Fundstück – 13.5.2019 – „Aufruhrgebiet“

Zur Klimapolitik und den Linken.

Zu Machno (Anarchisten) und den Linken.

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17 Antworten zu Fundstück – 13.5.2019 – „Aufruhrgebiet“

  1. Albrecht Schmiedel schreibt:

    Der von Ihnen verlinkte „Offene Brief an linke Organisationen“ ist krude, antiwissenschaftlich und unredlich in seiner Argumentation hinsichtlich der globalen Erwärmung. Als Beleg genügt mir ein Punkt.

    Im Abschnitt ‚Die Positionen der „Alarmisten“‚ wird eine Graphik gebracht, die angeblich den Temperaturverlauf im Holozän wiedergibt (Bildunterschrift: M. J. Schwab, GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ)).
    Es wird verschwiegen, dass die Daten aus einem Eisbohrkern stammen, der zwischen 1960 und 1966 gezogen wurde. Das bedeutet zweierlei: 1. Der größte Teil der neuzeitlichen Erwärmung, der erst nach 1966 stattgefunden hat, taucht in der Graphik gar nicht erst auf, und 2. die Graphik repräsentiert bestenfalls den regionalen Temperaturverlauf von dem Ort in Grönland, wo gebohrt wurde. Heute geht es aber um die globale Erwärmung (bisher ca. 1°K), die selbstverständlich mit regionaler Abkühlung an manchen Orten und weitaus höherer Erwärmung an anderen einhergeht. Insofern ist folgende Aussage im „Offenen Brief“ unter dieser Graphik zutiefst unredlich:
    „2. sehen wir, dass die (Durchschnitts)Temperatur mit einer Amplitude von etwa zwei Grad schwankt und die aktuelle Erwärmung sich innerhalb dieser Amplitude bewegt.“

    Rahmsdorf geht hier näher darauf ein (in seiner Antwort auf Hilse von der AfD unter Frage 2).

    Realistische, auf der aktuellen Forschung beruhende Kurven des Temperaturverlaufs im Holozän finden sich hier und hier.

    Linke, auf Aufklärung und Wahrheitsfindung setzende Politik kann nicht auf solche Unredlichkeit aufbauen.

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    • Hanns Graaf schreibt:

      Wenn Sie die Grafik richtig lesen, sehen Sie, dass die aktuelle Erwärmung ganz rechts auch gezeigt wird. In seinem Beitrag zu Hilse wettert Rahmstorf gegen die Holozän-Grafik, bestätigt dann aber deren grundsätzlichen Verlauf durch die darübergelegten Daten. So etwas nennt man wohl Eigentor. Die Mittelalterliche Warmzeit ist inzwischen durch hunderte Studien klar als globales Phänomen bewiesen, she. dazu den Blog Kalte Sonne. Die bisher höchste gemessene Temperatur wurde offiziell 2016 mit 14,8 Grad angegeben. Die sog. mittlere globale Temperatur betrug früher 15 Grad, heute gibt der IPCC sie mit 14 Grad an (eine Änderung, die allein schon auf die Unseriösität des Alarmismus verweist). Unser heutiges T-Niveau bewegt sich also tatsächlich innerhalb der normalen Schwankungsbreite. Das sind die Fakten.
      Aber von all dem hat die linke Szene (Organisationen) keine Ahnung, was man an deren Statements (oder deren Fehlen) deutlich sehen kann. Der Offene Brief hat das Anliegen, eine Debatte darüber in der Linken zu eröffnen.

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      • Albrecht Schmiedel schreibt:

        Sie gehen nicht auf das ein, was ich geschrieben haben. Die in der Grafik gezeigten Daten wurden von einem Eisbohrkern aus den 60igern abgeleitet. Das zu verschweigen halte ich nach wir vor für unredlich. Auch kann ein Eisbohrkern bestenfalls nur Auskunft geben über die regionale Temperaturentwicklung. Der Text tut so, als seien das die Schwankungen der globalen Temperaturen. Das ist ebenfalls unredlich in meinen Augen. Die Schlussfolgerung, unser heutiges (globales!) Temperaturniveau bewege sich also in diesem Rahmen, ist also falsch. Dass die Leugner der menschengemachten globalen Erwärmung gerne sowas behaupten, ist mir klar. Aber die Wissenschaft gibt das nicht her. Sonst würden Sie ja diese Wissenschaft, die das zeigt, vorbringen können und müssten nicht zu solchen verzweifelten Methoden greifen.

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        • fidelpoludo schreibt:

          Sie gehen weiterhin von den Modellen aus, die mit Computern ermittelt wurden und nicht von in der realen Natur erfolgten Messungen, die – wie bereits vorgeführt und nachgewiesen (nachzusehen im von Jo Bode am 17. April 2019 um 08:30 verlinkten Vortrag von Klaus-Eckart Puls https://opablog.net/2019/05/06/fundstueck-3-4-2019-prof-kirstein-der-klimawandel-ist-nicht-anthropogen-sondern-politogen/ – zu ganz anderen Ergebnissen kommen.

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          • Albrecht Schmiedel schreibt:

            Stimmen Sie mir zu, dass in dem „Offenen Brief“ mit Bauernfängertricks gearbeitet wird, indem ein grönlandischer Eisbohrkern aus den 60ern als Beleg für die globalen Klimaschwankungen im Holozän bis heute genommen wird? Sie brauchen bloß mit ja oder nein zu antworten.

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        • Hanns Graaf schreibt:

          Obwohl die Grafik nur auf örtlichen Daten beruht, wie Sie richtig sagen, bildet er die T-Entwicklung des Holozäns trotzdem richtig ab, wie sehr viele Proxydaten belegen. Deshalb wird diese Grafik ja auch so oft verwendet. Wenn Sie diese Daten offenbar nicht kennen, ist das Ihr Problem, nicht meins. Betrachten Sie alle Seiten der Klimawissenschaft und nicht nur die alarmistische! Mit einem Auge sieht man gut, mit beiden aber besser. MfG

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          • Albrecht Schmiedel schreibt:

            „und die Erwärmung seit den 60gern weglässt“, haben Sie vergessen hinzuzufügen.

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            • Hanns Graaf schreibt:

              Können Sie keine Grafik lesen? Die aktuelle Erwärmung wird doch am rechten Rand der Grafik deutlich. Oder können Sie das vor lauter Voreingenommenheit nicht lesen?

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              • Albrecht Schmiedel schreibt:

                Die Daten in der Grafik wurden aus der Analyse eines Eisbohrkerns gewonnen. Die Bohrung erfolgte von 1960 bis 1966. Er kann also keine Daten aus der Zeit danach liefern.

                Am rechten Rand findet sich nicht die aktuelle Erwärmung, sondern die bis 1966. Die von Rahmstorf drübergelegten Daten stammen aus der der Originalveröffentlichung Dansgaard et al. 1969, One Thousand Centuries of Climatic Record from Camp Century on the Greenland Ice Sheet, Science 1969, Vol. 166, Issue 3903, pp. 377-380. Die können Sie über sci-hub.tw herunterladen.

                Eine redliche Verwendung der Grafik hätte unbedingt auf das Jahr 1966 als Jahr der letzten Datenpunkte am rechten Rand verweisen müssen (und natürlich auf den lokalen Charakter von Daten aus einem Eisbohrkern). Stattdessen wird suggeriert, dass die Grafik die Temperaturschwankungen im Holozän bis heute (2019!) repräsentiert. Leider hätte aber eine redliche Verwendung Ihrem Anliegen nicht geholfen :-).

                Übrigens: seitdem ist es in Thule (wo Camp Century liegt) noch mal 1,5°K wärmer gewordern, so warm, wie es dort mindestens in den letzten hunderttausend Jahren nicht mehr war. Rahmstorf verweist als Beleg auf Osterberg et al., Journal of Glaciology 2015 (habe ich selber aber nicht nachgeprüft). Dass es seit 1966 allenthalben viel wärmer geworden ist, zeigt aber auch die im „Offenen Brief“ verwendete Grafik vom Met Office Hadley Centre.

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                • Hanns Graaf schreibt:

                  Der Maßstab der Grafik ist sehr grob, d.h. Abschnitte von wenigen Jahren oder Jahrzehnten können gar nicht dargestellt werden. Natürlich gab es seit 1966 eine Erwärmung von wenigen Zehntel Grad, seit ca. 2000 gibt es keine Erwärmung mehr. Die Grafik wird zu recht oft verwendet, weil sie einen guten Gesamteindruck vom T-Verlauf im Holozän vermittelt. Dieses war über lange Phasen wärmer als heute – ohne Einfluss des Menschen und ohne markantes CO2-Signal. Die T-Amplitude beträgt 2 Grad (Durchschnittstemperaturen!), bei Realtemperaturen liegt diese natürlich noch deutlich höher. D.h. die aktuelle Erwärmung seit ca. 1850 liegt durchaus in dieser Spannweite. Die Durchschnittstemperatur des Holozän lag bei 15°C, neuerdings spricht das IPCC von 14°C (was – nebenbei bemerkt – die Treibhaustheorie ad absurdum führt, weil das behauptete Strahlungsgleichgewicht mit den 14 Grad dann nicht mehr stimmt). Die höchste aktuell „gemessene“ globale Durchschnittstemperatur stammt aus 2016 und betrug 14,8 Grad!!! Diese lag also unter dem Holozän-Durchschnitt (bei 15 Grad) bzw. um 0,8 Grad darüber (bei 14 Grad). Da T nach der Spitze von 2016 wieder abnahm, lägen wir also sogar wieder unter dem Durchschnitt. Klimakatastrophe???

                  Wer sich, wie Sie, auf Rahmstorf beruft, sollte wissen, dass Rahmstorf fast als einziger immer noch den Hockeystick von M.Mann verteidigt, obwohl diese „Theorie“ längst als unseriös und falsch widerlegt wurde (u.a. von McKittrick). Darin behauptet Mann, dass es die Mittelalterliche Warmzeit nicht gegeben hätte. Diese ist inzwischen jedoch von hunderten Studien als globales Phänomen bestätigt.

                  Das gegenwärtige T-Niveau ist weder einzigartig, noch wesentlich oder überhaupt nur vom Menschen verursacht. Wenn die Klimawissenschaft heute (noch) nicht in der Lage ist, die Wirkung der natürlichen Faktoren genau zu kennen, geschweige denn genau zu quantifizieren, dann kann sie auch nicht den vermeintlich anthropogenen Anteil bestimmen. Der Klimaalarmismus ist in weiten Teilen keine Wissenschaft, sondern Ideologie – und hinter der stehen bestimmte soziale Interessen.

                  MfG

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  2. fidelpoludo schreibt:

    ExoMagazinTV (Pohlmann & Co) wurde von Youtube „gekündigt“. Mein Abo ist auch gelöscht.

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  3. fidelpoludo schreibt:

    Sehr interessant dieser Beitrag über Machno. Was soll man dazu sagen?
    Bleibt wohl nur die Feststellung, dass erstens Theorie und Praxis der Revolution nicht so leicht einander entsprechend zu gestalten sind und zweitens von der Theorie das Problem des Übergangs, der „Transformation“ nicht wichtig genug genommen wurde. Aber wie hätte sie das tun können? Hätte sie die Kriegswirren, die Bauernfrage etc. etc. wirklich vorausahnen können?
    So bleibt festzuhalten: Lenin und Trozki haben sich richtigerweise (trotz der „theoretischen“ Forderungen, dass die Revolution nur in einem industriell fortgeschrittenen Land – wie etwa Deutschland – Aussicht auf Erfolg und Weiterverbreitung haben können) für den Übergang in die Praxis entschieden, dabei aber u.a. mit der „Machnowschtschina“ nicht nur ein Kind mit dem Bade ausgeschüttet, sondern dabei auch noch das Kind übersehen, das es verdient hätte „ausgeschüttet“ zu werden: nämlich Stalin.

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    • kranich05 schreibt:

      Das EINE ist die Frage nach der „historischen Gerechtigkeit“. Haben die damaligen Akteure vermeidbare, „unverzeihliche“, „leichfertige“ Fehler gemacht, deretwegen wir sie heute schelten oder verurteilen müssten?
      Obwohl Lenin oft von den Fehlern spricht, die sie gemacht haben und ständig machen, meine ich, dass sie ein Minimum dieser Art Fehler gemacht haben. Ich bewundere uneingeschränkt, was die Bolschewiki unter Lenins Führung geleistet haben. Es war die schwierigste Aufgabe, die die Menschheit sich bis dahin gestellt hatte, und solange Lenin führen konnte, wurde der Weg ihrer erfolgreichen Lösung gefunden. Letzteres im Sinne der Eröffnung und des Offenhaltens des notwendigen konkreten Möglichkeitsraumes. (Vergessen wir nicht, dass die ersten Erfolgsjahre Stalins nicht mehr waren als ein recht und schlecht Weiterführen der NÖP. Und auch was die Chinesen gestern und heute so erfolgreich machen, ist das, was in Lenins NÖP impliziert war. Leider scheinen sie nur das und nicht mehr (umfassende und direkte Demokratisierung!) zu machen.)
      Das ANDERE ist die Frage, ob die Bewußtheit der Gesellschaft damals, also die Summe der menschlichen Erkenntnis + der entsprechenden (materiellen) Handlungsfähigkeit, ausreichte, um die gestellte Aufgabe zu lösen? Ich tendiere zu der Antwort: Nein. Damals nicht. Und heute immer noch nicht! Lenin konnte soweit führen Dank seiner genialen Intuition und Flexibilität und weiterer Eigenschaften. Doch eine neue menschheitliche Entwicklungsstufe konnte und kann nicht durch das Wirken eines Genies erreicht werden. Eine fruchtbare Fragestellung ist es also: Was am Denk- und Organisationsmodell der Bolschewiki funktionierte nur deshalb (so leidlich), weil Lenin führte (und dabei in wenigen Jahren völlig verschlissen wurde) und was funktionierte schon damals „im Grunde“ nicht. Diese Frage verlangt sehr gründliche Untersuchung (was die Masse der Linken bzw. Marxisten-Leninisten verweigert, Rogowin hat sein Teil geleistet). Die Ergebnisse dieser Untersuchung sind notwendig, um wieder „in die Spur zu kommen“.

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