Fang Fang, aus dem Wuhan-Tagbuch, 25.1.2020

„Ich habe keine Ahnung, ob diesere Eintrag die Leser erreichen wird. Vor kurzem führte meine Kritik am ungehobelten Auftreten einiger junger Leute auf der Straße dazu, dass mein Blog gesperrt wurde. (Ich halte an meiner Meinung fest, dass auch die Berufung auf den Patriotismus kollektive beleidigende Beschimpfungen in der Öffentlichkeit nicht rechtfertigt, das ist eine Frage zivilisierten Benehmens!) Es gibt keine Möglichkeit, sich gegen eine solche Sperrung zu wehren oder gar Anzeige zu erstatten… 

Es gibt viele Nachfragen…., mit denen die Menschen ihrer Anteilnahme und Sorge um uns, die wir nun in unseren Wohnungen eingesperrt sind, Ausdruck geben und ihre Sympathie bekunden…. Das gibt mir den Anstoß, aufzuschreiben, was ich hier erlebe. Vorausgesetzt, mein Bog kann gelesen werden. Alle sollen erfahren, was sich in Wuhan gerade tatsächlich abspielt.

Ich bin allerdings nicht sicher, ob dieser Eintrag durchgeht… Blogs wie dieser auf Weibo verfügen über ein technisches Verfahren, das dich glauben macht, dein Text sei rausgegangen, aber tatsächlich bekommt ihn niemand zu Gesicht. Seitdem ich von dieser Technik weiß, habe ich begriffen, dass Hightech ebenso bösartig sein kann wie eine Epidemie.“

Fang Fang, „Wuhan Diary. Tagebuch aus einer gesperrten Stadt“, Hoffmann und Campe, Hamburg 2020, S. 5f.

 

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