„selbsthassende Juden“, Antisemitismus, Feinde

Ich bin wahrlich kein Fachmann für solche umstrittenen Themen wie „Judentum“, „Zionismus“ oder „Herrschaftsideologie Israels“. Sollte ich also besser schweigen? Doch ich nehme mir das Recht, mich zu äußern. Denn seit Frau Merkel plötzlich das Wohlbefinden Israels zur bundesrepublikanische Staatsräson erklärt hat, bin ich, BRD-Staatsbürger, betroffen.

Einfachste Überlegungen:

  • Ich habe oft beobachtet, dass Argumente mancher Juden mit dem Satz vom Tisch gefegt werden, diese seien „Selbsthasser“, „selbsthassende Juden“. Mich hat immer die Dreistigkeit verblüfft, die in der Verwendung dieses Verdikts zum Ausdruck kommt. Natürlich habe ich eine solche Wendung des „Diskurses“ ins Widerwärtige nie akzeptiert. Vielmehr habe ich die Veröffentlichungen solcher Geschmähten besonders aufmerksam gelesen und wurde meist von deren besonders hoher Qualität überzeugt. Ich spreche von der Phalanx der Ilan Pappe, Norman Finkelstein, Shlomo Sand, Gilad Atzmon, Moshe Zuckermann, James Petras, Simcha Flapan, John Mearsheimer/Stephen Walt, Zeev Sternhell und nicht zu vergessen Ron Unz.
  • Mir blieb der Eindruck, dass auch und gerade im „innerjüdischen Diskurs“ die „Verwalter der herrschenden Wahrheit“ mit härtesten Bandagen kämpfen und keineswegs davor zurückschrecken, dort, wo ihnen die Argumente ausgehen, unter die Gürtellinie zu schlagen. Mir fällt das in meiner deutschen Naivität immer gerade dann ein, wenn besagte Wortführer auf ihren gleichsam naturwüchsigen Opferstatus und entsprechenden -schutz abheben.
  • In dieser Weise mit einigem Misstrauen erfüllt (Darf ich das?) verfolge ich die lebhaften Meinungsäußerungen des Tages um Antisemitismus mit kühler Aufmerksamkeit. Diese Diskussionen werden ja nicht nur von den maßgebenden Ideologiebestimmern, sondern regierungsoffiziell  vorangetrieben – mit offizieller (wenn auch nicht rechtsverbindlicher) Antisemitismusdefinition (1) und zahlreicher werdenden wachsamen, aufheizenden aktivierenden Regierungsbeauftragten. Zur Qualität der genannten Definition hat Norman Paech das Notwendige gesagt. Dem schließe ich mich inhaltlich an, ohne seine Höflichkeit zu teilen.
  • Ich erlaube mir die Überlegung, dass es nicht einfach Unvermögen ist, eine derart unqualifizierte, unsaubere Definition zu präsentieren. Es gibt ein verständliches Motiv: Je schwammiger, je weiter, je auslegbarer die Definition ist, umso mehr Möglichkeiten haben die Herrschaftsmedien und die bestellten Interpretierer „begründete Urteile“ zu fällen. Je weiter gefasst und unklarer die Maßstäbe, umso ungehemmter kann die Zuchtrute geschwungen werden. Wohin kann eine solche Praxis führen? Nicht nur dahin, das zu Unrecht Beschuldigte Schaden erleiden, sondern auch dahin, dass sie sich wehren, ihre „Schuld“ nicht akzeptieren und eventuell sogar ihrerseits mit pauschalen Wertungen (darunter tatsächlich antisemitischen) „zurückschlagen“.

Könnte es sein, dass ein (bewusst?) falscher „Kampf gegen Antisemitismus“ tatsächlichen Antisemitismus hervorruft? Könnte es sein, dass Jemand Interesse daran hat? Ein Interesse daran, dass sich einfache nichtjüdische Menschen und einfache jüdische Menschen befeinden?

Sie, liebe Leserin, lieber Leser, meinen, dass es solch ein perfides Interesse nicht gibt?

Dass es Deutsche gibt, die Deutsche gegen Deutsche hetzen? Und Juden, die Juden gegen Juden hetzen?

Für mich, der sich zum Kampf der Ausbeuter und Machthaber gegen die Ausgebeuteten und Machtlosen bei Marx, Engels und Lenin Rat holt (seit langem und bis heute) entspricht die Aufdeckung solcher menschenfeindlichen Interessen einem konsequent aufklärerischen Ansatz.

 

(1) Dabei entblödet sich das AA der BRD nicht, eine Definition des Antisemitismus. durch die IHRA zu behaupten, die diese NICHT beschlossen hat. Ausführlichere Erläuterungen und Richtigstellungen dazu hier.)

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17 Antworten zu „selbsthassende Juden“, Antisemitismus, Feinde

  1. Sven Thom schreibt:

    Halten wir es doch wie Mutti.
    Einfach ignorieren, nicht darauf reagieren und totschweigen.
    Wenn man so reagiert bzw. nicht-reagiert auf jegliche Äußerungen zu diesem Thema, so wird es bald in Vergessenheit geraten. Und seit wann ist der Glaube bitteschön von den Genen abhängig, oder habe ich da etwas verpasst?

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  2. ups2009 schreibt:

    Hate Crime …which is perceived to be … und die Faschisten des George Soros drehen am Rad
    (Erklärbär https://de.wiktionary.org/wiki/am_Rad_drehen )

    …which is perceived to be … was als wahrgenommen wird
    Es muss nicht mal so gemeint oder gewollt sein, es muss sich nur irgendeiner finden, der es so wahrgenommen haben will, und der findet sich garantiert immer.

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  3. Pingback: Angriff auf die „Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ | opablog

  4. Detlev Matthias Daniel schreibt:

    „Antisemitismus ist eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die sich als Hass gegenüber Juden ausdrücken kann.“ Die „Definition“ verbirgt sich hinter dem Wort „bestimmt“. Das ist ein Hinweis auf eine geheime Note, die im Archiv der International Holocaust Remembrance Alliance dem Dokument als Anlage beigefügt wurde.

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