Wie Ultralinke das System stützen

Anders als die reformistischen Linken etwa der Linkspartei, Leute, die sich mit Verbeserungen innerhalb des Systems begnügen und seine „Transformation“ allenfalls in einem fernen Traumhorizont ansiedeln, ist der Ultralinke von revolutionärer Inbrunst erfüllt. Solange er den Balkon nicht findet, von dem aus er die sozialistische Republik ausrufen kann, kämpft er leidenschaftlich für die klassenmäßig reine eine Interpretation von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Zumindest behauptet er das, wobei seine Lautstärke, vor allem aber seine „geistige Brillanz“ davon ablenken, dass der scheppernde Topf leer ist.

Ein solcher Vertreter in Gestalt von Klaus Lindern hat sich wieder in die Online-Debatte unserer Corona-Tage gestürzt. Und es wirbelt nur so von Namen, wie „materialistische Dialektik“, „marxistische Revolutionstheorie“, „revolutionäre marxistische Theorie“, „Klassen“, „Klassenherrschaft“, „Klassenverhältnisse“. Ja, Namen, Wortgespiele des Linkstöners und keineswegs die wohl definierten, inhaltsvollen Begriffe, wie mancher Traditionslinke sie noch kennt und zum Begreifen der jetzt erlebten Krise anzuwenden bemüht ist.

Linder vermeidet jede Analyse der Krise, aber er gibt ihr einen Namen und zwar einen verräterischen: „die Phase der Versammlungseinschränkungen“ oder auch „Dialektik des „Lockdown““. Kein Tagesschau-Journalist, kein Bertelsmann-Ideologe könnte perfekter den seit März 2020 in der BRD in mehreren Etappen praktizierten Ausnahmezustand, der bis heute und mit Zukunftsorientierung aufrechterhalten wird, im Phrasennirvana verschwinden lassen. Frau Merkel, Herr Spahn bedanken sich.

Aber das BRD-Regime zu verklären reicht dem Verfasser nicht. Es gilt auch die kapitalistische Systemkraft insgesamt, die den entscheidenden Part bei der Installation der „Corona-Pandemie“ spielte und spielt, vor Kritik zu schützen. Natürlich ist es leicht, über „globalen totalitären Faschismus“ die Nase zu rümpfen. Da weist der Verfasser „unspezifische Begriffe“, wie „transnational“ oder „Elite“ zurück, so als würde die wissenschaftliche Kritik eines Werner Rügemer oder eines Paul Schreyer und auch vieler Anderer (die keineswegs behaupten, letzte Wahrheiten zu verkünden) sich auf wenige begriffliche Versatzstücke beschränken. Gates, Schwab oder Ischinger könnten keinen besseren Fürredner finden.

Den Feind NICHT zu analysieren, sondern zu verschwurbeln ist nur die eine Leistung unseres rrrevolutionären Denkers. Wohl noch wichtiger ist es ihm, die „bürgerliche Rebellion“ zu schmähen. Was doch bürgerliche Demokraten alles NICHT können! Meisterrevolutionäre sind da der Verachtung voll. Lenin nannte das „kommunistische Arroganz“.

Bekanntlich liegen diese Bürger, die sich auch noch „Querdenker“ nennen, vor der DDR nicht auf den Knieen. Manche meinen sogar, dass der bürgerlich-demokratische Aufschwung etwa des Runden Tisches der DDR aufzugreifen sei.

Ja, da scheint es „uverhandelbar“ zu werden, und unser Revolutionär zieht sich ins Home-Office zurück. Die Tastatur wartet auf neue Weisheiten, und vielleicht ist sogar eine Home-Demo zu wagen.

Die regelmäßig erscheinenden Linder-Pamphlete würde ich gern ignorieren, doch dabei stört, dass er ein Multifunktionär der Deutschen Freidenker ist.

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