Jetztzeit (22) „Gänsehaut“

Ein „Faden“ im Gelben, ausgelöst und maßgeblich bestimmt vom User „Weiner“, den ich nicht wegklicke, sondern mehrmals lese.

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3 Antworten zu Jetztzeit (22) „Gänsehaut“

  1. fidelpoludo schreibt:

    Der „rote Faden“ im „Gelben“ ist ziemlich weit ausgespannt, aber er ist da und bedenkenswert. Einander entgegengesetzte Positionen und Denkrichtungen scheinen in der Lage zu sein, aufeinander eingehen zu können und an der Gegenseite sich aufzurichten, zu artikulieren, gar an Kontur zu gewinnen.
    Soweit mein erster Eindruck.
    Mein zweiter braucht einen zweiten Lektüredurchgang.
    Dieser legt mir nahe, das verhandelte Problem darin zu erkennen, dass die eine Seite sowohl bei der Beschreibung des als Problem erkannten Zustands als auch bei der spekulativen Vorwegnahme der Lösung, einmal von der gesamtgesellschaftlichen und einmal von der Perspektive des einzelnen Individuums ausgeht. Radikal verkürzt: Marx gegen Buddha. Radikal verkürzt: Beiden geht es um Aufhebung und Beendigung des Leidens a) durch Aufhebung des Klassengegensatzes; b) durch Aufhebung jeglichen „Begehrens“ im Einzelnen.
    „Mörder sind unter uns“ wird ganz verschieden interpretiert. Einmal wird davon ausgegangen; Wenn wir „die Mörder“ identifiziert haben ist entweder Schablone a) anzuwenden: dort die wenigen menschenfeindlichen bösen Mörder, hier die überwiegende Mehrheit an guten Menschen, die einfach ein selbstbestimmtes Leben in materieller Sicherheit und Freiheit leben wollen; oder – Schablone b) in uns allen – in jedem Einzelnen, der noch nicht „erleuchtet“ ist, die Mörder als „Kameraden und Genossen“ des Begehrens auszumachen: der Körper, die (angenehmen) Gefühle, die sinnlichen Wahrnehmungsweisen, die Gedanken, das Bewußtsein. Jedes „ein Mörder“, den es „abzugeben, aufzugeben, zurückzuweisen, zu überwinden gilt.

    Die zweite Seite einfach mit „New Age“ gleichzusetzen und zu verdammen, scheint mir zu simpel. Es läßt sich zweifellos nachweisen, dass sich unter den Gegnern des Systems sehr viele sog. „spiritualistisch“ orientierte Einzelne und Gruppen – als konsevativ und rechts falsch bezeichnete – finden, die ernst zu nehmende Kritik am System äußern, dass sie z.B. über ihre Kritik an der Pharmaindustrie und ihrem Eintreten für Naturheilstoffe und gesunde Ernährung sich politisiert haben – weit energischer als SPD,Grüne, Linke und CDU zusammen genommen. Dabei gleichzeitig sich von jeder Gewaltaktion distanzieren.

    Der Begriff der „Transzendenenz“ spielt in dieser Gemengelage eine zentrale Rolle. Ist er wirklich als „metaphysisch“ zu verwerfen? Ist der Marxsche Begriff der „klassenlosen Gesellschaft“ etwa nicht transzendent, was ja bedeutet „jede (sinnliche) Erfahrung übersteigend“? Und würden wir ihn deshalb gleich aufgeben wollen?
    In dieser Hinsicht ist und bleibt noch Einiges zu klären.
    Für „beinharte Materialisten“ wäre in Erwägung zu ziehen, was etwa an der „Theorie morphogenetischer Felder“ (Robert Sheldrake) oder an Franz Hörmanns „Postmaterialismus“, der für eine Abschaffung des Rechts-, Wirtschafts- und Geldsystems – mit nachvollziebaren Argumente – plädiert, dran und zu übernehmen wäre? Die Reduzierung der Welt und der Realität auf ihre dreidimensionalen Eigenschaften des Raumes und deren Wahrnehmungsweisen bedarf einer Erweiterung wie die Dimension der Zeit und ihre Wahrnehmungsweisen.

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    • fidelpoludo schreibt:

      „Dialektik der Maske“
      Um ein Beispiel eines deutschen Dichters und Denkers zu liefern, der in die angedeutete Richtung sowohl dachte, als auch ohne ihr verhaftet zu bleiben nicht mehr leben wollte – was ihm den allzeit bereiten Vorwurf der Geisteskrankheit einbrachte – hier diese zwei Sätze von Hölderlin:

      „Es ist fast unmöglich, unverhüllt die schmutzige Wirklichkeit zu sehen, ohne selbst dabei zu erkranken. (…) Ich glaube an eine künftige Revolution der Gesinnungen und Vorstellungsarten, die alles bisherige schamrot machen wird.“

      Und er meinte keineswegs die Französische Revolution, denn das schrieb er 1797 in einem Brief an Dr. Johann Ebel in Paris.

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