gehört ihm. Ein Gespräch mit ihm aufzuzeichnen und zu veröffentlichen ohne daß er darüber informiert ist, ist unzulässig. Auch dann, wenn es aus guter Absicht geschieht. Um das zu begreifen, braucht es nicht die Denunziation des Anrufers als “Trittbrettfahrer”.
Mir waren diese Hintergründe als mir heute Vormittag das Video zugänglich wurde, nicht bekannt. Ich habe das Video gehört und war tief beeindruckt von Mollaths Hilferuf. Daß er überlegt, wie er in ein Gefängnis verlegt werden könnte (eine Variante, die selbst mir juristischem Laien als unrealistisch erscheint), signalisierte einen Grad von Verzweiflung (wenn nicht gar Angst), der mich erschreckt hat. Mollaths Stimme kann mehr sagen als 100 Kommentare im Blog.
Wenige Stunden nachdem ich gepostet hatte, wurde mir kommentarlos ein Paragrafentext zugemailt: § 201, Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes. Eine Textvariante findet man hier, freilich eine amputierte. Die mir übermittelte Version war dankenswerterweise vollständig und enthielt diesen Passus: “Die Tat nach Satz 1 Nr. 2 ist nur strafbar, wenn die öffentliche Mitteilung geeignet ist, berechtigte Interessen eines anderen zu beeinträchtigen. Sie ist nicht rechtswidrig, wenn die öffentliche Mitteilung zur Wahrnehmung überragender öffentlicher Interessen gemacht wird.” Ein Leser aus der Mollath-Unterstützergruppe machte mich auf die Problematik aufmerksam und meinte, daß wohl alles davon abhänge, wie Gustl Mollath das sieht. Wo war Mollaths Stimme?
Eva hatte mit ihm gesprochen. Soviel hatte sie mitzuteilen: “In einem fast einstündigen Telefongespräch mit Gustl Mollath heute Vormittag hat er mir u. a. mitgeteilt, von Herrn Hoffmann bzgl. seines Vorhabens nicht informiert worden zu sein; er zeigte sich überrascht.” Empörung hört sich anders an, ein striktes Verbot auch. Nicht einmal Verärgerung Mollaths konnte ich aus Evas zweifellos korrekt berichtenden Worten entnehmen. Mein Entschluß war gefaßt: Sagt Mollath: “Nein”, fliegt das Video sofort ‘raus. Wenn nicht , dann nicht.
Inzwischen baute sich eine Druckwelle auf: Das Video aus dem opablog raus! Manche Stimmen waren leiser. Manche waren sehr laut. Deutlich waren sie fast alle. Der Opa ist durchgeknallt, hing es in der Luft.
Geehrte Mollath-UnterstützerInnen, in meinem schon längeren Leben habe ich mehrmals heftigen Druck erlebt. Nicht zuletzt als Stasi-IM, der sich aus eigenem Antrieb offenbart hat. Aus alldem habe ich den Schluß gezogen, daß ich – solange nicht überzeugt – keinem Druck nachgebe. Trotzdem bin ich nun sehr erleichtert, daß Gustl Mollath nachträglich autorisiert hat.
Ich trete ein, zwei Schritte zurück von der Mollath-Unterstützerszene. Viele vertraute Stimmen höre ich. (Natürlich nur im übertragenen Sinne. Ich kenne ja nur Texte, einige persönliche Eigentümlichkeiten des Schreibens und Nicknamen) Heftiges Stimmengewirr. Die mir liebgewordene Stimme Gustl Mollaths ist manchmal auch zu hören. Meistens nur kurz. Und ziemlich leise.