Aufklärung. Ungehorsam. Widerstand.

Aufklärung macht zunächst Mühe im eigenen Kopf, und dann verlangt sie den Mut, das für richtig Erkannte, offen zu vertreten. Meist muss man sich nicht nur der Gegenargumente erwehren, sondern auch massiver und oft bösartiger Angriffe.

Etwas anders liegen die Dinge, wenn das richtig Erkannte zum zehnten Male erklärt wird und viele Adressaten schon vorinformiert sind. Dann äußert sich aufklärerischer Mut eher in Demonstrationen und Kundgebungen, also in den Versuchen, viel mehr Menschen zu erreichen und zu aktivieren.

Irgendwann aber, nach der hundertsten Wiederholung, wird diese Art Aufklärung zur Farce. Die Machthaber haben gelernt, Demonstrationen zu kanalisieren und mit Auflagen  zu entschärfen. Am Ende demonstrieren schweigende Demonstranten, die darum bitten reden zu dürfen, ihre eigene Ohnmacht und noch mehr die Macht des Regimes, dem sie unterworfen sind.

Jetzt finden sich Aufklärer, die die Proteststimmen des vergangenen Jahres sammeln und als Buch herausgeben. Endlich hat diese „Aufklärung“ akademische oder freidenkerische Höhen erreicht. (Bevor sich jemand aufregt: Mit ist bekannt, dass auch Bücher Taten sein können.)

Dabei geht es längst um Ungehorsam. Oft sind es spontane Aktionen Einzelner, die zeigen, dass die Zeit des ungehorsamen Handelns gekommen ist. Beispiel:

Schön, dass ein „ungezogener Junge“ den Mut hat, sich normal menschlich zu verhalten. Schön, dass er damit die Repressionsgeilheitbereitschaft der betreffenden Polizisten sichtbar macht. Aber besser wäre es, wenn Ungehorsam gemeinsam, organisiert und mit sichtbarer, aufgeklärter Botschaft demonstriert würde. Warum nicht so:

30 Leute (noch besser wären 50 oder 100) sprechen sich ab, spazieren im Gänsemarsch mit je mehreren Metern Abstand (einzeln oder zu zweit) durch eine belebte Gegend, z. B. hier:

Jeder hat ein Schild mit einem/seinem knackigen (populären!) Spruch vor der Brust. (Es müssen Sprüche sein, denen der Normalbürger innerlich zustimmt.) So gehen sie spazieren, erkennbar zusammengehörig (etwa indem jeder eine rote Nelke + eine weiße Rose trägt). Es ist eine sichtbare Willensäußerung aber keine Veranstaltung – also keine Anmeldung, keine Auflagen. Wenn es zu Interventionen der Polizei kommt (Weswegen eigentlich?) diesen mit Geduld/hinhaltendem Widerstand begegnen. Das ganze müsste ausführlich dokumentiert werden – Fotos, Videos. Man könnte entsprechende Kanäle vorab informieren.

Das Maß des Ungehorsams müssen die Demonstranten flexibel bestimmen und anpassen, nicht zuletzt in Abhängigkeit vom Verhalten der Polizei. Es geht immer um größtmögliche positive Wirkung auf die Bevölkerung.

Mögliche Stufen des Ungehorsams am Beispiel des Videos aus Düsseldorf

a) eindeutige/drastische Meinungsäußerung auf den Schildern

b)  Verweilen auf dem Gehweg

c) Verweilen auf Bänken

d) Abnehmen der Masken.

Bei Stufe a) dürfte die Polizei eigentlich gar nicht einschreiten. Tut sie es doch, wäre hinhaltender Widerstand angesagt – Verweigern der Identitätsfeststellung, kein Mitführen des Personalausweises usw. (zur Rechtslage siehe beispielsweise hier).

Stufe b) könnte als Ordnungswidrigkeit betrachtet aber auch bestritten werden – Grauzone.

Stufe c) wäre Ordnungswidrigkeit, kann aber auch unterlaufen werden, siehe die ältere Frau in obigem Video.

Stufe d) wäre klare Ordnungswidrigkeit. Der offene gewaltfreie, organisierte Ungehorsam möglichst Vieler gegen solche demütigenden autoritären „Ordnungsmaßnahmen“ ist notwendig; dann aber sorgfältig geplant hinsichtlich der Konsequenzen und ausführlich dokumentiert zur Information einer viel breiteren Öffentlichkeit.

Das ist der lange Weg vom Ungehorsam zum organisierten Widerstand.

Es reicht!

Dieser Beitrag wurde unter Bewußtheit, Blödmaschine, bloggen, Demokratie, Faschismus alt neu, Gesundheit Alter Tod, Krieg, Krise, Machtmedien, Mensch, Realkapitalismus, Widerstand abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Aufklärung. Ungehorsam. Widerstand.

  1. Dian schreibt:

    Web.de titelt aus aktuellem Anlass: „Der neue Öffnungs-Fahrplan von Bund und Ländern“.
    Für diesen „Fahrplan“ braucht es mehr als nur die Mittlere Reife, mir reicht nicht einmal mein HA. Dieser Plan soll „alles“, alle „Eventualitäten“ berücksichtigen, in Wirklichkeit ist er – wie so viele – gar nicht umsetzbar. Soll er uns nur etwas vorgaukeln?
    Mir ist er deutliches Zeichen der Führungsschwäche, er könnte damit schon zum baldigen „Abdanken“ der Bundeskanzlerin führen. Dann kämen „härtere Hunde“.
    Vorerst will ich mit Opa gemeinsam zum zivilen Ungehorsam aufrufen. Das Liedchen hier könnte den Mut dazu steigern: https://www.youtube.com/watch?v=nNlsIFS9Jxc

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s