Altsein

Jungsein heißt, viele Fragen zu haben. Kinder fragen direkt, Jugendliche mehr indirekt.

In den mittleren Lebensjahrzehnten stehen die Antworten im Vordergrund, teilweise auch die Taten. Fragen gibt es zwar auch, doch scheint mir, dass sie (zumindest bei mir) recht untergeordnet oder zurückgenommen waren.

Alt geworden muss ich aufpassen, nicht weiterhin die Antworten in den Vordergrund zu stellen (was ohne Taten sowieso witzlos ist). Denn Altsein könnte wohl heißen, wieder mehr Fragen zu haben.

Übers Jahr bin ich 80. Ab da, so definiere ich für mich, gilt Altsein. Mit dem Zurücknehmen der Antworten und dem Beginnen der Fragen könnte ich probeweise schon mal anfangen.

Gab es, gibt es, wird es (sollte es ) geben, ein „planetares Bewusstsein“? Drängelt unser Alltag irgendwie dahin? Wer drängelt noch? Was fällt mir „sine ira et studio“ dazu ein?

Dieser Beitrag wurde unter ökologisch, Bewußtheit, Garten Haus Hund, Gesundheit Alter Tod, Krise, Leben, Materialismus, Mensch, Realkapitalismus, Revolution abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu Altsein

  1. anonym schreibt:

    Oh

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  2. Jo Bode schreibt:

    Was sind schon Zahlen….!

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    • fidelpoludo schreibt:

      Bezieht sich die Frage nach den Zahlen auf die 80? Muss wohl, sonst sähe ich keinen sinnvollen Zusammenhang. Irgendwo muss ich Dir recht geben. Diese Definition der Grenze zum Altsein scheint mir doch etwas willkürlich. Eher interessant zu wissen, ob mit der Thematisierung von Altsein der negative Aspekt überwiegt oder nicht. Ob die Angst allgemein oder eine bestimmte Furcht ab- oder zunimmt. Manche eitle Sorge kann uns doch den Buckel runterrutschen. So versuche ich es zu sehen. Um manche Tabus brauchen wir uns nicht mehr zu scheren. Das sollte uns leichter fallen als den im Alltag sich abrackernden Zeitgenossen. So gesehen kann das Alter zum Privileg werden. Dazu könnte auch gehören, den Begriff eines „planetarischen Bewußtseins“ in Erwägung zu ziehen. Kommt darauf an, was er umfasst und was er hinter sich läßt. Er sollte differenziert technologiekritisch sein, der Natur, soweit sie noch erkennbar ist, eher vertrauen als sie auf Deubel komm raus beherrschen und transformieren zu wollen. Nicht mit dem männlichen Kopf durch die Wand, sondern (weiblich?) lieber Türen einbauen. Ist das ein Anfang?

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      • Kohler, Frieder schreibt:

        . „So versuche ich es zu sehen. Um manche Tabus brauchen wir uns nicht mehr zu scheren“, so, lieber fidelpoludo, griff ich (mit Hermann Hesse) „zum Eintritt in den neuen Lebensraum, den Vorhof des Alters (40-50-60-70-80 ?) zu den Gaben, die uns das Leben auf dieser Stufe zu geben hat: Vermehrte Unabhängigkeit vom Urteil anderer, vermehrte Unberührbarkeit durch die Leidenschaften, ungestörte Andacht vor dem Ewigen“! Wie alt müssen die Menschen sein, um die „Gretchenfragen“ stellen zu dürfen, ohne sich „dadurch plötzlich selbst im Wege zu stehen“? Wer schweigt, ist auf der richtigen Seite, Recht und Gesetz ist häufig nicht Grundlage staatlichen Handelns und damit die Würde des Menschen längst angreifbar. Angst und Furcht? Wir alle kommen auf die Welt, um zu sterben, doch manche Zeitgenossen sind so oft gestorben, ohne dass es zu einer neuen Geburt kam. Darf, soll, muss man über diese Toten wirklich nur Gutes sprechen?

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        • fidelpoludo schreibt:

          Lieber Frieder, ohne begriffen zu haben, wie denn nun die „Gretchenfrage“ lauten müßte, wende ich mal vorsichtig ein, dass es mir nicht reicht, mich schweigend auf der richtigen Seite zu wissen. Allerdings widerstrebt es mir gleichzeitig, mich wild ins Getümmel zu stürzen und Zombies, lebende Tote, mit hilflosem Eifer wieder zu erwecken, auch wenn sich der eine oder andere bloß Scheintote darunter befinden könnte, bei dem sich Mühe und Empathie bewähren könnten. Vielleicht fällt mir zur „Gretchenfrage“ und den Zusammenhang, in den Du sie gebracht hast, jetzt doch noch etwas ein: Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass – zugegeben leichter gesagt als bewältigt – die „Gretchenfrage“ ihr Gewicht gewinnt aus dem Konflikt, den sie heraufbeschwört zwischen zwei verschiedenen Formen von Verantwortung, deren scheinbarer Gegensatz uns zu zerreißen droht, den wir aber nur zu einer Seite hin aufzulösen imstande sein werden, wenn uns daran liegt, unsere Seele nicht faustisch (um im Gretchenbild zu bleiben) zum Verkauf anzubieten. Nicht wenige bringen die richtige Entscheidung ins Bild des (morgens oder abends) „In den Spiegel schauen“-Könnens, ohne erschrecken zu müssen. Allerdings: Auch wer dabei erschrickt, scheint immerhin noch nicht ganz verloren. Er ist fähig zu der Erkenntnis: Die Vergangenheit ist gerade das, was nicht vergeht! Erinnerung ist nötig! Umkehr möglich! Der Schreck ist der Schock, der auf die richtige Spur setzt (setzen kann).
          Es soll ja heute schon Leute geben, die nach der Marxschen Utopie ihren Tag verbringen, „heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe, ohne je Jäger, Fischer, Hirt oder Kritiker zu werden“. (Manche nennen das den „Sozialismus der Eliten“) Schaut man allerdings genauer hin, stellt man hurtig fest, sie benötigen für ihre „freien“ Tätigkeiten ihre Transporteure, Zuträger und Träger, Informationsbeschaffer, Viehtreiber etc., die dadurch, dass sie von ihm angestellt, vielleicht bis wahrscheinlich sogar gut bezahlt werden, durch ihre Professionalisierung (und sie nehmen nur die Besten) genau in eine gegensätzliche Haltung zum Leben gezwungen werden. Ihr Zwang ist die Bedingung der „Freiheit“ der Wenigen. Das bleibt wahr, mögen die Wenigen auch noch so laut und oft davon schwafeln, dass sie es sind, die Arbeitsplätze schaffen und eigentlich die, die wirklich „soziale Verantwortung“ übernehmen.
          Der Blick in den Spiegel dieser Leute wird daran leider kaum etwas ändern, weil der „Selbst-erarbeitete-Leistungs-Weihrauch“ den Blick trübt. Der eingeschlagene Weg wird nicht durchschaut oder gar in Zweifel gezogen. Alles leicht mit einer anständigen Dosis von noch dichter dampfendem Weihrauch den Spiegel weiter abstumpfender Rationalisierung als Neid eines leistungsunwilligen und -unfähigen „Deplorables“ (Bedauernswerten und Erbärmlichen) abtubar.

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          • Frieder Kohler schreibt:

            „Schaut man allerdings genauer hin, stellt man hurtig fest, sie benötigen für ihre „freien“ Tätigkeiten ihre Transporteure, Zuträger und Träger, Informationsbeschaffer, Viehtreiber etc., die dadurch, dass sie von ihm angestellt, vielleicht bis wahrscheinlich sogar gut bezahlt werden, durch ihre Professionalisierung (und sie nehmen nur die Besten) genau in eine gegensätzliche Haltung zum Leben gezwungen werden“ : Danke für diese Feststellung, die ausreichte, die Nacht zum Tage zu machen! Plötzlich standen sie vor mir in Reih und Glied, die (Un-)Toten mit ihren „Büchsenspannern“. Die (Gretschen-)Frage mit dem Inhalt, dessen Preisgabe den Befragten unangenehm war, lautete:“Wie halten Sie es mit Recht und Gesetz?“ Die Antworten sind sogar in manchen Medien genannt worden:“Man kann nicht den ganzen Tag mit dem Grundgesetz unter dem Arm herumlaufen!“ Herrlich der Ratschlag, doch einmal über seinen Schatten zu springen und nicht zu vergessen, dass der Ober den Unter sticht! Der Amtseid zu einem Kartenspiel verkommen, die Falschspieler besetzten die „Runden Tische“, die Störenfriede hatten am sog. Katzentisch Platz zu nehmen. Auf diese Art und Weise entstand der neue Untertan nach altem Vorbild: Scharnier im Rücken, um nach oben zu „buckeln“, um mit voller Kraft nach unten treten zu können. Die Parteien konnten sich so (bis heute) den Staat zur Beute machen: Materiell und personell lohnt sich die Mitgliedschaft in Arbeitskreisen, im Gemeinderat und den Parteigliederungen, obwohl das „Hauptamt“ fordert, den Einzelnen und das Gemeinwesen zu schützen. Im Ruhestand will man von seinem Beitrag zum „Flickwerk“ (Flick und die gekaufte Republik) auf jeder Ebene nichts mehr wissen, der Kanzler der Einheit trotz seiner black outs, Lügen und „Schwarzen Kassen“ als „kleines Sünderlein“ eingeordnet. Jetzt soll und muss es genügen, denn „wie die Alten sungen, so zwitschern auch die Jungen“: Ab in den (tiefen) Feudalstaat!

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            • fidelpoludo schreibt:

              Lieber Frieder Kohler, offensichtlich habe ich mit meinen eher intuitiv angenommenen Vermutungen bei Ihnen in ein empirisches, erfahrungsgesättigtes Wespennest gestochen, das ich zwar immer irgendwie vermutete, aber in dessen Zuspitzungen einzudringen ich mich stets ahnungsvoll hütete. Als Zusteller im Paketdienst (25 Jahre) habe ich mich versucht abzuseilen und nur relativ randständig ab und zu – vor allem als Betriebsratmitgründer – mal eine volle Breitseite mitzunehmen und mit zu bekommen. Meine Erfahrungen beschränken sich also auf viel niedere Ebenen, obwohl Versuche „von oben“, mich „hoch“ zu ziehen, nicht ausblieben. Ich beschränkte mich aufs Überleben und den Versuch, mich nicht ganz dumm machen zu lassen. Helfen konnte ich damit nur einigen wenigen. Mehr war nicht drin. Die Härte für einen entschlossenen Marsch durch die Institutionen ging mir ab. So blieb ich einigermassen störrisch und widerspenstig, erledigte aber meinen Job. Mehr nicht!

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