Fundstück – 22.10.2018 – „Unteilbar“ in Hochform wohin?

Ich fand dieses Video, das den Auftritt (die Performance?) der deutschtürkischen Künstlerin/Aktivistin İdil Baydar („Jilet Ayse“) auf der Bühne der „Unteilbar-Demo vom 13.10.2018 dokumentiert.

Wo fand ich dieses Video?

Bei Human Connection (hc), dem neuen Wissen-, Kommunikations- und Aktionsnetzwerk, das seit einiger Zeit in der Alpha-(Test-)Version online ist.

Von hc wird künftig hier, wenn ich es richtig einschätze, noch viel zu lesen sein.

Jetzt aber interessiert mich einfach, wie meine Leserinnen und Leser diesen Auftritt beurteilen. Ich würde mich freuen, wenn sich viele die Mühe machen, ihre Überlegungen in einem Kommentar (oder auch Gastbeitrag) öffentlich kundzutun.

Gleichzeitig meldet sich hiermit kranich05 wieder zurück.

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22 Antworten zu Fundstück – 22.10.2018 – „Unteilbar“ in Hochform wohin?

  1. fidelpoludo schreibt:

    Lieber Kranich.
    meine Stellungnahme zu „unteilbar“ habe ich mehrfach hier zum Ausdruck gebracht. Allerdings bin ich mir ziemlich sicher, dass dieser Auftritt einem Großteil der an der Demo Teilnehmenden nahezu genauso peinlich ist wie mir (uns?). Wir machen einen großen Fehler und es uns zu leicht, wenn wir diesen Auftritt, der Anlass zum Fremdschämen gibt, als paradigmatisch für das Niveau der Teilnehmer betrachten. Das Problem mit „unteilbar“ liegt entscheidend anders: Das Gefühl der moralischen (und geistigen) Überlegenheit, das viele Teilnehmer der Demonstration zur Teilnahme bewog, wird hier ad absurdum geführt, schlägt ihm ins Gesicht. Sie sind viel, viel smarter. Ungefähr so viel smarter wie die „liberal (left) democrats“ in ihren zahlreichen Demonstrationen wie in ihren Gedankengängen und in ihren Medien gegen Donald Trump, den „billigen populistischen Trampel“ in ihren Augen, sich zugute halten. Ihre smarte Verlogenheit (oder ist es eher spassige Vergesslichkeit?) zeigt sich aber darin, dass sie nicht nur einem „smart guy“ wie Barrac Obama frenetisch zu gejubelt haben (wie – ich gebe es zu – ich selber zeitweise auch), sondern es versäumt haben, der achtjährigen permanenten Kriegsführung des Friedensnobelpreisträgers entsprechend aufgewühlt und demonstrativ entgegen zu treten und ihn aus dem Amt zu jagen. Obama, der wie Trump versprochen hatte „to drain the swamp“ (of Wallstreet Banks), der für seine mehr fördernde als fordernde Unterlassung nun nach Amtsende bis jetzt – Ende offen – mit ein paar „Speeches“ auf eben der Straße round about 1,2 Millionen Dollar eingesackt hat. Den endgültigen Ausgang aus der „Revolving Door“ – der er bis auf weiteres noch genußvoll die Kindheitsfreuden einer Karusselfahrt abzugewinnen scheint – hat er noch nicht gefunden. Den „Exit“ nach Abu Graib oder zur Guantánamo Bay wird er wohl kaum wählen. Die „Smartness“ der „Left Liberals“ geht stattdessen hin und erschöpft und ermüdet sich darin, Bushs und Obamas Versäumnisse Trump anzukreiden. Die Tendenz der Berliner unheilbar „Unteilbaren“ geht in die gleiche Richtung. Statt Merkel, Maas, Nahles, Schulz und Kühnast und Trittin und Özdemir – wegen ihrer verfehlten neoliberalen Politik und Befürwortung unverantwortlicher Kriegseinsätze auf die Sprünge zu helfen, schießen sie sich lieber auf die AfD, Pegida und alle, die sie in ihrer Nähe wähnen, ein. Da beweisen sie ihre „grenzenlose“ Smartness. Das mag ich Frau İdil Baydar („Jilet Ayse“) nicht vorwerfen. Sie nutzt die ihr gebotene Bühne bloß, um im Geschäft zu bleiben.

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  2. Anderer Opa schreibt:

    Hallo es ist schwierig alles für sich selbst zu beurteilen. Der Auftritt selbst ist substanzlos und eigentlich zum fremdschämen.
    Was mir bei dieser Ungeteilten Demonstration extrem negativ aufgefallen ist : Katja Kipping, Lederer und co, als Initiatoren…Unterstützung durch die Massenmedien und wohlwollende Kommentierung da fällt mir doch glatt…wer war das noch? Marx,Lenin oder Brecht? Wenn der Feind dich lobt hast du was falsch gemacht. …..ein. Dies „Demo“ mit soviel Unterstützung auch durch Sorosaffinen Organisationen und der politischen „Elite“ zeigt eher die Angst vor der Aufstehnbewegung, sie scheint richtig zu sein.

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  3. Jo Bode schreibt:

    Ich sehe das doch etwas anders:
    Der Auftritt stellt z.B. die ziemlich perfektionierte Einheit von Form und Inhalt dar. Allein das ist schon bemerkens- und vielleicht auch schon bewundernswert, selbst wenn – oder auch: weil – dabei die herkömmlichen Vorstellungen von Kunst auf der Strecke bleiben.
    Irgendwie erinnert mich das an die Anfänge von Andy Warhol (Wikipedia: „Man begegnete diesen Bildern zunächst mit totalem Unverständnis…“).
    Über die Inhalte kann ich noch nichts sagen, weil mir die Zeit fehlt. Ich will das nachholen.

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    • Jo Bode schreibt:

      Gerade – zu Beginn meines Mittags-Nickerchens – fällt mir zum Rap, dem doch die meisten Altersgenossen ziemlich fremd gegenüber standen und noch stehen, ein wunderbares Alterswerk zu dieser Kunstgattung ein, meisterlich vorgeführt von Dieter Hildebrandt, den sicher die meisten von uns sehr vermissen:

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      • fidelpoludo schreibt:

        Eine der Spitzenverkörperungen kabarettistischer Vernunft in einem Satz oder im gleichen Atemzug mit einem sowohl inhalt- wie formlosen, bloß schlecht „gut gemeinten“ (himbeerwässrigen) Auftritt zu nennen oder in Zusammenhang zu bringen, zieht erstere so ungebührlich herunter wie es letztere ungebührlich aufwertet.

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        • Joachim Bode schreibt:

          Zu solchen oder auch nur ähnlichen Atemzügen („gleichen Atemzug“?) bin ich leider – oder Gottseidank – nicht fähig, zumal zwischen den Atemzügen meiner Beiträge immerhin ganze 15 Minuten lagen, und das unmittelbar vor meinem Mittags-Nickerchen, also fast schon in Abrahams Schoß…..

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    • fidelpoludo schreibt:

      Die Wikipedia als glaubwürdigen Zeugen oder gerichtlichen Sachverständigen in den Zeugstand zu rufen, wenn es sich nicht um naturwissenschaftliche Themen handelt, ist nur für den Fall anzuraten, wenn das Urteil von interessierter Seite einem bereits gefällten Vorurteil entsprechend ausfallen soll.

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  4. kranich05 schreibt:

    Alte finden solchen Auftritt leicht zum Fremdschämen. Ich könnte das auch so empfinden, tu’s aber nicht. Dass die Künstlerin in ihrer Wurstpelle mit dem Reiz des Vulgären und Hässlichen hantiert, ist ja offensichtlich. Das ist nicht neu aber in unserer Zeit besonders angesagt. Gebildetere als ich sollen das kunsthistorisch einordnen.
    Ich bin gerne so „altmodisch“ ganz ohne derlei Kunst auskommen zu können.
    Ich finde es durchaus witzig und auch selbstironisch, wie sie sich als Perle herleitet. Oder wenn sie (sinngemäß) sagt: „Von morgens bis abends Gauland, ich bin selbst fast schon Gauland.“ Als guter Witz gemeint; trifft aber auf sie wohl viel wörtlicher zu als sie ahnt.
    Ihr AfD-Aufschrei ist aber keineswegs als Witz gemeint. Und darin erkenne ich auch keine künstlerische Form. Das ist eine unverhüllte Bürgerkriegsfanfare! Aber kein platter Naziaufschrei! Viel raffinierter, weil aus einem sozusagen künstlerischen Geschehen heraus entwickelt:
    Die vorhergehende Passage erklärt das: „Genug ist genug!“ am Beispiel des unfolgsamen Kindes. (Alle gestressten Alleinerziehenden (und nicht nur diese) fühlen sich tausendprozentig angesprochen, nach dem Motto: „Ich könnte das Balg aus dem Fenster werfen.“)
    Die „Künstlerin“ verbildlicht diesen Konflikt mit: „Ich breche Dir die Arme, die Beine, den Kiefer.“
    Mich hat bereits dieses suggestive Bild, diese Wortwahl schockiert. Ich habe noch niemals über ein Kind so gedacht oder eine Situation mit einem Kind erlebt, in der ich so empfunden hätte. (An dieser Stelle teilt Mrs. Tapir meine Meinung nicht und hält so eine Anmutung der Mutter für nachvollziehbar. Möglich also, dass ich hier besonders zart besaitet bin und deshalb die Äußerung der „Künstlerin“ zu schwer nehme. Doch das ist ein Nebenproblem.)
    Gravierend finde ich dass das Bild des Knochenbrechens unmittelbar zu dem Hetzausruf, der die AfD betrifft, hinleitet. Das suggestive Bild des Kochenbrechens wirkt noch im Kopf des Betrachters, wenn gleich darauf die Menschenjagdaufforderung darüber gelegt wird. Da sind kunsthandwerkliche Mittel so eingesetzt, dass Goebbels erblassen muss.
    Das ist grässlich.

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    • fidelpoludo schreibt:

      Lieber Kranich,
      Deine „werkimmamente“ Ausdeutung, der ich als Methode eigentlich unter vorsichtiger Einbeziehung des Kontextes – wenn er nicht einfach plump herangetragen, sondern sein Recht aus „Signalen“ des Textes bezieht – fast immer den Vorzug gebe, finde ich sehr gelungen. Den Zusammenhang zwischen der Kindesmißhandlung und der AfD-Verteufelung hatte ich auch kurz auf dem Bildschirm gehabt, habe ihn dann jedoch links liegen gelassen, um mich noch einmal der Rahmenveranstaltung zu widmen und ihren Parallelen in den USA. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Mrs.Tapir die schockierende Wortwahl „Ich breche Dir die Arme, die Beine, den Kiefer“ verständlich findet, wohl aber dass einem (einer), auch von hinzukommenden Problemen schon überfordert, mal die Hand ausrutscht oder jemand die Geduld verliert. Als Vorsatz und Drohung formuliert, dem dann auch die entsprechende Handlung folgt, wäre das nur in besonders extremen Ausnahmefällen vorstellbar. Meist erschrickt man bei solchen schockierenden Worten doch noch rechtzeitig vor sich selbst.

      Dieses „Vor-sich-selbst-Erschrecken“ scheint die „Künstlerin“ gerade nicht zu verspüren, sondern eher unbedingt vermeiden, gar nicht erst aufkommen lassen zu wollen. Das hebst Du völlig zutreffend als „gravierend“ hervor: „das Bild des Knochenbrechens“ leitet „unmittelbar zu dem Hetzausruf, der die AfD betrifft,“ hin. „Das suggestive Bild des Kochenbrechens wirkt noch im Kopf des Betrachters, wenn gleich darauf die Menschenjagdaufforderung darüber gelegt wird.“ Sie verleugnet ihre Schuld, sich den Gauland („von morgens bis abends Gauland“) angesehen, sich mit ihm exzessiv über die maßen beschäftigt, ihn sich zurechtgelegt und ihn so verteufelt und erfolgreich dämonisiert zu haben, das das Recht auf ihn einzuschlagen von niemandem mehr in Zweifel gezogen werden kann – wie wir es aus der Mainstreampresse etwa bei Saddam Hussein, Ghadaffi, Arafat oder Baschar-al-Assad und Putin erlebt haben und erleben. Deren böse Bilder werden und wurden uns auch bis zum Vergasen um die Ohren gehauen, bis wir einsahen – oder einsehen werden: „Genug ist genug!“ Wir brechen ihm nicht nur Arme, Beine und Kiefer, sondern „wir kommen, wir sehen und er stirbt“ – und „es ist die Sache wert“. Wir befreien das Land und bringen Demokratie und Menschenrechte und Wohlstand – und das alles mit dem Anspruch grenzenloser Solidarität.

      Kunst und Hetze? Hetzerische „Kunst“? Künstliche Hetze? Kunst als Hetze? Mir dreht sich der Magen um. Kunst, die in Hetze mündet, ist für mich keine Kunst mehr, sondern Ideologie. Ebensowenig wie Hetze, die sich künstlerischer Mittel zu ihrer Hervorbringung und Propagierung bedient, sie instrumentalisiert, noch mit Kunst noch etwas zu tun hat.

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      • fidelpoludo schreibt:

        Die von Lutz aufgeworfene Frage „Ist das Kunst oder kann das weg?“ ist für mich eindeutig zu beantworten. Als ideologisches (vielleicht noch nicht einmal so seltenes) Phänomen würde ich „es“ allerdings nicht missen wollen. Es läßt sich etwas draus lernen.

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  5. Lutz Lippke schreibt:

    Kanal Sprak als Kunstform ist auch nicht mehr so lustig und innovativ. Mir ist die „Bürgerkriegsansage“ zwar auch aufgestoßen. Andererseits kenne ich Gebrüll von allen Seiten. Das „intellektuelle Mittelschichtsgebrüll“ ist nicht prollig laut, aber schafft Fakten. Zum Beispiel, wer wohin migriert, abgeschoben wird oder auf die Menge losgelassen wird.
    Um eine Idee dafür zu bekommen, ob der Auftritt für #unteilbar typisch oder doch peinliche Entgleisung war, hätte ich hingehen müssen oder irgendwelche Rezeptionen konsumieren. Nun ist die „Perle“ nicht Gauland, so dass ich das fehlende Interesse der Öffentlichkeit bzw. der Medien nicht skandalös finde. Eine politische Aufwertung wäre auch verfehlt. Die Frage: „Ist das Kunst oder kann das weg?“ – tolerant und ohne jeden Eifer gestellt, ist das Einzige, was mir dazu einfällt.

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  6. fidelpoludo schreibt:

    „In Hochform“ ist „Unteilbar“ sicherlich noch nicht. Der Umzug von Budapest nach Berlin dürfte noch nicht ganz in trockenen Tüchern sein. Der Berlin-Event war erst ein Vorgeschmack des noch Kommenden. Gerade die überreichliche Ansammlungen von einschlägigen Erfahrungen im Teilen und Trennen und Anfachen offener oder latenter Unzufriedenheiten haben zur Grundlage die minitiöse Analyse der kulturellen und sozialen Besonderheiten des zu bearbeitenden Landes.

    Meldung des „Tagesspiegel“ vom 29.05.2018:
    Die OFS scheint in Berlin mit „Unheilbar-Trennend“ den künftigen Trend schon zu setzen und im Griff zu haben:

    „OSF plant Umzug nach Berlin. Senatorin Pop freut sich auf US-Milliardär Soros“
    „Berlin sei ein „idealer Ort“ für die Zukunft der Stiftung, so Wirtschaftssenatorin Ramona Pop. Grund für den Umzug ist die repressive Politik Viktor Orbáns. (…)
    Die Open Society Foundations unterstützen Demokratisierungsprozesse und zivilgesellschaftliche Bewegungen weltweit, in Ländern von Nigeria bis zur Ukraine.“

    Die Nachricht ist gerade mal gute vier Monate alt.
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/osf-plant-umzug-nach-berlin-senatorin-pop-freut-sich-auf-us-milliardaer-soros/22619294.html

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  7. fidelpoludo schreibt:

    A propos Soros: Ihm wurde das Privileg gestattet, als erster ein „Bombenpaket“ (ohne funktionierenden Sprengsatz) frei Haus geliefert zu bekommen. Wie Killary und Bill Clinton und der frühere CIA-Direktor John Brennan und Obama und Robert de Niro steht selbstverständlich auch er vom frühen Morgen an erwartungsvoll hinter der Gardine, um den Postboten abzufangen und „Surprise-Surprise-Pakete“ höchst persönlich und eigenhändig in Empfang zu nehmen.
    Aber keine Sorge, das FBI wird uns jemanden zu präsentieren wissen, dessen psychiatrische Untersuchung keinen Zweifel daran läßt, dass er durch Trumps „Hate-Speech“ sich aufgefordert fühlte, seinem Helden Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Dem Patsy drohte ein Prisonaufenthalt ohne Trial. Jetzt erwirbt er sich wenigstens eine Gerichtsverhandlung, mit einem Anwalt, der ihm aus dem Gröbsten eaushilft.
    Vielleicht läßt sich im Falle Jamal Khashoggi ein Narrativ einrichten, nachdem der russische oder wahlweise der iranische oder syrische Geheimdienst mit round about 20 finsteren Gestalten unbemerkt und bei Nacht und Nebel in die saudi-arabische Botschaft sich Zugang verschafft haben und ihre Hände ins Spiel gebracht haben. Ein Rest von Nowitschok wird sich doch noch finden, auftragen und nachweisen lassen.

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