Mehr Humus! (4)

Es ist dringlich, sich mehr Gedanken zu machen über das Dickicht der aktuellen Migrationsdiskussionen. Diese Diskussionen sind Teil des fast unentwirrbaren Knäuels, zu dem sich die Probleme unserer Gesellschaft verdichtet haben. Die Menschheitskrise, denke ich, geht in ein akutes Stadium über.

Doch zugleich fasziniert mich das „Dickicht“ unter unseren Füßen. Ich richte ein weiteres Mal den Blick zum Boden, die „Humusrevolution“ im Sinn. Zuwendung zu einem unendlichen Lebensraum, zugleich Zuwendung zu meinem eigenen kleinen Humusschatz im Gärtchen, den es zu mehren gilt.

Die Kleinigkeiten, die ich nun darstelle, mögen banal erscheinen, Mini-Spielereien ohne gewichtige praktische Auswirkung. Das mag so sein.

Jedoch geht es um’s Prinzip: Ein anderes Verständnis von Gärtnern ermöglicht Maßnahmen, die in Richtung tatsächlich nachhaltiger Veränderungen weisen und durch Erfolge bestätigt werden.

Kern des neuen Verständnisses ist die Einsicht, dass nicht der einzelne Anbauerfolg – Früchte, Blumen usw. – das Hauptziel ist, sondern, dass es die Gesundheit, Harmonie, Kraft, Ausgeglichenheit des ganzen „Gartenuniversums“ sind, das dann und erst auf dieser Grundlage die vom Gärtner gewünschten Produkte liefert. Und Hauptbestandteil dieses Universums ist eben der fruchtbare Boden, hier als Sammelbegriff für das Lebenswunderwerk verstanden, das fortwährend alles gebiert, zu Form, Gestalt und Funktion bringt und am Ende wieder auflöst – zugleich Start zu neuem (im besten Fall: erweiterten) Kreislauf. Das „Lebenswunderwerk“, das sich in einem Liter humosen Bodens findet, kann nur mit dem Weltall adäquat verglichen werden.

Nach einigen tausend Jahren der Beobachung und Kultur ((lateinisch: cultura, ‚Bearbeitung‘, ‚Pflege‘, ‚Ackerbau‘) ist der Menschen heute in der glücklichen Lage, einige Wesenszüge des Wunderwerks „humoser Boden“ verstehen zu können und mit ihm sorgsam und fruchtbringend um zu gehen.

Nun zu meinen konkreten kleinen Maßnahmen:

Die Notwendigkeit, mein Brennholz für die nächste Heizsaison aufzubereiten, bot mir die Gelegenheit, den Holzlagerplatz zu verkleinert. Bekanntlich heizen wir zu 95% oder 99% mit Holz. Ich hatte ungespaltenes Holz für für 4 bis 5 Jahre auf Vorrat liegen. Das ist nicht sinnvoll. Trotz im Ganzen gesehen sachgemäßer Lagerung beginnt das Holz sich zu zersetzen, Pilze, Mikroorganismen tun ihr Werk, der Heizwert sinkt. Einen besseren Kreislauf gibt es mit Vorräten für zwei, maximal drei Jahre. (Zumal ich erprobt habe, dass unter optimalen Lagerverhältnissen ein Jahr zur bestmöglichen Trocknung ausreicht.) Weniger Lagerfläche bedeutet „Entsiegelung“, Gewinnung von Beetfläche.

So sieht der freigewordene Holzplatz jetzt, einen Monat danach, aus:

Rechts, wo Zucchini, Gurke, Kürbis zu sehen sind, hatte ich schon vor zwei Monaten dem Holzlager einen schmalen Streifen „abgerungen“. In der Mitte die neue Beetfläche, auf der sich offensichtlich Phazelia „Bienenfreund“, die Gründüngung, wohlfühlt. Links, am Zaun, bleibt ein 40 cm breiter Streifen, um neues Holz zu lagern. Das ist die Nordseite. Dort wird es eine Schutzwand bilden, an deren Südseite im nächsten Jahr Tomaten ihren Platz finden werden. Gartenboden war knapp. Die Phazelia wächst auf einer Schicht von mindestens 20 cm Holz- und Rindenabfällen + etwas Rasenschnitt, auf die ich nur etwa 5 cm Muttererde aufgetragen habe. Mehr Erde hatte ich nicht. Wie man sieht, stört es die Phazelia nicht.

Es war wirklich viel Holz-Abfall angefallen (Absplitterungen, Rinde, mulmiges, zersetztes Zeug). Wohin damit? Eine Art Hochbeet war die Lösung.

Hier sieht man rechts weiterhin lagerndes Holz. Gut ist zu sehen, wie sich die Rinde ablöst. Dahinter befinden sich die beiden Kompostboxen. (Die eine, die vom Vorjahr, ist grün überwuchert von Tomaten und Kartoffeln.) Links, entlang der Seite der zweiten Box, habe ich ein zweiteiliges  Stufenbeet eingerichtet, sozusagen ein schmales, nur 80 cm hohes Hochbeet. Seine untere Hälfte ist mit dem Holzabfall gefüllt, der natürlich mit Kalk, Urgesteinsmehl und auch etwas Hornspänen vermischt wurde, darüber in Schichten Grünmasse, Gartenerde, noch feinere Grünmasse und wieder Gartenerde als oberste Schicht. (Woher die Erde kam, zeige ich weiter unten.) Dieses Beet in sonniger Lage soll Kräuter tragen und blühend einen schöneren Anblick der bis dahin etwas tristen Kompostseite bieten.

Ich freue mich, dass aus dem Holzlagerplatz nun zwei bzw. drei (die dritte ist nicht im Bild) neue lebende Beetflächen geworden sind.

Auf dem folgenden Bild ist nur grün in grün zu sehen.

Das ist meine Spargelanlage. Bisher habe ich sie ab Juli immer mit Hornspänen gedüngt und total gemulcht. Ausreichend Mulchmaterial zu finden, war schwierig genug. Industrie-Dünger einzusetzen, möchte ich in Zukunft möglichst vermeiden. Deshalb Gründüngung, hier Phazelia, die ich aber in Direktsaat ergänzen werde durch weitere Gründüngungspflanzn, solche, die Stickstoff sammeln.

Das folgende Bild zeigt einen Blick in den Johannisbeergarten. Dort wird seit Jahr und Tag ordentlich gemulcht (und ebenfalls mit Hornspänen gedüngt).

Erstmals habe ich in die Mulchdecke in Streifen Gründüngung eingesät. Schon jetzt lockert sie den etwas tristen Mulchanblick auf. Weitere Direkteinsaaten (oder auch Pflanzungen) sollen dazukommen. Auch Blumen möchte ich sehen. Doch es geht nicht nur um den schöneren Anblick. Es geht um vielfältige Nahrungszufuhr für die Vielfalt der Bodenlebewesen. Ihr lebhaftes Wechselspiel soll auch für die Beerensträucher die besten Lebensbedingungen auf natürliche Weise schaffen.

Das letzte Bild zeigt den Clou – mein „Rotte-Beet“. Ich behaupte glatt, dass das eine Erfindung von mir ist. 

Es fing damit an, dass ich Gartenerde brauchte (siehe oben). Ich konnte sie nur an einer kleinen Fläche im Garten entnehmen, die gerade brach lag. Da habe ich aus der Not eine Tugend gemacht und die Erde dieser Fläche (knapp 2 qm) etwa 25 cm tief abgegraben. Auf dieser Fläche baue ich nun, nach den Regeln des Hochbeetbaus,  ein wenig erhöhtes Beet auf. Also unten grobes Material vom Gehölzschnitt, dann organisches Material aller Art, weichere Grünmasse, am Ende (dann etwa 20cm über Bodenniveau) eine Deckschicht aus Erde (die vom nächsten „Rotte-Beet“ entnommen wird). Diese wird dann normal mit Kulturpflanzen genutzt. Ich erwarte, dass ein so präpariertes Beet nach zwei, maximal drei Jahren wieder auf normales Bodenniveau abgesunken ist.

Man könnte das Ganze eine Art Flächenkompostierung nennen (ein Begriff, den Kurt Kretschmann benutzt hat, der bei ihm aber einen anderen Inhalt hatte). Man könnte es auch als schrittweise Tiefenkompostierung des Gartens bezeichnen. Auf die kommenden Erfahrungen bin ich gespannt.

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