Fundstück: Das chinesische Demokratiemodell

Die Beschäftigung mit der Resolution zu Geschichtsfragen, die auf dem 6. Plenum der KPCh verabschiedet wurde, steht aus (auch hier im opablog).

Offenbar war dort die chinesische Demokratie ein bedeutendes Thema. Dazu gibt es hier einen Artikel in der SCMP.

Mir begegnet heute der Ausdruck „Gesamtprozessdemokratie“. In dieser Passage eines Artikels (maschinell übersetzt):

„Anfang dieses Monats versuchte Jiang Jinquan, ein hochrangiger Vertreter der Ideologie der Kommunistischen Partei , den Demokratiegipfel zu diskreditieren und nannte ihn „eine riesige Ironie“, da westliche Demokratien mit „wachsenden Problemen“ konfrontiert seien. Er äußerte sich auf die Frage nach der „Gesamtprozessdemokratie“, die in einem Dokument über das „sechste Plenum“ , eine Klausurtagung von 300 Funktionären der Kommunistischen Partei, erwähnt worden war.

In einem anderen Artikel begrüßt Li Zhanshu, die Nr. 3 der KPCh, die Überlegenheit des chinesischen Demokratiemodells (Quelle).

Und zu guter Letzt: Auch Partei- und Staatsführer Xi hat sich prinzipiell zum Thema geäußert.

Na und heute auf „Global Times“ volles Rohr:

„Summit for democracy an ‚anti-China ideological clique‘; US definition of ‚authoritarianism‘ outdated“

Übrigens – und es mag scheinen, dass die folgenden Anmerkung mit dem Thema wenig zu tun hat: China springt mit voller Kraft auf den METAVERSE-Zug auf. (Siehe hier.)

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3 Antworten zu Fundstück: Das chinesische Demokratiemodell

  1. Albrecht Storz schreibt:

    Ich lese mich gerade durch das 3-Bändige SF-Epos des Cixin Liu. Ein Eindruck daraus: in China (also auf jedem Fall der chinesischen Autor) scheint man noch viel stärker an die angeblich grundsätzlich segensreiche Ideologie- und Heilslehre „Technologie“ zu glauben als im Westen. Es werden in dem Buch zwar auch „grüne“ Bewegungen thematisiert, deren Protagonisten aber alle in höchstem Menschenhass enden. Ein ökobewegter Milliardär wird so sehr zum Menschenfeind, dass er, zusammen mit seiner Bewegung, die Menschheit an böswillige Aliens ausliefert (erster Band der Trilogie). Zwar wird mit dem Verweis auf das Buch „Der stumme Frühling“ (Rachel Carson) eine Technologiefolge, die schädlichen Wirkungen des DDT, gestreift, aber der Grundtenor bleibt: ohne technologische Entwicklung sei der Mensch letzlich dem Untergang geweiht.

    Dass bald die Hauptaufgabe jeglichen Technikeinsatzes ist, negative Folgen von früherem Technikeinsatz zu mildern, findet also auch in China keine wirkliche Aufmerksamkeit.

    Und zum chinesischen Demokratie-Verständnis: das Epos vermittelt die grundsätzliche Einstellung, dass das Individuum dem Kollektiv zu dienen hätte. Bis zur letzten Konsequenz. Das kommt im zweiten Band mit der Behandlung des Themas „Defätismus“ sehr deutlich zum Ausdruck.

    Nun ist in einem Buch ja das Allwissen des Autors gegeben. Also kann man leicht die Unterordnung aller unter die EINE WAHRHEIT (nämlich die des Autors) vermitteln: der Autor kennt sie ja. Er weiß ja, was (im Rahmen des Buches) die absolute Wahrheit ist. Dass aber genau das ein Buch von der Realität unterscheidet wird wohl nur den wenigsten auffallen. In der Realität gibt es eben nicht diese eine, sichere, unzweifelhafte Wahrheit, der sich gefälligst alle unterzuordnen haben. (was heute aber mit dem Wissenschafts-Fetischismus („follow science“) massiv propagiert wird.

    Genau das ist aber der Knackpunkt, wo wirkliche Demokratie erst beginnt: jedem seine Sicht auf die Welt zuzugestehen – unter Beachtung der Freihetsrechte der anderen.

    Genau das ist auch der Knackpunkt des aktuellen Kampfes gegen die Demokratie unter dem Deckmantel von „Corona“: der einen Wahrheit über „Corona“ hätten sich alle gefälligst unterzuordnen, ja zu opfern. Ein Vorstellung, die wohl für Chinesen sehr nahe liegend ist. Und für viele hierzulande inzwischen auch.

    Dass die chinesische Form des Kommunismus ausgerechnet unter tätigster Mitwirkung der kapitalistischen Reichsten der Reichen zum Erfolgsmodell wird … wer hätte sich sowas träumen lassen?

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    • kranich05 schreibt:

      Grundsätzliche volle Zustimmung. Obwohl natürlich noch viel mehr zu sagen wäre.
      Der Sozialismus/Kommunismus von Marx, Engels (und Lenin!) ist der europäischen Aufklärung entsprungen.
      Punkt.
      Jeder Weiterdenkversuch heute, der diese Grundlage aufgibt, ist für’n Arsch (Tschuldigung).

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      • Albrecht Storz schreibt:

        Vielleicht hilft das noch:
        die Chinesen (zumindest am Beispiel eines ausgebildeten und lange als Ingenieur in einem Kraftwerk tätigen SF-Schriftstellers) glauben (auch) an Darwins (eigentlich Spencer, Darwin später) „survival of the fittest“-Dogma. Eine Ideologie, die sozusagen die Grundlegung der Kapitalismus-Ideologie darstellt („Kampf, jeder gegen jeden“ = dauernder Konkurrenzkampf, Karrier-/Aufstiegskampf, Leistungsdruck, Ellbogenmentalität, Krieg, Herrschaft, Unterdrückung)

        (Man muss jetzt Darwin nicht diskutieren. Tatsache ist für jeden aber doch sofort leicht sichtbar: dieses Dogma ignoriert jegliche Solidarität, Schönheit, Lebensfreude, Gemeinschaft, Solidarität, Mitleid, … aller Lebensäußerungen. Darwin kann, wenn überhaupt, höchstens die Hälfte aller Lebensvorgänge „darwinistisch“ erklären. Was ist mit dem ganzen wichtigsten Rest. Nämlich dem Besten bei allem?)

        um nun diesen Gedanken weiter zu führen:

        Das „Darwin-Dogma“ ist auch der europäischen Aufklärung entsprungen.

        ABER AUCH Lamarck und andere Evolutions-Konzepte, die aber (ich bin überzeugt) aktiv von interessierten Kreisen unterdrückt und aus Diskrus gehalten werden. (Warum sie auch fast niemandem geläufig sind.)

        Also mein Punkt: Europa hat zu allen Dogmen auch Gegenentwürfe (wenn auch aktuell unterdrückt, aber die sind da, man muss nur danach suchen). Und meine Sorge ist: China hat NUR die auch bei uns vor allem gehypten Dogmen, vielleicht weil China eine Epoche der Aufklärung fehlt.

        Das ganze Buch von Cixin Liu (das ist eben gerade mein Zugang zu Chinas Denkwelt) atmet den Geist des Materialismus, Technologismus, Kollektivismus – also genau das, was uns gerade hier auch als angeblich einzig Wahres angerichtet wird. („follow the science“, „die Wissenschaft/Technik wird schon letztlich alles richten, ja nur Technologie, und nur kontinuierlich ausgebaute (natürlich „grünlich angemalte“) Technologie, verspricht überhaupt lebenswerte Zukünfte, eine Abkehr vom gewählten Weg wäre geichbedeutend mit Steinzeit“, „Alle müssen sich den verkündeten Dogemn beugen, da letzgültige Wahrheiten, wir müssen ein geschlossen denkendes und handelndes Kollektiv bilden“.

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        Freiheit ist, zu allererst, denken zu können was man will.
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