Meine neue tägliche Gewohnheit: Die deutsche Stromproduktion beobachten

Sage keiner, dass man im Alter kaum noch Neues lernt und nur in liebgewordenen Gewohnheiten verharrt.

Vor drei, vier Monaten hatte ich noch keine Ahnung von der deutschen Stromproduktion. Ich wusste nicht einmal, wo man entsprechende Informationen findet. Nun hat es die Klimadiskussionen mit sich gebracht, dass mich (neben anderen großen Themen) die Fragen der Energiewende in Deutschland erheblich interessieren. Seitdem verfolge ich die Daten zur Stromproduktion fast täglich, die auf den Webseiten „Agora Energiewende“ und  „Fraunhofer ISE“ zu finden sind (übrigens beide pro-Energiewende).

Damit werde ich noch lange nicht zum Fachmann. Aber ich erhalte doch eine Orientierung, bekomme ein Gespür für Größenordnungen und Zusammenhänge und falle auf manche Schlagzeile der Mainstreammedien nicht mehr herein.

Die deutsche Stromerzeugung und der Verbrauch liegt an Wochentagen (wie man hier sehen kann) mit den üblichen Tag- und Nachtschwankungen oberhalb 75 GW, an Wochenenden darunter. In der verlinkten Grafik ist schön die Volatilität der Produktion aus Wind und Sonne zu erkennen – am 7. Februar ein absolutes Minimum (Wind 3,5 GW), am 11.2. ein enormes Hoch (Wind zwischen 35 und 40 GW). Der Verbrauch aber zeigt an beiden Tagen keinerlei Volatilität.

Ich meine, dass jeder Laie verstehen kann (auch 12-jährigen Kindern traue ich das zu), dass hier enorme Ausgleichsleistungen erbracht werden müssen. Und zwar zu jeder Stunde! Auf die Frage: Wer erbringt die? muss es absolut überzeugende Antworten geben. Es steht einfach zu viel auf dem Spiel.

Die Daten des betrachteten Zeitraums sind noch aus einem anderen Grund denkwürdig. Dazu diese Grafik der Importe und Exporte.

Am 7.2., beim Minimum der „Erneuerbaren“ war Deutschlands Stromimport höher als der Export, bei gleichzeitig hohem Strompreis von bis zu 59 €/MWh, also Verlust. Am 10. und 11. aber, als wir „im Windstrom schwammen“, da exportierten wir auf Teufel komm raus bei Strompreisen um 0 oder sogar -15€/MWh, also wieder ein Verlustgeschäft. Wir verschenkten Strom und zahlten sogar noch drauf (vermutlich um die Netzstabilität zu gewährleisten), damit Andere den Strom verklappten. Es heißt das der kostendeckende Strompreis bei 40 €/MWh liegt.

Die Fairness gebietet es, mitzuteilen, dass ich solche analytischen Betrachtungen der Fakten zuerst via EIKE gefunden habe, z. B. hier. Wissenschaftliche Daten zu ignorieren, weil sie auf einer Plattform erscheinen, die eigene Interessen verfolgt, ist unakzeptabel. Kritische Auseinandersetzung ist notwendig. Ächtung ist das Gegenteil davon.

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5 Antworten zu Meine neue tägliche Gewohnheit: Die deutsche Stromproduktion beobachten

  1. Gast5718 schreibt:

    In der Schweiz gibt es ein Verbot, die Waschmaschine zur Mittagessenszeit zu benutzen. In Südtirol habe ich von günstigen Stromatarifen gehört, wenn nur gleichzeitig wenig Energie benutzt wird, also die Wasch- und Spülmaschine nie gleichzeitig laufen oder auch die Kochzeiten beachtet werden.
    Immer wieder wird das Thema aufgegriffen, wieviel Strom welche Programme im Computer verbrauchen.
    Aber wer ist wirklich bereit, sich so einzuschränken, dass jeweils nur ein stromfressendes Gerät im Haushalt gleichzeitig benutzt wird? Wer will bei der Nutzung des PCs prüfen, wieviel Energie verbraucht wird? Wann gibt es beim PC analog beim Auto die Anzeige für Benzinverbrauch eine Anzeige für Energieverbrauch?

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    • kranich05 schreibt:

      Liebe Erika,
      durch „smarten Stromverbrauch“ kann zweifellos gespart werden. Die Leute sind findig. Wenn sie durch kluge Organisation im Haushalt mit dem Strom auch Geld sparen könnten, würde mancher sich ‚was einfallen lassen.
      Zu glauben, dass damit der absolute Stromverbrauch gesenkt werden könnte, halte ich für eine Illusion.
      Zivilisationsfortschritt geht mit Energieverfügbarkeit einher.
      Gruß!

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  2. Jo Bode schreibt:

    Wissen ist Macht, also ist Unwissen Ohnmacht.
    Die aus durchsichtigen Gründen weitgehend unbekannt gehaltenen Zusammenhänge zwischen Stromproduktion und Stromverbrauch, vor allem bei grenzüberschreitendem Zusammenspiel, verdeutlichen das sehr anschaulich, wobei die maßgeblichen Hintergründe mit den entsprechenden Profiteuren noch genauer auszumachen sind.
    Also: Ärmel hochkrempeln!

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  3. Dian schreibt:

    Danke, Opa, für die Information.
    Global Player wie etwa Amazon, Google (bzw. Alpha-Ind.), Daimler, E.ON und wie zuletzt weitere Stromkonzerne, so auch „deutsche“ sind so „Markt“ und also Politik bestimmend, dass sie uns nicht nur bei Steuern betrügen, sondern auch Preisabsprachen zur Gewinnmaximierung treffen. Ich halte es für möglich, dass „0 oder sogar -15€/MWh“ Stromexport-„Erlöse“ beides kombinieren. Oder anders, die „Preisabsprache“ Stromexportverlust könnte der Steuersenkung dienen, eigentlich dem Betrug am – zugegeben – rudimentären Sozialstaat.
    Die Hoffnung, dass Vertreter des „Recht“-Staats, etwa findige Steuerfahnder, solcher Art von mir vermutetem Steuerbetrug Einhalt gebieten, scheint mir vergebens. Außerhalb dieser steuerfachlichen Kreise hält sich doch auch in Politikerkreisen die Mär, der Fiskus würde auch an einem hohen Endverbraucherstrompreis wenigstens durch die darauf fällige Mehrwertsteuer „verdienen“. (Jene wird n. m. M. lediglich „verrechnet“, die Händler zahlen Gewerbe- und andere Steuern.)
    Wenn es so wäre, wie ich vermute, brauchte es wahrscheinlich weniger eines Investigativen als eines Mutigen, der sich durch Veröffentlichung mit den „Großen“, den Oligopolen anlegt.
    Ich will hier vorangehen und all meinen Mut zusammennehmen: meine Vermutung ist ganz sicher falsch, meine Gedanken fehlgeleitet und mein Kopf soundso wirr.

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    • kranich05 schreibt:

      Zweifellos lassen sich an „die Energiewende“ diese und jene Spekulationen anschließen. Und ganz sicher werden die Produzenten von Kohlestrom bei aller Dekarbonisierung nicht enteignet.
      Außer allem Zweifel steht wohl, dass wir, die Konsumenten, die Rechnung bezahlen.
      Die sog. Mehrwertsteuer zahlt zunächst JEDER, der etwas kauft. Der selbst etwas verkauft, berechnet seinerseits dem Käufer die Mwst (Vorsteuer) und holt sie sich am Ende vom Finanzamt zurück. Der letzte Käufer behält den schwarzen Peter. Er zahlt und ja, an den Fiskus.

      Über das offenkundige Kostenproblem hinaus und mehr als das irritiert mich allerdings, dass mit Volldampf in volkswirtschaftlliche Disproportionen hineingesteuert wird. Die halte ich immer noch für nicht beherrschbar.

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