Transatlantischer Elitenfaschismus und Tiefer Staat. (II)

Gastbeitrag von Ullrich Mies, 2. Teil

Ausgehend vom Weltbeherrschungsanspruch der westlichen Führungsmacht USA haben die neokonservativen Netzwerker der USA und Europas die westlichen Demokratienseit 1990 in Fassadendemokratien transformiert1 und den Aufstieg des Finanzkapitalismus durch Deregulierungen aller Art ermöglicht.2 Die Tatsache, dass in deutschen ehemaligen Volksparteienneokonservative, marktradikale, transatlantische Putsch-Kader3 völlig konsequenzenlos, fortgesetzt und parteiübergreifend die Richtlinien der Politik bestimmen, obwohl sie ihre Parteien massiv geschädigt und im Falle der SPD voraussichtlich auf Jahrzehnte ruiniert haben, beweist den Komplottcharakter dieser Kader.

Der bedeutendste Aspekt des genannten ideologischen Überbaus des transatlantischer Elitenfaschismus ist die Herrschaftsideologie des freien, unbeschränkten Marktes. Dieser säkularisierten Ersatzreligion des Marktradikalismus folgen die Täter des transatlantischen Elitenfaschismus. Sie arbeiten als Feindkorporationen gegen den demokratischen und sozialen Verfassungsstaat, die eigenen Völker und richten ein Desaster nach dem anderen an.4 Seit dem Systemkollaps der UdSSR bestimmt der transatlantische Elitenfaschismus mit zunehmender Intensität die Geschicke in den westlichen Staaten.

1 BlackRock, Proxy Statement, Notice of Annual Meeting, 23. Mai 2018: http://ir.blackrock.com/Cache/1500109548.PDF?O=PDF&T=&Y=&D=&FID=1500109548&iid=4048287, S. 5; siehe auch: https://lobbypedia.de/wiki/BlackRock; z.a. 18.10.2018

3 Alexander Boos, BlackRock, Merz und Co. Wie ein US-Unternehmen Deutschland ausplündert, sputniknews, 04.02.2019: https://de.sputniknews.com/wirtschaft/20190204323833064-blackrock-merz-schattenbank-einfluss/; dort auch das Gespräch mit Werner Rügemer; zuletzt aufgerufen am 04.02.2019

4 USA: Staatseinnahmen und Staatsausgaben von 2008 bis 2018 (in Milliarden US-Dollar): https://de.statista.com/statistik/daten/studie/200520/umfrage/staatseinnahmen-und-staatsausgaben-in-den-usa/; zuletzt aufgerufen am 18.10.2018

Souverän abgemeldet

Der Souverän ist abgemeldet und hat nichts zu sagen. Er ist zu 99 % seines Lebens von jeder demokratischen Teilhabe ausgeschlossen. Er darf die Herrschaftskasten im formalen Akt des 4-jährigen Wahlzirkus in ihrer Herrschaft legitimieren. Das ist seine einzige Funktion!

Der europäischen Abteilungdes transatlantischer Elitenfaschismusder EU kommt die Aufgabe zu, den Vorgaben des finanzkapitalistisch-staatsterroristisch-militärisch-industriellen Kommunikationskomplexes (FSMIKK), der eigentlichen Regierung der USA, Folge zu leisten und sich in seine sub-imperialistische Rolle zu fügen. Allein diese Rolle hat ihr das internationale Anlagekapital und der Militär-Faschismus von Pentagon und NATO zugedacht. Wer die politische Macht heutiger Finanzakteure als maßgebliche Treiber des transatlantischer Elitenfaschismus ermessen möchte, betrachte beispielsweise die größte Kapitalsammelstelle der Welt: den Vermögensverwalter BlackRock mit einem Anlagevermögen in Höhe von 6,288 Billionen US-Dollar zum Ende 20171 und von 6,444 Billionen2 zum Ende des 3. Quartals 2018. Die Finanzpower allein von BlackRock3 überstieg die gesamten Staatseinnahmen der USA in 2018.4

1 Zur Einordnung der westlichen Demokratien als Fassadendemokratiensiehe: Ullrich Mies, Jens Wernicke (Hg.), Fassadendemokratie und Tiefer Staat. Auf dem Weg in ein autoritäres Zeitalter, 6. Auflage, promedia, Wien 2017

2 Werner Rügemer, a.a.O., S. 36ff; Ernst Wolff, Finanz-Tsunami. Wie das globale Finanzsystem uns alle bedroht, edition e. Wolff, o.O. 2017, hier insbesondere S. 123 ff

3 Die realen Putsch-Kader wider die verfassungsmäßige Ordnung, deren Tentakeln bis tief in die westlichen Regime reichen, finden wir in den transatlantischen Think Tanks, die die Demokratie quasi subkutan, längst zur Schmierenveranstaltung transformierten und als die realen Verfassungsfeinde an den Pranger der Öffentlichkeit gehören. Siehe hierzu: Wolfgang Bittner, Der Einfluss der US-Netzwerke auf Politik und Medien in Deutschland. Atlantik-Brücke, Münchner Sicherheitskonferenz, Atlantic Council usw., 02.02.2019: https://kenfm.de/der-einfluss-der-us-netzwerke-auf-politik-und-medien-in-deutschland/; zuletzt aufgerufen am, 05.02.2019

4 Ullrich Mies, DESASTER-POLITIK: Imperiale Neuordnung und Angstproduktion, 07.10.2016: https://kenfm.de/desaster-politik/; zuletzt aufgerufen am 10.02.2019

Die Macht dieser Kapitalsammelstellen, von denen BlackRock nur eine ist, liegt jenseits des Vorstellungsvermögens der meisten Menschen.1

Die Zivilgesellschaft ist nach fast 30 Jahren neoliberalen Herrschaftsterrors vollends Geisel des FSMIKK und der neokonservativen Kriegstreiber und Kriegsverbrecher. Diese räumen im koordinierten Militär-Stechschritt alles ab, was ihnen als völkerrechtlicher Hemmschuh, Rüstungskontrollabkommen, als Friedensgebot oder Rechtsstaat im Wege steht. Die neuesten Entwicklungen wie die Kündigung des Iran-Atomabkommens und des INF-Vertrages2 sowie die existenzielle Bedrohung Venezuelas3 legen Zeugnis darüber ab, dass der transatlantische Elitenfaschismus völlig außer Rand und Band geraten ist. Zur Realisierung seiner Weltherrschaftsobsession geht er rücksichtslos über Meere von Leichen4.

1 Werner Rügemer, a.a.O.

2 Siehe hierzu die Ausführungen von Vladimir P. Kozin, Der neue Kalte Krieg und die geplante Eskalation des Konfliktes USA/Europa versus Russland, in Ullrich Mies (Hg.) Der Tiefe Staat schlägt zu. Wie die westliche Welt Krisen erzeugt und Kriege vorbereitet, promedia, Wien, 2019 (erscheint im März)

3 Siehe hierzu den Beitrag von Garikai Chengu, Sanctions of Mass Destruction: Americas War on Venezuela, counterpunch 01.02.2019: https://www.counterpunch.org/2019/02/01/sanctions-of-mass-destruction-americas-war-on-venezuela/; zuletzt aufgerufen am 05.02.2019; Übersetzung: Sanktionen der Massenvernichtung: Amerikas Krieg gegen Venezuela: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=25617; zuletzt aufgerufen am 06.02.2019

4 Siehe hierzu Nicolas J.S. Davies, Die Blutspur der US-geführten Kriege seit 9/11. Afghanistan, Jeman, Libyen, Irak, Pakistan, Somalia und Syrien, in: Ullrich Mies (Hg.) a.a.O.

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7 Antworten zu Transatlantischer Elitenfaschismus und Tiefer Staat. (II)

  1. fidelpoludo schreibt:

    Starke zwei Stücke.
    Nur eines vermisse ich: Die genauere Bestimmung der Rolle Israels und das Ausmaß seiner Teilhabe in diesem Transatlantischen Elitenfaschismus.
    Außerdem vielleicht noch: Ist der Gegensatz von Clinton/Obama- und Trumpfraktion nur ein inszeniertes Ablenkungsmanöver?

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      • fidelpoludo schreibt:

        Sehr interessant und ich fasse zusammen:
        „AIPAC is the swamp“ – oder – „Make Isreal even greater!“

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        • fidelpoludo schreibt:

          Diese Zwischenüberschrift bringt es aber auch nicht schlecht auf den Punkt:
          „Trump is Green Like the Swamp Thing“

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        • fidelpoludo schreibt:

          Hillary wäre ihnen aber lieber gewesen. Bei ihr hätte es viel eindeutiger „Israel first!“ geheißen. Donald ist ihnen nicht koscher genug. In einem Interview in „The Times of Israel“, das David Horovitz mit Abraham Foxman, fast 30 Jahre lang Direktor der Anti-Defamation League (ADL), geführt hat, äußert sich Foxman über Trump:

          „I do worry more about my children and grandchildren. I do that more than I ever did before. Ten years ago I didn’t worry because I saw progress. I saw openness. The gay community, the Hispanic community. I saw progress.
          Now I’m seeing some of the things we achieved are being taken back. And I don’t see the leadership to challenge this demagogue. [Trump] is a demagogue.

          He’s a demagogue?

          He’s a demagogue. He’s a demagogue. And he understands communication. Yes, he’s a demagogue.

          He’s a threat to American democracy?

          Yes. And anything that threatens American democracy sure as hell threatens Jews.

          You feel that the walls are closing in for American Jewry?

          Democracy is under challenge, if not attack. Democracy is fragile. If American democracy is diminished, then the rights of Jews, their opportunities, their future, is diminished.“

          Womit Foxman genau in das linksliberale Horn stößt, das C.J. Hopkins seit dem Amtsantritt Trumps auf die Palme bringt.

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  2. Theresa Bruckmann schreibt:

    Hier findet man Erstaunlichs:
    https://www.voltairenet.org/article205208.html
    auch hier zur Rolle der EU und der einzelnen EU-Mitgliedstaaten
    bei der Kontaktgruppe (ICG), um die venezolanische Krise zu lösen
    hier: https://www.voltairenet.org/article205184.html
    und hier sagt Thierry Meyssan, wie er über ein von
    Frankreich und Deutschland gemeinsam ausgeübtes UNO-Mandat denkt:
    https://www.voltairenet.org/article205203.html

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