Fundstück – 2.2.19 – „Was als Umweltschutz daherkommt, ist heute Klassenkampf von oben“

Passabler Diskussionsbeitrag, hier.

Das Thema gehört vertieft.

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2 Antworten zu Fundstück – 2.2.19 – „Was als Umweltschutz daherkommt, ist heute Klassenkampf von oben“

  1. Theresa Bruckmann schreibt:

    Hendrik Auhagen, neu im Vorstand von Aufstehen, im Interview mit Florian Kirner, betont, dass Ökologie als dritte Säule neben Friedenspolitik und sozialer Gerechtigkeit künftig eine wichtigere Rolle spielen wird.
    https://www.rubikon.news/artikel/keine-zukunft-ohne-wandel
    Hendrik Auhagen: „…habe ich doch den Eindruck, dass die meisten Aufstehen-Aktivisten Ökologie durchaus als eines der Kernthemen ansehen – ganz anders als bei vielen Gelbwesten-Aktivisten in Frankreich, die Ökologie eher als ein Thema der Eliten ansehen.
    Viele Menschen in prekärer abstiegsbedrohter Lage haben das Gefühl, dass eine linksliberale Oberschicht, die sich auch gerade medial etabliert hat, sich ignorant bis verachtend gegenüber den Problemen der „einfachen Leute” und ihrer Stadtteile verhält.
    Wenn wir die ökologische Herausforderung ins Verhältnis zur sozialen Frage setzten: Was wäre eine Ökologie von und für unten?
    Ich will das an einem konkreten Bereich formulieren, in dem ich auch sehr lange aktiv war. Das ist die Verkehrspolitik. Eine Verkehrswende, die es durch einen Qualitätssprung im öffentlichen Verkehr schafft, dass in den Ballungsgebieten in den nächsten 5 Jahren ein Fünftel der PKW-Fahrer auf ein eigenes Auto verzichtet, würde eine Win-Win-Situation bedeuten.
    Für die Umwelt ein Gewinn, weil der Autoverkehr einer der Hauptzerstörer der Ökosphäre ist. Und gleich zweimal für die Menschen: Einmal die Steigerung der Lebensqualität gerade in den heute besonders verlärmten, verparkten und verstunkenen Straßen, und andererseits durch deutlich erhöhte verfügbare Einkommen gerade der einkommensschwachen Haushalte, die aufs eigene Auto dann wegen der besseren Alternativen verzichten könnten“

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  2. Detlev Matthias Daniel schreibt:

    Mit der Etablierung des Automobils als Massenverkehrsmittel und den daraus resultierenden gesellschaftlichen Veränderungen wurde der Personenverkehr zu einer unverzichtbaren Voraussetzung gesellschaftlicher Organisation. Etwa so wie die Bereitstellung von Trinkwasser, Nahrung, Energie, Kommunikationsmedien etc. Die Mehrheit der Menschen in dieser Gesellschaft muß nahezu täglich Strecken zurücklegen, die in der zur Verfügung stehenden Zeit aus eigener Kraft nicht bewältigt werden können. Die ökologischen Folgen dieser Entwicklung sind schwergewichtig und bedürfen einer Problemlösung. Probleme mit derart komplexen Auswirkungen können niemals durch isolierte, eindimensionale Maßnahmen wie Abgasfilter, andere Antriebsmotoren o.ä. gelöst werden. Insbesondere der Naturverbrauch in den Ballungsräumen durch die funktionale Entmischung und Wiederverknüpfung durch Verkehr und technische Lösungen bedarf einer grundsätzlicheren Lösung, einer radikaleren Veränderung.

    Nun wäre die schlichte Notwendigkeit der Reduzierung des fossil getriebenen Massenverkehrs bei gleichzeitigem Fehlen massentauglicher Alternativangebote eigentlich eine ideale Randbedingung für den Umstieg auf ein anderes Verkehrskonzept, für die bewußte und erfolgreiche Steuerung der weiteren Entwicklung. Und wenn man bedenkt, daß im 19.Jh. binnen weniger Jahrzehnte ein weitreichendes und -verzweigtes Schienennetz aufgebaut wurde, wirkt die heutige Erzählung der immensen und nicht bewältigbaren Kosten großer infrastruktureller Umbauprojekte einfach unglaubwürdig. Allerdings muß auch eingeräumt werden, daß, je komplexer ein System organisiert ist, desto weitreichender und aufwendiger die erforderlichen Maßnahmen für seine Veränderungen werden. So betrachtet kann es einem schon angst werden beim Blick in die Zukunft.

    Würde man sich jetzt aber gleichzeitig bemühen, den Verkehr auf das Maß zu beschränken, das heute zur gesellschaftlichen Organisation unumgänglich ist, und genau dieses Maß in Form einer öffentlichen Infrastruktur solidarisch organisieren, so könnte schon sehr bald der Flächenbedarf reduziert und erste Räume geschaffen werden, die Entmischung gesellschaftlicher Funktionen, wie Arbeiten, Erholung, Freizeit und den damit verbundenen Verkehrsbedarf sukzessive zu überwinden. In einem solchen Entwicklungsszenario stünden auch soziale und ökologische Ziele nicht mehr per se im Gegensatz. Solange aber das Wachstumsstreben und die konkurrierende Maximierung des individuellen „Nutzens“ (dazu gehört auch Machtgewinn) die dominierenden kulturellen Triebkräfte darstellen, sind die politisch gangbaren Wege in eine solche Entwicklung verstellt.

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