„soziale Schere“

Zu den auffälligsten Erscheinungen unserer Zeit (und zu den verhängnisvollsten, wie ich meine) gehört das Desinteresse der entpolitisierten Massen an der Reichtumsverteilung.

Zur alljährlichen Oligarchenversammlung mit Anhang in Davos erscheint regelmäßig ein Bericht von Oxfam (selbst regierungsnah) zur Vermögensungleichheit in der Welt. Gewöhnlich findet sich dann in den Medien die Feststellung, „die Schere zwischen arm und reich“ habe sich weiter geöffnet. Das ist folgenlos, rituell.

Doch extreme Reichtumsanhäufung bedeutet extreme Machtkonzentration. Wer wollte das im Ernst bestreiten?

Es geht also die extreme Machtkonzentration an den entpolitisierten Massen vorbei. Am eigentlichen Souverän geht sie vorbei. Leben die Massen bzw lebt der Souverän damit nicht ganz passabel? Zumindest in den Reichtumsoasen des Westens?

Manche, Außenseiter, beantworten diese Frage eindeutig mit „Nein“. Sie sehen sogar die Apokalypse voraus.

Gegenwärtig erleben wir allseits beschleunigte Rüstung. Alle diese Waffen der Gegenwart und Zukunft sind unvorstellbar raffiniert. Sie sollen ein unvorstellbar hohes Maß an Sicherheit produzieren. Ich stelle mir vor: In naher Zukunft – selbst ich erlebe noch diesen Zeitpunkt – sitzen in fünf, sechs Ländern (vier sind heute bereits bekannt: USA, Russland, China, Israel) fünf, sechs Leute vor einem (ihrem) Knopp. Wenn sie auf den drücken, sind zehn Minuten später alle Feinde tot. Das ist doch die ultimative Sicherheit! Oder?

Wenn der eigentliche Souverän ohne Macht ist, wer ist dann Herr und Meister besagter Machtkonzentration? Oder anders gefragt: Kann man den fünf, sechs Leuten vertrauen und beruhigt weiterschlafen?

Der Blick in die Geschichte, um ein Lehre zu finden, scheint fragwürdig. Schließlich gibt es erst heute die Möglichkeit der kompletten Selbstvernichtung der Menschheit. Doch vielleicht ist auch ein hinkender Vergleich nützlich.

Der dreißigjährige Krieg, der auf dem Boden unseres lieben Vaterlandes wütete, hat menschliches Leben, menschliche Kultur, zumindest in weiten Landstrichen ausgelöscht. Die gegenseitige Vernichtung konnte zur einzigen Überlebensform werden. (Auch im heutigen Afrika gibt es solcher Zonen.)

Mir scheint, solange Machthaber sich einen Hort ihrer Macht und ihres Reichtums sichern konnten oder auch nur glaubten, ihn sich sichern zu können, solange fand das Schlachten kein Ende. Dieses Prinzip wurde sogar gesungen, nicht nur vor 300 Jahren, sondern auch ab 1932: „Wir werden weiter marschieren, wenn alles in Scherben fällt.“*

In Erwägung all dessen meine ich, dass die Duldung von Superreichtum (die mit der Ignoranz anfängt) selbstmörderisch ist.

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Erst während ich schrieb, fiel mir dieses Lied ein. Ich mochte es nicht verlinken. Und doch hebe ich den Text erneut zur Kenntnis genommen. Er steht im Volksliederarchiv.  Youtube liefert die volle „zackige“ Pracht. Über den katholischen SS-Aktivisten Hans Baumann, der das Lied schrieb, gibt Wikipedia Auskünfte, über die nachgedacht werden darf.

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