Wunderliche Aufklärung

Wenn ich bei KenFM lese: „Corona – Ein Geschenk des Himmels für die Finanzelite“ denke ich: „Da haben sie bissel geschludert und bei „Himmelgeschenk“ die „Gänsefüßchen“/Ironiezeichen, vergessen.“

Wenn ich beim Überfliegen des Artikels dann mehrfach Metaphern, wie „Geschenk des Himmels“ und sogar „Wunder“ finde, sage ich mir: „KenFM praktiziert eben Meinungsvielfalt. Für den Artikel spricht, dass er manch Informatives bringt, und man hat genügend andere Standpunkte im Angebot, die den Unsinn mit der Übernatürlichkeit entschärfen. Auch KenFm ist eben no perfect.“

Nun hat es der Artikel von Beiratsmitglied Rainer Rupp auf die Freidenker-Webseite geschafft. Die Freidenker sind mir bisher als atheistische Weltanschauungsorganisation bekannt. Werden nun auch hier die Himmelsmächte bemüht?

Zunächst scheinen solche Befürchtungen unbegründet. Der Artikel ist von Beginn an von kritischem Geist erfüllt. Die Logik, bekannte Fakten und auch viele weniger bekannte, werden bemüht, um der „politischen Corona-Pandemie … beizukommen“. Rupp argumentiert im Detail gegen die Panikmache. Er sieht ihren Zweck darin, „die Gesellschaft für die sich damals (Anfang des Jahres – kpk) bereits abzeichnende, neue Finanzkrise gefügig zu machen.“ Und er meint: „… allen Akteuren in diesem riskanten Zockerspiel am Rande des Abgrunds war klar, dass im Fall einer neuen Banken- und Finanzkrise die Bevölkerung eine weitere Rettung der Bankster und Finanzkasinos auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung nicht mehr akzeptieren würde.

Die krisenhafte Zuspitzung im Finanzsektor im Laufe des Jahres 2019 wird skizziert mit der „Perspektive“: Zusammenbruch im Frühjahr 2020. So weit so gut. Aber an diesem Punkt verlässt den Autor plötzlich der marxistisch-analytische Scharfsinn und er entdeckt:

„Und dann kam zum Glück Corona.“, „Corona ein Geschenk des Himmels“, „die Rettung in Form von Corona“, „Corona überdeckte erfolgreich“, „Dank Corona konnten…“, „Dank des Corona-Wunders“.

Welche Beredsamkeit, um dem Leser klar zu machen, dass Corona als eine übernatürliche Gewalt, als göttliche Urgewalt ins Leben trat!

Plötzlich hat ein Killervirus alle Spieltische umgeworfen, und im Durcheinander konnten die bösen Kapitalisten eine weitere Runde gewinnen. Ich traue meinen Augen nicht. Hier ist der Artikel zu Ende. Exakt an dem Punkt, an dem die dialektisch-materialistische Ursachenanalyse ansetzen würde, kommt… Null.

„Corona“ ist weder ein Wunder, noch ein Glück, noch ein Geschenk. „Corona“ ist hart und hartnäckig und präzise erarbeitet. Und zwar von Leuten, die wohl seit jeher einen kurzen Draht zum Allmächtigen und seinen irdischen Stellvertretern hatten, die aber vor allem immer noch wissen, wie man den Klassenkampf führt. (Warren Buffett hat sich bekanntlich einmal damit gebrüstet.)

Soziale Prozesse mit den Mitteln der wissenschaftlichen Weltanschauung zu durchdringen, um auf dieser Basis den Kassenkampf zu führen, dafür setzen sich eigentlich die Freidenker ein. Zentral ist dabei die Analyse politischer Interessen in ihrer Klassendynamik und in ihrer Dialektik mit den ökonomischen Verhältnissen und Triebkräften der Gesellschaft.

Mit Sicherheit ist es nicht historischer Materialismus die Ausnutzung der Plandemie durch die herrschende Klasse zwar anzuprangern aber vor der Konzipierung, Planung, Modellierung und Auslösung derselben Plandemie die Segel zu streichen.

Und natürlich fängt der historische Materialist mit den Fakten an. Sie sind noch nicht die Analyse aber sie sind deren unverzichtbare Grundlage. An wenige Fakten sei erinnert. Sie haben nicht den geringsten himmlischen Beigeschmack:

1. „Corona“ startete Ende 2019/Anfang 2020 in China.

2. Blitzschnell sprang „Corona“ nach Berlin zu Frau Merkel bzw. ihrem einzigen Virologen.

3. Und hast du nicht gesehen, hatte der Virologenguru „Corona“ oder irgend etwas der Art testbar gemacht, und die Zählpandemie konnte beginnen.

Wundersam finde ich daran nichts, Grund zum Nachforschen schon, denn bekanntlich haben alle Tatsachen eine Vorgeschichte. (Paul Schreyer betitelte sogar sein lehrreiches Büchlein mit: „Chronik einer angekündigten Krise“.) Wollen die Freidenker statt dessen lieber „Zeichen und Wunder“ deuten?

Freidenker nehmen gern die „wissenschaftliche Weltanschauung“ für sich in Anspruch. Diese Bemühungen könnten qualifiziert werden, glaube ich, wenn sie einige Positionen aus dem Freidenker-Heft 4/2010 „Friedrich Engels“ durchdenken würden. Nicht zuletzt das, was dort im Aufsatz „Wissenschaftlicher Sozialismus“ meines hochgeschätzten Lehrers Erich Hahn steht.

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4 Antworten zu Wunderliche Aufklärung

  1. Jo Bode schreibt:

    Ich finde den von hbiene am 7.10 20 gemeldeten Beitrag „kreative Zerstörung“ am besten, um das derzeitige Geschehen einleuchtend zu erklären.
    Erinnert mich übrigens an Mausfeld….

    Hier nochmal die Anschrift:

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  2. Jo Bode schreibt:

    Ergänzung zu meinem vorstehenden Hinweis:
    Bitte nicht irritieren lassen von der Fundstelle „ExoMagazin“. Und auch nicht vom Ruf des Interviewers, der hier – passend zu seinem Gast – einen Super-Auftritt hinlegt….

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  3. fidelpoludo schreibt:

    Auf diesen Beitrag hatte ich schon vor einer Woche hingewiesen. Aber ein- oder zweimal mal mehr kann bei seiner Qualität nicht schaden.

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  4. fidelpoludo schreibt:

    „Und natürlich fängt der historische Materialist mit den Fakten an.“

    „Es gibt mehr Ding‘ im Himmel und auf Erden,
    als Eure Schulweisheit sich träumt, Horatio.“

    Shakespeare – Hamlet

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