Fluch der „Gratisproduktivkraft“?

Wir sind in die Menschheitskrise eingetreten, und zugleich erleben wir einen extremen Schwächezustand der Kräfte eines revolutionären und emanzipatorischen Auswegs. Es herrscht ein schreiendes Missverhältnis zwischen „der Gefahr“ und „dem Rettenden“. Und das wird kaum grundsätzlich reflektiert. Einige wenige Gedanken dazu:

„Produktivkraft“ ist für Marxisten ein zentraler Begriff. Nach Marx sind in der Produktionsweise (Pw) die Produktivkräfte (Pk) das sich kontinuierlich Entwickelnde und zwar innerhalb bestimmter Produktionsverhältnisse (Pv), deren Kern die Eigentumsverhältnisse sind. Die Pv sind tendenziell weniger dynamisch als die Pk. Aus Entwicklungsformen schlagen die Pv in Fesseln der Pk um und werden schließlich gesprengt und durch neue ersetzt. Eine neue Entwicklungsstufe der Gesellschaft bricht sich Bahn.

Diese dialektische Auffassung konnte viele gesellschaftliche Prozesse des 19. und 20. Jahrhunderts erklären, auch wenn schon damals festzustellen war, dass sich in den Ländern mit den rel. am Höchsten entwickelten Produktivkräften (GB im 19. Jahrhundert, USA im 20. Jahrhundert) die Widerspruchsdynamik Pk/Pv durchaus nicht am Höchsten zuspitzte. Engels konstatierte, dass GB, das „bürgerlichste Land“, nun wohl auch noch eine bürgerliche Arbeiterklasse hervorbringen wolle.

Ich möchte, entgegen der verbreiteten marxistischen Auffassung, feststellen, dass bis heute der Realkapitalismus sich als Entwicklungsform der modernsten Pk behauptet hat. Die kap. Pv erwiesen sich bis auf den heutigen Tag als „weit genug“ für exorbitante Fortschritte der Pk.

Namentlich die letzten fünf Jahrzehnten haben eine immense Steigerung der „physischen Reichweite“ der Produktivkräfte bei ihrer gleichzeitigen Entwertung gebracht. Oder anders gesagt: Die Produktivkräfte von heute überschütten uns mit eine Masse von Gebrauchswerten bei einem Minimum von dazu erforderlicher lebendiger Arbeit. Das führe ich auf Faktoren zurück, wie:

  • Enorme Steigerung des Einsatzes billiger fossiler Energie
  • Verwissenschaftlichung der Produktionsweise
  • Massenproduktion in neuem, globalem, Maßstab
  • Anwendung zusätzlicher hunderter Millionen billigster Arbeitskräfte.

Im Ergebnis „ertrinkt“ der moderne Kapitalismus buchstäblich im physischen Reichtum (sowie Surrogaten von Reichtum) bei gleichzeitiger Vereinfachung (auf Grund von Konzentration, Zentralisation und neoliberaler Individualisierung) der Ausbeutungs- und Herrschaftsverhältnisse.

Im Ergebnis verfügen rel. kleine Ausbeuter- und Herrscherzirkel über eine solche Machtfülle und Machtausdehnung, dass sie sich des menschlichen Gesamtsystems/Weltsystems bewusst werden und seine bewusste Gestaltung in ihrem Interesse auf die Tagesordnung setzen. Zugleich können sie einen Teil der Reichtumsüberfülle zur Einbindung der Massen in das System einsetzen, ohne dadurch ihre eigenen Machtposition zu schmälern, im Gegenteil.

Unsere eigene produktive Potenz (als entfremdete) erzeugt unsere eigene Knebelung (und am Ende vielleicht Massenreduktion, um das Wort „Massentötung“ zu vermeiden).

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