nicht mehr krank

Ich habe gezögert, das Thema, eigentlich doch nur ein persönliches, hier noch einmal aufzugreifen. Aber es war doch eine besondere und neuartige Erfahrung und ist des Nachdenkens wert.

Wir beide (Mrs. Tapir und ich) hatten Anfang des Jahres unsere (erste) Coronaerfahrung gemacht. Mrs. Tapir hatte einen leichten bis mittleren Verlauf, ich einen geradezu lächerlich leichten. Konkret: Ich hatte am Abend reichlich über 39° Fieber, fühlte mich kaputt, schleppte mich frühzeitig ins Bett, schlief tief und fest und war am nächsten Tag wieder fit.
Auch Mrs. Tapir ging es bald, wenn auch allmählich, wieder besser, und die Ärztin beglückwünschte uns zu unserem tüchtigen Immunsystem.
Natürlich fühlte ich mich nach dieser Erfahrung in meinen seit gut anderthalb Jahren laufenden Bemühungen zur Stärkung meines Immunsystems bestätigt. Dazu gehört, dass ich sehr systematisch (und rel. hochdosiert) nehme:Vitamin D und K, Omega 3-Öl, Vítamin C, Zink, Histidin, Magnesium, Quercetin, sowie Ingwerscheiben (roh gekaut).

Diesmal hatten wir offenbar eine Grippe; ohne Coronakomponente. Wie ich geschrieben habe, war auch diesmal das hohe Fieber schnell gesunken (ohne fiebersenkende Tabletten, nur mit Wadenwickeln). Am dritten Tag war es weg, am vierten Tag wieder 39,8, danach wieder runter und einige Tage im 37°-Bereich.
Völlig anders aber war das Erleben und zwar durch sehr häufige, trockene Hustenanfälle, Hustenkrämpfe, die ich fast als Hustendelierien bezeichnen muss. Fast keine Form des Liegens war möglich, kein Schlaf: So muss Folter sein. Wenigstens gab es keine Atemnot, keine Erstickungsgefühle und eine freie Nase – Letzteres offenbar Dank der höllisch scharfen Ingwerscheiben, die ich immer wieder kaute.
Die Hustenstürme, ohne jede Aussicht auf Lösung, machten mich buchstäblich, ich schreib’s nicht gern, zum Opfer, willenlos, subjektlos. (Dabei dumpfe panische Ahnungen, dass die enormen Pressungen mein Herz (zwei Operationen) überfordern könnten.) Zwei, drei Tage/Nächte lang fühlte ich mich neben mich getreten, bestenfalls zum ausweglosen Aushalten verdammt. Ob nicht genau das die Situation im Sterben ist (oder zumindest sein kann)?
Keine Ahnung, ob mir in dieser Situation mein Stolz, mein trainiertes Immunsystem geholfen hat. Ich fand zu ihm keinen bewussten Kontakt. Aber wie gesagt: der Atem blieb frei, und ich hatte auch Appetit zu essen.

Eine Änderung trat sozusagen in Mikroschritten ein, durch die Entdeckung möglicher Mikroschritte. Ich registrierte, welche Umstände erträglicher waren als andere: Wenn ich nachts in keiner Weise liegen konnte, hatte ich mich aufgesetzt („Kutscherposition“). Ringsum in Decken eingepackt, saß ich wie ein Buddha, über mir das offene Dachfenster, frische kalte Luft und sank vielleicht in einen „seligen“ 20minütigen Schlaf. Die Füße wurden kalt, ich ließ mich auf’s Bett sinken und gewann weitere 10 oder fünfzehn Minuten vor der nächsten Hustenattacke.

Oder ich konnte zu Mrs. Tapir und einfach meinen Kopf anlehnen oder Rücken einreiben oder Rücken klopfen lassen. Was in der Sache vielleicht nicht viel helfen kann, hilft dir aber, nicht im Rotieren der Zwangsabläufe gefangen zu bleiben.

Wahrnehmen der winzigen Erleichterungen, die es gab – ein Schluck Wasser, ein frischer Luftzug, sehr häufiges Fiebermessen, das mir immer wieder Werte unterhalb 37° bestätigte, Streicheln der Katze, des Hundes (die sich beide dafür hergaben) – und sich diese Winzigkeiten bewusst machen, groß machen, sich daran festhalten.

Ohne weiter in Details zu gehen: Es gelang mir, nächtliche Schlafphasen von etwas mehr als einer Stunde zu organisieren. Damit konnte ich mich nicht wirklich erholen aber doch besser über Wasser halten.
Ich erinnerte mich meiner alten Fertigkeiten des Autogenen Trainings. Wie ich früher meine Angst vor dem Zahnarzt damit gedämpft hatte. Zwar habe ich es Jahrzehnte nicht praktiziert, und jetzt waren die Ergebnisse meiner Bemühungen mein Hustenzentrum zu entspannen, ziemlich bescheiden. Ich glaube aber, dass hier gute Möglichkeiten liegen…

Über den Berg fühlte ich mich vor zwei, drei Tagen, als ich erstmals wieder vier Stunden durchschlafen konnte und in dieser Nacht insgesamt sechs Stunden geschlafen habe.
Übrigens hatte zuletzt auch maßvolle Beschäftigung am Computer eine stabilisierende Wirkung.

Genug der Worte: Ja, auf das Immunsystem bauen aber auch wach bleiben oder wieder werden, um die Funken subjektiven Widerstands in einem selbst zu bemerken. Und sie ganz vorsichtig hüten und kräftigen.

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3 Antworten zu nicht mehr krank

  1. Anonymous schreibt:

    Wunderbar, diese Nachricht!
    Alle guten Wünsche für Sie, Mrs. Tapir und die weiteren Familienmitglieder!

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  2. Ilona Emmerich schreibt:

    Schön, dass es dir wieder etwas besser geht. Liebe Grüße

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  3. Albrecht Storz schreibt:

    Gute Besserung. Das war schlimm so wie Sie es schildern. Schön, dass Sie auf dem aufsteigenden Ast sind. Weiter so! 🙂

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