Jetztzeit (stürmisch)

Die Formulierung, dass wir „in stürmischen Zeiten“ leben, hat der Sprecher der Werteunion (ein mir bisher unbekannter Rechtsanwalt Ralf Höcker) in dem Schreiben verwendet, in dem er heute seinen Rücktritt erklärt. Seine Erklärung im Wortlaut:

„RÜCKTRITT

Wir alle haben hautnah mitbekommen, was in den letzten Tagen passiert ist: Über uns werden übelste Falschbehauptungen und heute sogar gefälschte WU-Memes verbreitet, man schnüffelt unser Privatleben aus und man verfügt erstaunlicherweise über die notwendigen Mittel und Möglichkeiten dies zu tun. Wir sind das Ziel einer konzertierten Verleumdungs- und Beleidigungsaktion. Mir persönlich wurde mittels einer gefälschten Bestellung unterstellt, ich hätte bei einem rechtsradikalen Onlineshop Waffen gekauft. In meiner Kanzlei haben mich anonyme Morddrohungen erreicht. Schon vor längerer Zeit haben Unbekannte mich unter meiner Wohnanschrift „besucht“ und die Kölner Antifa hat gegen mich persönlich demonstriert.

All das ist halb so schlimm.

Als Anwalt, der auf Krisensituationen spezialisiert ist, bin ich es gewohnt, im Feuer zu stehen und habe ein dickes Fell. Schon vor längerer Zeit habe ich eine ganze Reihe von Maßnahmen zum Schutz meiner Familie getroffen, denn in wenigen Wochen werde ich zum ersten Mal Vater. Was ich allerdings heute erlebt habe, toppt alles. Mir wurde vor zwei Stunden auf denkbar krasse Weise klar gemacht, dass ich mein politisches Engagement sofort beenden muss, wenn ich keine „Konsequenzen“ befürchten will. Die Ansage war glaubhaft und unmissverständlich. Ich beuge mich dem Druck und lege mit sofortiger Wirkung alle meine politischen Ämter nieder und erkläre den Austritt aus sämtlichen politischen Organisationen. Ich habe die LSU und die WerteUnion mit aufgebaut. Auf beides bin ich stolz. Jetzt geht es für mich nicht weiter. Das schmerzt mich sehr. Mein Entschluss steht dennoch fest. Ich brauche jetzt ein paar Tage Ruhe, stehe aber in den laufenden Presseangelegenheiten weiter mit meinem Rat zur Verfügung. Bitte versucht nicht, mich umzustimmen oder Näheres in Erfahrung zu bringen. Beides bringt nichts. Ich wünsche Euch von Herzen alles Gute! Passt gut auf Euch auf, wir leben in stürmischen Zeiten!“

(Quelle) Höcker bei Wikipedia

Denkfutter, wie ich hoffe, für meine geneigten Blogleser und -leserinnen

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9 Antworten zu Jetztzeit (stürmisch)

  1. Jo Bode schreibt:

    Nach kurzer Suche im Netz eröffnet sich der Durchblick auf den ziemlich jugendlich wirkenden Professor Dr. Ralf Höcker.
    Ich empfehle hier ausnahmsweise den ausführlichen und (mich) ziemlich beeindruckenden Eintrag in Wikipedia (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Ralf_H%C3%B6cker).
    Herr Höcker ist uns mehr oder weniger bekannt geworden (oder zu Unrecht unbekannt geblieben?) im Strafverfahren gegen Kachelmann sowie beim Erstreiten einer akzeptableren Zuschauerordnung beim berüchtigten NSU-Prozeß in München.

    Er und seine Familie sind derzeit das Ziel von Bedrohungen und Einschüchterungen, wie sie in der Zeit um und nach 1933 kennzeichnend waren.

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    • Dian schreibt:

      Danke Ri Bode,
      ich bin Ihrem ausgebrachten Link gefolgt und empfehle deshalb – auch Ihnen – die weitere Lektüre, so z. B. hier:
      https://www.nzz.ch/feuilleton/medienanwalt-ralf-hoecker-ich-schicke-keine-killerkommandos-ld.1512891

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      • Jo Bode schreibt:

        Dank zurück, Dian!
        Herr Höcker vertritt beruflich das, was man Rechtsstaat nennt. Leider steht er damit ziemlich verloren auf weiter Flur, weil das Recht zu oft für durchsichtige und undurchsichtige Zwecke verbogen und auch gebeugt wird. Die Androhung (Ankündigung) von Nachteilen für den Fall rechtswidrigen Verhaltens hat doch was, oder? Man könnte das auch Rechtspflege nennen.
        Für Herrn Höcker wird es sicher auch selbstverständlich sein, einem des Mordes Verdächtigten zu seinem Recht zu verhelfen. Natürlich kommt das bei Otto Normalverbraucher schlecht an. Was soll´s!
        Grüße!

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    • kranich05 schreibt:

      Das Diktum der „mächtigsten Frau“, dass der „Vorgang“ unverzeihlich und rückgängig zu machen sei, ist ein indirekter Aufruf zur Gewalt.
      Indirekt, weil die „Rückgängigkeit“ ja durch Einsicht (Umerziehung, Selbstkritik) zustande kommen könnte.
      Was aber, wenn solche „Einsicht“ ausbleibt? Wie sehen dann die demokratischen Instrumente aus?
      451° hat gerade aufgelistet, dass „echte Demokraten“ um Vorschläge nicht verlegen sind.

      Gruselig.

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  2. Dian schreibt:

    Danke, Opa, für’s Denkfutter.
    Mir gab heute noch mehr zu denken, dass – rechte – Lehrer in Deutschland ungestraft Ihre Schüler züchtigen können:
    HU-Präsidentin Sabine Kunst verteidigt tätlichen Angriff des rechtsradikalen Professors Baberowski auf linken Studenten
    https://www.wsws.org/de/articles/2020/02/13/iyse-f13.html

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