Blackrock will direkte politische Macht

Wer die Machtverhältnisse im globalisierten neoliberalen Kapitalismus der Gegenwart verstehen will, kommt um Unternehmen wie Blackrock nicht herum.

Blackrock, gerade mal 30 Jahre alt, ist eine Fondsgesellschaft, keine traditionelle Bank. Somit unterliegt B. nicht der Bankenkontrolle und -regulierung. Blackrock, gegründet und geführt von Laurence Douglas „Larry“ Fink, jüdischer Amerikaner, VERWALTET Vermögen, etwa von Pensionsfonds. So haben Dank niedriger Gebühren 93% der Amerikaner ihre Rentenrücklagen bei Blackrock angelegt. Manche, etwa Blackrock-Vizechefin Barbara Novick, bezeichnen B. deshalb als einen Vorreiter der „Demokratisierung des Aktienmarkts“.  

Auch Larry Fink ist vor allem „treuer Verwalter“ fremden Eigentums.  Sein persönlicher Anteil an Blackrock beträgt gerade mal 0,7%. Erst 2018 hatte er endlich, man sieht es auf dem Bild, eine  Milliarde  zusammengespart.

Blackrock verwaltet ein Vermögen von weit über 6.000.000.000.000 Dollar (Billionen). (Zum Vergleich: Der Staatshaushalt der BRD für 2019 umfasst rund 357 Mrd €.) Blackrock ist die größte Finanzweltmacht. Fast unnötig zu erwähnen, dass B. an allen 30 DAX-Unternehmen beteiligt ist.

In dem von mir verlinkten Vortrag hat Hans Jürgen Jakobs exakte Daten zur Macht von B. und einiger weniger ähnlicher Finanzgiganten vorgelegt.

Rügemer hat in der Neuen Rheinischen Zeitung markante Fusionsaktivitäten von B. beschrieben.

Eine Analyse von Blackrock „Ein Geldkonzern auf dem Weg zur globalen Vorherrschaft“ haben Schumann und Simantke im „Tagesspiegel“ vorgelegt. Ihre konzentrierte Arbeit (mit hervorragenden Quellen) zeichnet besonders die Wechselbeziehungen zwischen Blackrock und verantwortlichen Politikern bzw. Regierungen nach. Das sind Wechselbeziehungen, die weit über das bekannte „Drehtürphänomen“ zwischen Politik und Wirtschaft hinausgehen.

Eine lebendige Verkörperung all dieser Geschäfte trägt den Namen Friedrich Merz, vielfacher Lobbyist und Aufsichtsrat, nicht nur aber auch bei Blackrock.

Zu Herrn Merz und seiner Kandidatur werden noch Millionen Wörter geschrieben, stundenlange Talkrunden gedreht werden. Willy Wimmer hat es kurz gemacht.

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21 Antworten zu Blackrock will direkte politische Macht

  1. Jo Bode schreibt:

    Die Macht ist ja bereits seit Jahrzehnten und länger eindeutig zugeordnet. Mit einer direkten, unvermittelten Zuordnung der Macht ohne z.B. die manchmal ganz klein wenig wankelmütige Vermittlung durch Leute wie die Kanzlerin (Kernkraftfrage ..) lassen sich die wichtigsten Auseinandersetzungen auf allen Gebieten schneller und radikaler im Sinne der Herrschenden führen. Allerdings werden dadurch die Interessengegensätze deutlicher wahrgenommen, was zu energischer Positionierung der Gegenkräfte führen kann.

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    • fidelpoludo schreibt:

      Daran, dass „die Interessengegensätze deutlicher wahrgenommen“ werden könnten, werden sich vermutlich die so oder anders presstituierten Medien in scheinbaren Differenzen gemeinsam abarbeiten (vgl. Kranichs „noch Millionen Wörter“): Die SPD könnte eine neue Scheinprofilierungschance erhalten, die sie nicht verdient hat mit ihrem aktuellen Personal und die CDU zaubert ihr Sahnehörnchen aus dem Hut mit einem Macrönchen „à l’allemande“ (eine neue Partei können die Transatlantiker sich sparen, wenn Merz sich durchsetzt bzw. mit Medienhebeln durchgesetzt werden kann), begleitet vom schattenboxenden Clinch der Grünen, der FDP und nicht zuletzt der AfD.

      Interessante Hinweise zu einer möglichen „linken Haltung“ dazu gibt Norbert Häring hier:
      http://norberthaering.de/de/27-german/news/1057-merz-cdu

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      • kranich05 schreibt:

        Interessant finde ich, dass Norbert Häring, die Linke betrachtend „Aufstehen“ völlig ausblendet.
        Ob man das so deuten kann, dass er „Aufstehen“ in der politischen Realität überhaupt keine Bedeutung beimisst?
        Noch nicht einmal in der politischen Realität des Linksspektrums?

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        • fidelpoludo schreibt:

          Das ist mir auch aufgefallen, wüßte aber im Moment nicht, auf wen er sich als „Linke“ sonst hätte beziehen können. Folgender Hinweis scheint mit nur für „Aufstehen“ konzipiert zu sein:

          „Eine Linke mit offenen Grenzen im Programm und einem Faible für Weltoffenheit, das sie von unten betrachtet in die Nähe der Globalisierungselite rückt, hat da ganz schlechte Karten. Wer verhindern will, dass eine Merz-CDU den Sozialstaat ausblutet, wählt aufgrund der Machtverhältnisse eher SPD als Linke. Wer die Gefahr für den eigenen Anteil an Sozialtransfers und staatlichen Leistungen vor allem in Zuwanderung, Globalisierung und ‚Finanzialisierung sieht, wird AfD wählen – und nicht die Linke, jedenfalls nicht bei deren heutiger Programmatik. Ihre einzige Chance liegt darin, die Programmatik der offenen Grenzen SPD und Grünen zu überlassen und auf eine umzuschwenken, mit der man der AfD Paroli bieten kann und sich gleichzeitig auch von SPD und Grünen unterscheidet.“

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  2. BjörnsTipp schreibt:

    Vor gar nicht so vielen Monaten interessierte mich, was aus Friedrich Merz wurde. Denn vor ein paar Jahren hielt ich ihn in Reihen der CDU für einen guten Politiker und wunderte mich über seine politische Abstinenz. Recherche Und Fall Merz nach kurzer Zeit beendet, als ich ihn in der Atlantik-Brücke fand.
    Und welche Medien machen so einen Wirbel um die Rückkehr auf die politische Bühne? Deren Chefredakteure lassen sich jedenfalls in der Atlantik-Brücke finden.
    Die finanzielle Verflechtungen von Blackrock in die deutsche Wirtschaft wird seine Kandidatur noch weiter unterstützen.

    Viele Grüße und Danke für die Hinweise auf die Verbindung zwischen Merz und Blackrock.

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  3. kranich05 schreibt:

    Zu Blackrock und Merz siehe auch die Nachdenkseiten hier:
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=46825
    und hier:
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=46843

    Weiteres Hintergrundwissen: Blackrock, Fink, Rothschild. Siehe hier: https://www.br.de/nachrichten/wirtschaft/maechtig-und-unbekannt-der-vermoegensverwalter-blackrock,R82tSPH
    Genauer sollte man sich auch Blackstone ansehen.

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  4. fidelpoludo schreibt:

    Hat sich schon jemand für die Doktorarbeit von Friedrich Merz (seinen „Aktenvortrag“ oder eine seiner Examensklausuren, seine Richterkarriere) interessiert und villeicht festgestellt, dass sein eigener Beitrag sich auf einem Bierdeckel versammeln ließe?

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    • Joachim Bode schreibt:

      Soweit für mich ersichtlich, gibt es keine „Doktorarbeit“ von Merz. Eine Promotion ist auch nirgendwo erwähnt.
      Der für das 2. Staatsexamen (Assessorexamen) damals verlangte Aktenvortrag war das Ergebnis von einigen Tagen Aktenstudium (Vorstellung eines Rechtsstreits mit Lösungsvorschlag), während die zumeist 5 jeweils halbtägigen Examensklausuren in den wichtigsten Rechtsgebieten den Zeitrahmen von insgesamt 1 Woche nicht überschritten. Dazu kam eine sogen. Hausarbeit von 4 Wochen und die abschließende mündliche Prüfung, die sich oft über einen Arbeitstag hinzog, aber unter Beteiligung mehrerer Kandidaten.
      Unzulässige fremde Hilfe(n!) gab es oft bei der Hausarbeit und bei der Vorbereitung des Aktenvortrags, nicht selten gegen zum Teil beträchtliche Entlohnung.
      So oder so – mit Bierdeckelformat hatte das nichts zu tun, dafür aber mit sehr viel Streß.

      Inzwischen haben sich die Bestandteile der Prüfung geändert.

      Die nur kurze amtsrichterliche Tätigkeit von Merz konnte sicher keine großen Spuren hinterlassen, anders als die späteren Engagements an zahllosen Stellen, die als gemeinsames Element den mehr oder weniger ausgeprägten Klassenkampf von oben ausweisen.

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      • fidelpoludo schreibt:

        Lieber Joachim,
        es war eher scherzhaft gemeint. Ich dachte vielleicht könnte man ihn wie einst unseren von den Medien zum Bundeskanzlerpretendenten hochgepuschten Grafen von – ich weiß nicht mehr wo – kurzerhand nach Amerika abschieben.

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  5. fidelpoludo schreibt:

    Werner Rügemers drei Beiträge in der Neuen Rheinischen Zeitung, in denen auch Auszüge aus seinem neuesten Buch „Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts“ gebacht werden, möchte ich doch noch einmal besonders hervorheben, wobei es nicht so leicht ist, auf der schwierig zu händelnden Website allen drei Beiträgen auf die Spur zu kommen. Rothschild kennt jeder. Wie dieses Konglomerat genauer vorgeht, kann man in diesem dritten Beitrag ebenso detailliert erfahren wie weitestgehend unbekannte Zusammenhänge anderer „heute bestimmender Kapitalakteure des kapitalistischen Westens“, etwa der „etwas lichtscheue(n) Branche der elitären Investmentbanken, mit Politk und Wirtschaft.

    Wer kannte „Lazard“? Ich nicht. Auch diese Investmentbank bekam nach der letzten Finanzkrise weiteren Auftrieb. Auch sie konzentriert sich auf den „Umbau von Unternehmen und Staaten“ und mehrt dabei „auf ihre Weise die Selbstbereicherung und die Macht der transnationalen kapitalistischen Klasse“.
    Wer erfahren möchte, welche Rolle der uns als „Dauer-Quasselstrippe in TV-Talkshows“ und ehemalige Botschafter der USA in Deutschland John Kornblum in enger Verbindung „elitärer Investmentbanken mit Konzernen, Regierungen, Militär und Geheimdiensten“ u.a. als Präsident von Lazard Deutschland spielt, dem sei dieser dritte Teil empfohlen. Wo auch zu erfahren ist, wie verdeckt und intransparent „Lazard“ im Auftrag der Troika (IWF, Europäische Kommission, Europäische Zentralbank), abgeschirmt von der Öffentlichkeit, die Interessen der Kreditgeber – etwa in Griechenland, Kroatien und der Ukraine – vertritt, die ebenfalls selbst lieber im Hintergrund bleiben.

    Hans Jürgen Jakobs Buch neben das von Werner Rügemer zu halten, könnte durchaus Erkenntnis fördernd sein.

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  6. fidelpoludo schreibt:

    Norbert Häring verdanken wir einen weiteren Ausdruck aus Werner Rügemers „Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts“ (Gemeinverständliche Notizen zum Aufstieg der neuen Finanzakteure), in dem es um die Monopolisierung des Wohnungsmarktes in Deutschland durch BlackRock & Co geht:

    BlackRock & Co: Die größten Eigentümer von Mietwohnungen
    Die neuen Finanzakteure krempeln seit der Jahrtausendwende und verstärkt seit der Finanzkrise 2008 die Wirtschaft in der EU um und haben auch das Ende der Deutschland AG herbeigeführt: So sind BlackRock & Co inzwischen auch die bei weitem größten Privateigentümer von Mietwohnungen in Deutschland. (…)

    Weiterlesen bitte hier:
    http://norberthaering.de/de/buchtipps/1032-ruegemer-blackrock

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  7. fidelpoludo schreibt:

    „Blackrock will direkte politische Macht?“
    So blöd wird Blachkrock nicht sein. Noch nicht! Er/Sie wird in breit gefächerter Solidarität mit den anderen Investmentbanks und dem militärisch-industriellen-finanziellen-medialen Komplex dann doch lieber indirekt, aus dem alles mit Dunkelheit überziehenden Schatten heraus die politischen Strippen ziehen. Aus dem Schatten heraus wird unsere „Flintenuschi“ – die im Moment niemand auf dem Bildschirm hat – das Rennen machen.

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