Persönliche Erfahrungen in der Coronazeit – Andrea Forst*

  • *Name geändert

Hier folgt ein Erfahrungsbericht, den Mrs. Tapir auf der Basis eines persönlichen Interviews verfasst hat. Mrs. Tapir (Prof. Dr. Mechthild Seithe) führt eine wachsende Zahl individueller Interviews, dokumentiert somit persönliche Erfahrungen aus der Zeit der Plandemie und stellt sie der Öffentlichkeit zur Verfügung. Das Projekt, das auf großes und wachsendes Interesse stößt, hat sie im Rahmen des Kreisverbandes Oberhavel der Partei dieBasis gestartet. Hier ein einführender Text. Hier der Link zu allen bisher auf opablog veröffentlichten Erfahrungsberichten.

Ausgrenzung

Hilfe beim Arztbesuch – nur für Geimpfte?

Im März 2020 überrumpelte mich die Berichterstattung über die Pandemie und den neuen Erreger in den Medien genauso empfindlich wie wohl die meisten Menschen auf dieser Welt.
Ich versuchte mir irgendwie einen Reim auf die Sache zu machen und bei mir zu bleiben. Nach einiger Zeit stieß ich auf Fragen. Diese beantworteten mir die Medien nicht oder sie reagierten auf eine Art und Weise, die mich noch mehr stutzig werden ließ. Dadurch machte ich mich auf die Suche nach Antworten und fand immer neue Ungereimtheiten und „Dinge“ die ich „sonderbar“ fand.
Schließlich war ich erschrocken und geschockt von dem, was sich mir als „Wahrheit“ offenbarte (ohne Anspruch auf die absolute Wahrheit).

Die Zeit verging und das Leben ging weiter, aber nicht mehr so, wie wir es gewohnt waren. Unverständnis, Ablehnungen, Beschimpfungen und Ausgrenzungen waren jetzt an der Tagesordnung. Das machte mich traurig. Die Spaltung der Gesellschaft traf mich hart, ganz besonders auch in meinem persönlichen Umfeld.
Ich bemühte mich immer wieder um Balance in meinem Leben, aber es erforderte sehr viel Kraft. Manchmal hatte ich diese Kraft nicht mehr und musste ‚die Reißleine ziehen‘, wie man so schön sagt, und mich dann eine Zeit mehr um mich selbst kümmern.

Im November 2022 wurde die 3-G-Regel am Arbeitsplatz eingeführt. In den letzten Tagen vor dem eigentlichen Inkrafttreten dieser ‚Regel‘ fühlte ich mich wie in einer großen Welle von Ungerechtigkeit und Missbrauch gefangen. Ich empfand es wie „in die Ecke gedrängt“ zu werden. Es war schrecklich.
Die Vorstellung, dass ich nun jeden Tag beweisen müsste, dass ich gesund bin und nicht mehr ‚einfach so‘ arbeiten gehen kann, verletzte mich zutiefst. Ich spürte eine derartige psychische wie auch körperliche Abwehr gegen diesen aufgezwungenen und meiner Meinung nach völlig ungeeigneten und unmenschlichen Test, dass ich merkte, diesen Schritt würde ich nicht mit gehen können. Ich wurde krankgeschrieben und nach einigen Wochen bekam ich eine Überweisung zum Neurologen.
Auf der Überweisung stand der Diagnoseschlüssel „mittelschwere Depression“. Ja, meine Nerven ‚lagen blank‘, das war richtig. Deshalb nahm ich ‚Unterstützung‘ dankbar an und machte einen Termin bei einem Arzt, den ich bis dahin noch nicht kannte.

An dem Tag des Termins war ich aufgeregt. Wie wird der Arzt mich behandeln? Ich hatte erschreckende Geschichten von Ärzten gehört, die ungeimpfte Patienten ablehnten und diese dann verwirrt und hilflos zurückließen. Aber ich hatte bis zu diesem Tag nur gute Erfahrungen mit Ärzten gemacht – egal ob Frau oder Mann – und konnte mir gar nicht richtig vorstellen, dass es so etwas geben sollte. (Dass ich bis dahin nur positive Erfahrungen mit der Ärzteschaft habe machen dürfen, dafür bin ich zutiefst dankbar.)

Ich kann den Tag, an dem ich den Neurologen aufsuchte, nicht vergessen:
Zuerst musste ich 25 Minuten draußen warten (+7 Grad C), da, wie man mir sagte, ich ohne Maske (Maskenattest) nicht im warmen Wartezimmer mit den anderen Patienten sitzen dürfe. Nach 15 Minuten Warten stieg dort draußen so langsam die Panik in mir hoch und mir schwante, dass dieser Termin anders verlaufen könnte, als ich es gewohnt war. Ich machte Atemübungen, um mich zu beruhigen und mich nicht in meine Angst hineinzusteigern.

Ab dem Moment, wo ich dann endlich reingerufen wurde, ging alles ganz schnell, trotzdem erlebte ich es wie in Zeitlupe…

Als ich mit großem Abstand dem Arzt gegenübersaß, fragte er mich, weshalb ich ein Maskenattest hätte. Ich begann zu erzählen und versuchte mit wenigen Sätzen zu umreißen, was damals passiert ist und was dazu führte, dass ich heute keine Maske tragen kann. Ich hatte kaum ausgesprochen, da fragte er mich, ob ich geimpft sei. Ich fühlte mich überrumpelt. Ich sagte „nein“ und ergänzte dann: „Ich bin gegen viele Sachen geimpft aber nicht gegen das, was Sie vermutlich meinen.“

Ohne irgendwie auf mich einzugehen, sagte er daraufhin prompt, er lehne es ab, mich zu behandeln, weil er kein Vertrauen zu mir aufbauen könne.“
Ich war geschockt. Auf meine Frage, warum er das nicht könne, meinte er, dass ich die Gesundheit seiner Patienten und seiner Mitarbeiter gefährden würde.
Ich glaube meinen Ohren nicht zu trauen, aber genau das hat er wortwörtlich gesagt. Leider vergaß ich in dieser Schocksituation zu erwähnen, dass ich meine T-Zellenimmunität gegen SARS-CoV-2 hatte testen lassen und diese deutlich nachgewiesen wurde. In meinem Innern tobte ein Kampf. In dem Bewusstsein, dass ich hier nicht willkommen war und als Mensch nicht akzeptiert wurde, wusste ich: Eigentlich hätte ich jetzt aufstehen und gehen sollen. Aber mein Körper war noch nicht so weit. Ich reagierte irritiert und fragte, ob ich zu seiner Entscheidung auch eine eigene Meinung haben dürfe, was er bejahte.

Ich war ich völlig erstarrt. Ich konnte mich nicht bewegen und fragte schockiert und verwirrt noch einmal nach: „Also stehe ich jetzt auf und gehe und das war es?“ Er antworte nur „Ja!“
Ich realisierte in dem Moment, dass er aus seiner Sicht ja „alles richtig machte“ und nur „gut für seine Patienten und Mitarbeiter und sich selbst sorgte.“ Fast fühlte ich so etwas wie Verständnis für ihn. Meine eigenen Bedürfnisse konnte ich in dem Moment gar nicht fühlen. Und so meinte ich zu ihm: „Ich möchte Sie ja auch nicht in irgendwelche Schwierigkeiten bringen. Dann machen Sie es so, dass es stimmig ist und fertig“.
Schließlich hatte er ja die Überweisung von mir, und mir war klar, dass er irgendwas in meine Krankenakte würde schreiben müssen.
Als ich das gesagt hatte, kam es mir kurz so vor, als wenn meine eher verständnisvolle Reaktion doch so etwas wie ein menschliches Gefühl für mich bei ihm auslöste, denn er fragte mich irgendwie zerknirscht, ob ich vielleicht in Not sei, ob ich irgendwas bräuchte?“
Wie hätte ich darauf reagieren können? Mein Vertrauen zu ihm war restlos zerstört. Natürlich hätte ich in meiner Situation eine ganze Menge von ihm gebraucht, aber keine Pillen oder Therapien. Ich hätte Annahme, menschliche Zuwendung und Verständnis von ihm gebraucht. Doch diese hatte er mir ja bereits verdammt deutlich verwehrt. Nein, von ihm wollte ich nichts. Ich hätte unter diesen Umständen nichts von ihm entgegennehmen können. Wie sollte ich nach dem gerade erlebten noch glauben können, dass er es gut mit mir meinte?

Heute, während ich dieses mich stark erschütternde Ereignis niederschreibe, ist mir klar, dass ich die Überweisung wieder an mich hätte nehmen sollen oder müssen. Er hatte ja die Leistung nicht erbracht hat und mich zusätzlich noch belastet. Aber dazu war ich in diesem Moment nicht im Stande.
Ich schaffte es mit großer Mühe aufzustehen. Der Arzt stand an der Tür und hielt sie schon eine Weile auf. Er stand da, als wolle er mir durch dieses Zeichen sagen: „Raus hier!“
Meine Beine schienen aus Watte. Ich spürte beim Aufstehen, wie schwer mein Körper sich anfühlte. Mir wurde nun endlich schlagartig klar, wie sehr und schmerzhaft getroffen ich war.
Beim Rausgehen murmelte ich noch: „Das berührt mich hier gerade sehr.“ Wieder hatte ich kurz das Gefühl, als hätte ich wenigstens sein Mitgefühl erreicht, und als wolle er mir irgendwas Positives mitgeben. Aber vielleicht irre ich mich auch. Vielleicht war es bei ihm nur ein Schuldgefühl, das ihn in dem Moment überkam.
Egal, es erreichte mich eh nicht mehr: Ich konnte in diesem Moment nicht klar denken. Ich spürte nur noch, dass ein Schwall von Schmerz und Tränen meinen Körper erfasste. Ich stürzte zur Tür hinaus über den langen Flur konnte meine Tränen nicht mehr zurückhalten. Ich schluchze lauthals, es war mir egal, ich konnte gar nicht anders. Für die anderen Patienten, für die Dame am Anmeldetresen, für alle war es sicht- und hörbar, wie es mir gerade ging. Ich musste dort weg, sofort und schnell!
Draußen angekommen endete mein Heulkrampf nicht. Ich konnte mich nicht einfach ins Auto setzen und einfach losfahren. Ich weiß heute nicht mehr, wie lange es gedauert hat, bis ich mir zutraute, loszufahren.

In den Tagen danach ging es mir schlecht. Immer wieder kreisten meine Gedanken um dieses Ereignis und ich stellte selbst genervt fest, dass ich wohl immer noch unter Schock stand. Ich nahm ein homöopathisches Mittel, was kurzfristig etwas Linderung brachte. Aber „die Sache“ sitzt bis heute tief in mir, und ich schreibe diese Zeilen mit eiskalten Händen und klopfendem Herzen. Ich musste zahlreiche Anläufe nehmen, um das Erlebte überhaupt aufschreiben zu können.

Natürlich war ich nach zwei Jahren Corona-Maßnahmen an das herrschende Unverständnis, die ständig wiederkehrenden Ablehnungen, an Beschimpfungen und Ausgrenzungen in beinahe gewöhnt. Ich hatte gelernt, damit einigermaßen umzugehen.
Aber ich stelle fest: Von Angesicht zu Angesicht von einer Person eine solche Abfuhr zu erfahren, an die ich mich vertrauensvoll gewandt hatte, das ist doch noch einmal etwas anderes. Das ist, als würde man achtlos, herzlos und schutzlos in eiskaltes Wasser geworfen.

Noch immer kann ich es nicht glauben, dass Ärzte, die immerhin ihren hippokratischen Eid geschworen haben, zu so etwas in der Lage sind.

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Eine Antwort zu Persönliche Erfahrungen in der Coronazeit – Andrea Forst*

  1. Anonymous schreibt:

    „Heute, während ich dieses mich stark erschütternde Ereignis niederschreibe, ist mir klar, dass ich die Überweisung wieder an mich hätte nehmen sollen oder müssen. Er hatte ja die Leistung nicht erbracht hat und mich zusätzlich noch belastet. Aber dazu war ich in diesem Moment nicht im Stande.“
    Genau das!
    Wie Sie sich dabei fühlten, kann ich mir gut vorstellen.
    Mein langjähriger Zahnarzt setzte mir 4 Spritzen, 2 oben, 2 unten, obwohl nur ein Zahn behandelt
    werden sollte. Ich fühlte einen Fluchtreflex und gab dem leider nicht nach, weil ich dachte, ich
    könnte nicht einfach aufspringen und abhauen.
    Ich ließ – nicht zu fassen! – zu, dass er mir sämtliche Zahntaschen absengte (ein scheußlicher
    Brandgeruch übrigens und ganz offensichtlich nicht die gewünschte Behandlung, aber vielleicht
    macht das ja Sinn, muss ich wohl angenommen haben) – Die ganze Sinnlosigkeit kam mir erst nach der „Behandlung“ zum Bewußtsein.
    Er hatte bemerkt, dass ich mir anderswo eine professionelle Zahnreinigung machen ließ,
    war zornig und wollte mir zeigen, dass er das gründlicher kann.
    Die Rechnung, die er mir zustellte, zahlte ich nicht und drohte, ihn wegen Körperverletzung
    bei deer Zahnärztekammer anzuzeigen. Er bat darum, das nicht zu machen und ich musste
    die Rechnung nicht bezahlen.
    Seitdem: Ich würde jedem raten, sofort aufzuspringen und abzuhauen, wenn man mißtrauisch ist.

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