Fragwürdige Corona-Zahlen von staatlicher Seite

Das Robert Koch-Institut (RKI) ist eine Regierungsinstitution, die täglich (neben weiteren Informationen) einen „Lage-/Situationsbericht des RKI zu COVID-19″ liefert. 

Diese Berichte haben einen Umfang zwischen 11 und 16 Seiten und bringen viele mehr oder weniger aufbereitete Zahlen. Es ist eine große Zahlenmenge, und die Aufbereitungs- und Darstellungsverfahren (die im Laufe der Zeit auch geändert wurden) sind nur zum Teil nachvollziehbar, so dass das Material für den „naiven Endnutzer“ schwierig (um nicht zu sagen „fast nicht“) verwertbar ist.

Ich nehme mir seit Monaten die Zeit, diese Berichte für mich aufzubereiten, und ich verfüge auch über eine gewisse soziologisch-statistische Vorbildung und komme zu dem Schluss: Diese Daten haben alles andere als Wunschqualität, sind aber trotzdem nicht inhaltslos und nicht nutzlos. Sie erlauben es, bestimmte Probleme oder Widersprüche herauszuarbeiten.

Beispiele:

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Das RKI meldet uns eine seit Wochen kontinuierlich steigende Anzahl Corona-Toter.

In der 42. Woche (12.-18.10.) waren es 162. In der 46. Woche (9.-15.11.) waren es 1196. In der 50. Woche (7.-13.12.) waren es 3015.

In den letzten Tagen erreichen diese Zahlen Rekordwerte:

15.12. – 500; 16.12. – 952; 17.12. – 698. Dies fortgeschrieben, könnte es sein, dass in der 51. Woche rund 5000  Corona-Tote gemeldet werden.

Für manchen mag das schrecklich beeindruckend sein. Doch mir kommen Zweifel.

In der BRD sterben um diese Jahreszeit täglich rund 260o Personen. Im Mittel der Jahre 2016-2019 starben am 16.12. 2591 Personen. – Diese Zahlen liefert destatis.

Mit der Zahl von 952 Toten am 16.12.2020 behauptet das RKI, dass 37% aller an diesem Tag in der BRD Gestobenen Corona-Tote waren. 

Geehrte Herren und Damen des RKI – Ich glaube Ihnen das nicht! Es widerspricht jeder Evidenz.

Einmal ungläubig geworden, fällt mir auf, dass die Medien immer die Formel verwenden: „Daten, die dem RKI von den Gesundheitsämtern gemeldet wurden“. Ist das das Hintertürchen für’s RKI, um aus der Verantwortung herauszukommen? „Wir nicht, die Gesundheitsämter waren es!“

Die Frage, positiv formuliert, lautet also: Wie kommen die Corona-Totenzahlen der Gesundheitsämter zustande? Werden Gestorbene „auf Corona“ umdefiniert? Sobald die Zahlen der Übersterblichkeit vorliegen, sind weitere Fragen zu stellen.

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Eine weitere Frage bewegt mich:

In den Situationsberichten ist neben der „Frontzahl“ eine weitere Verstorbenenzahl enthalten, die Zahl der auf Intensivstationen verstorbenen Corona-Patienten. (Das Problem der korrekten  Zählung der Corona-Patienten als Teilmenge aller Intensivpatienten lasse ich hier weg.)

Diese Zahlen sind wesentlich geringer als die Gesamtzahlen der Toten, obwohl festzuhalten ist, dass auch sie ansteigen, wenn auch weniger stark.

42. Woche 79; 46. Woche 572; 50. Woche 1086.

Die Daten der letzten Tage sind:

15.12. – 161; 16.12. – 212; 17.12. – 200. Dies fortgeschrieben, könnte es sein, dass in der 51. Woche etwa 1300 auf Intensivstation gestorbene Corona-Patienten gezählt werden.

Mein Problem: Die Gesamtzahl der gemeldeten Sterbefälle ist das Doppelte bis Dreifache der Sterbefälle auf Intensivstationen.

Ich verstehe natürlich, dass keineswegs ALLE an Corona schwer Erkrankten auf Intensivstationen behandelt werden und dort versterben. Aber ich stelle mir doch vor, dass das in unserem Land der weitaus größte Teil ist. Oder ist das eine falsche Annahme?

Kurzum: Ich halte die Zahl der gestorbenen Corona-Intensivpatienten für eine verlässlichere Größe zur Ermittlung der Corona-Toten als die hinausposaunte „Frontzahl“ am Anfang aller Meldungen, deren Zustandekommen weniger nachvollziehbar ist.

Hinzugefügt sei noch, dass das hier benannte Problem durch weitere Daten der Situationsberichte erhärtet wird. Ich meine die Tabelle 2, die die Verstorbenen nach „Einrichtungen mit besonderer Relevanz für die Transmission von Infektionskrankheiten“ auflistet (Institutionen nach §23, §33 und §36 des IfSG). Die Zahlen der Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser – und das sind bekanntlich die Orte, an denen sich rund 70% des schweren Corona-Erkrankungsgeschens abspielt – entsprechen in ihrer Größenordnung und Tendenz den genannten Daten aus den Intensivstationen.

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Auf eine dritte (zu wenig beachtete) Fragwürdigkeit sei noch hingewiesen, ohne hierzu jetzt Ausführungen zu machen:

Seit Monaten hält der Abbau der Intensivkapazitäten und Reserve-Intensivkapazitäten im BRD-Gesundheitswesen an. Er erfolgt gleichlaufend mit der sog. 2. Welle. Die entsprechen Daten sind den täglichen Berichten des Deutschen Intensivregisters zu entnehmen.

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3 Antworten zu Fragwürdige Corona-Zahlen von staatlicher Seite

  1. Detlev Matthias Daniel schreibt:

    Zum Anteil der „Corona-Toten“ an der Gesamtsterbezahl am 17.12. müssen wir natürlich noch etwa 4 Wochen warten, bis wir erste Anhaltspunkte für die Gesamtsterbezahl haben werden. Es ist ja immerhin nicht ganz ausgeschlossen, daß diese wesentlich höher ist als im mehrjährigen Mittel.

    Die deutliche Differenz zwischen den offiziellen Gesamttoten und denen auf der Intensivstation war mir schon lange aufgefallen, allerdings war sie da nicht so hoch wie derzeit. Man erzählt uns immer von dem fürchterlichen Sterben der Covid-Patinten. Da man in diesem Land Menschen, die zu ersticken drohen oder deren Organfunktionen sich nach und nach verabschieden mit Sicherheit in die Intensivstation verfrachten wird, solange es dort noch Platz hat – also bislang immer -, kann das nur dreierlei bedeuten: Entweder
    1. die meisten (wahrscheinlich die alten) sterben ganz „normal“ wie sonst auch, nur diesmal mit Covid-19 oder
    2. die meisten werden zum Sterben auf die Normalstation oder sonstwohin verlegt oder
    3. die statistische Erfassung der Patienten auf den Intensivstationen erfolgt nur teilweise. Das könnte erklären, warum gerade bei hohen Zahlen die Differenz besonders hoch ist.

    Ich tendiere dazu anzunehmen, daß alle drei Gründe zutreffen – in absteigender Häufung.

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    • kranich05 schreibt:

      Ihre Überlegungen 1., 2. 3. finde ich plausibel. Besonders Punkt 2. kann ich mir (für manch andere Krankheit) gut vorstellen. Allerdings soll ja das Ende ursächlich wegen Corona in der Regel dramatisch sein, und dann wird es wohl eher nicht zu Verlegungen kommen.

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  2. Bittsteller schreibt:

    In Bayern gibt es eine Petition an den Bayerischen Landtag zur Meinungsfreiheit.
    http://fairmuenchen.de/autoritaere-reaktion-im-bayr-gesundheitsministerium-petition-per-mail/ . mit einer Mail an den Landtag kann die Petition von Leuten aus Bayern unterstützt werden, wenn andere hinschreiben, macht das zwar vielleicht auch Eindruck, es wird aber keine Zählung als Petent erfolgen.

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