Vor 34 Jahren, am 6. Dezember 1986,

notierte ich in mein Tagebuch:

„B. erzählt von ihrer „Argu“. (B., damals meine Freundin, war eine DDR-Journalistin in leitender Position. „Argu“ war die regelmäßige Anleitung der leitenden Journalisten durch die Abteilung Propaganda des ZK der SED.) Zum wiederholten Mal sagt die Propaganda den Genossen, daß sie nicht so viel nach der KPdSU gucken sollen. Jede Partei hat ihre Arbeiterklasse (!) und tut das, was für ihre Arbeiterklasse am besten ist. Basta. Wenn die Russen nun anfangen, ihre Vergangenheit zu bewältigen, auch Stalin, so werden wir davon nicht viel bringen, um die damaligen historischen Leistungen nicht zu schmälern. Es wird jetzt auch viel Schmutz hochgewirbelt, in den anderen sozialistischen Ländern, auch in Literatur und Kunst (Film), im Zeichen der Erneuerung und Wende. Wir haben das nicht nötig und werden davon so spärlich wie möglich informieren. 

Gestern Abend im Westfernsehen ein Spielfilm „Spion wider Willen“, Teile sehe ich von dieser widerwärtigen, massenwirksamen Mischung aus Western, technischer Utopie, Brockenpolitik und Sentimentalität. Jede Einstellung eines solchen Films ist eine Lüge. Das aber begreift die Masse nicht. (Es sagt ihr auch keiner. Nein … ähnliche Art Lügen benutzt unsere Propaganda täglich.)

Dann in „Plusminus“ Bericht von einem westdeutschen „Personalberater“, „headhunter“, Einem, der Führungskräfte vermittelt. Diese kriegen im Jahr 200000 oder 600000 DM. Er kriegt für eine solche Vermittlung vielleicht 30000 DM und kommt damit auf ein ähnliches Jahreseinkommen. Für eine Vermittlung bemüht der 20-50 Kontakte (Kandidaten). (Wahrscheinlich haben mich diese Fakten interessiert, weil ich selbst in der sozialistischen Kaderauswahl, -entwicklung und -vermittlung arbeitete. Mein Monatseinkommen betrug damals wohl etwa 1500 MDN brutto.)

Spät im DDR-Fernsehen eine Professorenrunde (Hörz, Lohs, Lanius, Geißler), die über SDI und das gegenwärtigen Friedensengagement von Wissenschaftlern berichtet. (Es fand in Hamburg eine Konferenz statt.) Das war durchaus ansprechend. Ich sah es bis zum Ende. 

Zu B. bin ich nicht gerade herzlich. Solche im Grunde Eifersuchtsszenen wie gestern lenken mich außerordentlich auf mich selbst zurück und könnten einmal dazu führen, daß ich mich innerlich von ihr abkopple.

Oder es käme zu einem Zweckmäßigkeitsverhältnis der Art: Na ja, die große Liebe ist es nicht aber es gibt genug, was uns verbindet, um zusammenzubleiben. Sowas ist nicht selten. Für mich, scheint mir, wird das nicht gehen.“

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