Brauchbare Informationen (3) – Deutsches Militär gegen Russland – lange VOR der Ukrainekrise!

german-foreign-policy.com9

Die zu wenig gewürdigte Webseite, die Tag für Tag über ein breites Themenspektrum solide Informationen liefert, schreibt heute über den deutschen Weg zur EU-Armee.

Informiert wird über die forcierte militärische Zusammenarbeit mit Polen. Dieses Land verfügt schon jetzt über 130 Leopard-Panzer. 2015 sollen 120 dazukommen, annähernd eine Verdopplung. “Klar”, denkt der durch deutsche Blödmaschinen konditionierte Bürger, “die Polen rüsten jetzt auf, weil sie sich durch Russland bedroht fühlen.” Denn R. hat sich, so hat er es gelesen, die Krim einverleibt.

Da hat es Informationswert sich das Datum des Kaufvertrags dieser 120 Panzer anzusehen. Es liegt zumindest VOR dem 22.11. 2013, denn an diesem Tag informierte bereits das BMVg über den Deal. (Bildquelle ebenfalls hier.)

Siemoniak und de Maizière vor Panzer

Offensichtlich fühlte sich Polen samt zuverlässigen deutschen Freunden schon damals heftig bedroht, auch wenn Herr Janukowitsch in fernen Kiew sein Bekenntnis zur EU-Integration der Ukraine mit dem Eingeständnis vorübergehender Schwierigkeiten erst am 21.11. 2013 erklärt hatte. Zu diesem Zeitpunkt war der Kiewer Maidan für den Normalbürger nichts weiter als ein mehr oder weniger belebter großstädtischer Platz.

Doch halten wir uns nicht beim November 2013 auf. Wenn es gegen Russland geht, erweisen sich deutsch-polnische Kriegsplaner als weitaus vorausschauender. Ein Abkommen über verstärkte Marinezusammenarbeit datiert vom Mai 2013. Näheres dazu hier bzw. hier. Von der Zusammenarbeit im “Multinationale Korps Nordost” (MNK NO) seit 1999 zu schweigen.

Ja, es ist ein Kreuz mit diesem imperialen Russland, das den westlichen Verteidiger-Freunden unentwegt näher auf den Pelz rückt!

Für mich, den damaligen Mollathunterstützer (der bemerkenswert fand, dass sich Mollath auch mit Diehl angelegt hatte) ist noch interessant, dass der Raketenbauer Diehl beim genannten Marineabkommen mitmischt. Sie stellen ein Schmuckstück bereit, ein besonderes Raketchen, pardon “Seezielflugkörper” RBS15 Mk3. “Die von der deutschen Waffenschmiede Diehl BGT Defence und dem schwedischen Unternehmen Saab Dynamics entwickelte Rakete zeichnet sich den Herstellern zufolge durch eine Reichweite von mehr als 200 Kilometern und die Fähigkeit zum Umfliegen von Inseln aus; aufgrund ihrer niedrigen Flughöhe und “nicht vorhersehbare(r) Ausweichmanöver im Endanflug” verfüge sie außerdem über ein “hohes Durchsetzungsvermögen” gegenüber der gegnerischen Luftabwehr,…”.

Dem deutschen Ingenieur ist nichts zu schwör”, denkt da der Deutsche Michel, nicht ohne stolz, und irgendwie mag er rührige “Wahrnehmer gestiegener deutscher Verantwortung”, und außerdem feiern wir dieser Tage Reformation und Allerseelen, da sollte unser Pastoralpräsident mal wieder seine Rede halten. Es reicht auch der Refrain: “Russen raus!”

Veröffentlicht unter Bewußtheit, Blödmaschine, bloggen, Faschismus alt neu, Krieg, Machtmedien, Realkapitalismus, Widerstand | Verschlagwortet mit , , , , , , | Ein Kommentar

Die Linke darf soweit mitregieren, soweit sie antisozialistisch ist

Kernsätze der Vereinbarung zwischen den Thüringer Parteien Linke, SPD und Bündnis90/die Grünen, die eine Koalitionsregierung bilden wollen, sind:

Weil durch unfreie Wahlen bereits die strukturelle demokratische Legitimation

staatlichen Handelns fehlte, weil jedes Recht und jede Gerechtigkeit in der DDR ein

Ende haben konnte, wenn einer der kleinen oder großen Mächtigen es so wollte, weil

jedes Recht und Gerechtigkeit für diejenigen verloren waren, die sich nicht

systemkonform verhielten, war die DDR in der Konsequenz ein Unrechtsstaat. ….

Wir verständigen uns darauf, nicht mit Organisationen, die das DDR Unrecht

relativieren, zusammenzuarbeiten. Die Parteien werden keine Personen, die direkt

oder indirekt mit dem Sicherheitssystem der DDR zusammengearbeitet haben, in

Positionen dieser Regierung entsenden.“

Die von den drei Parteien getragene Erklärung ist ausschließlich darauf gerichtet, die Delegitimierung der DDR als BRD-Grunddogma zu bestätigen und zum Ausgangspunkt jeder Regierungspolitik in der BRD zu machen. Es geht ausdrücklich NICHT darum, die Beziehungen zwischen Demokratie und Diktatur inhaltlich und historisch-konkret „aufzuarbeiten“, obwohl das sowohl bezüglich der Vergangenheit von BRD und DDR, als auch bezüglich Gegenwart und Zukunft der BRD dringend erforderlich wäre.

Stattdessen wird der BRD-Rechtsstaat zum unhinterfragbaren Modell und Vorbild erhoben.

Insbeondere lügnerische Behauptungen, wie, dass „… jedes Recht und jede Gerechtigkeit in der DDR ein Ende haben konnte, wenn einer der kleinen oder großen Mächtigen es so wollte,…“ sind ein verleumderischer Angriff auf die jederzeit (und in der Realität) antifaschistische, friedensfördernde und antikapitalistische Politik der DDR.

Eine solche Erklärung wird heute (erneut) abgegeben, in einem Staat, der seit Jahr und Tag mehr oder weniger verdeckt bzw. „basisnah“ mit Faschisten kooperierte und kooperiert (nicht zuletzt auch in Thüringen) und seit Februar 2014 in Kiew diese Kooperation offen auf die Ebene der „Haupt- und Staatsaktionen“ gehoben hat. Diese Politik wird von maßgeblichen Funktionären der Parteien SPD und Bündnis90/die Grünen – híer Verhandlungspartner der Linken – vertreten.

Die Verständigung der genannten drei Parteien darauf, „…keine Personen, die direkt

oder indirekt mit dem Sicherheitssystem der DDR zusammengearbeitet haben, in

Positionen dieser Regierung (zu) entsenden.“spricht nicht nur der DDR JEDES legitime Sicherheitsbedürfnis ab, sondern ist in der gewollten Unschärfe der Formulierung zur Diskriminierung jedes beliebigen DDR-Bürgers benutzbar.

Im Grunde wird hier etwas verklausuliert der DDR jederlei Existenzberechtigung abgesprochen. Den großartigen realsozialistischen Versuch, der wahrlich genügend Kritikwürdiges hervorbrachte, darf es nicht gegeben haben. Die Linke darf mitregieren – wenn ihre DDR-Feindschaft ausser Zweifel steht.

PS: Die Diskussionen über mögliche Regierungsbeteiligungen der Linken werden oft auf die Frage der Zustimmung zu BRD-Kriegsbeteiligungen eingeengt. Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Der GANZE Eisberg heißt Antisozialismus, Pro-Imperialismus, Pro-Neufaschismus.

So wie die Grünen, ehemalige Friedenspartei, für’s Mitregieren fanatische Kriegstreiber werden mussten, so wird die SED-Nachfolgepartei leidenschaftliche DDR-Feindschaft und Antisozialismus beweisen müssen.

Veröffentlicht unter Bewußtheit, Demokratie, Faschismus alt neu, Krieg, Krise, Lenin, Machtmedien, Realkapitalismus, Realsozialismus, Widerstand | Verschlagwortet mit , , , , , , | 3 Kommentare

Brauchbare Informationen (2) – von der neufaschistischen Randale in Köln

Wie kürzlich bereits erwähnt: Wir Zeitgenossen des sog. Informationszeitalters finden uns ja allzu oft in einer Informationswüste. Doch unter Bergen von Sand glänzt manchmal ein Informationskörnchen hervor, das Wert ist (auch wenn es kein Gold sein sollte), aufgehoben zu werden.

Auf der Website der Ruhrbarone fand ich eine Art Liveticker von der Kölner “HoGeSa”-, also neufaschistischen Randale. Die Ruhrbarone haben dabei eine zeitweilige, auffällige Zurückhaltung der Polizei registriert. Vielleicht ist das eine Information, die zur Aufklärung beiträgt. Ich zitiere in Auszügen (Fettdruck der Passagen zur Polizei von mir):

12.55 Uhr: Der Weg nach Köln ist länger als man denkt, jedenfalls sind wir noch nicht vor Ort, sondern noch auf der A1. So können wir aber berichten, dass die Polizei schon weit vor Köln begonnen hat, mutmaßliche Hooligans aus dem Verkehr zu ziehen und zu kontrollieren…

13.15 Uhr: Wir sind vor Ort und sind beeindruckt. “Unglaublich viel Polizei… die haben alles aufgefahren!” Vom Wasserwerfer bis zum gepanzerten Räumwagen, alles dabei. Die Polizei demonstriert rund um den Kölner Bahnhof Stärke. Unterdessen kann man auf twitter verfolgen, dass weiterhin Gruppen und Grüppchen, teilweise angeblich bis zu 200 Leute, von Hooligans auf dem Weg nach Köln sind.

15.03 Uhr: Nun sind es 3000 deutlich dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnende Hooligans, die auf dem Breslauer Platz herumstehen und sich von “Kategorie C” beschallen lassen. Die der Neonaziszene zuzurechnende Band aus Bremen hat mit ihrem Auftritt begonnen… Um die Veranstaltung herum erstaunlich wenig Polizei im Einsatz.

15.13 Uhr: Wo sind sie hin? Um die Veranstaltung der braunen Hools ist die Polizei praktisch nicht mehr präsent. Die Stimmung auf dem Breslauer Platz wurde noch einmal aggressiver, als Gegendemonstranten, von den angrenzenden Gleisen herab, versuchten, zur Nazi Demo zu gelangen oder sie zumindest zu stören…

15.27 Uhr: “Ich würd’ gern ein bisschen Polizei sehen…” so einer unserer Leute vor Ort in Köln… ein Satz den man so eher selten hört…

15.36 Uhr: “Es ist eine riesige, riesige Menge…” so beschreibt gerade einer unserer Leute vor Ort den Demonstrationszug der Neonazi Hools, der sich gerade in Bewegung gesetzt hat. Und immer noch ist kaum Polizei zu sehen… Auch nicht vor dem Bahnhof, wo es um die 1000 Menschen sind, die gegen die Mischung aus Hooligans und Nazis protestieren…

15.50 Uhr: Es knallt in Köln. Böller explodieren und es fliegen Steine. Der Zug der Neonazi Hools befindet sich im Bereich der Tunis- und Turiner Straße. Immer noch ist von der Polizei kaum etwas zu bemerken, sie läuft lediglich mit schwachen Kräften dem Zug hinterher. Es gibt kein Spalier und auch vor dem Demonstrationszug befindet sich keine Polizei, die Lage ist gefährlich. Keiner kann sagen, was passiert, wenn 3000 Schläger einfach nach vorne ausbrechen…

15.56 Uhr: Über twitter mehren sich die Meldungen, dass es zu Eskalationen kommt. Auch unsere Leute vor Ort berichten von Übergriffen der rechten Hools auf Vertreter der Presse. Wer eine Kamera trägt oder einfach so aus Frack für einen Journalisten gehalten wird, wird von den Nazis massiv angegangen, bedroht und bedrängt. Nach anfänglicher Untätigkeit hat die Polizei nun begonnen die Lage unter Kontrolle zu bringen. Pfefferspray und Schlagstockeinsatz.”

—————————————————————

Update 29.10.:

Mit der HoGeSa-Randale in Köln erhält die Faschisierung der und in der BRD eine weitere Facette. Also “Augen auf!”

Wer im “Informations”-gestrüpp zwischen aalglatten neurechten Propagandisten, wie Elsässer, und dem Liebeskitsch vieler Montagsmahnwächter Orientierung behalten bzw. finden will, sollte diesen Beitrag zur Kenntnis nehmen. (via: Florian Hauschild)

Veröffentlicht unter Blödmaschine, bloggen, Demokratie, Faschismus alt neu, Machtmedien, Realkapitalismus, Widerstand | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

“Macht ohne Herrschaft” – ein erstaunliches Buch

Geschrieben wurde es von Georg Knepler und erschienen ist es 2004 im Kai Homilius Verlag. Wer Knepler war und was er geleistet hat, preise ich hier nicht. Er war immer loyal zur DDR, und das reicht heutzutage zum Vergessen.

Seine zweibändige “Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts”, erschienen 1961, war schon damals ein epochales Werk. Musik verstehen aus einem unorthodoxen historischen Materialismus heraus – so what!

Wie es die biografischen Zufälle wollen (meine eigenen), habe ich sein zweites großes Werk “Geschichte als Weg zum Musikverständnis. Zur Theorie, Methode und Geschichte der Musikgeschichtsschreibung”, Leipzig 1977, bis heute nicht zur Kenntnis genommen. Aber mir lief kürzlich sein o. g. Werk über den Weg  – “Macht ohne Herrschaft” – und weil mit diesem Titel exakt ein Problem benannt wird, das mich sehr beschäftigt, habe ich mir das Buch jetzt gekauft. Knepler hat es nicht selbst vollendet, aber es war in einem Maße ausgearbeitet, dass sein Mitarbeiter Stefan Huth die Veröffentlichung wagen konnte.

Knepler hat im Alter von 85 Jahren mit diesem Werk angefangen!! Und er sagte, dass er damit seinen Beruf gewechselt habe. Die Musikgeschichte habe er hinter sich gelassen und sich der Universalgeschichte zugewandt. Und das in einer Art, wie ich meine, wie es sich wirklich nur ein überragender Gelehrter als Fazit eines langen Gelehrtenlebens erlauben kann.

Mich haben diese Informationen wie ein Blitzschlag getroffen. Das Alter von 75 Jahren im Blick, grüble ich seit Längerem, ob ich die Veröffentlichung meiner DDR-Tagebücher (“tageundjahre.de”) fortsetzen (mit erneuerter Konzeption) oder abbrechen sollte. Und ich gebe es zu, dass ich im Hinblick aufs Alter, eher zum Aufgeben neigte. Dass aber, dass einer mit 85 ein völlig neues Werk anfängt, hat mich komplett umgestimmt. Einiges ist noch zu bedenken aber sicher ist, dass “tageundjahre” weitergehen wird und zwar mit viel mehr Konzentration und Aufwand (und wohl vor dem “opablog” rangieren wird). Dazu bald mehr.

Das zweite Erstaunen löste mir Kneplers Umgang mit marxistischer Gesellschaftstheorie aus. Diese Souveränität, diese Unbekümmertheit beim Formulieren überfälliger Einsichten  sind im höchsten Maße anregend. Dabei ist es völlig unerheblich, ob jede seiner Thesen soweit begründet sind, dass er das “darf”. Auch darauf komme ich zurück.

Und schließlich wurde ich ein drittes Mal überrascht: Knepler erwähnt die Rolle der politischen Klubs in der französischen Revolution. Bekannt war mir natürlich der Jakobiner-Klub. Aber dass im ganzen Land sich hunderte solcher Klubs gebildet hatten, dass war mir eine neue Information. Ein Netzwerk politischer Klubs in der Revolution! Das ist historisch höchst interessant. Ist es etwa auch für die Jetztzeit interessant? Eine Frage, auf die ich unbedingt zurückkommen möchte.

Soweit meine Zwischenmeldung von einer (bei mir) Erstaunliches auslösenden Lektüre.

Veröffentlicht unter ökologisch, Bewußtheit, bloggen, Demokratie, Kunst, Materialismus, Mensch, Musik, Realkapitalismus, Realsozialismus, Revolution | Verschlagwortet mit , , | 3 Kommentare

Die Ersetzung der emanzipatorischen durch eine globalpolitische Perspektive

I

Wenn ich die Überschrift so formuliere, betrifft sie vielleicht nur ein persönliches Problem. Tatsächlich beobachte ich an mir (und weiß nicht, wie es anderen ergeht), dass ich mich während meiner realsozialistischen Lebensjahrzehnte ganz selbstverständlich in der Perspektive der Befreiung des Menschen gesehen habe. Das war, mit welchen erlebten Zweifeln auch immer, der Rahmen meines Denkens und Tuns. Die realsozialistischen Verhältnisse brachen zusammen und damit auch diese Art emanzipatorische Selbstgewissheit, der ich heute ein Gutteil Naivität und Oberflächlichkeit bis hin zu partiellem Selbstbetrug bescheinige.

Eine neue emanzipatorische Gewissheit und Überzeugung hat sich und habe ich mir seitdem nicht entwickelt. Was tun, in dieser Lage, wenn man nicht zu denen gehört, die alle damaligen Werte verleugnen und vergessen und die sich schneller als man blicken kann, zu neuen Werten bekennen? Ich neige dazu, teils unter dem Zwang der Tagesereignisse, teils auf Grund reiflicher persönlicher Überlegung, den Einsatz für Frieden als hohen bzw. führenden Lebenswert zu setzen. Klar, dass der, obwohl in seiner Art breiter und unspezifischer, mit dem Wert “Emanzipation” eng verbunden ist.

Fast automatisch folgt daraus eine globalstrategische Sichtweise, denn die Basisfriedensaktivitäten sind marginal, wirkungsarm, oftmals fragwürdig. Was in heutiger Zeit tatsächlich (meine) Friedenhoffnungen tragen kann, ist das Wirken großer, durchaus realkapitalistischer Mächte, die sichtbar nicht eskalierend, sondern deeskalierend wirken, die sichtbar Kooperation anstatt Konfrontation suchen und beides mit Selbstbewußtsein/Entschiedenheit tun. Ich spreche von dem Russland Putins und weiteren Mächten.

Doch ich bleibe mir bewußt bzw. mache mir bewußt, dass ich damit meine ursprüngliche Problemstellung längst verlassen und durch eine deutlich andere ersetzt habe.

II

Eng verwandt mit dem bis hierher Gesagtem, wäre das Thema: “Die Ersetzung der emanzipatorischen durch eine machtpolitische Perspektive”. Dieses Thema verlangt die Selbstprüfung, inwieweit meine “realsozialistischen Jahre des guten Glaubens” in Wahrheit längst nicht mehr emanzipatorisch waren bzw. eine Mischung von emanzipatorischen und emanzipationsfeindlichen Momenten darstellten. Ich denke, dass diese Problemstellung letztlich bis auf die Ersetzung der Leninschen durch die Stalinsche Politik zurückgeführt werden muss, ein Vorgang, der, obwohl immer einmal erwähnt, zu den am wenigsten untersuchten gesellschaftlichen Grundphänomenen gehört. Ob es nicht Parallelen zur Ersetzung der Jakobiner durch Napoleon gibt? Dass man bei der Erforschung dieser (vielleicht) gesellschaftlichen Fundamentalerscheinung nicht mit Personalisierungen weiterkommt, sollte klar sein.

III

Das Thema hält vielleicht noch eine weitere Variation bereit, vielleicht die ultimative: “Von den Perspektiven zum Verlust jeder Perspektive”.

Habe ich zunächst nur zur Kenntnis genommen, dass aus dem Untergang des Realsozialismus keine neue moderne Perspektive des Sozialismus (“des 21. Jahrhunderts”) entsprungen ist, so erlebe ich gerade, wie die heutige Gesellschaft (nicht zuletzt die jungen Leute) trotz allem, was geschieht, anscheinend keine Perspektive des Friedenskampfes entwickeln will. Teils meint man, ohnehin nichts ändern zu können, teils meint man, lieber nichts ändern zu wollen. Es lebt sich – zwar schwer genug aber doch auch erträglich und nicht ohne Momente von Befriedigung und Vergnügen – in ausschließlicher Gegenwartsverpflichtung und -bewältigung. Sich um Perspektiven zu kümmern, scheint sowohl sinnlos zu sein, als auch bloßer Verlust von (Über-)Lebenskraft.

Veröffentlicht unter ökologisch, Bewußtheit, Blödmaschine, bloggen, Demokratie, Faschismus alt neu, Krieg, Krise, Leben, Lenin, Machtmedien, Materialismus, Mensch, Realkapitalismus, Realsozialismus, Widerstand | Verschlagwortet mit , , , , , | Ein Kommentar

Brauchbare Informationen! Mit zwei Updates

Angeblich leben wir im Informationszeitalter. Da Information, nach Wikipedia, etwas mit Wissen, mit Bildung, mit Unterrichtung zu tun hat, müßten wir eigentlich bestens unterrichtet sein. Leider ist aber (zumindest in politischen Zusammenhängen) sehr viel, was als Information daherkommt, bloß Nonsens. Man denke an solche aktuellen Beispiele, wie die U-Bootsuche in den Schären vor Stockholm oder an die absurde Behauptung, eine BND-Geheimdienstnutte würde etwas zur Aufklärung von MH17 beitragen. Meldungen dieser Art sind leicht als “Schmeißfliegen des Informationsgeschäfts” zu erkennen; paar Tage, nachdem sie ein bestimmtes Aufsehen erregt haben (was ihr einziger Sinn und Zweck ist), sind sie vergessen.

Neben solche Eintagsfliegen beschäftigen uns auch etwas größere “Informationsszenerien”. Sie sind “etwas größer” oder “groß” in dem Sinne, dass über längere Zeiträume zahlreiche wirkliche wahre Einzeltatsachen verkündet werden. Dennoch spreche ich von “Szenerien”, weil “echte” Tatsachen vermischt mit Behauptungen aller Art zu zweckbestimmten Erklärungsmustern montiert werden, hinter denen das Wesen der Sache verborgen bleibt. Aktuelle Beispiele dafür sind die Hypes um “Ebola” und “IS”. (Interessantes zu “IS” übrigens hier.)

Von dieser Art täglicher Information schon “vom Geruche satt”, wie der Thüringer sagt, aber weiter an Orientierung über Wesentliches interessiert und bereit, mal paar Minuten länger zu lesen und das Gelesene zu durchdenken, empfehle ich Materialien zum Thema “Yukos/Russland”.

Der Kampf des atlantisch-zionistischen Imperiums gegen Russland (und die sich formierende eurasische Macht; Seitenaspekt:BRICS-Macht)) hat nun einmal strategischen Charakter. So hochwahrscheinlich es ist, dass ein Nuland-Besuch bei der Kiewer Junta bald neue aggressive Akte zur Folge hat (hier letzte Überlegungen dazu vom Saker), so sicher darf man zugleich sein, dass das Imperium weitere Figuren in Position hat, die zum Zuge kommen, auch wenn die Kriegskarte trotz aller Bemühungen nicht stechen sollte. Yukos und Chodorkowski sollen dabei offensichtlich eine Schlüsselrolle spielen. In diesem Zusammenhang empfiehlt sich die Lektüre von Heft 3/2014 der Vierteljahreszeitschrift “Gegenstandpunkt”:

“Das Verfahren Yukos vs. Russia: Der Schiedshof in Den Haag versieht das Urteil “Unrechtsstaat“ mit einem Preis von 50 Mrd. Dollar

Ein Stück Weltordnung in Sachen Energiemarkt”

Dort wird auf 20 Seiten nicht nur das Wirken des Chodorkowski skizziert und insbesondere Entstehung und Wirken von Yukos knapp rekapituliert, es werden auch die Rechtsgrundlagen (oder “Rechtsgrundlagen”) des Haager Urteils dargestellt und die Aussichten seiner Umsetzung eingeschätzt. (Nebenbei: Über Yukos und Russland hinaus, gibt es damit glänzenden Anschauungsunterricht für unsere schöne neue TTIP-Zukunft.)

Dass es hierbei in keinster Weise um akademische Fragen geht, macht das “Manager-Magazin” vom 19.10. 2014 klar. Das Yukos-Urteil wird sich nahtlos in die antirussische Sanktionsstrategie einfügen bzw. ihr eine zweite, vom Ukraine-Kriegsgeschehen unabhängige Rechtfertigung liefern. Etwas säuerlich heißt es am Ende dieses Artikels: “Russland plant ein Gesetz, nach dem künftig ausländisches Eigentum beschlagnahmt werden kann. “Wir können leider nicht ausschließen, dass Russland für eine Vollstreckung der Jukos-Ansprüche gegen deutsche Unternehmen Vergeltung suchen könnte”, sagte Joachim Pfeiffer, wirtschaftspolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag.”

Es dämmert, dass das mächtige Russland, wenn nicht von marktwirtschaftlichen Illusionen irregeleitet, fähig sein wird, seine Interessen zu wahren. Zweifellos wird die US-amerikanische Vasallenregierung der BRD den Sanktionskurs aktiv mitverantworten und mitvorantreiben. Die Kosten dieser antinationalen und menschenfeindlichen Politik werden steigen. Wer soll sie tragen? Natürlich (wie bisher immer): Du und Ich. Der Bogen spannt sich zusehends, und der Spruch des jungen Marx (26 Jahre) erlangt neue Aktualität für uns:

“Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen.”

———————————–

Nachtrag, via Gelbes: 

Wer zum Thema ein aktuelles und sehr deutliches Statement vom Berufs-Farbenrevolutions-Organisierer Soros zur Kenntnis nehmen möchte, muß hier klicken. Dort allerdings, im Unterschied zum opablog, sind diesmal Kommentare nicht erlaubt. Sie werden wissen warum.

Update 24.10.:

Zum Thema ein vertiefender Beitrag aus erster Hand beim Saker.

UPDATE 25.10.:

Putins große Rede für eine humanere Weltordnung – “Waldai-Club” 2014.

 

Veröffentlicht unter Bewußtheit, Blödmaschine, bloggen, Demokratie, Faschismus alt neu, Krieg, Krise, Leben, Lenin, Machtmedien, Materialismus, Mensch, Realkapitalismus, Widerstand | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , | 4 Kommentare

Bildbetrachtung

Kein Bild hier, nirgendwo.

Für das Foto Lizenzgebühren zu berappen, hatte ich keine Lust, und es einfach raubzukopieren war mir zu heiß. Also hier gucken.

Bissel bedrippt sehen sie ja aus, diese begnadeten deutschen Wirtschaftsführer. (Werden sie demnächst wieder Wehrwirtschaftsführer heißen?) Vielleicht kommt es einfach daher, dass sie die Präsentation als Spaliercharge nicht gewohnt sind? Als Chefs über zehntausende, hunderttausende Lohnsklaven, hoppla „Arbeitnehmer“, pflegen sie herausgehoben zu sein und ex Kathedra zu verkünden. Unablässig liefern die sog. Medien, die sog. vierte Gewalt, also unsere Blödmaschinen, Bilder dieser Heroen, von unten aufgenommen, von schräg vorn, auf jemanden sorgfältig Frisierten, der mit Entschlossenheit in der Stimme und ausholenden Armbewegungen verkündet, welche zusätzlichen Anstrengungen der Markt “von uns allen” fordert.

Ja, es sind hochdotierte Manager. Vergessen aber wird oft, dass auch sie von den wahrhaft Mächtigen ein gutes Stück entfernt sind. Sie sind “nur” Funktionselite, allenfalls oberes, wichtiges Segment dieser Funktionselite. Sie sind Öffentlichkeitsfiguren. Die wahrhaft Mächtigen – eine Dynastie Quandt oder Porsche oder Piech – ist nicht öffentlich und wird folglich (“Aus den Augen, aus dem Sinn!”) von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen. In Wirklichkeit sind diese aber oberhalb der Öffentlichkeit, und sie haben mehr als jeder Andere die ursprüngliche Gestaltungsmacht. 

Was sind die 10 Mio, die ein hochdotierter Manager im Jahr kassiert, gegenüber den 15% Vermögenszuwachs, den Frau Klatten jährlich einfährt. Bei einem vermögen – einfaches Rechenbeispiel – von 10 Mrd. sind 15% 1,5Mrd Zuwachs. Oder dieselbe Relation anders veranschaulicht: Müßte Frau Klatten mit 1000 Euro im Monat auskommen, hätte Herr Winterkorn keine 10 Euro im Monat zu verprassen.

Und noch einen Schritt weiterzugehen haben wir, wenn wir die wirklich existierenden Relationen begreifen wollen. Auch die Diehl, Klatten, Schäffler und wie sie alle heißen, sind möglicherweise nur Planeten am Rande des Sonnensystems. Die atlantisch-zionistischen Kernkräfte des Systems, die ein hochintegriertes, strukturiertes Netz bilden, setzen materielle Macht im Gegenwert von vielen hundert Mrd. Dollar in Bewegung.

Solange die auf Krieg setzen, hat der Rest der Menschheit, schlappe sieben Milliarden Männlein und Weiblein, schlechte Karten. Ein Grund zum Verzagen ist das trotzdem nicht. Die französischen Sonnenkönige glaubten, nur Gott über sich zu haben. Bis plötzlich die Guillotine diesen Irrtum korrigierte. Wobei sich die französischen Revolutionäre erfreulicherweise nicht erst nach einem großen Krieg zu dieser befreienden Tat entschlossen.

Veröffentlicht unter Bewußtheit, Blödmaschine, bloggen, Demokratie, Faschismus alt neu, Krieg, Krise, Machtmedien, Materialismus, Realkapitalismus, Widerstand | Verschlagwortet mit , , , | 5 Kommentare