Ein lichter Augenblick

Einige meiner Sangesbrüder sind aus dem Urlaub zurückgekommen. Als Einer erzählt, dass er in Bordeaux war, geht mir eine Gedichtzeile durch den Sinn: „wo meerbreit ausgehet der Strom“. Ich spreche sie laut und erinnere an den deutschen Dichter Friedrich Hölderlin. Keiner kennt das Gedicht „Andenken“. Und Hölderlin? Hölderlin war ab Anfang 1802 Hauslehrer in Bordeaux geworden. Vielleicht erreicht ihn hier die Nachricht von der schweren Erkrankung von Suzette Gontard, seiner großen Liebe. Abrupt verlässt er im Mai 1802 Bordeaux und erreicht nach endlosen Fußmärschen,  äußerlich verwahrlost, im Juni Stuttgart und Nürtingen. Suzette ist am 22. Juni 1802 gestorben.

Im „Andenken“, geschrieben 1803, heißt es:

„… Dort an der luftigen Spitz‘
An Traubenbergen, wo herab
Die Dordogne kommt,
Und zusammen mit der prächtigen
Garonne meerbreit
Ausgehet der Strom….“

Die Hymne „Andenken“ endet mit den Sätzen:

„… Es nehmet aber
Und gibt Gedächtnis die See,
Und die Lieb‘ auch heftet fleißig die Augen,
Was bleibet aber, stiften die Dichter.“

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