Freiheit und Organisation – eine Nachbetrachtung

Vieles liegt im Argen. Die Welt müsste verbessert werden.

Alle wissen, dass Einigkeit stark macht. Dass die vielen Ausgebeuteten und Machtlosen sich zusammenschließen müssen, weil ihre Waffe ihre Anzahl ist, ist ein Gemeinplatz. Notwendig ist „nur“, dass alle gemeinsam zum richtigen Zeitpunkt das Richtige tun. Das erfordert Organisation.

Doch jeder hat seinen freien Willen. Jeder und Jede will seine, will ihre Freiheit bewahren, will gerade sie in die Organisation einbringen. Verhältnisse der Unterordnung und des Gehorsams gibt es genug. Die Organisation der Vielen darf also keinesfalls die Freiheit jedes Einzelnen einschränken. Das scheint ein schwieriges Problem zu sein.

Alle Organisationen, die ich kennengelernt habe, schlagen sich mit diesem Problem herum. Alle behaupten, es gelöst zu haben. Doch meine Erfahrung lässt mich daran zweifeln.

Entweder bleibt das geschlossene Handeln der Organisation auf der Strecke oder die Freiheit des Mitglieds. Bestenfalls kommt es zu einem Gemisch der beiden Extreme. Vielleicht ist das Problem grundsätzlich nicht lösbar?

Leute, die strikt an einen Gott glauben und sich Dank zuverlässiger Offenbarungen jederzeit richtig entscheiden, meinen die Lösung gefunden zu haben. Leider hinkt dieses Beispiel an der vorausgesetzten Gottgläubigkeit. Was,wenn „Gott tot ist“ … ?

Gibt es einen Ausweg für diejenigen, die auf die wohltuende religiöse Erleuchtung (oder Dämmerung) nicht zurückgreifen können oder wollen? Vielleicht müssten die Menschen selbst irgendwie …, na ja … gottähnlich werden? Allmacht gibt es natürlich nicht. Doch das sollte uns nicht entmutigen. Auch Gott ist nicht allmächtig. Das Gerede von seiner Allmacht verbaut nur Einsichten.

Jeder Blick in die Natur zeigt, dass Jedes mit sich und seinem Nächsten (und schließlich mit Allem) in Wechselwirkung steht. So funktioniert’s natürlich. Gott passt nur auf, dass wirklich niemand und nichts aus diesem Zusammenhang herausfällt. Alles ist mit Allem ORGANISCH verbunden und zugleich ist jedes Einzelne FREI (mit einer einzigen Grenze – seinem Tod). Das alles klingt zwar reichlich abstrakt aber vielleicht könnte daraus ein Modell werden – für die Ungläubigen?

Nach dem wäre nur zu prüfen:
– Bin ich organisch („organisiert“) an ALLES gebunden, was mir wichtig ist (mein „Ein und Alles“)?
– Gebe ich diesem Organischen (dieser „Organisation“) wirklich alles, was in meiner INDIVIDUELLEN Macht steht?
Das zu prüfen wäre die tägliche Übung. Ein solches immerwährendes Bedenken jeden Denkens und Tuns, scheint der Weg zu sein, um Freiheit und Organisation zu vermitteln. So wäre jegliche alltägliche Situation mit Weisheit zu durchdringen.

Das führt in letzter Konsequenz zur Forderung: ALLTÄGLICHWERDEN VON PHILOSOPHIE! (und dann auch noch einer dialektisch materialistischen). – Wenn das nicht maximal unpopulär ist! Fast alle sind sich doch einig, dass auch „Philosophie tot ist“ (und die marxistisch-leninistische gleich dreimal).

Erst einmal genug der Grübeleien. Ich versuche, mich der Erfahrungen mit Freiheit und Organisation zu erinnern, die mein Leben besonders geprägt haben.

Genau genommen müsste ich mit der Familie beginnen. Auch sie ist eine Art Organisation. Doch noch mehr ist sie der naturwüchsig-soziale erste Lebensraum, in dem der Mensch den Weg seiner Individualisierung (und damit seines Freiwerdens) beginnt. Hier soll es dagegen um Erfahrungen mit einigen Organisationen politisch-weltanschaulichen Charakters gehen, bei denen mein Eintritt und Austritt jeweils mit einer bewussten Entscheidung verbunden war.

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5 Antworten zu Freiheit und Organisation – eine Nachbetrachtung

  1. Detlev Matthias Daniel schreibt:

    Ich glaube, du bist da am Kernpunkt, wo sich gesellschaftsförmige und herrschaftsförmige Organisation unterscheiden. Du vermeidest sehr wohl den Begriff ‚Macht‘ für die Kraft der Vielen und das ist richtig so. Denn auch wenn Freiheit und Macht aus der Perspektive der Fähigkeit eng verwandt sind, so sind sie aus der sozialen Perspektive Gegensätze. Macht ist das Potential, über andere zu bestimmen. Und so wie Gewalt nicht durch Gewalt beendet werden kann, kann Macht nicht durch Macht überwunden werden, sondern nur durch Freiheit.

    Die Frage ist also: Welche organisatorischen Prinzipien verbinden die Kraft der Vielen zu einer großen Welle, die alles trägt, was frei ist bzw. sein will, und alles bricht und davonspült, was über andere bestimmen will?

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  2. MSC schreibt:

    Schöne Fragen, hehre Ansätze (ohne jeden Zynismus!).

    Wenn Herbst und Winter nahen, werden sie für viele Menschen zu reinen Luxusproblemen werden. Scott Ritter hat sich neulich über Deutschland und die NATO geäußert: „Sie sind fertig, sie sind tot, davon werden sie sich nicht erholen“. Und weiter: „[Die USA] haben es … besser als die Europäer. Die Europäer werden buchstäblich in die Steinzeit zurückkehren, wenn der Winter anbricht. Ih meine, sie werden Holzöfen anzünden, um sich warmzuhalten.“
    https://freeassange.rtde.me/europa/141947-scott-ritter-uber-deutsche-haltung/

    Hat Ritter Recht? Wenn man sich nur einmal das geplante Abklemmen von Schwedt (und damit Leuna) von der Drushba-Pipeline und dessen Folgen vor Augen führt, z.B. hier

    https://thesaker.is/herr-habeck-firehoses-oil-gas/

    fällt eine Widerlegung schwer …

    Auch wenn Ritter weiter meint, „dass dieser Sommer und dieser Herbst eine Zeit des politischen Übergangs und der Transformation in Europa sein werden“, kann ich mir eine tragfähige politische Alternative nur schwer vorstellen. Robert Kurz hat das Dilemma vor Jahrzehnten so eingeleitet:
    „Menschen, die gerade unter dem Diktat der kapitalistischen »Selbstverantwortung« jeder Selbstbestimmung über das eigene Leben beraubt und eigentlich selber nichts mehr sind, fragen
    unvermeidlich nach einem »Rezept«, wenn sie sich der Ausweglosigkeit ihrer Daseinsweise über-
    führt sehen. Damit beweisen sie nur, daß sie selbst die Überwindung des Kapitalismus noch in
    kapitalistische Kategorien einbannen wollen. Denn ein »Rezept« setzt bereits voraus, daß die anzustrebende Selbstbestimmung nach vorgefertigten Mustern einer äußerlichen Instanz abzulaufen hat, also sich selber dementiert.“

    Basisdemokratische widerständige Aktivitäten bearbeiten meist selektive Themen und Problemstellungen und sehen sich zunehmenden massiven Repressionen ausgesetzt, die von unzähligen, wenn man so will, CIA-Vorfeldorganisationen ideologisch unterfüttert und sekundiert werden, z.B. durch Einbindung in sogenannte Nachrichtensendung der Massenverblödungsmedien (Erstaunen: nahezu das gesamte Alphabet lässt sich mit diesen Wühlorganisationen füllen; von A wie American Enterprise Institute, Adopt A Revolution etc. bis Z wie Zentrum Liberale Moderne).

    Die großartige Frances T. Shure hat in einem längeren Essay u. a. die Rolle der CIA in den Medien beleuchtet; Stichwort Operation Mockingbird. Deren sprichwörtliche ‚Mighty Wurlitzer‘ beschreibt sie als „globales Propagandanetzwerk von hunderten von Journalisten, Herausgebern, Akademikern, Verlagen, Tageszeitungen, Magazinen und PR-Firmen“. Seit den 1990er Jahren sollte man die Global Leaders for Tomorrow bzw. Young Global Leaders hinzurechnen.

    Der Anspruch „Alltäglichwerden von Philosophie“ hat also sehr einflussstarke Antagonisten, so dass ich fürchte, dass Brecht mal wieder Recht behält: Erst kommt das Fressen …

    Als „kleine“ Lösung kann man sich als Individuum immer noch auf eine Attitüde zurückziehen, mit der Kurz‘ ‚Schwarzbuch Kapitalismus‘ endet:

    „Am wahrscheinlichsten ist es gegenwärtig allerdings, daß die Zukunftsmusik wirklich ausge-
    spielt hat, weil der »Bewußtseinssprung« nicht mehr vollzogen wird, der für eine neue soziale
    Emanzipationsbewegung erforderlich wäre. Der Kapitalismus kann dennoch nicht weiterleben, weil
    seine innere Schranke ebenso blind objektiviert ist wie der Funktionsmechanismus der »schönen
    Maschine«, der an sich selbst zuschanden wird. Bleibt die radikale Gegenbewegung aus, ist das Resultat die unaufhaltsame Entzivilisierung der Welt, wie sie jetzt schon überall sichtbar wird. Selbst dann wäre für eine Minderheit immer noch wenigstens eine Kultur der Verweigerung möglich.
    Wenn schon das ökonomische Terrorsystem in seinem Zerstörungs- und Selbstzerstörungsprozeß
    nicht mehr aufgehalten werden kann, so gilt doch immer noch die Devise der Kritischen Theorie,
    sich von der eigenen Ohnmacht nicht dumm machen zu lassen. Unter den gegebenen Umständen
    kann das nur heißen, jede Mitverantwortung für »Marktwirtschaft und Demokratie« zu verweigern,
    nur noch »Dienst nach Vorschrift« zu machen und den kapitalistischen Betrieb zu sabotieren, wo
    immer das möglich ist. Selbst wenn es nur wenige sind, die im Zerfallsprozeß des Kapitalismus eine neue innere Distanz gewinnen können: Es ist immer noch besser, Emigrant im eigenen Land zu werden, als in den inhaltslosen Plastikdiskurs der demokratischen Politik einzustimmen. Die Gedanken sind frei, auch wenn sonst gar nichts mehr frei ist.

    Das bis hierhin Gesagte bezieht sich auf unsere Sphäre, auf die GWS, die „regelbasierte Ordnung“, die keine Regeln akzeptiert außer denen, die sie gerade erfindet oder nach Gusto wieder fallenlässt.
    Was Glasew und seine Verheißung – Russland führe Krieg, um die Menschheit zuretten – betrifft, wäre im Kontext der Fragestellung – Freiheit und Organisation – mal eine eigene Betrachtung wert.

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  3. MSC schreibt:

    Eigentlich hatte ich vor, erinnert durch die Überschrift, eine Nachbetrachtung zu Igor Rasterjajew einzureichen und war dann abgeschweift.

    Rasterjajew war mir vor seiner Erwähnung hier im Blog nicht bekannt, hat mich dann aber in seinen Bann gezogen. Mein derzeitiges Lieblingsvideo von ihm –

    geht zwei Stunden und lohnt sich wegen Künstler, Musik & Konzertatmosphäre. Hilft nebenbei, die infamen Bestrebungen der Cancel-Russia-Fraktion einzuordnen.

    Wenn es der Zufall will, kann man über das Lied Russkaja Doroga ins Gespräch kommen auch über den Großen Krieg, in meinem Fall mit einem jungen Russen, den es nach Schottland verschlagen hat.

    Um so erstaunter war ich – und deshalb schreibe ich – dass Rasterjajew kürzlich zum Kronzeugen für „Putins imperiale Gelüste“ in Haftung gnommen wurde:
    „Der propagandataugliche Barde, der in St. Petersburg geboren wurde, aber das ‚einfache‘ Landleben besingt, schlägt mehr oder weniger freiwillig den Takt zu Russlands imperialistischen Ambitionen.“ Unterlegt wird diese Behauptung, demagogisch aufgeladen, so:
    „Berühmt wurde er in seiner Heimat mit der nationalistisch anmutenden Songzeile: „Russland hat keine Grenzen, Russland hat nur einen Horizont.“

    Sicherheitshalber wird der obligatorische „Kemlkritiker“ hinzugetan, in diesem Fall der litauische Philosoph Viktoras Bachmetjewas. Ein wirklich fähiger Mann, der es schafft, einen Aufsatz über Imperien zu schreiben und dabei ohne das Akronym U – S – A auskommt.

    https://www.br.de/nachrichten/kultur/russland-hat-einen-horizont-keine-grenze-debatte-um-imperium,T8fumxy

    In der Tat hat Rasterjajew in dem verlinkten Interview aus dem Jahr 2013 über das Lied „Ermak“ gesprochen, in dem die inkriminierte Stelle vorkommt; es wäre interessant zu wissen, wie er heute darüber und über die Vorwürfe gegen ihn denkt.

    Der Kaffeesatzleserei über Rasterjajew mit Bezug auf eine Quelle von 2013 füge ich abschließend einen Ausschnitt aus einer Fernsehsendung mit Günther Jauch vom November 2014 bei, wo Wolf Biermann dieses in die Kamera lallte:

    „Putin ist nach meiner Meinung der einzige wirkliche Feind, den Rußland hat. Putin ist es, der das Land zu einem Rohstofflieferantenland herunterge .. äh gedrückt hat .. Er hat es versäumt, eine moderne Wirtschaft aufzubauen. Er ist nicht mal fähig, wie Adolf Hitler eine A.. Autobahn zwischen Sankt Petersburg und Moskau zu bauen …“

    Zum Weiterspinnen, falls Peter Jungblut vom Bayerischen Rundfunk mal Zeit hat.

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  4. Johannes S. schreibt:

    Michael Ballweg, der die großen Querdenker-Grosskundgebungen vorangebracht hat wurde verhaftet und wie gehabt alles bei einem Polizeieinsatz beschlagnahmt.Die staatsanwaltschaftlichen Vorwürfe sind reichlich vage, die Inhaftnahme juristisch übergriffig.RA Ralf Ludwig übernimmt mit einem Anwaltsteam die Verteidigung. Ballweg wird der Spenden- und Steuerhinterziehung verdächtigt.Verteidiger der Wahrheit und der Demokratie werden systematisch
    verfolgt und versucht zum Schweigen zu bringen. DIES KANN MITTLERWEILEN ALLEN WIDERSTÄNDLERN PASSIEREN! Eine Spontan-demonstration war vom DEMOKRATISCHEN WIDERSTAND am Brandenburger Tor angekündigt. WEHRET DEN inzwischen überschrittenen ANFÄNGEN !

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  5. Johannes S. schreibt:


    Ein Beitrag von Reitschuster über die terroristischen Übergriffe gegenüber Regierungskritikern und aktuell gegenüber Michael Ballweg.

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