Im Dickicht der Migrationsdiskussionen – zur Rolle von UNO, EU und USA

I. Vorbemerkung

Von Merkels oder wessen auch immer Entscheidung 2015 mehr als eine Million Migranten ins Land zu holen, wurde ich überrascht. Ich konnte nicht sofort den Sinn dieser Politik verstehen (und wollte nicht von Anfang an „verschwörungstheoretisch“ spekulieren. Vielen Menschen geht das bis heute so, und sie greifen zu irrationalen Erklärungen, etwa: Merkel habe aus Menchenfreundlichkeit gehandelt.)

Bald konnte ich bei Friederike Beck qualifizierte Informationen finden. In den drei bis heute unübertroffenen Recherche-Essays von 2015/2016 der allzu früh Verstorbenen wurde frühzeitig der Sachstand aufbereitet und aufgedeckt, dass strategische Interessen am Werk waren. Diese Arbeiten stehen unter der gemeinsamen Überschrift:

„Wie ein Zusammenschluss von Stiftungen der superreichen Weltelite und durch sie finanzierte und mit Steuergeldern geförderte NGOs die Migration nach Europa leiten“ 

und gliedern sich:

Teil I: Die „International Migration Initiative“ der Zwölf 

Teil II: Das Netzwerk für Migration 

Teil III: Betreutes Fliehen: George Soros und das Netzwerk um PRO ASYL

Heute sind diese Dokumente, Vermächtnis einer großen Aufklärerin, nur noch im Webarchiv von Kopp-Online zu finden (und nur dort), also auf einer Webseite, die „gute Menschen“ mit dem besten Gewissen niemals besuchen würden.

Gegenwärtig ist die gesamte Thematik noch aktueller, noch heißer umstritten. Sie ist geradezu racketenhaft in die Schlagzeilen geschossen (worden). Die Meinungsindustrie + honorige Spitzen des deutschen Staates + Stimmen der sog. Zivilgesellschaft trommeln. Also ist solide Reflexion nötiger denn je. Unter anderem liefert das konservative Blog „Fassadenkratzer“ immer wieder Beiträge zu dem ganzen Problemkreis, die ich für gut recherchiert und informativ halte. Bisher habe ich diese Beiträge meist nur überflogen, doch jetzt möchte ich einige gründlicher auswerten und diskutieren, ggf. dazu polemisieren.

II. Ein Artikel des „Fassadenkratzer“

„UNO, EU und USA-Kreise planen seit Jahrzehnten die Massenmigration“ Dieser  Artikel vom  20. April 2018, nach Auskunft des Bloggers Herbert Ludwig „eine gestraffte und erweiterte Fassung des am 2. April 2016 veröffentlichten Aufsatzes „Globale Planung der Massenmigration“, gliedert sich in zwei Abschnitte: I  Geopolitische Bestrebungen, II  US-Geostrategie.

Im ersten Abschnitt werden die folgenden „Bestrebungen“ einer kritischen Analyse unterzogen: UNO 1999, UNO 2000, Tony Blair, Geheimplan der EU, Nicolas Sarkozy, Erklärung der europäischen Freimaurerlogen 2015, UN-Sondergesandter für Migration Peter Sutherland, EU-Kommissare, UN-Generalsekretär.

Zu all diesen „Bestrebungen“ bzw. Akteuren gibt es konkrete Ausführungen unter Verwendung wörtlicher Zitate aus Reden, Videos und anderen Dokumenten. Zum Nachweis werden 13 Online-Quellen angegeben.

Die Hauptaussage ist, dass langfristig geplant, beginnend spätestens seit 1999, die genannten Akteure sich auf die „Vermischung“ aller Völker orientieren und ein „System ethnischer Reinheit“ (das eigentlich ein Nazi-Konzept sei) abzuschaffen bemüht sind. Das schließt die Zerstörung monoethnischer Staaten ein. Die Masseneinwanderung von moslemischen Männern nach Europa sei ein Mittel zu diesem Zweck. Dabei werden Größenordnungen für Europa von 70 Mio Immigranten in zwei Jahrzehnten genannt.

Ich habe mir die Mühe gemacht alle angegebenen Quellen zu überprüfen und muss etliche Fragwürdigkeiten hinsichtlich ihrer Qualität feststellen. Von den 13 befriedigen mich nur die Quellen 2, 8, 12 und 13 voll und ganz. Einige bei Youtube angegebene Videos sind nicht mehr verfügbar (Nr. 1, 5, 9, 10). Andere Quellen sind zwar korrekt erreichbar (z. B. Nr. 1, 4, 11) haben aber nur Sekundärcharakter, d. h. sie bestätigen zwar das vom Fassadenkratzer Behauptete, liefern aber selbst nur Behauptungen, die nicht durch eine Primärquelle gestützt sind. Schließlich sind etliche Quellen (Nr. 6, 7 ) nur hinter einer Bezahlschranke erreichbar.

Trotz dieser „Mängelliste“ schätze ich zusammenfassend ein, dass die Aussagen und Verallgemeinerungen des Fassadenkratzers insgesamt durch die Quellen gedeckt sind. Nicht nur sind die genannten Nr. 2, 8, 12 und 13 inhaltsschwer genug; auch war es mir möglich, durch eigenes, mehr oder weniger aufwändiges Suchen bei Youtube das nicht mehr verfügbare Video zu Sarkozy (Nr. 5)  in einer zwar anderen aber gleichwertigen Version zu finden.

Der zweite Abschnitt „US-Geostrategie“ wartet ebenfalls mit 13 Quellenangaben auf, die fast alle mühelos erreichbar sind und die Feststellungen/Positionen/Behauptungen des Autors nachhaltig stützen. Hervorheben möchte ich den Verweis auf Analitiks hervorragende Arbeit vom 25. Oktober 2015 „Strategie des gelenkten Chaos“ sowie auf die „Strategic Culture Foundation“ mit dem Link zu „Strategic Egineered Migration as Weapon of War“. Für mich ein wahrer Augenöffner.

Eine Leistung des Abschnitts „US-Geostrategie“ sehe ich in dem Nachweis der mehr als 25-jährigen Tradition US-amerikanisch strategischen Denkens in den Kategorien des „gelenkten Chaos“ und der „Kriegsführung der 4. Generation“. Sie ist dadurch charakterisiert, dass „Kulturen und nicht nur Staaten in Konflikt geraten… Tatsächlich kann eine ganze Völkerschaft eine militärische Waffe werden. Der Krieg durch Migration ist heute nicht weniger wirksam als gegen das Römische Reich.“ Wie im Einzelnen Migration als Waffe systematisch und effektiv eingesetzt werden kann, wird seit etwa 2008 in US-Studien dargestellt. Diese Informationen dem deutschen Leser erschlossen zu haben, ist ein zweites hervorragendes Ergebnis dieses Abschnitts.

III. Meine Sicht

Der betrachtete Fassadenkratzer-Artikel räumt mit der naiven Vorstellung auf, Massenmigration sei ganz normal und alltäglich, da bedrängte Menschen sich einfach auf die Reise in bessere Gefilde begeben würden. Er beschreibt, wie den sichtbaren Vorgängen strategische Interessen sowie konkrete politische Planungen und Steuerungen zu Grunde liegen. Dieses Wissen steht einer Sicht auf Migration und Migranten entgegen, die sich auf die Unmittelbarkeit des humanistischen Empfindens beschränkt. Natürlich wird nicht dem humanistischen Ansatz widersprochen, der viele Helfer antreibt, sondern es werden Hintergründe und Fernwirkungen ins Bewusstsein gehoben, die die humanistischen Absichten entwerten oder gar ins Gegenteil verkehren können.

Der Artikel hat mit 120 Kommentaren eine große Resonanz gehabt, wobei sich aber viele Kommentare weit vom Thema entfernt haben. Das Phänomen ist Bloggern gut bekannt.

In den Kommentaren wurde wiederholt die Frage nach dem „Warum?“ gestellt. „Warum handeln die Eliten, wie sie handeln?“ Diese Frage wurde nicht beantwortet. Ich meine, dass eine historisch-materialistische Antwort gefunden werden muss. Sie hätte das (gegenwärtige und perspektivische) Interesse der herrschenden Klassenkräfte am Machterhalt zu thematisieren. Eine Begrifflichkeit, wie „good global governance“ weist in diese Richtung. Für noch aussichtsreicher und dringlicher halte ich die Untersuchung der ökonomischen Reproduktionserfordernisse des Kapitalismus. Hier sehe ich den Schlüssel für das Verständnis allen gegenwärtigen  strategischen Ringens, dessen Zeugen (und Unterworfene) wir sind.

Die Erörterung wird fortgesetzt.

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13 Antworten zu Im Dickicht der Migrationsdiskussionen – zur Rolle von UNO, EU und USA

  1. Paula schreibt:

    Nun muß nur noch der Fidel seinen Senf absondern. Dann wird alles gut.
    Ich befürchte aber, daß er sich sehr zurückhält.

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    • kranich05 schreibt:

      Das ist einer von den Nonsens-Kommentaren, die ich so liebe.

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    • fidelpoludo schreibt:

      Liebe Paula, es würde mich schon interessieren, warum Sie befürchten, dass ich mich zurückhalten könnte, sollte oder müßte. Vor mir stehen je ein Senf- und ein Sahnetöpfchen, zwischen denen mein irrer Blick hin- und her schwenkt. Gleichzeitig bin ich bemüht, in meditativ-geistige Versenkung zu geraten, die mir die Entscheidung abnimmt, ob ich nun bloß meinen Senf dazu tue oder ob es mir gelingen könnte, dem vom Kranich Vorgegebenen das eine oder andere Sahnehäubchen aufzusetzen. Meine mir selbst verborgen bleibende Arroganz wird mich wohl – Versenkung hin, Versenkung her – beim Wickel packen und zu letzterem raten, nein zwingen…
      Das dann alles gut wird, kann ich leider nicht versprechen.

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  2. Bernhard Meyer schreibt:

    Nicht nur der Fassadenkratzer ist bei der Frage wichtig, sondern auch Norbert Häring. Ich empfehle bei dem Thema (neben den Artikeln vom Fassadenkratzer) auch diese von Häring:
    http://norberthaering.de/de/27-german/news/1081-bertelsmann-willkommenskultur
    http://norberthaering.de/de/27-german/news/997-migrationsabkommen-2
    http://norberthaering.de/de/27-german/news/1080-wendl
    Mit freundlichen Grüßen
    Bernhard Meyer

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  3. kranich05 schreibt:

    Eine beachtliche Stimme zum Thema ist auch Hannes Hofbauer „Kritik der Migration“.
    Hier eine ausführliche Besprechung des Buchs:
    https://www.geolitico.de/2019/07/09/migration-schafft-armut/

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  4. fidelpoludo schreibt:

    Holger Strom: „Wir schaffen das“ NICHT !! (1. Teil)

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    • fidelpoludo schreibt:

      Holger Strom demonstriert vorbildlich, wie man sich unter den Baum der Mainstream-Medien stellen kann und – an den richtigen Ästen rüttelnd und schüttelnd – die „reifen Früchte der Erkenntnis“ nur so auf sich herab prasseln lassen kann. Auch eine alternative Methode, die Spreu vom Weizen zu trennen – in Kombination mit der langjährig ausgebildeten Fähigkeit des Zwischen-den-Zeilen-lesen-Könnens.

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    • fidelpoludo schreibt:

      Der 2.Teil von Holger Stroms Video, den ich bereits zweimal hier gepostet habe und auch zweimal bereits sichtbar war, ist auf einmal wieder verschwunden… Er ist noch brisanter als der erste Teil. Deshalb?

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  5. fidelpoludo schreibt:

    Holger Strom: „Wir schaffen das“ NICHT !! (2. Teil):

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  6. fidelpoludo schreibt:

    Holger Strom demonstriert vorbildlich, wie man sich unter den Baum der Mainstream-Medien stellen kann und – an den richtigen Ästen rüttelnd und schüttelnd – die „reifen Früchte der Erkenntnis“ nur so auf sich herab prasseln lassen kann. Auch eine alternative Methode, die Spreu vom Weizen zu trennen – in Kombination mit der langjährig ausgebildeten Fähigkeit des Zwischen-den-Zeilen-lesen-Könnens.
    Holger Strom: „Wir schaffen das“ NICHT !! (2. Teil)

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  7. Pingback: Nach der Pause in welches „Dickicht“? | opablog

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