simpel deutsch Ringelnatz

Ich war, durch fernes Rollen erwacht,

Hinuntergeeilt. Das war eine Nacht!

Wie ein Unwetter zog es auf.

Ein polternder Hauf,

Mit rohem Tritt eine dröhnende Masse,

Unheimliche Schatten, wackelnde Lichter.

Kanonenräder rasselten über die Gasse.

Menschen – Rosse – Reiter – fremde Gesichter,

Klappernd und klirrend, verworren, verwirrend,

Ein Hin und Her von unverständlichen Rufen.

Pfützen spritzten unter den hastenden Hufen,

Klappernde Eisen, Messinggefunkel,

Helmbüsche, Spitzen, flatternd und blinkend;

In dunstiger Wolke nach Schweiß und Leder stinkend,

So zog es vorbei und verschwand langsam im Dunkel.

Bis die Ferne das letzte Rollen verschwieg.

Und ich lauschte und bebte: – Krieg!

.

Da stand noch ein Mann in der stillen Nacht.

Der hat gelacht.

Ich sah ihn nicht lauschen und beben.

Er sprach irgend ein leeres Wort.

Ich hab ihm nicht Antwort gegeben.

Ich schlich mich fort

Und dachte nur:

Erbärmliche Kreatur!

Joachim R. (1883-1934), „Durchmarsch“, in: „Die Gedichte von Joachim Ringelnatz“, Zweitausendeins, 2009, Seite 98.

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