Demokraten sollen Demokratie täglich leben.

Diesen Beitrag widme ich Elke, A., „Pater“ Theo und den anderen

Eigentlich eine Binsenweisheit, eine Tautologie sogar. Aber manche stürzen sich in den ideologischen Streit, und gleich ist die Demokratie vergessen. Es ist der Augenblick, wo sie auszuhalten wäre, aber – pft! – ist sie weg. Schneller als der Wind.

Immer wieder und immer noch passiert das auch Linken, vielleicht sogar besonders oft den Linken. Linke haben den Anderen nämlich die Einsicht voraus, was zu tun ist, damit das Leben besser wird. Zumindest glauben sie das. Sie kennen den Weg durchs Gebirge, die Mühen der Ebene, sie wissen, auf wen als Gefährte Verlass ist.

Leider ist die Zahl der Genossen klein und kleiner. Deshalb gehen Linke in die Versammlungen der Demokratie, um weitere Menschen überzuzeugen für den ordentlichen Kampf.

Demokratie aber – man muss es zugeben – ist ein wirres Geschäft. Das hängt wohl mit dem „Demos“ zusammen. „Volk – gibt es das überhaupt?“, fragen manche Linke.

Erträglich ist es noch, wenn der Linke redet und die Menschen zuhören und regelmäßig klatschen („langanhaltender stürmischer Beifall, die Delegierten erheben sich von ihren Plätzen“). Doch diese Gelegenheiten sind seltener geworden. Jetzt wollen alle reden. „Offenes Mikrofon“ – die reden wollen, melden sich, kommen auf die Liste und kommen dran in der Reihenfolge des Meldens; gleiche Redezeit.

Da reden die mit viel Ahnung und die mit wenig Ahnung. Es reden die Bescheidenen und die Eitlen, Homos und Heteros, und wenn jemand das 55. Geschlecht vertritt, dann redet auch das 55. Geschlecht.

So weit, so ausufernd. Wer es eilig hat mit den politischen Siegen, der stöhnt über die Redundanz. Doch unerträglich wird es, wenn die Gegner zu Wort kommen, die „Wölfe im Schafspelz“,  die der „konsequente Linke“ längst ausgemacht hat, die aber partout niemand zum Schweigen bringt.

„Meinungsfreiheit! Redefreiheit!“ skandiert der demokratische Haufen, und plötzlich – Oh Schreck! Oh Graus! – steht die Front quer. „Kein Beinbruch“, denkt der naive Demokrat, „drei vernünftige Leute werden folgen, und die Front steht wieder richtig, und das haben dann auch (fast) alle begriffen“.

Doch weit gefehlt! Manch Linker, der für klare Fronten hätte sorgen können, hat sich mit Grausen abgewandt oder war erst gar nicht gekommen. Zu Hause schimpft er seinen Ärger in die Tastatur: „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“. Oder er gibt eine Erklärung ab gegen „Coronaleugner“, also gegen alle, die demokratischen Widerstand auf der Straße leisten.

Diese Linken – nun zu „Home-Politik-Linken“ geworden, wie sie selbst mit Bedauern aber zustimmend feststellen – wissen wieder einmal den einzig richtigen Weg. Den Meinungsstreit mit denjenigen, die mit guten Gründen am demokratischen Widerstand aktiv teilnehmen, lehnen sie ab. Als einer der schlimmsten Vorwürfe gilt, dass diese Demonstrationen „rechts offen“ seien und die Teilnehmer sich nicht deutlich gegen Faschisten oder Antisemiten oder Esoteriker abgrenzen würden.

Das sind Scheinargumente, die elementare Wahrheiten leugnen, die eine Wahrheit, dass jede Demokratie, innerhalb definierter Grenzen, „rechts offen“ ist. Die bürgerliche Demokratie (und eine andere Demokratie haben wir nicht) ohne den sog. „rechten Rand“ ist ein Hirngespinst aus der linken Studierstube. Und die andere bedeutende Wahrheit ist, dass der „Kampf gegen rechts“ innerhalb der demokratischen Auseinandersetzung am Wirksamsten geführt wird. Die Losung: „Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft!“ gehörte, abgesehen davon, dass sie die Niederlage nicht aufhalten konnte, zur Agonie der Demokratie von Weimar.

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2 Antworten zu Demokraten sollen Demokratie täglich leben.

  1. Dian schreibt:

    „Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft!“, erscheint mir – zumindest heute – zu verkürzend, insbesondere wenn man es wörtlich nimmt. Gewaltfreiheit sollte immer den Vorrang haben, solange „es geht“. Sollte das Bonmot gar negiert werden, was ist dessen Negation?
    „Bekämpft die Faschisten immer und überall, notfalls mit Gewalt!“, scheint mir eine bessere Alternative, weil notfalls muss man ihnen auch die Waffe aus der Hand schlagen – können – , sofern sie sie erheben.
    Nochmals, ich will mich mit meiner „Alternative“ nicht über diejenigen erheben, die diese Worte – seinerzeit – im Munde führten.

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  2. Bernhard Meyer schreibt:

    „Schlagt die Faschisten…“
    Aber macht die Augen auf und schaut, wo wirklich welche sind! Wer fängt Kriege an, hetzt gegen Nachbarn? Wer fördert die Kriegsindustrie? Wer drückt den kleinen Mann noch tiefer in den Dreck? Wer schanzt den Reichen noch mehr Reichtum zu? Wer unterdrückt schleichend, aber immer dreister die Meinungsfreiheit? Wer untergräbt die Freiheitsrechte des Grundgesetzes? Wer entzieht der Bevölkerung immer mehr vom Gemeingut und schanzt es Profitmachern zu? Usw. Nochmal: Macht die Augen auf beim „Kampf gegen Rechts“!

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