Fundstück – 9.11.2018 – Oberst Redl

„Hegel bemerkte irgendwo, daß alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal ereignen. Er hat vergessen, hinzuzufügen: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce.“ (Karl Marx: „Der achtzehnte Brumaire…“)

In meiner Jugend habe ich die Bücher von Egon Erwin Kisch verschlungen. In meiner Jugend? Wikipedia weiss, dass Kischs „Der Fall des Generalstabschefs Redl“ 1969 in Berlin/Weimar erschienen sei. Ich zweifle. Dann stelle ich fest: Mein Band „Prager Pitaval“ der Kisch-Sammelausgabe trägt das Copyright: „1952 by Aufbau-Verlag GmbH, Berlin W8″. Nun stimmt es mit meiner Jugenderinnerung schon besser. Halbwissen bei Wikipedia auch in dieser eher zweitrangigen Frage. Dafür wird dem ahnungslosen Leser mit einem schön gedrechselten Satz „Tiefenwissen“ vermittelt: „In der DDR zählte er als sozialistischer Autor zum Kanon, seine Werke wurden laufend neu aufgelegt, in einer Gesamtausgabe zusammengefasst und waren trotz der Inanspruchnahme durch die staatstragende SED jahrzehntelang auf den Bestsellerlisten der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) vertreten.“  Sagte ich „Kotz-Satz?“

Heute wurde nun wieder einmal ein Oberst Alfred Redl wegen Spionage festgenommen.

Das gibt’s nur in Kakanien!

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5 Antworten zu Fundstück – 9.11.2018 – Oberst Redl

  1. fritzLetsch schreibt:

    Egon Erwin Kisch war der Freund der Eltern von Robert Jungk, und sein großes Vorbild: Als Schauspieler lasen die Eltern regelmässig alle Zeitungen, weil damals überall Theater-Kritiken zu lesen waren, und „der schnellste Reporter der Welt“ war einer der Wenigen, die sich damals kein Blatt vor den Mund nahmen, also die Interessen der Zeitung und die Erwartungen der Leser nicht als Selbst-Zensur benutzten.

    Robert Jungk landete schon als Schüler im jüdischen Wandervogel, auf den selbst-organisierten „Fahrten ins Blaue“, was wir heute als wandern und trampen bezeichnen würden, wurde die Gastfreundschaft am Land, die Gemeinschaft und das abendliche Lagerfeuer mit Mandoline und Gitarre und romantischen Fahrtenliedern genossen, Natur beobachtet, nackt gebadet und getanzt … was ab 1934 gleichgeschaltet, verboten und militärisch in die Hitlerjugend übernommen wurde.

    Robert Jungk riss als Student der Humboldt-Uni nach dem Reichstagsbrand dort die Nazi-Plakate ab, wurde vom Hausmeister festgehalten und entkam durch einen Trick mit einem uniformierten SA-Freund, floh in die Schweiz und versuchte als Korrespondent dort zu überleben …

    Seine schlimmsten Erfahrungen, dass die internationalen Blätter die Berichte zur Judenverfolgung nicht druckten, machten ihn sehr pressekritisch, aus Hiroshima berichtete er von der Strahlenkrankheit, was zum Buch „Der Atomstaat“ führte und zu seinem weiteren Engagement in der Friedensbewegung, bis zur Entwicklung der „Zukunftswerkstatt“ als demokratische Arbeitsform.

    ich bin dankbar, dass ich bei und mit ihm lernen durfte …
    In Salzburg pflegt eine Bibliothek seine Arbeits- und Denkweisen https://jungk-bibliothek.org

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  2. Joachim Bode schreibt:

    Zu Oberst Redl:
    Die Österreicher, mit den Russen seit langem befreundet, könnten ja mal in Berlin, Kanzleramt, anrufen und fragen, wie man mit so einer Sache umgehen sollte.
    „Abhören unter Freunden, das geht gar nicht.“
    Und danach nur Stille….

    Doch: Der Tip zu Redl kam von ausländischem Geheimdienst. Ja, woher denn sonst? Ich tippe auf den MI6, Christopher Steele. Ein neuer Fall Skripal?

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  3. Anonymous schreibt:

    Der rasende Reporter. Der hatte mit der DDR wenig zu am Hut.

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