Meine Eindrücke von der Berliner Demo am 18.4.2020 für Grundrechte gegen den Corona-Ausnahmezustand

Ich nehme zum ersten Mal teil.

Samstag Nachmittag am Alex, ein gespenstisches Bild:

Gähnende, polizeiüberwachte Leere. Die ganze Stadt scheint sich brav an die diversen Strangulierungsverordnungen zu halten. (In der U-Bahn tragen etwa 15% der Leute eine Maske, sonst in der Öffentlichkeit kaum 5%.) Sämtliche Hauptstraßen rund um den Alex kann ich gemächlich bei „Rot“ überqueren, weil die ersten Autos quasi erst am Horizont auftauchen.

Auf dem Weg zum Rosa Luxemburg Platz treffe ich Elke, deren Puli ein schönes Rot zeigt (aber nicht nur das):

Zum Platz selbst komme ich nicht, weil überall überreichlich Polizei:

Wirklich schlimm finde ich das nicht. Denn die Polizei, an allen Zugangsstraßen postiert,  hält so eine relativ kleinen Platz frei, während sich die Demonstranten vor den Polizeisperren sammeln und sich so an mehreren Zugängen mehrere, nicht kleine demonstrative Versammlungen ergeben. Ich bin an der Nordseite (Richtung Torstraße), wo sich nach meiner halb Zählung, halb Schätzung mindestens 400 Demonstranten gesammelt haben. Jean-Theo und Elke sind auf der Südseite und meinen, dass dort mindestens 800 Teilnehmer waren. (Am Rande: Der „digitale Chronist“ spricht von über 3000 Teilnehmern.)

Auf jeden Fall sind es mehr Teilnehmer als in den Vorwochen, und das ist ermutigend.

Die Demokraten müssen sich die Straße zurückholen, und sie können es, wenn sie genügend viele sind.

Es gab relativ wenig Schilder und gemalte Sprüche. Wohl deshalb, weil in der Vorwoche, besonders solche Demonstranten von der Polizei festgestellt/verwarnt worden waren. Ich fände es bedauerlich, wenn die Einschüchterung in dieser Weise funktionierten würde. Auch sagte mir ein Demonstrant, der sich sehr zurückhaltend verhielt, dass er schon zweimal notiert worden sei und nicht ein drittes Mal riskieren wolle.

Mir scheint, dass ein Meinungsaustausch der Demokratieverteidiger über die zweckmäßigsten Formen des zivilen gewaltfreien Widerstands breit geführt werden sollte und dass auch die Solidarität organisiert werden muss mit allen, die polizeilich erfasst wurden und vom Staat bedroht werden in welcher Form auch immer.

Es war keine aggressive Stimmung, auch nicht von Seiten der Polizei. Man hatte das Gefühl, dass die Staatsmacht in einer Zeit der labilen Stimmung (ich behaupte mal: der bröckelnden Zustimmung) nicht unbedingt Bilder und Videos von wachsendem Trabbel wünscht.

Hier hab ich mal kurz meinen Blick schweifen lassen:

Die sich ruhig verhaltenden Demonstranten waren jederzeit bereit sich lautstark aufzuregen, wenn sie Übergriffe der Polizei erlebten. Solche Bilder etwa:

Die Temperamente sind verschieden. Immer wieder mal machen sich auch Krawallos bemerkbar. Ich finde es gut, wenn die Leute ruhig deutlich machen, wofür und wogegen sie einstehen:

Auch icke war mal sichtbar, nämlich hier. Ab Minute 6:06 komme ich ins Bild:

Hervorheben möchte ich diesen Herrn:

Der hat wirklich ’ne gute Figur gemacht, wie ich beobachten konnte. Auf verschiedenen Videos, die inzwischen im Netz sind, kommt er ausführlich zu Wort. Für einen der besten zusammenfassenden Berichte über das Ereignis halte ich den von KenFm. Zur Komplettansicht empfohlen:

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2 Antworten zu Meine Eindrücke von der Berliner Demo am 18.4.2020 für Grundrechte gegen den Corona-Ausnahmezustand

  1. Jo Bode schreibt:

    1. Wie verhält sich eigentlich das Vermumungsverbot zum eventuellen Mundschutzgebot?
    2. Gilt die Abstandsregel nicht für Polizeibeamte?

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  2. Jo Bode schreibt:

    Der ab Min. 6.06 sieht aus wie ein Opa. Aber was von rüstig! Und an der richtigen Stelle unterwegs….

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