Über Sterblichkeit

Übersterblichkeit beschäftigt uns.
Mir scheint es fast wichtiger, über Sterblichkeit mehr philosophisch nachzudenken. Unsere Zeit des radikalen neoliberalen Individualismus, der Neubelebung des Religiösen und der hybriden Kriege (einschließlich Eugenik?) gibt dazu reichlich Anlass.
Doch jetzt und hier soll es um Statistik und Sterblichkeit gehen, allenfalls noch um ein wenig Medizinsoziologie.

Mich interessiert primär Deutschland, und also stütze ich mich auf die Daten des Bundesamtes für Statistik. Wöchentlich wird über die Sterbefallzahlen berichtet und erscheint eine vorläufige Sonderauswertung mit den „Fallzahlen nach Tagen, Wochen, Monaten, Altersgruppen, Geschlecht und Bundesländern für Deutschland 2016 – 2022“.
Die vorläufigen Daten (ab 1. Januar 2022) werden laufend präzisiert und haben etwa sechs Wochen nach erstmaliger Nennung einen so hohen Genauigkeitsgrad, dass sie sich nur noch wenig ändern..
Die endgültigen Daten zu Sterbefallzahlen sind in der gleichen Form für die Berichtsjahre 2000 bis 2015 ebenfalls verfügbar.

Die oben bereits verlinkte Seite „Sterbefallzahlen“ enthält außerdem Links auf die offiziellen Zahlen von 16 europäischen Ländern, sowie auf die Seiten von Euromomo und Eurostat. Insbesondere Euromomo unterliegt nach meinem Verständnis mehreren Einschränkungen der Repräsentativität der Daten (besonders Deutschland betreffend), weshalb ich (zumal ich mich auf Deutschland beschränken will) auf diese Auswertungen verzichte.

In meine Betrachtung der Sterbedynamik werden weitere statistischen Quellen eingehen (u. a. Bevölkerungsentwicklung, Impfstatistik, Todesursachenstatistik, Geburtenstatistik), wobei exakte Vergleichbarkeit der Daten oft nicht gegeben ist und ich mit Annäherungen hantieren muss.

Mein Hauptinteresse richtet sich auf die Jahre 2020 (Coronajahr ohne Impfung) und 2021 und 2022 (Coronajahre mit Impfung).
Mit welchen Werten sollen diese Jahre verglichen werden? Wie werden die Basiswerte eines Vergleichs ermittelt? Es bietet sich an, den Mittelwert mehrerer Vorjahre zu bilden. Das deutsche Statistikamt nimmt den Mittelwert der Jahre 2016-2019 und berücksichtigt zudem Minima und Maxima. Aber warum diese Jahre und warum vier? Könnten nicht drei oder fünf Jahre ausgewählt werden? Oder gleich 20, wie es der Youtuber Alexander Raue macht bei seiner „Entdeckung“ einer Übersterblichkeit von 25%?
Wie verschiedene Basisjahre und damit Mittelwerte den Ausgangspunkt aller weiteren Berechnungen und damit letztlich die Ergebnisse beeinflussen können, veranschaulicht dies folgende Tabelle. Sie zeigt die Sterbezahlen der Jahre 2012 bis 2019 und aus ihnen errechnete Mittelwerte unterschiedlicher Jahresgruppen.

JahrGestorbeneMittelwertM. der Jahre
2019936772
2018952295
201792935193947317-19
201690630993118216-19
201592520092998515-19
201486835691971414-19
201389382591601513-19
201286958291021112-19

Je mehr weiter zurückliegende Jahre in die Mittelwertrechnung einbezogen werden, umso niedriger sind diese und, als Basiswert genommen, umso höher wird eine potentielle Übersterblichkeit der Jahre 2020 bis 2022 erscheinen. Das leistet Fehldeutungen Vorschub, denn je weiter die Jahre zurückliegen, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Zahlen durch dritte, unbekannte Faktoren bedingt sind.
Es ist deshalb wünschenswert, die Vergleichsbasis möglichst zeitnah an den zu vergleichenden Zeiträumen zu halten. Zugleich verbietet es sich, einfach das Jahr 2019 zum alleinigen Vergleichsjahr zu erheben, weil damit Zufälle genau dieses einen Jahres übergewichtig würden. Aus all diesen Überlegungen heraus habe ich mich entschieden, den Mittelwert der drei Jahre 2017 bis 2019 als Basiswert allen folgenden Vergleichen zugrunde zu legen.

In den nächsten Postings werde ich mich notwendigen Korrekturfaktoren zuwenden sowie der wenig beachteten Frage, welche Zeitperioden der bzw. des Jahre(s) betrachtet werden sollen.

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2 Antworten zu Über Sterblichkeit

  1. Albrecht Storz schreibt:

    Dazu gerne nochmal folgende Beobachtungen bei Euromomo (vor ein paar Tagen angestellt), ich finde, das kann garnicht zuviel verbreitet werden, da offensichtlich und offiziell:

    bei Euromomo.eu, „Graphs and maps“, „Excess mortality“ den Zeitraum „Week 21“ bis „Week 41“ mit „Cumulated“ einstellen.

    (Warum nur bis „week 41“? Bei „Pooled number of deaths by age group“ sieht man anhand der Gelbfärbung in der Grafik, bis wann die Zahlen überhaupt aussagekräftig sind. Neuere Zahlen werden durch Nachmeldungen noch wesentlich verändert.)

    Die Sterblichkeit 2022 liegt für diesen Zeitraum bei Kindern und Älteren massiv über den entsprechenden Sterblichkeiten der Jahre 2020 und 2021 (und über denen von 2019, 2018, 2017). Sowie auch die Sterblichkeit „all ages“.

    Im Überexzess (da je über den Exzess der Vorjahre) sind eben „all ages“ sowie 01 bis 14-, 65 bis 74-, 75 bis 78- und alle über 85-Jährigen.

    Die genannte Einstellung zeigt offensichtlich und offiziell eine dramatische Entwicklung seit spätestens KW 21 diesen Jahres.

    Ein bisschen die „Regler“ etwas hin und her schieben, vor allem mit dem linken, kann ein Gefühl dafür vermitteln, wie um KW20 diesen Jahres das Drama sich aufbaut.

    … und kein Wort darüber aus Politik, etablierten Organsiationen, Gremien, Expertenkreisen, Unis, … und in den Mainstreammedia.

    Nun hat Euromomo die Zahlen für fast ganz Europa. Aber Die Spritzaktionen wurden international ja sehr koordiniert ausgerollt.

    Also Anfang des Jahres Großspritzaktion, und dann anschließend einzigartige Übersterblichkeit … und im Mainstream dazu: NICHTS!

    Gefällt mir

  2. Pingback: Sterblichkeit in Deutschland in Zeiten von Corona | opablog

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