Ohne Berührung leben? – Corona und die Folgen des social distancing (II)

Gastbeitrag von Mechthild Seithe

Einleitung: social distancing ist zur neuen Pflicht geworden

Teil I: Warum brauchen Menschen soziale Kontakte?

Teil II: Die Bedeutung der Berührung für den Menschen und Folgen ihrer Entbehrung

*****

Die Bedeutung der Berührung für den Menschen und Folgen ihrer Entbehrung

Was bedeutet Berührung?

Für eine Berührung ist schon rein technisch räumliche Nähe notwendig. Eine Berührungswahrnehmung ist immer angewiesen auf räumliche Nähe, auf einen leiblichen Kontakt. „Berührung ist an die körperliche Existenz gebunden und deshalb unter Umständen sogar Kristallisationspunkt der Vorstellungen vom Körper“ (Wagener). 

Zwischen Berührung und Nähe besteht ein notwendiger logischer Zusammenhang. Nur wer im intimen Nahraum einer Person akzeptiert ist, darf diese Person berühren.
Körperliche und emotionale Nähe bedingen sich zum Teil gegenseitig. Ich kann eine Person körperlich berühren, weil sie mir emotional nah ist, und durch diese Berührung kann eine noch größere Nähe wachsen.

Berührung ist für Menschen existenziell notwendig

Viele Experimente zeigten, dass der Zugang zu einer angenehmen, warmen und weichen Berührung für menschliche Babys lebensnotwendig ist. Sie haben genauso Hunger nach Berührung, wie nach Nahrung. Ohne hinreichende Berührung sterben Säuglinge.

Spontan fällt da der alte Versuch ein, der bewies, dass kleine Affen, die nur von einer – aus blankem Metall – bestehenden Maschine Milch saugen konnten, sterben, während kleine Affen gedeihen, wenn genau die gleiche Maschine mit Fell bezogen ist und es den jungen Tieren ermöglicht, sich anzukuscheln.

Dem Säugetier Mensch geht es da nicht anders.

Die Haut ist in der menschlichen Entwicklung das erste funktionierende Sinnesorgan. Taktile Reize nimmt ein menschlicher Embryo ab dem zweiten Monat wahr. Wenn ein Neugeborenes noch nichts scharf sehen kann und ihm auch die Geräusche, die es wahrnimmt, noch diffus erscheinen, kann der dann bereits völlig ausgereifte Tastsinn dem Kind über Berührungen aktiver und passiver Art Orientierung geben und erste Erkenntnisse über Strukturen und Eigenschaften seiner Umgebung vermitteln.

Berührung fördert das Wachstum, die Stabilität und Gesundheit der Kleinkinder. Während ihre sonstigen Sinne bei der Geburt noch keineswegs ausgereift sind, hilft ihnen ihr Tastsinn und ihre Berührungssensibilität dabei, sich zu orientieren, sich ein Bild von der sie umgebenden Welt und den sie berührenden Menschen zu machen.

In vielen Kulturen verbringen Säuglinge ihre ersten Monate in ständigem Hautkontakt mit ihrer Mutter. In unserer Kultur wird die ständige Berührung eines Babys nicht unbedingt positiv gesehen. Befürchtet wird, dass das Kind verwöhnt werden könnte und so keine eigenständige Persönlichkeit entwickeln kann. Im Unterschied zur immer noch weitverbreiteten Meinung, dass zu es ein Zuviel an körperlicher Zuwendung für Säuglinge gäbe, vertreten die meisten Anthropologen heute den Standpunkt, dass diese Art der „Verwöhnung“ eine gute Voraussetzung dafür ist, dass ein Kind unabhängig werden kann.

Sie vertreten die These, dass Berührung zu den Grundbedürfnissen der Menschen gehört, deren Befriedigung überlebenswichtig ist. Damit stellen sie Berührung auf eine Stufe mit Hunger, Durst und Schlafbedürfnis, während z.B. die Sexualität nicht überlebenswichtig sei.

Das Bedürfnis nach Berührung ist demnach keineswegs etwas speziell Kindliches. Menschen brauchen immer Berührungserfahrungen, um gesund zu bleiben: als ältere Kinder, als Jugendliche, junge Erwachsene, Erwachsene im Mittleren Alter und als alte Menschen.

Berührungsdefizite führen zu Erkrankungen und zu Ersatzhandlungen. Die schaukelnden Bewegungen der Kinder in früheren Heimen, das sich Selbstumarmen und vielleicht auch das Ritzen sind Hinweise auf Berührungsmangel.

In unserer westlichen Gesellschaft scheut man sich oft, kranke und alte Menschen anzufassen und sie zu berühren. Für sie gibt es kaum noch Gelegenheiten, freundlich und zärtlich berührt zu werden.

Sie erfahren z.B. auch in Altersheimen eher harte, demütigende Berührungen, die nicht Einfühlungsvermögen, sondern Macht oder Gehetztsein ausstrahlen. Die ambulante Pflege lässt für solche Handlungen keinerlei Zeitkontingente. Kranke und Alte aber bedürfen der körperlichen Berührung im hohen Maße. Das Berührungsbedürfnis nimmt im Alter nicht zu, aber es bleibt genau so stark wie vorher. Das Aussehen der Haut verändert sich im Alter, aber ihre Funktion nicht. Der taktile Sinn ist vielmehr jetzt besonders wichtig, da er das Nachlassen der anderen Sinne kompensieren muss.
Das Gefühl von Loslösung und Entfremdung, dass viele alte Menschen empfinden, könnte aber durch liebevolle Berührungen abgebaut werden.

Verschiedene Forscher gehen davon aus, dass, wer nicht berührt wird und die kräftigende Körperfreude entbehrt, Ersatz sucht und/oder langfristig Aggressivität entwickelt. In einer Gesellschaft geltende Berührungsregeln und -tabus, führen dazu, dass Menschen sich überlebenswichtige Berührungen auf Umwegen besorgen (müssen). In diesem Kontext sind z.B. jugendliche Raufereien, Besuche bei Ärztinnen und Masseurinnen und diverse sportliche Aktivitäten zu sehen.

Die taktile Wahrnehmung ist eine ganz Besondere

Die Empfindlichkeit der Haut für Berührung ist einer der grundlegendsten menschlichen Sinne. Manche Forscher sprechen von der Haut als vom zweitwichtigsten Organ des Menschen nach dem Gehirn. Berührung wird durch den Tastsinn erfahrbar. Der Tastsinn ist die Sinneswahrnehmung unserer Haut. Mit ihr berühren wir und an ihr werden wir berührt, sie umhüllt uns, sie grenzt uns nach außen ab, sie ist fest und elastisch, weich und hart, feucht und trocken, und sie erneuert sich ständig.
Man muss sich klarmachen: Die Haut ist ein Sinnesorgan. Über sie nehmen wir Berührungen, Wärme, Kälte, Schmerz, Druck und die verschiedensten Variationen dieser Empfindungen wahr, und auch in dieser Funktion ist die Haut unersetzlich für uns Menschen. Es gibt zahlreiche Eigenschaften von Gegenständen, etwa: Gewicht, Temperatur, Härte, Rauheit Feuchtigkeit, Klebrigkeit und Elastizität, die nur über die Hautsinne, nicht aber über Hören und Sehen erkundet werden. All dies sind Merkmale, die wir nicht sehen, hören, riechen oder schmecken können, wir müssen sie fühlen.

Als Sinnesorgan verfügt die Haut über einige Besonderheiten im Vergleich zu den anderen Sinnesorganen:

    • Während andere Sinneswahrnehmungen auf ein Organ, einen Bereich konzentriert sind, umfasst Berührung den ganzen Körper (sowohl aktiv als auch passiv).
    • Wenn wir berührt werden, reagieren wir unweigerlich, aber nicht notwendig im Sinne einer Interaktion.
    • Bei uns selbst entstehen Gefühle und Stimmungen, sie verändern oder bestätigen sich, unsere Einschätzung einer Person oder einer Situation wird beeinflusst. Dies erfolgt unter Umständen, ohne dass die Berührung in unser Bewusstsein vordringt, und dennoch hat sie Spuren hinterlassen. Wir haben den Kontakt wahrgenommen, unser Gehirn registriert Struktur, Temperatur und Beschaffenheit dessen, was wir berührt haben oder was uns berührt hat. Es entsteht ein hochdifferenzierter ‘Eindruck’, den wir mehr oder weniger bewusst und lange erinnern.
    • Berührungswahrnehmungen können wir zudem nicht ausweichen. Ebenso wie bei akustischen Reizen, können wir auch vor Berührungen nicht ‘die Augen verschließen‘.

Und schließlich erweitert Berührung den Blick auf die eigene Identität:
Eine wichtige Besonderheit der Wahrnehmung über die Sinne der Haut ist, dass hier die Wahrnehmung des eigenen Körpers und die Wahrnehmung der Außenwelt immer gleichzeitig erfolgen. Bei aktiver Berührung ist zwar die Wahrnehmung des Ertasteten im Zentrum der Aufmerksamkeit, wohingegen bei passiver Berührung, beispielsweise bei einer Massage, das eigene Körperempfinden im Vordergrund steht. Aber immer wird sowohl das eine wie das andere getrennt wahrgenommen.
Das Taktile liefert also gleichzeitig eine ‘äußere’ und eine ‘innere’ Wahrnehmung.

So beschreibt es Wagener (s.o.): „Während unsere anderen Sinnesorgane vor allem nach außen oder nach innen gerichtet sind, erfüllt die Berührungswahrnehmung ihre Aufgabe an der Grenze zwischen innen und außen. Wenn wir über unsere Augen den eigenen Körper wahrnehmen, so ist dies eine Wahrnehmung von ‘außen’, sie ermöglicht nicht eine Wahrnehmung als ein eigenständiges ‘Ich’. Über unsere Augen können wir unseren Körper sehen, wenn auch nur mit Hilfsmitteln wie Spiegeln und Kameras. Über die Hautwahrnehmung jedoch spüren wir uns selbst, unseren Körper, auch wenn wir eine andere Person anfassen. Eine Berührungswahrnehmung ist gleichzeitig verbindend und trennend. In ihrer trennenden Funktion ermöglicht sie die Wahrnehmung des eigenen Selbst als ein getrenntes von der Außenwelt“.
So kann eine Berührung auch dazu führen, dass die körperliche und emotionale Situation deutlicher wahrgenommen wird. Wir werden mit unserer eigenen Existenz konfrontiert und erleben deutlicher als vorher die Signale unseres Körpers. Die Berührung bringt uns näher zu uns selbst und dort sind wir weniger einsam, denn diese Begegnung kann heilsam sein, auch wenn wir Schmerz und Trauer verspüren.

Diese Wahrnehmung der Realität und gleichzeitig des eigenen Ich durch die Berührung ist eine für die menschliche Entwicklung existentiell wichtige Funktion von Berührung.

Eine emotional zugewandte Berührung heilt und fördert Entwicklung

Erforscht wurde, dass Berüh­run­gen von unse­ren Mit­men­schen nicht nur Stress redu­zie­ren, son­dern auch unse­ren Blut­druck und das Level des Stress­hor­mons Cor­ti­sol ver­rin­gern. Regel­mä­ßige Umar­mun­gen sollen unse­ren Blut­druck fast genauso effek­tiv senken wie Medi­ka­mente. Außer­dem geht der Oxytocin-Spiegel durch zwischenmenschliche Berührung nach oben, wodurch unsere Angst geschwächt und unser Ver­trauen zur ande­ren Person sowie unsere Empa­thie-Fä­hig­keit gestärkt wird.
Eine Berührung, die zärtliche Aspekt hat oder sogar als Zärtlichkeit benannt werden kann, ist wie oben beschrieben für Menschen jeden Alters lebensnotwendig.


Der kommunikative Inhalt einer freundschaftlichen, zärtlichen, intimen Berührung ist dabei ein ganz anderer als bei einem aufmunternden Schulterklopfen oder einer kräftig geschüttelten Hand, auch wenn beides Bestärkung und Unterstützung vermitteln kann. Wir berühren eine andere Person wie einen empfindlichen und wertvollen Gegenstand, und tatsächlich sprechen wir ja auch davon, dass ein Mensch ‘zerbrechlich’ wirkt. Während wir häufig darum bemüht sind, Stärke zu demonstrieren, unsere Kompetenz und Souveränität zu zeigen, wissen wir in privaten und intimen Situationen diese Anerkennung unserer gleichzeitig vorhandenen Schwäche und Verletzlichkeit zu schätzen. Die Sehnsucht nach zärtlichen Berührungen, ist die Sehnsucht danach, als ganze Person, auch mit diesen nicht so öffentlichkeitswirksamen Seiten, gesehen und geliebt zu werden.

Zweifellos gibt es auch Berührungen, die eine emotional negative Botschaft senden.
Nicht jede Berührung ist beruhigend. Bedingung für eine angenehme Berührung ist die beiderseitige Bereitschaft dazu. Wird die Berührung deutlich nur von einer Seite initiiert und gewollt, ist dies ein Ausdruck von Macht über eine andere Person und damit auch ein Ausdruck potenzieller Gewalt. Dies gilt sowohl für private, tatsächlich oder vermeintlich freundschaftliche oder intime Kontakte, wie auch für Kontakte im Arbeitsleben und ebenso für die professionellen Berührungen (ärztliche Untersuchen, Massage etc.).

Berührung in ihrer einfühlenden und verständnisvollen Variante sendet immer die Botschaft: „Ich bin da. Du bist nicht allein.“ Sie entspannt, entlastet, tröstet und beruhigt. Sie macht froh und lebenszugewandt. Eine solche Berührung hat positive Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Sie stärkt das Immunsystem, vermindert Stress, Verspannungen und Schmerzen. Berührung kann heilen. Cohen weist in ihrem Buch darauf hin, wie vielfältig auf die heilende Wirkung von Berührung aufgebaut wird, in der Geschichte, in anderen Kulturen und auch in der heutigen westlichen Heilkunde in der Schulmedizin und vor allem in den Therapieverfahren. 

Anhand ihrer empirischen Untersuchung stellt Wagener (s.0) fest: “Eine freundschaftliche oder auch intime Berührung vermittelt Kontakt und Verbindung und setzt so den Gefühlen der Einsamkeit und Isolation etwas entgegen. In einer Situation der Angst und Unsicherheit vermittelt die aufmerksame Berührung, dass die berührte Person nicht allein ist mit der ängstigenden Situation, sondern sich des Beistandes und der Hilfe der Berührenden sicher sein kann.“

Berührung verbindet mit der Gegenwart und mit der körperlichen Existenz. Durch eine gute Berührung kann ein Mensch in schwierigen Situationen in die Lage versetzt werden, den Kontakt zur Realität aufrechtzuerhalten und das Aufkommen von Panik und Übererregung zu verhindern. Berührung hält uns fest und mit ihr können wir uns festhalten. Die Hände einer anderen Person vermitteln Halt und Stütze, und dies hilft uns, Haltung und Ruhe zu bewahren, auch in beunruhigenden Situationen. Wenn Menschen von ihren Berührungserlebnissen sprechen, so berichten sie, dass die Berührung ihnen Trost, Geborgenheit, Sicherheit, Vertrauen und Mitgefühl vermittelt hat.

Und wenn es zu wenig oder keine Berührung gibt?

Die häusliche Isolation, das Verbot der und damit auch die Diffamierung von Berührung und körperlicher Nähe, sowie das Verstecken der menschlichen Mimik hinter einer Maske, die die nonverbale Kommunikation fast unmöglich macht, bedeuten, dass für Menschen erforderliche Lebens- und Entwicklungsbedingungen verwehrt werden. Ebenso wirkte sich die neue, verwirrende, als bedrohlich erlebte Situation auf die Persönlichkeit von Kindern und Jugendlichen negativ aus. Die Isolation und Trennung von Freunden und MitschülerInnen im Shutdown wird von vielen Autoren als eine enorme Gefährdung ihrer Entwicklung eingeschätzt.

Unsere Gesellschaft ging auch vor Corona mit Berührungen und Berührungsempfehlung eher spartanisch um. In Corona-Zeiten bekommt die Berührung eine grundsätzlich negative, ja bedrohliche Konnotation, das heißt: Berührung ist nichts Positives, nicht Wunderbares, Erstrebenswertes, Wertvolles. Vor Berührung sollte man sich schützen. Sie ist gefährlich. So lernen es heute Kinder, die in dieser verrückten Zeit ihre ersten sozialen Erfahrungen machen müssen.

Noch mehr als schon früher, als Zärtlichkeit unter Erwachsenen fast nur im Kontext von Sexualität vorstellbar war, ist Zärtlichkeit jetzt sogar etwas eher Anstößiges.

Wie sollen so kleine Jungen lernen, das man mit anderen Menschen nicht nur kämpfen und sie herumstoßen kann, dass es auch so etwas wie eine zärtliche Berührung gibt.

Wie sollen jetzt noch unsere Männer begreifen, dass im Sex für Frauen die Zärtlichkeit so wichtig ist wie für sie die Steifheit ihres Gliedes?

Das Berührungsverbot bedeutet für Menschen ein emotionales Verhungern.

Zärtlichkeit ist virtuell nicht darstellbar. Ein Mangel an Berührung kann schlecht digital oder nur technisch kompensiert werden. Oder wollen wir uns auf Dauer mit Visionen zufriedengeben, wo man Streicheleinheiten eines Automaten oder die Dienstleistung Streicheln buchen kann oder wo man mit Fellpuppen seine Berührungssehnsucht stillen muss wie die kleinen Rhesusaffen im Experiment?

Wie stellt man sich eine Welt auf Dauer vor, in der Berührung verboten, strafbar ist, tabuisiert wird und als gefährlich gilt. Kommt da nicht ein globaler menschlicher Hospitalismus auf uns zu?

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Keramiken:

Mechthild Seithe, „social distancing“, 2020; „Einsamkeit der Zielgruppe“ 2020.

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2 Antworten zu Ohne Berührung leben? – Corona und die Folgen des social distancing (II)

  1. Pingback: Ohne Berührung leben? – Corona und die Folgen des social distancing (I) | opablog

  2. Dian schreibt:

    Teil I endete für mich schon fraglich mit: „Es bedarf keiner großen Fantasie, sich auszurechnen, wen diese Folgen und Nachteile besonders treffen werden.“ – Wenn ich diese – geringe – Fantasiefähigkeit unseren Peinigern nicht absprechen wollte, so können sie also die Folgen ihrer Despotie nicht nur erkennen, sondern müssen sich vorhalten lassen, dass sie diese sogar bezwecken!
    Und hier am Ende noch eins drauf: „Wie stellt man sich eine Welt auf Dauer vor, in der Berührung verboten, strafbar ist, tabuisiert wird und als gefährlich gilt. Kommt da nicht ein globaler menschlicher Hospitalismus auf uns zu?“ Nein, viel schlimmer, eine Bevölkerungsreduktion, welche „man sich“ nicht nur v-o-r-s-t-e-l-l-e-n kann, sondern die bereits am Laufen ist. Durch den hier gut beschriebenen Entzug unserer menschlichen Existenzgrundlagen läuft ein gigantisches Euthanasieprogramm. Bevor meine Wortwahl hier kritisiert wird, bedenke man bitte, dass das industrielle Töten der Nazis auch erst – wirklich und in seinem grausamen Ausmaß – hinterher erkannt wurde – von den meisten.
    Dieses unsägliche Jahr 2020 hat mir etwas vermittelt, was ich mir – mit meiner mangelnden Fantasie – ehedem nicht vorstellen konnte. Ich weiß jetzt wie leicht es ist, uns (!) Lämmer zur Schlachtbank zu führen.
    „Wacht auf, Verdammte dieser Erde,
    die stets man noch zum Hungern zwingt!“,
    sind nur die ersten zwei Zeilen. Die zweite Strophe scheint mir die in hiesigem Zusammenhang wichtigste:
    „Es rettet uns kein höh’res Wesen,
    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun.
    Uns aus dem Elend zu erlösen
    können wir nur selber tun!
    Leeres Wort: des Armen Rechte,
    Leeres Wort: des Reichen Pflicht!
    Unmündig nennt man uns und Knechte,
    duldet die Schmach nun länger nicht!“ (dt. Text Emil Luckhardt, 1910)
    Danke Opa, für Deine Veröffentlichungen. Hier passte für meinen Geschmack noch ein guter youtube-Link ran …

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