Friday for Future am 9. August 2019 in Berlin – Eindrücke

Zehn Minuten vor Beginn der Veranstaltung am Invalidenpark herrscht noch Leere. Sind die Ersten mit dem E-Roller gekommen?

Drei Minuten vor Beginn strömen Teilnehmer herbei. Hier eine ganze Schulklasse.

Zunächst Aufstellung zum Klassenfoto.

Einige der jungen ModeratorInnen. Bevorzugt wird die Farbe schwarz.

Der erste Moderator  legt sich sofort ins Zeug, um Stimmung zu erzeugen:

Noch einmal Moderatoren.

Zur Moderatorengruppe gehören etwa 6 bis 8 Personen. Sie sind nicht mehr Kinder, einige vielleicht Studenten. Sie haben bereits Erfahrung an der Rampe, mit dem Mikrofon in der Hand, zeigen keinerlei Nervosität, sondern stellen im Gegenteil heraus, dass sie Spaß haben. Alle sollen Spaß haben. Wie routinierte Spielmeister im Fernsehen geben sie alles, um die Versammelten zu aktivieren. Das Mittel der Wahl sind Sprechchöre. Die Teilnehmer fallen gerne ein. (Die Zahl der Teilnehmer liegt bei etwa 500.)

 

Die Moderatoren erinnern mich an eine Gruppe von Unteroffizieren, die das Geschehen auf der „Mannschaftsebene“ voll im Griff haben.

Auf der Brunnenanlage im Hintergrund hat sich jemand mit guter Übersicht positioniert:

Seifenblasenmacherin und Seifenblasenmacher sorgen zusätzlich (und unermüdlich 1 1/2 Stunden lang) für Kinderfeststimmung:

Die Kleinsten gehören zu den am meisten Begeisterten und zu den entschlossensten Klimaschützern. Hier Kinder einer 5. Klasse aus Friedrichshain, die sich ausdrücklich bei ihrer Lehrerin bedanken, die sie hier her geführt habe. (Es sind 12 Kinder anwesend, also vermutlich nur ein Teil der Klasse.)

 

Jedoch sind keineswegs nur Kinder und Jugendliche dabei. Ich schätze, dass etwa ein Fünftel der Teilnehmer ältere Menschen sind.

Ausgelassene Stimmung von der Rampe herab aber, zumindest temporär, auch im Publikum:

Für mehr als Sprechchorstimmung sorgt ein Rapper (Politik-Student), dessen Text auch Problem-Passagen enthält, die über bloßen Klimaaktivismus hinausführen können.

Im Hintergrund der Veranstaltung prangt eine kapitalismuskritische Losung. Ein „Marker“ ist gesetzt.

Mein Fazit:

Eine Veranstaltung überschaubarer Größenordnung. Deutlicher als erwartet sehe ich, dass die Allgegenwart von FFF weniger der tatsächliche Massenerscheinung als vielmehr dem Medienhype geschuldet ist.

Teilnehmer/Fußvolk der Bewegung sind zu einem guten Teil Kinder und jüngste Jugendliche.

Es dürfte einen „Mittelbau“ geben von Jugendlichen im Abituralter und darüber. Sie sind zur organisatorischen Arbeit fähig und sie leisten diese. Sie haben schnell gelernt, sicherlich aus den Erfahrungen der letzten Monate, vielleicht aber auch Dank gezielter Schulungsmaßnahmen. Vermutlich rechnen sich manche dieser jungen Leute in der und durch die Bewegung Karrierechancen aus.

Die Organisation verfügt über das notwendige Geld (sichtbar an der Tontechnik), sicherlich auch über Fachkräfte, die aber im Hintergrund bleiben.

Politisch ist FFF völlig systemkonform. („Schluss mit Pille Palle!“ äffen sie die Kanzlerin nach.) Man setzt auf Empörungsmanagement und ist befriedigt, wenn Empörungssteigerung gelingt. (Die Stimmen überschlagen sich.) Ein Bewusstsein, dass Probleme des Gesellschaftssystems systematisch (und kenntnisreich) bearbeitet werden müssten (und sich Jeder/Jede dazu Grundlagen erarbeiten muss), besteht nicht. Es wird offenbar auch nicht angestrebt.

Kann FFF die Entstehung von Differenzierungen und dann das Aufbrechen politischer Orientierungs- und Richtungskämpfe vermeiden? Die intelligente Steuerung des Ganzen von Anfang an (die mit Gretas Segelcoup planmäßig fortgesetzt wird) und die Herkunft vieler Teilnehmer aus der systemkonformem Mittelschicht sprechen dafür. Jedoch: Das ehrliche Engagement vieler Bewegungsmitglieder, die politischen Erfahrungen, die sie machen werden, ihr jugendliches Alter, das auch mit Offenheit für das Wahrnehmen von Widersprüchen einhergehen kann –  all das könnte zumindest bei einem Teil der Bewegten Impulse auslösen für ein Weiterdenken und Weitergehen über die gesetzten Grenzen hinaus. Versteht sich, dass diese Konsequentesten Gesprächspartner brauchen. Eine ehemalige Linke, die, wie der Hanswurst Bartsch, einen Nobelpreis für Greta verlangen, wird das wohl kaum leisten.

Norbert Häring hätte schon eher dazu etwas zu sagen

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