Es ist passiert.

Hab’s lange kommen sehen, monatelang, sogar jahrelang. Hab‘ damit manchmal kokettiert. Wird zwar passieren, auch mir, war mir klar. Aber ganz ernst zu nehmen war es nicht, so wie mich fühlte. Andererseits wollte ich nicht über mein Maß hinausgehen. Es ausreizen ja, auch versuchen, es auszudehnen… Aber dann doch sorgfältig genug sein, um zu spüren, wenn es ernst wird. Denn das ist die andere Gewissheit: Loslassen, wenn die Zeit gekommen ist. Kein Behauptungskrampf. Loslassen ist ja nicht unbedingt die gefürchtete Verarmung. Ich wusste doch, dass auch der Bruch nie die endgültige Zerstörung war als die er der Verzweiflung erscheinen wollte. Und Loslassen sollte viel milder sein als Brechen. Gehst halt manchen Weg nicht mehr, den du jetzt als steinig und steil empfindest. Wanderst jetzt lieber den „Pfad, den stillen“, entlang der halben Höhe des Tals. Wie er doch voller Überraschungen ist und reich an Schönheiten. Manche sind erwartet, andere hat noch niemand je gesehen. Loslassen, alt sein, zwingt nicht zu Stillstand und Verrosten auf dem toten Gleis. Vielleicht tun sich sogar Lücken auf in den Mauern, durch die mir bisher unbeachtetes Licht entgegenschimmert. Der harte Ball, straff getreten, sollte in den 90 Minuten möglichst oft „im Eckigen“ „versenkt“ werden. Nun ist da eher ein „leicht gebaueter“ bunter Ballon, der womöglich zum Himmel schielt oder strebt. Ich lass mich überraschen. Jedenfalls haben meine „achtziger“ begonnen, schon vor Monaten. Wie lang werden sie dauern? Ich versuche, daran realistisch und nicht unbescheiden zu denken. Mit „neunzigern“ rechne ich nicht. Mach was draus. Mutter Erde näher tretend erhoffe ich mir auch neue Freiheitsmomente. Solln sich auch im Blog des Alten spiegeln. Solang’s noch jemand lesen mag. Glück auf!

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6 Antworten zu Es ist passiert.

  1. Hartmut Barth-Engelbart schreibt:

    Bleib doch och. Du würdest mir fehlen, Schreib doch noch weiter – schon als Kontrastprogramm zur Zwangsbeatmung wenn mir Deine Luft ausgeht.

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  2. Ossie schreibt:

    Lieber Opa …..ja schreiben und kommentieren sie weiter….es ist für mich immer wieder eine Bereicherung

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  3. Dian schreibt:

    Ich hatte nicht gewusst, dass Opa schon so lange Wahrheiten – ungestraft – aussprechen durfte. Und ich habe das Gefühl, dass er noch einiges mitzuteilen hat. Ich genieße diese Erbauung heute wie gestern und ich wünsche sie mir auch morgen.
    Opa, Dir wünsche ich Gesundheit, weiteren Mut und viel Neugierde – die hält jung 😉

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  4. jean schreibt:

    Lieber Opa, dein Weisheitsstreben- und Formulieren ist für mich stets erbauend: ein kraftspenndendes Antidot zum Wahnsinn des Zeitgeistes.
    Freue mich auf noch langanhaltendes Weiterdenken…!

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  5. Bleib doch noch:
    Gerade jetzt wo viele gehen
    In sich, auf Distanz
    Oder ganz ungar
    zur andren Seite wechseln
    Im Nirgendwo das Weite suchen
    Und bei den Göttinnen Erlösung
    Und sich und andre drehen
    Augen trüben
    Mund maskieren
    Ohren nur gehorchen
    Herz und Hirn verwesend stehen
    hinterfraglos lassen
    Lang bevor sie sterben
    Gerade jetzt
    sollst Du Herz und Hirn
    Mut und Hoffnung fassen
    Uns mit teilen
    Mit uns teilen

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  6. Johannes S. schreibt:

    Lieber Opa,
    Deine wunderbaren Gedanken und Bilder Deiner reifen, erfahrenen Seele haben mich sehr berührt..Ich gut kann gut nachempfinden und mitfühlen, was Dich zu diesen, Deinen sehr nachdenklichen, geradezu wehmütigen Sätzen veranlasst hat. Mir geht es sehr ähnlich, auch wenn ich erst in vier Jahren das achtzigste Lebensjahr erreiche. Du wünscht Dir vermutlich angesichts der gegenwärtigen, fundamentalen Herausforderung und unfassbaren Alptraums mehr Kraft und Zuversicht, um Dich noch mehr für Gerechtigkeit und Menschlichkeit einzusetzen. Was Du gegeben hast und hoffentlich weitergeben wirst, o h n e Dich zu verausgaben, dankt Dir die Kranich-Schar, wie in den fürsorglichen Kommentaren zum Ausdruck kommt. Du sagst „Loslassen sollte viel milder sein als Brechen“. Dies zeigt ein sehr beeindruckender koreanischer Film in wunderschönen Bildern. In einem kleinen buddhistischen Kloster lebt ein kleines Kind, fällt in einen Teich und strampelt um sein Leben, dann wird es still …Das Kind gelangt von a l l e i n, ohne Überlebensk(r)ampf an den Rand des Teichs und schlägt verwundert die Augen auf! Für Deine Offenheit und wache Lebendigkeit gegenüber Überraschungen wünsche ich Dir für jeden neuen Tag frische Augen, Kraft gute Gesundheit, Freude und Entspannung in Deinem Garten.
    Stark und allein, wie ein Baum, brüderlich vereint, das ist unsere tiefste Sehnsucht. Dies verkörperst Du, lieber Kranich!

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