Interview zum Buch „Der tiefe Staat schlägt zu“

Zum genannten Buch, das Ullrich Mies auch hier angekündigt hatte, hat er dem Magazin „Rubikon“ ein Interview gegeben, hier nachzulesen.

Ich möchte aus dem lesenswerten Text die folgende Passage hervorheben, in der es um die Periodisierung der aggressiven imperialistischen Politik der USa und ihrer Vasallen seit 1990 geht:

„Können Sie auf einer Chronik skizzieren, wie wir diese historisch einmalige Chance auf einen Weltfrieden versemmeln konnten? Wie konnte die westliche Welt nach den Erfahrungen des Kalten Krieges erneut in eine Spirale des Misstrauens, des Wettrüstens und der gegenseitigen Abschreckung zurückfallen? Wie wahrscheinlich ist eine Eskalation zwischen West und Ost?

Bitte lassen Sie mich kurz auf das Wort wir eingehen. Ich wehre mich gegen dieses Wir. Wir als Bevölkerung haben gar nichts versemmelt. Das ist einzig und allein das Werk der Herrschafts-Eliten. Das ist das verlogene Wir des Merkel-Regimes, das immer dann aus der Propaganda-Tonne gezogen wird, wenn neue Schein-Wahlen anstehen. Das Wir ist eine Fiktion, weil es in westlichen Klassengesellschaften ein oben und ein unten gibt, eine kleine Gruppe von Entscheidungsträgern kein wir.

Nun zur Chronik. Ich kann das hier ja nur kurz ausführen. Die westlichen Herrschaftskasten haben die Friedensdividende planvoll Schritt für Schritt versemmelt. Im Zentrum dieses Zerstörungsprozesses der Friedensdividende steht die NATO-Ost-Expansion. Bei der NATO-Expansion bestimmten und bestimmen die USA die Gangart. Die Aufnahme immer neuer Länder in das Bündnis diente und dient der Ausweitung des eigenen Ideologie- und Machtbereichs bis in die Tiefe des eurasischen Raumes. Die USA definieren die ganze Welt, insbesondere den eurasischen Raum, zu ihrem Sicherheitsinteresse. Der Expansionsprozess ist noch nicht abgeschlossen und die transatlantischen Imperialisten sind grob gesprochen in mehreren Phasen vorgegangen.

Erstens gab es eine Orientierungsphase des Bündnisses und die Suche nach neuen Aufgaben von 1990 bis 1993. Zweitens die Revitalisierung des US-Weltführungsanspruchs, Erhaltung und Stärkung dieser Dominanz sowie Festigung der NATO-Expansionsplanungen von 1994 bis 1998. Darauf folgte von 1999 bis 2001 die Aggressionsphase I, konkret der Jugoslawienkrieg, 9/11 und der war on terror, der Krieg gegen Afghanistan, die erste NATO-Erweiterungsrunde mit Polen, Tschechien und Ungarn. Als zweite Aggressionsphase bezeichne ich die Zeit von 2002 bis 2010. In der Zeit erfolgte die Konsolidierung des US-Weltherrschaftsanspruchs, die Kündigung des ABM-Vertrages, die Kriege gegen Irak, Libyen, Georgien, die zwei NATO-Erweiterungsrunden um Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, Bulgarien, Slowenien, Slowakei und dann um Albanien und Kroatien. Als dritte Aggressionsphase bezeichne ich die Zeit von 2011 bis 2013 mit dem beginnenden Syrienkrieg, der antirussischen Hysterie sowie der offenen Feindschaft gegen Russland. In diese Jahre fällt auch die Phase vor dem Putsch in der Ukraine und der vorläufige Höhepunkt der Feindschaft, die Politik der Nadelstiche gegen Russland, die Militärmanöver und Dislozierung von schweren Waffen an die russischen Grenzen. Die vierte Aggressionsphase beginnt aus meiner Sicht 2014 mit dem Putsch in der Ukraine, der Eskalation des Syrienkrieges, dem Propaganda-, Sanktions- und Wirtschaftskrieg, dem paranoiden russophoben Hass, den exzessiven Militärmanövern, der Aufrüstung, der Kündigung des Iran-Atomabkommens und des INF-Vertrages. Auch die vierte NATO-Erweiterungsrunde um Montenegro 2017 gehört dazu. Welche Blutspur die USA bei ihren Kriegen seit 9/11 hinterlassen haben, zeigt Nicolas S. Davies in seinem Beitrag auf. Er kommt zu dem Ergebnis, dass die von den USA geführten Kriege seit 2001 zwischen 5 bis 7 Millionen Menschen das Leben gekostet haben.

Aber die Täter geben keine Ruhe, sie wollen immer weiter expandieren. Und diese Expansion gibt es nur zum Preis eines massiven Konflikts mit Russland beziehungsweise mit China. Diese Konflikte nehmen die neokonservativen transatlantischen Abrissbirnen der internationalen Ordnung billigend in Kauf. Aus meiner Sicht bilden diese neokonservativen außenpolitischen US-Eliten zusammen mit den transatlantisch orientierten Vasallen-Kadern Deutschlands und der wichtigen EU-Staaten ein elitenfaschistisches Komplott, das die Menschen in zahllosen Ländern und in Europa selbst in diese Tragödie geführt hat. Über diese Zusammenhänge hat Kees van der Pijl einen interessanten Beitrag unter dem Titel geliefert Die Achse des Bösen die US/Israel NeoCon-Connection.

Daher ist es auch kein Zufall, dass unter anderem die Aufnahme der Ukraine und Georgiens auf der politischen Aggressions-Agenda dieser Transatlantiker steht. Die neokonservativen Transatlantiker sind die Akteure der Gegenaufklärung. Mit ihnen sind weitere Konflikte auf der Weltbühne vorprogrammiert. Sie sind das Krebsgeschwür der internationalen Politik, sie unterstützen politische Metastasen wie in der Ukraine oder jetzt in Venezuela. Daher auch der Untertitel des Buches wie die westliche Welt Krisen erzeugt und Kriege vorbereitet.“

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Eine Antwort zu Interview zum Buch „Der tiefe Staat schlägt zu“

  1. Anonymous schreibt:

    Respekt. Mehr echte! Wahrheit kann man nicht in so kurzer Form zusammenfassen. Das gehört in alle Schul- und Geschichtsbücher für alle Zeit. Das sind klare Fakten. So klar wie ein Vakuum.

    Liken

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