Mehr Humus! (1)

Zur Zeit lese ich ziemlich viel zum Problemkreis „fruchtbare Böden regenerierende Landwirtschaft“. Anlass und reichlich Anregungen dazu finde ich im Blog „Freizahn“, Beispiel hier. Damit aktiviert sich wieder eine seit vielen Jahren vorhandene Interessenrichtung (Kurt Kretschmann, Mulch total, Permakultur usw). Da ich mein wissenschaftliches Interesse mit Praxis verbinden möchte, ist mir Garten näher als Ackerbau und Viehzucht. Und leider musste ich auch pragmatisch entscheiden meine Permakulturideen ohne Kleintierhaltung zu verfolgen. Das ist natürlich eine gravierende Einschränkung.

Doch zunächst einmal der positive Ausgangspunkt: Seit Jahr und Tag sorge ich mich um den Humusaufbau im Garten. Dafür ist (neben dem ausgedehnten Mulchen) meine recht große Kompostwirtschaft von zentraler Bedeutung. Unser Garten hat eine biologisch aktive Fläche (Fläche auf der Photosynthese stattfindet) von rund 700 qm. (Bei einer Gesamtgröße des Grundstücks von reichlich 1200 qm.) Diese Fläche gliedert sich in: Wiese, ca 180 qm, Blumen/Stauden, ca 100 qm, Gemüse, 100 qm, Obst, ca 170 qm und sonstige Bäume/Sträucher, ca 150 qm. (Hinzukommen 180 qm für Gebäude und Aufenthaltsflächen sowie Wirtschaftsflächen und Wege ca 330 qm.)

Restlos alle biologischen „Abprodukte“ des Gartens sowie die Bioreste unseres 2-Personenhaushalts (also Zuführungen aus dem Lebensmittelhandel) werden kompostiert. (Auch Wurzel“unkäuter“ und fast alle kranken Pflanzenteile werden kompostiert und zwar über ihre vorherige Verjauchung.) Darüber hinaus wandert auch noch Herbstlaub von außerhalb des Gartens  (von einer Fläche von etwa 100 qm) in den Kompost.

Abgesehen von einer Schnellkomposterbox (um die sich Mrs. Tapir kümmert) haben die beiden Kompostmieten jeweils die Maße: Breite 1 m, Länge 3 m und Höhe 1 m, also ein Volumen von je 3 Kubikmetern.

Beide Mieten sind zum Ende des Kalenderjahres komplett gefüllt. Die erste wurde im Laufe des Vorjahrs aufgebaut, hatte das laufende Jahr Zeit zu rotten und wird im Folgejahr verwendet (im Frühling) und dann sogleich wieder befüllt. Die Zweite ist im laufenden Jahr (dem jetzt zu Ende gehenden) befüllt worden, wird im Folgejahr rotten und im Jahr danach verwendet und wieder neu befüllt werden.

Ich habe den Platz und nehme mir die Zeit und spare mir somit das aufwändige Umsetzen. Beim Kompostaufbau achte ich auf gute Durchmischung grüner und holziger Bestandteile, alle anfallenden Wellpappen werden kompostiert, ausreichend erdige Bestandteile werden zugeführt, systematisch zugeführt wird Bentonit (unser Ursprungsboden ist Sand – unser Dorf heißt nicht zu Unrecht SCHMACHTENhagen). Die einzige Pflege der aufgesetzten Kompostmiete besteht bei Bedarf im durchdringenden Wässern.

Zukäufe zur Bodenverbesserung im Garten außerhalb der Kompostwirtschaft waren im Laufe der Jahre: 4 m3 Fertigkompost und 4 m3 Lehm. Bentonit und Urgesteinsmehle verwende ich regelmäßig (mindestens 25kg/Jahr, Tendenz steigend), Moorbeeterde zur Anlage eines entsprechenden Beetes. Zur Düngung verwende ich ausschließlich Hornspäne, nachdem Bodenuntersuchungen immer eine gute Versorgung mit Kalium und Phosphor ausgewiesen hatten. Vermutlich lasse ich mich zu einem gewissen Maß an Überdüngung hinreißen. Darauf lässt zumindest dass üppige vegetative Wachstum der  Pflanzen schließen. Als eine Schlussfolgerung aus meiner neuen Lektüre nehme ich mir vor, den Hornspäneeinsatz allmählich zu senken mit dem Ziel, ohne Dünger auszukommen.

Bodenuntersuchungen habe ich , wie erwähnt, machen lassen und zwar in mehrjährigen Abständen. Die detaillierte mikrobiologische Untersuchung des Bodens wird zwar in den „Freizahn-Texten“ verlangt. Doch dieses Maß von Professionalität (und Kostenaufwand) strebe ich nicht an, ist für mich nicht praktikabel.

Ich teile aber die Überzeugung, dass ein wirklicher Durchbruch zu einer zukunftsfähigen Land-, Plantagen- und Gartenwirtschaft nur möglich ist, wenn die Lebenskreisläufe im Boden (und oberhalb des Bodens) auf mikrobiologischer Ebene verstanden und bewusst und systematisch zur Grundlage aller Lebensreproduktion gemacht werden.

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17 Antworten zu Mehr Humus! (1)

  1. Jo Bode schreibt:

    Sehr beeindruckend.
    Der Kranich schwebt in Regionen, von denen ich träume, die ich aber wahrscheinlich nie erreichen werde: Ich komme derzeit nur dazu, gerade mal das Nötigste zu erledigen.
    Kurz vor den letzten Feiertagen ist bei Sturm eine Hälfte meiner riesigen uralten Eiche abgebrochen, hat das Gartenhäuschen zerteilt und bedeckt den Nutzgarten und mehr, die andere Hälfte hat sich vor wenigen Tagen bei nur mittlerer Windstärke zur entgegengesetzten Seite auf die benachbarte Wiese verabschiedet – grob geschätzt über 600 Quadratmeter Fläche Stamm- und Astgewirr mit (noch) Blättern…. Ein mir bekannter Biologe meinte, die zu lange Trockenperiode habe zu erhöhter Bruchgefahr geführt.

    Da sehne ich mich geradezu nach Jauche und Kompost, statt die Zahl der Ersatzketten für meine Kettensägen zu prüfen. Wenn es nur nicht so heiß wäre!

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    • fidelpoludo schreibt:

      Lieber Bodo, lieber Kranich,
      Eure Sorgen hätte ich gerne. Ich nenne weder einen Garten noch eine umgefallene Eiche mein eigen, geschweige denn ein eigenes Haus. Dabei hätte ich alle drei haben können, bzw. ich hatte es schon – in Portugal selbst geplantes Haus, eigener Garten mit -zig Bäumen (Eiche leider nicht). Aber ich habe freiwillig drauf verzichtet, obwohl ich rein rechtlich gesehen mindestens auf die Hälfte einen Anspruch gehabt hätte. Über die Gründe möchte ich mich an dieser Stelle nicht weiter auslassen.
      Aber des Kranichs Entdeckung von „Freizahn“ wie sein Hinweis auf Masanobu Fukuoka haben einen älteren Gedanken von mir mobilisiert, dass ich ich auf meinem Balkon einen Mini-Gemüse-Obstgarten mit Töpfen und anderen Behältern neben und übereinander an der Wand hoch einrichten könnte. Das plane ich fürs nächste Jahr. Ein Beitrag zur Selbstversorgung. Also: ich beneide Euch um Eure Sorgen, aber ich kann auch gönnen und wünsche Euch gutes Gelingen mit Euren verschiedenen Vorhaben.

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      • Jo Bode schreibt:

        Danke, fidelpoludo, für Deine verständnisvolle Stellungnahme.
        Vielleicht besteht ja die Möglichkeit, Balkon und Eiche – wenn schon nicht Portugal – irgendwie miteinander zu verbinden? An die Jauche könnte/sollte man dabei ja auch denken…. Z.B. so: Neue Eiche auf Balkon mit Jauche düngen. Na ja, das könnte ja Statikprobleme ergeben, zumindest langfristig, die unser Ingeniör L.L. vielleicht richten könnte…. Wo steckt der eigentlich? Ich denke, der wird nicht nur von mir vermißt.

        Sind das Hitzeattacken? Laut TV-Meldung reduziert die Hitze den IQ um rund 40%. Dann müßte ich bei (höchstens) Null sein…..

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        • Lutz Lippke schreibt:

          Ha, weder Statik noch Statistik sind mein Revier. Die Energie für Kreislauf-Ökologie und Selbstversorgung hätte ich gerne, bin aber auch darin eine Niete. Selbst Kakteen verdörren mir und nachhaltiges Verbrauchsverhalten regelt sich durch absichtliche Leere im Kühlschrank. Meine Frau sorgt dafür, dass ich damit nicht viel Erfolg habe. Ist auch besser so.
          Die Hitze macht mir zu schaffen, weil mir nach der Arbeit jede Energie für Notwendiges geschweige denn Interessierendes fehlt. Es steht aber gerade Vieles im Persönlichen an, mit positiver Tendenz. Damit bin ich gerade gut ausgelastet und lese derzeit nur gelegentlich hier. Haltet die Stellung, „Beete statt Gräben“ ist ein gutes Motto. Liebe Grüße von Lutz

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          • fidelpoludo schreibt:

            Hallo Lutz,
            schön von Dir zu hören. Hatte schon Gewissensbisse nach gewissen Bemerkungen von andere Seite, Deine Schweigsamkeit mir auf den Buckel laden zu müssen. Möge Dein positiver Trend sich über die ansteigenden Temperaturen hinweg erhalten!

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      • kranich05 schreibt:

        Hallo Fidel,
        ich hatte zeitweise ebenfalls keinen Garten und wohnte Hinterhof in Berlin-Weißensee. Balkon hatten wir nicht. Meine damalige Partnerin war noch gartenbegeisterter (und kenntnisreicher) als ich. Wir schleppten eimerweise Erde herbei und begrünten über Jahre den zu 90% betonierten Hinterhof. Ich brach sogar an einer Stelle den Beton auf, um eine Rebe zu setzen (die sich kletternd mehr Sonne holen konnte).
        Auf dem Hof pfuschte ein Motorradschrauber. Immer waren da zwei, drei Jungs mit ihren Maschinen beschäftigt. Viele Katzen lungerten herum und benutzten allzu gern unsere grünen Stellen. Mehrere alte Frauen guckten aus diversen Fenstern. Die Athmosphäre des Hofes veränderte sich.

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        • fidelpoludo schreibt:

          Deine Hinterhofschilderung läßt mich an Zille „sein Milljöh“ denken. Habe ich selbst nie wirklich erfahren, umso lebendiger tummelt sich meine Phantasie darin. Zumal das Aufwachsen in der unmittelbaren Nachkriegszeit – wenn auch von Berlin weit entfernt in Beckum – „athmosphärisch“ gerade als Flüchtlingskind davon nicht weit verschieden war. Seltsam vermischte Bilder und Erinnerungen einer verqueren Romantik aus Hinterhof- und Schtetlstimmung mit viel, manchmal allzu viel menschlicher Nähe und Wärme mit den dazu gehörigen Konflikten. (Wilhelm Buschs Geschichten und Bilder gehören wohl auch in den Umkreis.) Wir Schlesier hielten damals in etwa so zusammen und auseinander wie ich mir ein jüdisches Schtetl vorstelle. Mag einiges dran sein.

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          • kranich05 schreibt:

            „Seltsam vermischte Bilder und Erinnerungen einer verqueren Romantik aus Hinterhof- und Schtetlstimmung mit viel, manchmal allzu viel menschlicher Nähe und Wärme mit den dazu gehörigen Konflikten.“
            Genau!!
            Dazu fällt mir allerhand sehr plastisch ein.
            Erstaunlich, wie konkret und im Detail unterscheidbar Umstände sind, die doch als Lebensumstände bedeutende Auswirkungen auf die Individuen haben.
            In Weißensee z. B. nicht Zilles Mietskasernen (die waren 2-3 Kilometer stadteinwärts im Prenzelberg) auch nicht Schtetl mangels Hinzugezogener, wohl aber gewisse Reste von Ackerbürgerverhältnissen (ehemalige Berlinrandlaqge von Weißensee). Der Hof also eng und betoniert wie bei Zille aber NICHT allseitig VON himmelhohen Wohnhausmauern umschlossen, sondern an zumindest zwei Seiten nur einstöckige Schuppen und Werkstätten, darunter ehemalige Stallungen (die teilweise sogar nach 45 zeitweilig als Stallungen reaktiviert worden waren. (Für einige Jahre, zu meiner Zeit – 1975 – längst nicht mehr))
            Ich halte das Heranwachsen der Kinder in solcherart reich ausdifferenzierten Verhältnissen für einen enormen Wert, wahrscheinlich sogar für eine UNERLÄSSLICHE Bedingung gesunder Ontogenese.

            Zu Letzterem im Hinterkopf:
            https://www.geolitico.de/2019/06/26/digitale-bildung-schaedigt-die-entwicklung-von-kindern/

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            • fidelpoludo schreibt:

              Interessantes Wort „Ackerbürgerverhältnisse“. Muss ich mir merken. Kann mir nur vorstellen, dass da ein Mischungsverhältniss von Land (Dorf) und Stadt sich materiell niederschlug, die Landflüchtigen (Bauern) ihre Herkunft in der Stadt noch nicht gezwungen waren endgültig hinter sich zu lassen, die Einweisung in ein Arbeitshaus knapp vermieden werden konnte, obwohl als Drohung doch – bei den Nazis – wieder allgegenwärtig wurde. Das Handwerk wie der Bauer noch nicht industriell voll aufgesogen werden konnte.
              Ich erlaube mir, Deinen Hinterkopf zu tätscheln, wegen seines Hinweises auf den Geolitico-Text und seine klare Darlegung der „Bedingungen gesunder Ontogenese“. In dieser Hinsicht war es früher sicherlich trotz allem doch noch besser, weil übersichtlicher.

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    • kranich05 schreibt:

      Ja, das ist ja offenbar ein erheblicher „Schlag ins Kontor“. Sie wissen ja, dass ich vor Jahr und Tag auch einen Sturmschaden hatte (https://opablog.net/2017/11/29/sturmschaden-am-haus-im-garten/). Aber Sie hat es nun wohl böser erwischt.
      Kriegen Sie wenigstens etwas Hilfe von der Versicherung? Bei mir lief es darauf hinaus, dass das Abtragen des abgebrochenen Baumes und eines zweiten ebenfalls bruchgefährdeten die Versicherung bezahlt hat. Das bedeutete kostenlos Brennholz und zwei große Schattenspender weniger, also Platz den Garten an dieser Stelle etwas freundlicher zu gestalten.
      Wir hatten heute 36,5 Grad. Da kann ich nur raten: „Eile mit Weile“ bei den notwendigen Beräumarbeiten.

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      • Jo Bode schreibt:

        An „erhebliche Schläge ins Kontor“ habe ich mich inzwischen gewöhnen müssen:

        Im Januar 2918 sind auf dem betreffenden Grundstück nach wochenlangem Regen die 3 größten von insgesamt 6 ausgewachsenen Birken gleichzeitig umgefallen, eine davon auf’s Hühnerhaus der Nachbarin, dessen Früchte ich immer wieder genießen durfte und nach Wiederherstellung auch wieder darf.
        Der Biologe: Der völlig durchnäßte Untergrund führte zu verminderter Wurzelhaftung usw….
        Die mannshoch aufragenden Wurzelscheiben der Birken zieren heute noch den Garten, und die entsprechenden Löcher im Boden dienen inzwischen als Unterkunft für allerhand Getier – meine Nachtkamera berichtet von Dachs, Fuchs , Reh, Marder usw., jedoch nicht davon, wie das Viehzeug zusammen paßt, sofern in den Löchern heimisch.

        Im nächsten Winter hoffe ich auf birkenbefeuerte Wärme, jedoch nicht aus Wurzelnähe.
        Ach ja: Um die Löcher muß ich vorsichtig herum mähen, sonst falle ich hinein. Irgendwie wird das Grundstück – nur gefühlt? – immer kleiner….

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  2. Pingback: Mehr Humus! (2) | opablog

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