Dumm denken

Eigentlich ist linkes Denken anspruchsvoll. Ihm geht es ja darum, eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung zu schaffen. Oder, mit den Worten des Kommunistischen Manifests: „An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.“

Das ist alles andere als trivial. Grundsätzlich ist wissenschaftliches Denken von den Problemen der Alltagsgestaltung bis hin zu abstrakten Fragen der Philosophie gefordert. Folglich hat linkes Emanzipationsstreben seit jeher auf Bildung orientiert.

Und spätestens seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts (Gründung der 1. Internationale 1864) hatte linkes Emanzipationsdenken einen Trumpf: In den Werken von Marx und Engels lagen zumindest die Grundlagen einer wissenschaftlichen Weltanschauung vor. Die brauchte man sich „nur“ anzueignen. Und Viele taten es mit Eifer und voller Siegesgewissheit. „Wissen ist Macht!“

Ich habe mich zeitlebens mit der marxistisch-leninistischen Weltanschauung und -Praxis auseinandergesetzt, bin nach wie vor von Vielem fasziniert. Aber fast noch mehr faszinieren mich, auf die Jahrzehnte zurückschauend, die unsäglichen Dummheiten, die von „Inhabern“ der „Wissenschaftlichen Weltanschauung“ in Masse veranstaltet wurden und werden.

Ein herausgehobenes Feld solcher Dummheiten ist die sog. „Bündnispolitik“. Immer und immer wieder haben wir, die wir es eigentlich richtig hätten wissen müssen, genau die falsche Bündnispolitik betrieben. Dann – drei, vier Jahre nach der großen Niederlage – hat man dann – welch enorme Leistung! – die Fehler „eingesehen“ und „korrigiert“. Und alles auf Anfang. Das ist nicht nur einmal geschehen, nicht nur 1936 zum Faschismus. Nein. Fast ist es – das ist nur wenig übertrieben – zum linken Denkstil geworden, hinterher schlauer zu sein. Heute ist das oft festzustellen, sobald es um das „Phänomen AfD“ geht. Akzeptanz von Denkverboten im Interesse der „einheitlichen Kampfposition“. Aber auch einfach Denkträgheit und Genuss der „Stallwärme“. Und noch profaner: Denklosigkeit.

Mangelte und mangelt es uns endlich am „Wirkllichgewollten“, das unser Denken und dann auch unser Sein tatsächlich über das Kapitel I der Weltgeschichte hätte hinausführen können?

Lenin wird auch deshalb von vielen, die sich heute als Linke verstehen, missachtet – ignoriert oder bekämpft – weil er ein unerbittlicher Feind der politischen Dummheit war. Er war leidenschaftlich (und offen!) bemüht, jede Dummheit auszumerzen. Besonders, wenn sie ihm bei seinen Freunden begegnete oder ihm selbst unterlaufen war.

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Eine Antwort zu Dumm denken

  1. ossi123 schreibt:

    „Eigentlich ist linkes Denken anspruchsvoll …“ … das war vielleicht früher mal so, die modernen Leftisten sind doch nur noch hysterisch von Emotionen gesteuert.

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