Pflichten im Blick.

Die Demonstranto-Grüppchen wie Splitterchen im zähen Teig (der nicht gären will). Mit Verkündigungen, die ziemlich laut sind. Laut aber irgendwie halbschläfrig. Bekifft von welchem Stoff?

Die Repressionskräfte in reichlicher Zahl und Pracht und Herrlichkeit. Sie haben zweifellos den vollen Durchblick. Jedenfalls sind sie hellwach, die schrankartigen Männer und kecken Damen. Schlagfertigkeit dezent ausgestellt. Keine Schutzschilder, hinter die sie sich ducken, weil Demokraten mit Stangen und Ketten oder auch nur Regenschirmen auf sie einschlagen. Hier ist nicht Maid. oder Hong., hier ist Berlin.

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letzter Sommertag

Zwar war heute schon der 19. Oktober aber bei Temperaturen am Mittag bis zu 24° erlaube ich mir die Bezeichnung “letzter Sommertag”.

Frühmorgens schon, während ich zum Spaziergang mit Inka vors Haus trete, empfängt uns greller Sonnenschein.

sommer spazieren1

Die ersten Schritte Weg sind nicht so aufregend aber nach wenigen Minuten schon sind wir im alten Buchenwald, wo es uns immer gefällt.

sommer spazieren 2

Heute haben wir eine ausgedehnte Fahrradtour gemacht, d. h. etwa 15 km, die sind für Inka ausreichend. Dieses Bild ist nicht von dieser Tour.

sommer schlehen

Eigentlich wollten wir Pilze mitbringen, denn es ging in ein großes Waldgebiet, die Oranienburg-Schmachtenhagener Heide nahe Lehnitz. Doch Pilze sind hier in den letzten Tagen nicht gewachsen, auch nicht im feuchten, bei Wanderern so beliebten Briesetal.

Obwohl ich nun schon lange ein Standbein in Schmachtenhagen habe, kenne ich diesen Wald wenig. Er war zu DDR-Zeiten und lange danach militärisches Übungsgelände. Das Gebiet scheint aber nicht sehr intensiv genutzt worden zu sein, denn die typischen Spuren von Zerstörung und unbändigem Neuwuchs, wie ich sie von anderen Übungsplätzen kenne, sind hier kaum zu finden.

Meine Gedanken sind heute oft bei der Colbitz-Letzlinger Heide, mit ihrer Ausdehnung von 40 km ein anderes Kaliber. Berühmt aber eigentlich berüchtigt ist diese Heide seit einigen Jahren durch den Namen “Schnöggersburg”, das künftige Simulationszentrum der Bundeswehr für den Krieg in der Großstadt. Mit seiner Ausdehnung von rund 5 Quadratkilometern hätte es auch in die Oranienburger Heide gepaßt. Dann aber, so nahe Berlin, hätte es wohl noch mehr Proteste gegeben.

Kriege werden zunehmend gegen Zivilisten geführt. Die künftigen Kämpfe in den Städten haben die Militärstrategen fest im Blick.

Morgen beginnt dazu eine Konferenz in Berlin.

Ob man einen Ex-Pfarrer als Schirmherrn gefunden hat? Die Konferenz heißt: „International Urban Operations Conference“ und findet vom 20. bis 22. Oktober statt.

“Die Kriegskonferenz wird von der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik, einer kLobbyorganisation der deutschen Rüstungsindustrie organisiert. Dort treffen sich Vertreter*innen von Rüstungsunternehmen, der Bundeswehr und von Forschungsinstituten. Die Kriegskonferenz in Berlin ist ein Ort an dem urbane Kriegsstrategien präsentiert werden und ein Austausch von Wirtschaft, Forschung und Militär stattfindet.”

Das schreibt NoWar Berlin.

Und weiter: “Wir wollen am 20. Oktober zusammen gegen Krieg und Militarisierung protestieren und die Kriegsprofiteur*innen benennen und markieren. Vom Potsdamer Platz aus werden wir durch die Berliner Mitte radeln und unterschiedlichen Orten der Kriegsvorbereitung einen Besuch abstatten. Dazu gehört auch der Tagungsort der Kriegskonferenz, das dbb Forum. Zum Abschluss wollen wir vor das Hotel Maritim proArte ziehen, in dem die Kriegsstrateg*innen am Abend ihre Eröffnungsveranstaltung abhalten.”

Montag | 20. Oktober 2014
Fahrraddemo | 17:30 Uhr | Potsdamer Platz
Kundgebung | 19:30 Uhr | Hotel Maritim | Friedrichstraße 151

 

Die Kriege hat der schöne Oktober-Sommertag nicht vergessen gemacht. 

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“natürlich freundlicher”

Gestern berichtet mein Morgenradio von den Gesprächen der Kanzlerin mit Staatsmännern bei dem Mailänder Gipfel. Die Atmosphäre mit Putin sei ernst bis angespannt gewesen. Beim Gespräch mit Poroschenko war sie “natürlich freundlicher”.

“natürlich” ? “freundlicher”?

- Poroschenko ist nach einem Putsch in zweifelhaften Wahlen Präsident geworden.

- Er hat Faschisten in entscheidenden Positionen seiner Regierung; gerade jetzt einen zum Verteidigungsminister berufen.

- Er führt einen mörderischen “Anti-Terror-Krieg” (“bombardiert sein eigenes Volk”) unter Beteiligung faschistischer Bataillone. In diesem Krieg wurden und werden zahlreiche Kriegsverbrechen verübt, an denen Poroschenko zumindest mitschuldig ist.

- Poroschenko hat als strammer USA-Pudel alles getan, um Russland in diesen Krieg zu verwickeln. Nur der böse Putin hat das verhindert.

- Poroschenko trifft Entscheidungen zur Rehabilitierung der nationalistisch-faschistischen Traditionen und Tilgung der antifaschistischen Traditionen der Ukraine (Nationalfeiertag 14.10.).

Zu solch einem ist das Verhältnis der Kanzlerin Merkel “natürlich freundlicher”!

Die BRD-Propagandamedien erfüllen ihre aktive Rolle beim Abbau überkommener antifaschistisch-pazifistischer Tendenzen in der öffentlichen Meinung und dem Aufbau profaschistischen Sentiments nicht nur mit faustdicken Lügen. Sie tun das zugleich mit der beiläufig, fast unmerklich verabreichten kleinen Dosis Gift. 

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Faschisierung

Das Wort bezeichnet einen Prozeß. Etwas prägt sich allmählich, immer stärker faschistisch aus. Vielleicht sind anfangs nur Teile einer Gesamtheit faschistisch, andere Teile sind es nicht. Oder die Gesamtheit, alle Teile, haben zwar “Anklänge” an den Faschismus aber nur zeitweilig oder nur schwach ausgeprägt. Doch diese nehmen zu, werden stärker, dauerhafter, bestimmender.

Die ukrainischen Linken legen Wert darauf, dass derzeit herrschende Regime nicht als faschistisch zu bezeichnen, sondern von einem Prozess der Faschisierung zu sprechen. Mit der gestern erfolgten Bestätigung des Chefs der Nationalgarde zum Verteidigungsminister dürfte ein weiterer deutlicher Schritt der Faschisierung vollzogen sein. Ich spreche von einer Oligarchenherrschaft im Bündnis mit Faschisten, wobei diese Oligarchen Vasallen des atlantisch-zionistischen Imperialismus sind.

Den “klassischen” deutschen Hitlerfaschismus vor Augen, ist man geneigt, die Einsetzung des faschistischen Regimes mit Erscheinungsformen von Umsturz in Verbindung zu bringen. Das neue Regime erscheint, zumindest partiell, der (weiter funktionierenden) gutbürgerlichen Gesellschaft übergestülpt. Manch Bürger kokettierte bis zum Schluss (und darüber hinaus) mit seiner Distanz zum Regime. Unterhalb des Regimes habe ein “normaler”, wenn auch staatlich modifizierter, Kapitalismus gewirkt.

So wichtig der Nachweis ist, wie der gewöhnliche Kapitalismus den Faschismus in sich trägt und auch in der Vergangenheit in sich trug, so bedeutsam erscheint es mir, die besondere Affinität des heutigen neoliberalen Kapitalismus zum Faschismus aufzudecken. Es ist mehr als bloβe Affinität, es ist engste innere Verwandtschaft; nicht mit dem Kapitalismus der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts gleichzusetzen. Die neoliberale Feier des Individuums als Leistungsträger mündet in der Krise, im ultimativen Konflikt, in den Triumph der Bestie, versteht sich: “unserer guten Bestie”.

Der Neoliberalismus erweist sich als der ureigene ökonomische Unterbau des “modernen Faschismus”, soll heißen des Faschismus von heute und morgen.

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