Jetztzeit (10) – Beobachtungen/Fragen/Thesen (5) – Kapitalinteressen im Corona-Klassenkampf

(Letzte Editierungen: 13.6.2020)

Jetztzeit (10) – Beobachtungen/Fragen/Thesen

  1. Beitrag: „Ignoranz von Zusammenhängen“
  2. Beitrag: „Gemeinsamkeiten der drei Krisen“
  3. Beitrag: „Erbitterte Auseinandersetzungen auf der Straße“
  4. Beitrag: „Irrationales und Interessen im Corona-Klassenkampf“

Über Kapitalinteressen im gegenwärtigen Corona-Ausnahmezustand wird wenig geschrieben. Den Verweis auf die „Pharmalobby“ gibt es zwar häufig, und auch Bill und Melinda Gates werden erwähnt. Das war es aber auch schon. Solche Benennungen bleiben eigentümlich schematisch und rhetorisch.

Ich versuche fundamentale Kapitalinteressen in der gegenwärtigen Krise zu betrachten.

Selbstverständlich gehe ich dabei von Marxens historisch-materialistischer Position aus, wie ich sie am Ende des 4. Beitrags dieser Reihe in aller Kürze zitiert habe. Es verbietet sich von selbst, die „wissenschaftliche Weltanschauung“ anzurufen und selbige 100%ig zu ignorieren, wie es Schauzu/Wehr getan haben. Interessant wird sein, ob auf Rainer Rupps Frage: „Kann sich jemand eine Konstellation vorstellen….? eine Antwort oder wenigstens Antwortrichtung zu finden ist.

  1. Die kapitalistische Produktionsweise steckt in einer Sackgasse und bewegt sich immer tiefer hinein. Das ist seit den Krisen von 2000 und 2008 sichtbar. Zwar generieren die kapitalistischen Staaten unbegrenzt Finanzmittel, mit deren Hilfe sie die akuten Krisenerscheinungen  verschieben und dämpfen. Reales Wirtschaftswachstum (gar noch „nachhaltiges“) wird damit aber kaum erzielt. In Folge dessen sinkt nicht nur die Profitrate. Es liegt sogar ein erheblicher Teil des Kapitals brach. Dieses generiert keinen Profit. Es ist also in gewissem Sinne seiner Wesensbestimmung „beraubt“, „enteignet“ – die absolute Horrorvorstellung für’s Kapital!
  2. Ich bin der Meinung, dass es sich hier um den Basisprozess der sich entwickelnden Menschheitskrise handelt. Darauf habe ich im September 19 aufmerksam gemacht („Bemerkungen zu aktuellen Problemen der Reproduktion der kapitalistischen Produktionsweise“) und auch hier, Oktober 19 („Systematische Eskalation“). Das war noch vor der „Coronakrise“, die die damaligen Einschätzungen bestätigt aber auch erweitert und konkretisiert hat. Linke heute, auch solche, die sich „Marxisten“ nennen, scheuen oft die „trockenen“ oder „abstrakten“ Fakten der Politischen Ökonomie. (Eine glänzende Ausnahme ist Rügemer.) Leider trifft das auch auf „Z“ zu, die „Zeitschrift für marxistische Erneuerung“, die sich in ihrem jüngsten Heft mit der Coronakrise beschäftigt.
  3. Die Stagnations -und Entwertungsgfahr bedroht das Kapital weltweit. Die staatlichen und sonstigen Instrumente, die dagegen eingesetzt werden und auch die regionalen Bedingungen sind zwar von Land zu Land verschieden, aber die Grunddimension der Kapitalkrise ist allgemein. Sie ist dieselbe in den USA, in Europa, in Japan, China, Indien, Iran oder Russland.
  4. Das Kapital taumelt nicht bewusstlos in die Krise (die ich als Menschheitskrise verstehe). Zwar halte ich die alte marxistische Erkenntnis von der „Spontaneität des antagonistischen Gesellschaftsprozesses“ für gültig. (Vorsicht, hier geht es nicht um den alltäglichen Sprachgebrauch, sondern um einen Fachbegriff der marxistischen Philosophie. Ich verweise in diesem Zusammenhang auf die Arbeiten von Hermann Scheler und drücke zugleich meine Hochachtung vor diesem Menschen und Wissenschaftler aus.) Zugleich haben aber die Konzentration und Zentralisation des Kapitals im Weltmaßstab und die Modernisierung von Herrschaft dazu geführt, dass „das Kapital“ bzw. wenige supermächtige Kapitalgruppen, gesamtgesellschaftlich koordinierte und geostrategisch/“menschheitlich“ ausgreifende Anstrengungen unternehmen. Das geht so weit, dass manche Kapitalisten die heftigsten Verfechter „der Revolution“ (einer „Revolution von oben“, versteht sich) sind.
  5. Die Anstrengungen traditioneller, westlich-imperialistischer Kapitalkräfte zur „Großen Transformation“, siehe auch „Davos Reset 2021“ (zu Letzterem siehe auch hier), berühren sich vielfältig und zunehmend mit dem Konzeptfeld einer multipolaren Welt, wie sie von anderen (staatskapitalistischen) Mächten, BRICS-Staaten, vertreten wird.
  6. Ein zweiseitiges („zweieiniges“) Problem müssen die „Kapitalien aller Länder“ lösen: Erstens: Das Problem des Wachstums muss strategisch-konzeptionell bewältigt werden. Zweitens: Alle Menschen müssen zu einer entsprechenden Praxis veranlasst werden. Es geht also nicht nur um Profithöhe, es geht auch darum: Wie „veranlasst“ man Milliarden von Menschen?

Meine Ausführungen bisher sind noch recht allgemein. Ich weiß nicht, ob sie schon ausreichen, um sich „eine Konstellation vorzustellen“ (siehe oben). Im nächsten Beitrag soll es um einige konkretere Aspekte des skizzierten Problemrahmens gehen.

Dieser Beitrag wurde unter ökologisch, Bewußtheit, bloggen, Demokratie, Faschismus alt neu, Gesundheit Alter Tod, Krieg, Krise, Machtmedien, Materialismus, Mensch, Realkapitalismus, Revolution, Widerstand abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Jetztzeit (10) – Beobachtungen/Fragen/Thesen (5) – Kapitalinteressen im Corona-Klassenkampf

  1. Freitagsgast schreibt:

    Ich möchte gerne wissen, welche Betriebssysteme die Regierungen der Länder haben, die ohne Lockdown durch die Infektionswelle von Covid19 gegangen sind. In Schweden ist Linux angeblich sehr weit verbreitet, hat jemand gesagt. Ich habe welche aus der IT-Branche gefragt und die haben gemeint, es sei gefährlich diese Frage zu stellen, wenn ich noch länger frei herumlaufen wollen würde. Das macht mich noch mehr neugierig auf eine Antwort. Wer weiss es? Wie könnte das in Erfahrung gebracht werden? Könnte es aus dem Internetauftritt der Regierungen ersichtlich sein?

    Liken

    • kranich05 schreibt:

      Deine Frage macht mich neugierig. Zur Antwort kann ich leider nicht beitragen. Die Reaktion der von dir befragten IT-Leute kann ich, „naiver Endnutzer“, nicht nachvollziehen.

      Liken

  2. Pingback: Jetztzeit (10) – Beobachtungen/Fragen/Thesen (6) – China ist der maßgebliche staatliche Akteur bei der Inszenierung der Corona-Pandemie | opablog

  3. Pingback: Jetztzeit/Coronazeit 10-7 – Das „Transformationskapital“ als maßgeblicher Akteur der Inszenierung der Corona-Pandemie | opablog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s