„Umweltidiotisierung“

Umweltschutz kommt bei vielen Menschen gut an. Einerseits kennt jeder aus eigener Erfahrung Beispiele für mangelnden Schutz der Umwelt, andererseits kann man trefflich auf Umweltsünder schimpfen, ohne ernsthaft die Ursache allen Raubbaus – das kapitalistische/imperialistische Streben nach Maximalprofit angreifen zu müssen.

In letzter Zeit habe ich zunehmend den Eindruck, dass „Umweltschutz“ zu einer Art Religion erhoben wird und folglich noch die albernste Maßnahme „der Umwelt zuliebe“ götzenhaft anzubeten ist. So macht man „Alibiumweltschutz“, um wirklich Grundsätzliches aus der Kritik herauszuhalten.

Beispiel vor einiger Zeit: Das EU-Verbieten von Trinkhalmen (!) aus Plastik.

Jüngstes Beispiel: Das Skandalisieren des Zigarettenfilters (30 bis 40% der Abfälle seien Zigarettenstummel.)

Von dem Trommelfeuer zur Durchsetzung der Erkenntnis von der menschengemachten Klimaerwärmung ganz zu Schweigen. Nicht auszudenken, wenn die sog. Klimaskeptiker auch nur zur Hälfte Recht hätten.

Wohin man auch blickt: Überall werden Engführungen für’s Denken gebaut (Muss ich „Chemnitz“ extra erwähnen? Oder „Antisemitismus“?). Und es werden rabiate  Wächter (nichtstaatlich im Staatsauftrag) installiert.

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9 Antworten zu „Umweltidiotisierung“

  1. fidelpoludo schreibt:

    „Überall werden Engführungen für’s Denken gebaut (…) Und es werden rabiate (nichtstaatliche im Staatsauftrag) Wächter installiert.“

    Dem angeführten Link zu folgen (s.o.!), lohnt sich!

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  2. fidelpoludo schreibt:

    Nur ein weiterer Beweis für Intransparenz und psychologische Kriegsführung als Herrschaftsprinzip, das der viel zu wenig beachtete Karl Kraus in vielen Facetten auf treffende Punkte gebracht hat. Unter anderem hier:

    „Das Geheimnis des Agitators ist, sich so dumm zu machen, wie seine Zuhörer sind, damit sie glauben, sie seien so gescheit wie er.“

    Wobei des Agitators Geheimnis heutzutage eher genauer gesagt darin besteht, „sich so dumm zu stellen, wie seine Zuhörer sind“.

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  3. Lutz Lippke schreibt:

    Manchmal ist Idiotisches aber genau das Richtige
    https://kenfm.de/tagesdosis-18-12-2018-desinformation-in-klumpen/#comment-155152

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  4. Theresa Bruckmann schreibt:

    Lieber fidelpoludo,
    das fiel mir auch unangenehm auf, dachte mri aber, dass
    das Hauptanliegen von Frau Köpping hier von Interesse
    sein könnte, vielleicht sogar Reaktionen hervorruft bei
    denen, die das Zusammenwachsen Ost-West erlebt
    haben.

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  5. fidelpoludo schreibt:

    Liebe Theresa,
    nachdem ich mich näher mit Frau Köppings Buch und – wie Sie zu Recht bemerkt haben – mit ihrem Hauptanliegen befasst habe, holte mich doch das Grausen vor meinem voreiligen Grausen, ein, ich drehe mich auf der Stelle um und jetzt komme ich auf allen Vieren zurückgekrochen – und behaupte nahezu das Gegenteil: Parteipolitiker(innen), die sich darauf verstehen, die Probleme derer, die sie vorgeben zu repräsentiere, derart genau nicht nur kennenzulernen und sich drauf einzulassen, sondern sie in verständliche Worte zu fassen vermögen, gilt mein Respekt und meine Anerkennung.
    Aus diesem Grunde scheint es mir angebracht, über den wiederholten Verweis auf den sehr guten Artikel von Jens Berger
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=47004
    auch die Lektüre ihres Buches zu empfehlen:

    „Integriert doch erst mal uns!“

    ​(…) ​Mit vielen Beispielen, von der Politik der Treuhand bis hin zu den Folgen des Scheidungsrechts und des Rentenrechts, der Dominanz der Wessis in den Führungspositionen ostdeutscher Unternehmen und Institutionen und der Arroganz der „Sieger“ belegt sie anschaulich, dass die ostdeutsche Bevölkerung völlig zu Recht Wut im Bauch hat. Weil in ganz vielen Fällen ganze Leben entwertet und ruiniert wurden: ​(…)

    Viele im Westen wissen zudem nicht: Der Betrieb bedeutete viel mehr: Er war Anknüpfungspunkt für den Sportverein, das Kulturhaus, die Apotheke und das gesamte soziale Umfeld. Nicht nur der Betrieb wurde also 1990 geschlossen, sondern auch das soziale Umfeld litt darunter. Vieles verschwand von einem Tag auf den anderen. (…)

    „Früher durfte ich auf der Arbeit alles sagen, musste aber den Mund halten, wenn es gegen die Regierung ging. Heute ist es umgekehrt“ (…)

    Immer wieder bekamen Ostdeutsche im Alltag der Nachwendezeit eine Botschaft vermittelt: Ihr seid nicht gleichwertig. Ihr seid Menschen zweiter Klasse. Dazu mal einige Beispiele. Ostdeutsche hatten im Regelfall keine großen Besitztümer geerbt und bekamen deshalb keine Kredite,

    „während so mancher westdeutscher Glücksritter jede Förderung bekam. Ich erinnere mich, wir hatten damals in Colditz ein Konzept für eine Emaille-Fabrik: Wir haben keine Kredite bekommen. Wir sind an der Finanzierung gescheitert, nicht am Konzept oder am Kaufpreis“. (…)
    Die Treuhand habe die Fabrik dann an einen westdeutschen Unternehmer verkauft – für genau eine Deutsche Mark. Solche Erlebnisse und Erfahrungen gab es massenhaft.​ (…)

    ​Begleitet wurde dieser Enteignungsprozess von herabsetzenden medialen Debatten. Etwa wenn die prominente Schauspielerin Uschi Glas in der Talkshow „Markus Lanz“ behauptete, im Osten seien die Menschen zu unterqualifiziert, um einen Mindestlohn zu rechtfertigen. Und Uschi Glas ist nur ein Beispiel für herabsetzende Debatten über Ostdeutsche. (…)
    „Die Westdeutschen haben damals uns Ostdeutsche so schäbig behandelt wie manche Ostdeutsche heutige Flüchtlinge. ‚Dunkeldeutschland’ (ein Begriff, den Ex-Bundespräsident Joachim Gauck verwendete; UB) gibt es in Ost und West“(…)

    Köppings Buch bietet jedem, der sich für diese Thematik interessiert, einen guten Einblick in die Probleme der ostdeutschen (und damit letztlich auch der westdeutschen) Gesellschaft. Die vielen Benachteiligungen und Ungerechtigkeiten, die die Ostdeutschen ertragen mussten, sind im Westen kaum bekannt. Dadurch wird verständlich, warum es insbesondere im Osten gesellschaftlich so rumort und kracht. Gleichzeitig lernt man als Westdeutscher, dass die DDR in vielen Bereichen sehr modern und fortschrittlich war, und vieles was heute als „Innovation“ verkauft wird, in Ostdeutschland schon längst existierte. So war zum Beispiel das DDR-Schulsystem die Blaupause für das weltweit gelobte finnische Schulsystem. Das Buch von Petra Köpping trägt so auch zu einem differenzierteren Bild der DDR bei, die im Westen oft nur einseitig unter dem Aspekt „Dikatur“ und „Unrechtsstaat“ gesehen wird.“

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  6. Theresa Bruckmann schreibt:

    Lieber fidelpoludo,
    habe so lauthals über Ihre überschwängliche Entschuldigung gelacht, dass mein
    Mann angelaufen kam um zu fragen, ob alles in Ordnung sei.
    Einerseits wissen Sie ja, dass ich Ihnen so ziemlich alles nachsehe – nicht nötig also!
    andererseits hätte ich ohne diesen Lachanfall auskommen müssen!

    Bei der Gelegenheit könnte ich aber noch meine Lieblingsbesetzung vom kleinen
    Trommelmann beifügen, schließlich ist morgen der 1. Weihnachtsfeiertag:

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    • fidelpoludo schreibt:

      Liebe Theresa und alle, die sich auf diesem Blog beteiligt und sich hier ein Stück weit heimisch gefühlt haben und fühlen.
      Wenn die „christliche Botschaft“ noch einen Sinn hat, muß sie mit Fragen verbunden werden – etwa wie dieser:

      ¿Qué horas son, mi corazón?
      ¿Que hora son en Inglaterra?
      ¿Que hora son en Washington?


      Vieleicht läßt sich, wenn sie beantwortet sein wird und in der Antwort sich die „Frohe Botschaft“ verkünden läßt, dass „sein Thron zerbrach“ und dem Samson unserer Tage das Haar abgeschnitten wurde, mit ihm zusammen ein „Hallelujah!“ dann irgendwann hoffentlich auch anstimmen.

      „Frohe Weihnachten!!!“

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