Klimarettung vor der Haustür. Teure Schildbürgerei?

Bürgerversammlung. Berliner Umland, Raum Oranienburg, landwirtschaftlich geprägt, waldreich, Erholungslandschaft. Ein Investor will eine Wasserstoffabrik bauen. Bei uns? Gerade erst wurde eine Massenhühnerhaltung – industrielle Eierproduktion abgeschmettert.

Ich denke: „Gehste mal hin, … Wasserstroffproduktion wird ja eher ’ne kleine Anlage sein. … Und Konkretes über technische Lösungen zu erfahren, die das Speicherproblem des unbeständigen Naturstroms lösen helfen, kann ja nicht schaden.“

Der Saal ist zu meiner Überraschung überfüllt, mehr als 300 Leute. Was wollen die alle? Wissen die mehr als ich ahne?

Der Kommunikationsmeister des Investors begrüßt uns alle und sagt, sie seien frühzeitig zu den Bürgern gekommen, um eine „eine jahrzehntelange Freundschaft“ zu beginnen. Auweia!

Im Verlauf seiner Ausführungen und des folgenden Frage-Antwort-Spiels merken wir, dass „frühzeitig“ vor allem bedeutet, dass auf konkrete Fragen kaum Jemand konkret antworten kann.

Gekommen ist

  • der Investor der Wasserstoffabrik, eine große Windkraftanlagen AG
  • ein Investor von drei Windkraftanlagen, dieselbe AG
  • ein Investor einer Photovoltaikanlage, dieselbe AG
  • ein regionales Bahnunternehmen („Heidekrautbahn“), das seine Triebwagen mit Wasserstoff antreiben will
  • das regionale Busunternehmen, das seine Busse mit Wasserstoff antreiben will.
  • auch die Müllabfuhr ist vertreten.

Das sieht ja plötzlich nach einer recht komplexen Unternehmung aus. Dazu kommt wahrscheinlich ein Tiefbrunnen, um in unserer wasserarmen Gegend die nötigen 10.000 Kubikmeter bereitzustellen, eine Wasserstofftankstelle für die Bahn und eine Wasserstoffpipeline zwischen Erzeuger und Tankstelle.

30 ha Fläche werden gebraucht. Aber keine Sorge. Unter den Solarzellen (klitzekleine 5 ha) werden die Schafe weiden und unter den Windrädern, 230 m hoch, („1000m Abstandsentfernung werden eingehalten“) sollen die Traktoren fahren.

„Wir wollen doch alle etwas für das Klima tun!“ Das nicht sehr große, zu schützende Landschaftsgebiet zwischen den Dörfern Schmachtenhagen, Wensickendorf und Zehlendorf (etwa hier, ich schätze ca. 12 Quadratkilometer), mit seinen Äckern, Wiesen, Weiden und Waldstreifen, mit seinem kargen Brandenburger Charme, wird es so nicht mehr geben.

Die täglichen Züge (während der Zugzeiten zweimal im Jahr) der Kraniche, Wildgänse und -enten müssen das Navigieren lernen; wie in anderen Gegenden auch. Oder sie haben Pech gehabt.

Klimarettung braucht neue Industrie, und Industrie frisst Landschaft.

Die Einwohner fragen: „Was haben wir davon? Fahren die neuen angepriesenen Züge dann wenigstens nach Zehlendorf, nach Schmachtenhagen? Eine Antwort kann niemand geben. „Sagen wir so: Sie sollten hoffen und dafür kämpfen…“

Zahlen über Aufwände und Ergebnisse, Kapazitäten oder gar Renditen gibt es in diesem frühen Stadium nicht. Auf die Webseite der AG wird verwiesen, auf der aber keine Informationen zu finden sind.

„Frühes Stadium?“ Irgendjemand wirft ein, dass über den Förderantrag Mitte 2020 entschieden wird. Und 2023 soll alles in Betrieb gehen. Holla, das sind plötzlich ganz andere Töne!

Ein anderer sagt, dass solch neuer Wasserstofftriebwagen 6 Mio kostet. Macht bei sechs Wagen 36 Mio allein für das rollende Material. Die Zahl elektrisiert. Plötzlich wird klar, dass es um mehr als 100 Millionen Investitionsvolumen geht, vielleicht auch viel mehr. Da entsteht Renditedruck. Was werden später die Zusicherungen von der begrenzten Flächenbeanspruchung Wert sein?

Techniker sinnieren: von Wind zu Strom, von Strom zu Wasserstoff, dann zu komprimiertem Wasserstoff, Wasserstoff zu (Akku)strom, Akkustrom zu Elektromotor, nun endlich wirkt die Energie auf der Schiene. Wie viel ist nach dieser ganzen Umwandlungs“odysee“ noch  nutzbar (Gesamtwirkungsgrad)? Wie viel CO2 ist bei alldem entstanden?

Viele der Bürger fühlen sich immer weniger wohl. Das anfangs nicht unfreundliche Informationsinteresse weicht allmählich einem Misstrauen. „Auf welche Nudel werden wir hier geschoben?“

Mein Gefühl am Ende: Der brave Kaufmann wird hier noch lange nichts Erfreuliches auszurechnen haben. Der große Investor macht Druck, die Anderen hängen sich dran. Dabeisein beim Anzapfen der prallen Fördertöpfe! Auch so kann man sich eine goldene Nase verdienen.

Und was kommt am Ende heraus für ein ominöses Klimaziel „CO2-Reduktion“, wenn auf 30, 40, 50 km Bahnstrecke (wie viel Kilometer es wann genau sein werden, weiß keiner) sechs Dieseltriebwagen, die im Ein- bis Zwei-Stundentakt fahren, durch Wasserstofffahrzeuge ersetzt werden?

Und was ist der Preis, den wir alle bezahlen werden?

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Um es noch einmal zuzuspitzen, ich gebe zu, übertrieben und spekulativ:

Wir investieren hunderte Millionen, zerstören das Land, um paar Dieseltriebwagen zu ersetzen – eine völlige Sackgasse.

Dieser Beitrag wurde unter ökologisch, Bewußtheit, Blödmaschine, Demokratie, Garten Haus Hund, Krise, Realkapitalismus, Widerstand abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Klimarettung vor der Haustür. Teure Schildbürgerei?

  1. fidelpoludo schreibt:

    „What is really happening in Sweden, Greta?“
    (1.284.641 Aufrufe • 16.10.2019 • 19.742 Kommentare)
    Masseneinwanderung & Klimahysterie – Ein Video über den Niedergang Schwedens:
    „We are sick and tired of it!
    … und zwar deswegen, weil die Folgen der Massenimmigration von der Regierung und den Medien entweder verharmlost oder verschwiegen und die angeblichen Folgen der Erderwärmung von Regierung wie Medien hochgepuscht werden.

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